1. Home
  2. Tests

19 Grillkohlen und Grillbriketts im Test

Glühxgefühle

ÖKO-TEST Juni 2009 | Kategorie: Essen und Trinken | 29.05.2009

19 Grillkohlen und Grillbriketts im Test

Das weiß jeder Grillmeister: Grillkohle ist nicht gleich Grillkohle. Stimmt! Nicht alle Testprodukte hatten so viel auf der Pfanne, dass Steak und Würstchen locker gelangen.

Lauer Sommerabend, Rauch und Fleischgeruch in der Luft. Wenn es ein spezielles Neidzentrum im menschlichen Gehirn gibt: Die Gerüche vom Kohlegrill kennen den Weg dorthin. Dass Gas- und Elektrogrillgeräte besser für die Gesundheit sein sollen, ist vielen beim Gedanken an diesen Geruch nach Sommer und Freizeit herzlich egal. Nach Schätzungen werden in Deutschland jedes Jahr gut 120.000 Tonnen Grillholzkohle und Grillholzkohlebriketts vergrillt. Hinzu kommen noch Briketts aus anderen Ausgangsmaterialien wie Braunkohle oder Kokosschalen.

Grillholzkohle besteht idealerweise aus hartem Laubholz ohne weitere Zusätze. Nadelholz gilt als anfällig für Funkenflug. Im Verkohlungsprozess werden dem Holz Feuchtigkeit und flüchtige organische Bestandteile weitgehend entzogen und so sein Potenzial, Wärmeenergie zu erzeugen, erhöht.

Die Holzkohle kommt vor allem aus Südamerika und Afrika und wird in Deutschland abgefüllt

Geerntet und verkohlt wird das Holz größtenteils in Südamerika und Afrika. In der Außenhandelsstatistik des Statistischen Bundesamtes für 2008 führt Paraguay die Liste der Länder an, aus denen Holzkohle nach Deutschland importiert wurde. In Europa ist Polen ein großer Lieferant. Anbieter der fertigen Produkte sind aber häufig deutsche Firmen, die die Kohlen und Briketts importieren. In Deutschland werden sie nur noch gesiebt und abgefüllt. Neben kleinen Köhlereien, die eher Museumscharakter haben, gibt es hier lediglich eine einzige Retorte, die im großen Stil Holzkohle produziert. Die Firma Pro Fagus stellt in Bodenfelde im Weserbergland nach eigenen Angaben jedes Jahr bis zu 30.000 Tonnen Grillkohle und Briketts aus Holzkohle her. Die hohen Produktionskosten in Deutschland könne man deshalb stemmen, weil auch alle möglichen Abfälle weiterverarbeitet werden: So findet der bei der Erhitzung ausgetretene Holzessig neue Verwendung als Essigsäure oder Raucharoma.

Pro Fagus wirbt mit "Resthölzern aus deutscher, unbehandelter Buche", auf den Verpackungen vieler anderer Produkte steht "kein Tropenholz". Umweltschützer wie WWF-Waldexperte Johannes Zahnen befürchten, dass die Käufer hier manchmal "verkohlt" werden. "Anders als bei Möbelholz habe ich bei den schwarzen Kohlestücken keine Chance, selbst zu gucken, welche Baumart hierfür gefällt wurde. Ohne einen Nachweis für nachhaltige Forstwirtschaft wie das FSC-Siegel steht der Käufer völlig im Dunkeln." Misstrauen sei angebracht, denn viele importierte Holzprodukte stammten nach wie vor aus illegalen Rodungen. Das Siegel des Forest Stewardship Council (FSC), das für strenge Standards und Kontrollen am Herkunftsort des Holzes steht, tragen erst wenige Grillprodukte.

Holzkohlebriketts werden - unromantisch formuliert - aus zusammengefegtem Staub zusammengepresst und geklebt. Als "Kleber" sind nur pflanzliche Mittel wie Stärke erlaubt. Seit einigen Jahren bekommen die Holzkohlebriketts verstärkte Konkurrenz durch Produkte auf Braunkohlebasis, die häufig weniger kosten. Das Grillen ist ein neues Einsatzgebiet für Braunkohlebriketts, seit es immer weniger Wohnungen mit Kohleöfen gibt. Briketts auf Basis von Braunkohle heißen häufig "Grillbrikett" anstatt Grillholzkohlebrikett und haben beim Grillen keine weiße, sondern eher eine bräunliche Asche.

