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20 Orangensäfte im Test

ÖKO-TEST April 2018
vom 29.03.2018

Orangensaft

Innen hui, Aussen pfui

Für viele gehört das Glas Orangensaft zum Frühstück einfach dazu. Wir haben 20 Produkte in die Labore geschickt, Inhaltsstoffe und Geschmack prüfen lassen und die Verpackungen beurteilt.

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29.03.2018 | Unter den Fruchtsäften rangiert Orangensaft ganz vorn in der Gunst der Verbraucher. Die Deutschen trinken ihn genauso gern wie Apfelsaft. 2017 flossen durchschnittlich 7,5 Liter durch die Kehlen der Verbraucher, so die Statistik des Verbandes der Deutschen Fruchtsaft-Industrie. Das entspricht ungefähr einem Drittel des Konsums an Fruchtsaft insgesamt. Aber zunächst: Um was für ein Getränk handelt es sich?

Wie viel Frucht steckt in Orangensaft?

Das ist eine Frage, die noch immer zu Missverständnissen führt. Dabei ist die Sachlage klar: Orangensaft enthält per Definition - wie alle anderen Getränke auch, die sich Fruchtsaft nennen - 100 Prozent Frucht. "Und sonst gar nichts" kann man allerdings auch nicht sagen. Denn so darf beispielsweise das Antioxidationsmittel Ascorbinsäure zugegeben werden. Zusätzliche Zuckergaben sind in Fruchtsäften hingegen tabu. Anders Orangennektar. Der besteht laut Fruchtsaftverordnung nur zur Hälfte aus Orangensaft, der Rest sind Wasser und Zucker. Orangenfruchtsaftgetränke enthalten sogar vor allem Wasser, Zucker und Aromen, während der Fruchtanteil nur noch mindestens sechs Prozent beträgt. Die Getränkeart muss auf dem Etikett deutlich erkennbar sein.

Woher kommen die Orangen?

Der weitaus größte Teil des hierzulande angebotenen konventionellen Orangensaftes stammt aus Brasilien. Mexiko ist demgegenüber der weltweit größte Produzent von Bio-Orangensaft, nachdem der größte Bio-Lieferant aus Brasilien seine Zertifizierung aufgrund von Verstößen gegen das Pestizidverbot verloren hatte. Kleinere Bio-Anteile kommen auch aus Spanien und Ägypten, dann als Direktsaft.

Wie wird der Saft hergestellt?

Man unterscheidet zwei Verfahren: die direkte Pressung und die Wiederherstellung des Saftes aus Orangensaftkonzentrat. Das Auspressen der Früchte erfolgt im Anbauland in größtenteils vollautomatisierten Saftfabriken. Dort transportieren Förderbänder die vorsortierten und gereinigten Orangen zu den Pressmaschinen, wo metallene Stempel die Früchte von unten aufspießen und quasi aussaugen. Zurück bleiben die leeren Schalen. Der Saft fließt in große Tanks, eventuell unter Abtrennung des Fruchtfleisches, und wird zum Haltbarmachen kurzzeitig erhitzt (pasteurisiert). Direktsaft geht per Schiff gefroren oder auf null Grad heruntergekühlt auf die Reise nach Europa. Ist die Verarbeitung zu Konzentrat vorgesehen, wird der Saft im Vakuum auf 60 bis 70 Grad erhitzt und auf das Fünf- bis Sechsfache seines Volumens eingedampft. Dabei entweichen die flüchtigen Aromen. Sogenannte Aromenkolonnen fangen sie auf und führen sie einer separaten Lagerung zu. Anschließend gehen beide Komponenten ebenfalls gekühlt auf die Reise nach Europa. Abfüllbetriebe bereiten das Konzentrat dann mit Trinkwasser und den mitgelieferten Aromen wieder zu Saft auf und füllen ihn nach einer weiteren Pasteurisierung ab. Auch Direktsaft wird in den Betrieben erneut kurz erhitzt und dann endgültig verpackt.

Ist Direktsaft besser als Saft aus Konzentrat?

Nicht unbedingt. Fakt ist, dass immer mehr Verbraucher Direktsäfte kaufen, weil sie hochwertiger erscheinen. Teurer sind sie in der Regel allemal. Und was ist mit der Öko-Bilanz? Umfassende Studien, die den CO2-Fußabdruck der beiden unterschiedlichen Produktionsketten messen, liegen nicht vor. Es ist aber davon auszugehen, dass die Herstellung von Direktsaft etwas stärker zulasten von CO2 geht als die von Saft aus Konzentrat.

Wie gesund ist Orangensaft?

Früher galt Orangensaft als Vitamin-C-Quelle schlechthin, heute steht der Zucker im Fokus. Einer Untersuchung des Marktforschungsunternehmens Mintel zufolge schränken vor allem jüngere Verbraucher den Saftkonsum wegen des "versteckten" Zuckers ein. Ganz von der Hand zu weisen ist das nicht, denn Orangensaft enthält rund 90 Gramm fruchteigenen Zucker je Liter und reicht damit fast an Coca-Cola heran. Ernährungsexperten raten trotzdem nicht ab, da Saft mehr liefert als nur leere Zuckerkalorien. Orangensaft ist reich an Vitamin C, Folsäure und Kalium. Wir haben 20 Orangensäfte im Labor untersuchen lassen.

Das Testergebnis

Bio und fair vorn. Dreimal "gut" heißt es für zwei Bio- und einen Fairtrade-Orangensaft. Unter den konventionellen Produkten schneiden sieben mit "mangelhaft" oder "ungenügend" ab.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Im Test: 20 einfache Orangensäfte ohne Fruchtfleisch, überwiegend eingekauft in Supermärkten, Discountern und Bio-Läden. Gab es in den Läden oder von den Marken mehrere Varianten, wählten wir in der Regel die jeweils preisgünstigste aus.

Inhaltsstoffe und Sensorik
Das Aroma in Orangensaft aus Konzentrat muss in seiner Zusammensetzung dem eines durchschnittlichen Orangensaftes entsprechen. Ob dies erfüllt ist, ließen wir per Aromenanalyse überprüfen. Außerdem im Fokus der Laboruntersuchungen: Rückstände von Pestiziden und der Vitamin-C-Gehalt. Das Aussehen, den Geruch und den Geschmack ließen wir von fünf geschulten Prüfern beurteilen.

Label
Wie steht es um die Arbeitsbedingungen der Erntearbeiter? Wie um die Entlohnung? Werden hochgiftige Pestizide gespritzt? Das sind weitere Fragen, die Verbraucher interessieren. Eine Orientierung beim Einkauf geben die Label bekannter Organisationen, wie Fairtrade oder Rainforest Alliance. Wir schauten danach auf den Produkten.

Die Weiteren Mängel
Stecken die Säfte in Einwegflaschen? Sind die Angaben auf den Verpackungen in Ordnung?

Die Bewertung
Zunächst lag der Fokus auf den Inhaltsstoffen (50 Prozent) und der Sensorik (50 Prozent). Produkte, auf denen sich kein Logo befindet, das für eine verantwortungsvollere Produktion steht, können bestenfalls mit "befriedigend" abschneiden.

So haben wir getestet

Ohne Zuckerzusatz laut Gesetz: für uns eine Werbung mit Selbstverständlichkeiten.