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ÖKO-TEST Dezember 2015
vom

Glühwein

Viel Glögg

Wenn schon Glühwein, dann soll es auch ein guter sein. Wir können allerdings nur knapp die Hälfte der getesteten 20 Produkte empfehlen. Drei konventionelle und ein Bio-Glühwein fallen mit mangelhaften und ungenügenden Noten durch.

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27.11.2015 | Endlich ist es wieder soweit: Die Temperaturen rutschen in den Keller und in den Läden locken Lebkuchen, Christstollen und Zimtsterne. Was jetzt zum vorweihnachtlichen Glück noch fehlt, ist Glühwein. Egal, ob dampfend aus der Tasse am Glühweinstand getrunken oder beim Spieleabend mit Freunden: Das leckere Gebräu wärmt und duftet schön nach Zimt, Nelken und allerlei anderen winterlichen Gewürzen.

Woher der adventliche Stimmungsmacher eigentlich stammt, weiß Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut in Mainz. Der Anfang soll Überlieferungen zufolge auf ein Rezept des altrömischen Kochs Apicius zurückgehen. Danach bereiteten die Römer Wein mit Zimt, Lorbeer, Sternanis, Koriander, Thymian und Honig zu. "Vermutlich aber weniger wegen des guten Geschmacks", sagt Büscher, "als vielmehr, um den Wein haltbarer zu machen." Auch wurde der Wein damals eher noch nicht heiß getrunken. Bis der Brauch allerdings nach Deutschland schwappte, habe es noch eine ganze Weile gedauert. Schließlich mussten Gewürze wie Zimt, Muskat und Nelken erst im Norden Europas verfügbar sein. Als es dann soweit war, waren sie zunächst sehr teuer, sodass sie den Adeligen und Königshäusern vorbehalten blieben.

Von Sachsen aus soll der Würzwein schließlich bis nach Schweden gelangt sein. Ausschlaggebend dafür sei die Heirat des schwedischen Königs Gustav Vasa (1495 bis 1560) mit Katharina von Sachsen-Lauenburg gewesen, erzählt Ernst Büscher. Die brachte die Rezeptur aus ihrer Heimat mit und der König fand Gefallen daran - wahrscheinlich so sehr, dass die Schweden ihren Glühwein noch heute lieben. Sie nennen ihn Glögg und trinken ihn rund um das Weihnachtsfest. Schwedischer Glögg ist meist angenehm gewürzt und wird traditionell mit Mandeln und Rosinen serviert. Die Skandinavier mögen den Glögg gern auch etwas hochprozentiger und geben Wodka oder Korn dazu.

Die Tradition des Glühweintrinkens, wie wir sie kennen, verortet Weinexperte Büscher aber eindeutig in Deutschland. "Glühwein wird vor allem auf Weihnachtsmärkten getrunken und diese sind eben auch ein typisch deutsches Kulturgut." Allerdings habe Glühwein hierzulande kein gutes Image. Er gelte vielfach als billiges Massenprodukt und mutmaßlicher Auslöser für den Kater am nächsten Tag.

Umso positiver wertet Büscher den Trend zu hochwertigeren Glühweinen. So produzieren einer aktuellen Umfrage des Weininstituts zufolge immer mehr deutsche Winzer Glühwein auf der Basis ihrer eigenen Weine. Rote Rebsorten dominierten dabei, aber auch weiße Weine würden verarbeitet. Auf die Frage, was Winzerglühwein von Massenware unterscheidet, betont der Experte vor allem die bessere Qualität der Grundweine und den Einsatz hochwertiger, natürlicher Zutaten. "Einige Winzer setzen die Weine sogar mit echten Gewürzen an." Wichtig sei darüber hinaus die Herkunft. Verbraucher würden zunehmend regionale Produkte schätzen. Glühwein von deutschen Weingütern sei daher en vogue - nicht nur auf Weihnachtsmärkten. Selbst Discounter hätten Interesse angemeldet und würden größere Mengen fertig produzierter Winzerglühweine in die Regale stellen.

Wir haben 20 Glühweine, darunter auch mehrere Winzerglühweine, eingekauft und in die Labore geschickt. Auf dem Programm standen nicht nur Überprüfungen grundlegender Kriterien, sondern auch Schadstoff- und Aromastoffanalysen. Selbstverständlich ließen wir die Glühweine auch verkosten.

Das Testergebnis

Katerstimmung. Nur zwei konventionelle Produkte schaffen den Sprung auf den 1. Rang. Weitere sieben Glühweine fallen immerhin "gut" aus. Enttäuschend auf der ganzen Linie ist das Abschneiden eines Bio-Glühweins. Er hätte aufgrund einer Überschreitung des gesetzlichen Grenzwertes für Kupfer gar nicht verkauft werden dürfen.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Im Warenkorb landeten 20 Glühweine, vier davon stammen aus kontrolliert ökologischer Erzeugung. Auch einige Winzerglühweine wurden in den Test einbezogen. Weil wir aufgrund der Vorlaufzeiten durch die Laboruntersuchungen bereits im September einkaufen mussten, fehlen einige Marken, die noch nicht erhältlich waren.

Die Sensorik
Die Glühweine wurden von fünf geschulten Prüfern verdeckt verkostet. Wesentlich war dabei, festzustellen, ob Geruch und Geschmack produkttypisch ausfielen und ob sich Fehlnoten zeigten. Die Prüfung erfolgte im Konsensverfahren, das heißt, es gingen nur die Ergebnisse in die Beurteilung ein, die einstimmig festgestellt wurden.

Die Inhaltsstoffe
Im Rahmen grundlegender Untersuchungen wurden die Gehalte an Alkohol, Zucker, Sulfit und Histamin geprüft. Weitere Analysen betrafen Pestizide, Schwermetalle und das Schimmelpilzgift Ochratoxin A. Um Aufschluss über die Qualität der eingesetzten Gewürze zu erhalten, wurden aufwendige Aromastoffanalysen durchgeführt. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Hersteller auf ihren Produkten gern mit dem Einsatz traditioneller Gewürzmischungen werben, was den Anschein erweckt, die Glühweine seien quasi hausgemacht. Auch die Cumaringehalte wurden überprüft. Cumarin ist ein Aromastoff aus dem Zimt, der in hohen Mengen lebertoxisch wirkt.

Die Bewertung
Das Gesamturteil steht und fällt mit den sensorischen Ergebnissen. Rund die Hälfte der Glühweine zeigt hier mehr oder weniger deutliche Auffälligkeiten. Zur Abwertung führen auch Deklarationsmängel sowie der überflüssige Konservierungsstoff Sorbinsäure. Wird ein gesetzlicher Grenzwert überschritten, wie beim Voelkel Spanischer Glühwein, ist selbstverständlich ein "ungenügend" fällig.

So haben wir getestet

Ist drin was draufsteht, oder setzen die Hersteller industriell hergestellte Aromen ein?