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20 Buntstifte im Test

ÖKO-TEST Oktober 2011
vom 30.09.2011

Buntstifte

Mal seh'n

Buntstifte sind ein beliebtes Kinderspielzeug und als Arbeitsmittel in der Schule nicht wegzudenken. Umso schlimmer ist es, dass viele Testprodukte bedenkliche Schadstoffe enthalten. Nur wenige Marken konnten überzeugen.

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30.09.2011 | Lena lutscht bedächtig an ihrem Buntstift, bevor sie eine große, gelbe Sonne zu malen beginnt. Die Geste hat sich die Siebenjährige bei ihrem Vater abgeschaut. Dessen Stift wandert auch regelmäßig zum Mund, wenn er konzentriert nachdenkt.

Dass Buntstifte in den Mund genommen werden, ist vorhersehbar. Das räumt auch der Gesetzgeber ein. Umso wichtiger ist es, dass die Produkte frei sind von schädlichen Inhaltsstoffen. Aus Tests, in denen wir Wachsmaler und Filzstifte untersucht haben, wissen wir allerdings: Vor allem die Farbpigmente können es in sich haben. Sie können etwa krebserzeugende Farbbestandteile wie aromatische Amine abspalten und/oder den krebsverdächtigen Farbbaustein Anilin enthalten.

Weil die Buntstifte nicht nur vorhersehbar im Mund landen, sondern während des Malens über einen längeren Zeitraum auch direkten Hautkontakt haben, testen wir sie nach einer Methode, wie sie der Gesetzgeber für Textilien vorschreibt. Der Unterschied zu der Untersuchung, wie sie die europäische Norm für Spielzeug (EN 71) vorsieht, liegt darin, dass den Farbpigmenten nicht nur Wasser, sondern auch ein Reduktionsmittel zugesetzt wird. Damit soll der biologische Vorgang simuliert werden, der im Körper und auf der Haut stattfindet. Denn unter anderem die Bakterien auf der Haut können dazu führen, dass aromatische Amine aus den Farbstoffen abgespalten werden.

Buntstifte landen hin und wieder auch im Mund

Der Gesetzgeber sieht so strenge Kriterien für Buntstifte bislang nicht vor. Wegen laschen Methoden, zu hohen Grenzwerten und zahlreichen Ausnahmeregelungen steht die europäische Spielzeugrichtlinie aber immer wieder bei Experten und Verbraucherschützern in der Kritik. Nachbesserungsbedarf gibt es insbesondere bei den Regelungen der chemischen Anforderungen für Spielzeug, die in zwei Jahren in Kraft treten sollen. Unter anderem kritisiert das Bundesinstitut für Risikobewertung, dass das Verwendungsverbot von sogenannten CMR-Stoffen, die als krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend eingestuft werden, durch zulässige Maximalgehalte indirekt aufgehoben wird.

Dabei sollte es doch allen voran den Herstellern ein Anliegen sein, schadstofffreie Produkte für Kinder auf den Markt zu bringen. Um zu sehen, wie es um die Qualität der Buntstifte bestellt ist, haben wir 20 verschiedene Produkte eingekauft und im Labor einer umfassenden Prüfung auf Schadstoffe unterzogen.

Das Testergebnis

Die Qualität der Buntstifte ist grauenhaft. Die Hälfte der getesteten Produkte, darunter auch Farbstifte von Markenherstellern wie Faber-Castell, Staedtler und Stabilo, fällt mit "ungenügend" durch. Bic Kids Ecolutions Evolution Triangle ist als einziges Produkt frei von bedenklichen und umstrittenen Inhaltsstoffen und damit "sehr gut". Die 8 Farb Mammut Super Dicke Buntstifte von Ökonorm aus dem Naturwarenladen schneiden mit "gut" ab. Sieben weitere Produkte sind immerhin "befriedigend", darunter auch Buntstifte, deren Minen mit Pigmenten aus Pfla

ÖKO-TEST Oktober 2011

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So haben wir getestet
Der Einkauf
Wir haben 20 Packungen Buntstifte im Schreibwaren- und Bürohandel, bei Spielzeuganbietern, in Kaufhäusern und Naturwarenläden eingekauft. Wenn erhältlich, wählten wir dreikantige Stifte mit dicker Mine, die Grundschulen als Arbeitsmittel für Abc-Schützen empfehlen. Der Preis pro Packung variiert zwischen 1,29 und 17,75 Euro.

Die Inhaltsstoffe
Weil Lacken oft Weichmacher zugesetzt werden, haben wir die Lackschicht der Buntstifte auf verbotene Phthalate und sonstige Weichmacher testen lassen. Auch ließen wir den Lack des grünen Stifts und die gelben, roten, grünen, blauen und schwarzen Minen auf aromatische Amine und den krebsverdächtigen Farbbaustein Anilin prüfen. Die schwarze Mine wurde zudem auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) untersucht. Außerdem wollten wir wissen, ob die Stifte halogenorganische Verbindungen enthalten, die sich aus den Farben lösen können.

Die Bewertung
Weil Kinder Buntstifte oft stundenlang in den Händen halten und immer wieder an ihnen lutschen und kauen, sollten die Produkte schadstofffrei sein. Daher werten wir hohe Mengen des Phthalates DiBP, das toxikologisch wie das in Spielzeug verbotene DBP zu bewerten ist, um fünf Noten ab. Streng sind wir auch bei hohen PAK-Gehalten, aromatischen Aminen und Anilin, auch wenn Letzteres gesetzlich noch nicht reglementiert ist.

So haben wir getestet

Ein Gramm zerkleinerte Mine wird für die Prüfung auf Azo-Farbstoffe abgewogen.