Wer häufig mit wechselnden Materialien und/oder wechselnden Grillmeistern brutzelt, weiß, wie unterschiedlich ein Grillabend ablaufen kann: Genuss vor idyllischer Kulisse - oder erste Staubdusche beim Einfüllen des Brennmaterials bevor dann die komplette Runde am Tisch in beißenden Rauch eingehüllt wird, rußbedeckte Würstchen serviert werden, und die zweite Runde gar nix mehr wird. Dann wird unter allerlei Fachsimpelei Bier in die nachgeschütteten und noch nicht durchgeglühten Kohlen gekippt. Neuer Versuch, neuer Qualm...

Klar ist: Für Erfolg oder Misserfolg einer Grillparty sind mehrere Faktoren entscheidend: die Kohle, der Grillmeister - und das Wetter. ÖKO-TEST wollte wissen, mit welchem Grillmaterial die Chancen am besten stehen, und hat acht Marken Grillbriketts und elf Marken Grillkohle in die Labore geschickt.

Das Testergebnis

Wie entspannt das Grillen abläuft, hängt eindeutig auch davon ab, zu welchem Sack Grillkohle oder Briketts man gegriffen hat. Zwar sind alle Testprodukte weitgehend frei von ungesunden Zusätzen. Große Unterschiede gibt es allerdings darin, wie lange sich mit den Produkten grillen lässt, wie viel Abfall (Asche) übrig bleibt und wie verantwortungsvoll die Hersteller bei der Beschaffung des Holzes sind.

Nach 20 Minuten wird bei manchen Holzkohlemarken das Steak schon nicht mehr gar

Alte, womöglich lackierte Möbelreste werden offenbar nicht zu Grillkohle verarbeitet. In unseren Testprodukten wurden Schwermetalle jedenfalls nur in geringen Spuren nachgewiesen, wie sie natürlicherweise in unbehandeltem Holz vorkommen. In keinem Grillkohlebrikett waren verbotene Bindemittel wie Pech nachweisbar. In Briketts auf Braunkohlebasis fanden sich zwar bis zu 16-mal höhere Anteile von Schwefel als in Holzkohlebriketts. Die Gesamtdosen sind jedoch gesundheitlich immer noch unbedenklich: Gegrillt wird ja an der frischen Luft.

Alle Testkandidaten erfüllen ihren Zweck, Fleisch und Gemüse zu garen. Beim "Wie" und "Wie lange" muss der Grillmeister allerdings wissen, was er will: Grillkohle wird schneller heiß und hält dafür in der Regel kürzer; Briketts haben eine deutlich längere Vorglühphase und bleiben dafür insgesamt länger heiß. ÖKO-TEST hat deshalb nicht Äpfel mit Birnen verglichen, sondern Qualitätsunterschiede innerhalb der beiden Produktgruppen untersucht. Ergebnis: Mit allen Marken kann man grillen, aber bei einigen muss man eine halbe Stunde früher nachschütten.

Über der Der Sommer Hit Buchen Grill Holzkohle wurde ein Steak noch eine Dreiviertelstunde nach Ende der Vorglühphase gar. Bei der Unsere Beste! Grill Holzkohle und der Favorit Qualitäts Grill Holzkohle blieb das Fleischstück schon bei Auflegen nach 20 Minuten nach Ende der Vorglühphase roh. Natürlich bekommt man auch mit diesen Kohlen locker vorher einige Steaks gar. Doch für spätere Gänge muss recht schnell Nachschub her.

Die Tip Grill-Briketts garten im Praxistest sogar noch nach 60 Minuten ein Steak. Das gelang den Favorit Qualitäts Grill Briketts und den Kölle's Beste! Grill-Holzkohle Briketts schon nach 30 Minuten nicht mehr.

Nicht überall, wo "kein Tropenholz" auf der Verpackung steht, ist heimisches Holz drin

Die Laboranalyse ergab: Hinter der Aufschrift "Kein Tropenholz" steckt bei der Alsimac Superglut Grill-Holzkohle, der Golden Grill Grill-Holzkohle Premium Qualität und Der Sommer Hit Buchen Grill Holzkohle tatsächlich Buchenholz. Bei anderen Kandidaten dagegen stellte das Labor fest, dass Laubholz aus tropischem oder subtropischem Klima verwendet wurde - auch bei Produkten, die mit "kein Tropenholz" werben. Die Anbieter der Max Grill & Barbecue Premium Holzkohle und der K-Classic Grill-Holzkohle erklärten, in ihren Produkten würden neben heimischen ausschließlich Hölzer aus FSC-zertifizierten Quellen verwendet. Darüber konnten sie ÖKO-TEST Zertifikate vorlegen. Wenn die Anbieter von Holzkohle aus diesen Klimaten auf unsere Anfrage hin keine Nachweise darüber schicken konnten, dass sie aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt, haben wir dies unter "Weitere Mängel" abgewertet.

Einheimische Holzarten sind auch beim Grillen erste Wahl

In keiner untersuchten Grillkohle fand das Labor typische Stämme von hohen Bäumen des tropischen Regenwaldes. Doch auch in den Subtropen gibt es gefährdete Urwälder und Landschaften mit großem Artenreichtum. Das FSC-Siegel mit dem stilisierten Baum würde auch bei Produkten aus diesen Regionen garantieren, dass beim Abholzen ökologische und soziale Grundregeln eingehalten wurden. "Erste Wahl sollten bei allen Holzprodukten die einheimischen Holzarten sein", meint Corinna Hölzel, Expertin für Biodiversität bei Greenpeace. "Wenn die bei Grillkohle nicht verfügbar sind, sollte man unbedingt auf das FSC-Siegel achten." Allerdings: Beim Einkauf für unseren Test kurz vor Beginn der Grillsaison ist uns keine einzige Grillkohle mit Zertifikat untergekommen.

Unsere Frage nach der Herkunft des Holzes beantworteten einige Hersteller im Übrigen nur vage oder gar nicht. Das Holzkohlewerk Lüneburg, einer der drei größten Anbieter für Grillholzkohle auf dem deutschen Markt, teilte uns mit, dass die von uns getestete Kohle aus der Region Chaco in Argentinien stamme, und legte Transport- und Exporterlaubnisse von argentinischen Behörden vor. Die Kontrollen der Herkunft aus nachhaltiger und legaler Forstwirtschaft seien streng. Eine Anfrage von ÖKO-TEST bei Greenpeace Argentinien ergab jedoch: Es gelingt den Behörden in der Region Chaco derzeit wohl nicht, die Abholzungen effektiv zu kontrollieren. Viel des von dort verkauften Holzes stamme aus Kahlschlag mit Bulldozern, um landwirtschaftliche Flächen, etwa für den Anbau von Soja, anzulegen.

Auch unter den so genannten heimischen Hölzern sind aus Sicht des Umweltschutzes einige mit Vorsicht zu genießen: "Sibirische Lärche und Fichte können zum Beispiel aus russischen Urwäldern stammen", erklärt Corinna Hölzel. Bei anderen Arten, wie der für Grillkohle beliebten Buche oder bei Eiche, sei dagegen annähernd auszuschließen, dass sie aus Urwaldzerstörung kommen.

Schadstoffe vermeiden

Wer falsch grillt, riskiert, dass eine Menge Schadstoffe in Fleisch und Würstchen landen. So bilden sich krebserzeugende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), wenn Fett aus Fleisch, Fisch oder Marinade in die Glut oder auf die Heizstäbe des Elektrogrills tropfen, oder wenn die Kohle noch nicht richtig durchgeglüht ist und Flammen zum Fleisch hochschlagen. Im Fleisch selbst bilden sich weitere krebsverdächtige Stoffe wie heterozyklische aromatische Amine, wenn zu lange bei großer Hitze gegrillt wird. Einige einfache Maßnahmen helfen, diesen hausgemachten Giftcocktail zu umgehen:

Das Grillgut nicht direkt auf dem Rost grillen, sondern in Grillschalen aus Aluminium oder mehrfach verwendbaren aus feuerfesten Materialien wie emailliertem Stahlblech.

Einen Grill wählen, bei dem die Kohle das Grillgut von den Seiten her anstatt von unten gart (Vertikalgrill).

Beim "indirekten Grillen" im Kugelgrill schichtet man die Kohle an den Seiten auf und stellt in die Mitte unter das Grillgut eine Abtropfschale.

Fleisch und Fisch nur leicht braun und niemals schwarz werden lassen.

Test kostenlos abrufen (PDF)

Bitte beachten Sie: das Speichern und Betrachten von PDF-Dateien auf mobilen Geräten erfordert möglicherweise zuvor die Installation einer App oder die Änderung von Einstellungen.

Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Alsimac Superglut Grill-Holzkohle
Alsimac Superglut Grill-Holzkohle
Alsimac
sehr gut
Aro Grill Briketts
Aro Grill Briketts
Goldhand
sehr gut
Der Sommer Hit Buchen Grill Holzkohle
Der Sommer Hit Buchen Grill Holzkohle
Pro Fagus
sehr gut
Golden Grill Grill-Holzkohle Premium-Quality
Golden Grill Grill-Holzkohle Premium-Quality
Dehages
sehr gut
Grill Country Grill Holzkohle
Grill Country Grill Holzkohle
Grill Country
sehr gut
Grillis Grill-Holzkohlebriketts
Grillis Grill-Holzkohlebriketts
Pro Fagus
sehr gut
Maître Grill Grill-Briketts
Maître Grill Grill-Briketts
Kohlen-Union
sehr gut
Tip Grill Briketts
Tip Grill Briketts
Real/Extra
sehr gut
Grill Profi Grillbrikett
Grill Profi Grillbrikett
Rheinbraun Brennstoff
gut
Kölle's Beste! Grill-Holzkohle Brikett
Kölle's Beste! Grill-Holzkohle Brikett
Pflanzen-Kölle
gut
Max Grill & Barbecue Premium Holzkohle
Max Grill & Barbecue Premium Holzkohle
Kohlen-Union
gut
Weber Grill Briquettes Premium
Weber Grill Briquettes Premium
Weber
gut
Favorit Qualitäts-Grill Holzkohle
Favorit Qualitäts-Grill Holzkohle
Alschu
befriedigend
Grill Qualitäts-Holzkohle
Grill Qualitäts-Holzkohle
Netto Marken-Discount
befriedigend
K-Classic Grill-Holzkohle
K-Classic Grill-Holzkohle
Kaufland
befriedigend
Favorit Qualitäts Grill Briketts
Favorit Qualitäts Grill Briketts
Alschu
ausreichend
Grill Profi Holzkohle
Grill Profi Holzkohle
Rheinbraun Brennstoff
ausreichend
Unsere Beste! Grill Holz Kohle
Unsere Beste! Grill Holz Kohle
Holzkohlewerk Lüneburg
ausreichend
Grill-Holzkohle
Grill-Holzkohle
Dehages
mangelhaft

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Insgesamt 19 Marken Grillkohle und Grillbriketts wurden im März 2009 ganz aktuell in Baumärkten und Supermärkten eingekauft.

Die Zusammensetzung

Form, Substanz und Inhalt der Prüflinge haben wir in Anlehnung an die Norm für Grillholzkohle und Grillholzkohlebriketts DIN EN 1860-2 untersuchen lassen: So konnte ausgeschlossen werden, dass Fremdkörper wie Steine, Kunststoffe und Drähte zwischen den Kohlen stecken oder Pech in den Briketts. Über die Norm hinaus ließen wir noch nach weiteren giftigen Stoffen, etwa nach Schwermetallen, fahnden.

Der Grilltest

Im Grilltest mussten die Produkte zeigen, was sie auf der Pfanne haben. Gegrillt wurden Schweinenackensteaks und Würstchen. Dabei nahmen die Tester die Zeit, in der es nach der Vorglühphase noch möglich war, Wurst und Steak gar zu grillen. Die Messwerte in der Tabelle gelten natürlich nicht für jeden Grill, bei jedem Wetter oder bei einer anderen Gesamtmenge Brennmaterial: Aber man sieht, welche Kohlen und Briketts unter gleichen Bedingungen ruhiger und länger glühen als andere. Untersucht wurde zudem das Brennverhalten und die Handhabung, wobei die Tester insbesondere auf Funkenflug, Staub und Qualm achteten.

Die Bestimmung der Holzarten

Von den Strukturen des frischen Holzes bleibt in Holzkohle viel erhalten. Bei einigen Marken konnten die Experten vom Fraunhofer-Institut für Holzforschung Wilhelm-Klauditz-Institut (WKI) schon mit bloßen Augen heimische Holzarten erkennen. Unter dem Mikroskop wurden kleinste Merkmale wie die Anordnung und Größe der Poren begutachtet. Bei den tropischen oder subtropischen Ursprungsgehölzen handelte es sich um Äste oder Stämme von Büschen. Wegen ihrer Zusammensetzung ist diese Bestimmung bei Briketts nicht möglich.

Die Bewertung

Es zeigte sich, dass die Zusammensetzung der Grillkohle oder des Briketts darüber bestimmt, wie lange gegrillt werden kann. Deshalb gehen diese Ergebnisse zu 60 Prozent in das Gesamturteil ein, die Ergebnisse aus dem praktischen Grilltest zu 40 Prozent. Schlechte Noten unter Weitere Mängel gab es etwa für die Grill-Holzkohle von Dehages, weil der Anbieter auf der Verpackung nicht genannt wird, und für die Weber Grill Briquettes Premium, wo die Adresse fehlt.