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12 Frischnudeln im Test

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ÖKO-TEST Oktober 2010 | Kategorie: Essen und Trinken | 24.09.2010

12 Frischnudeln im Test

Pasta aus dem Kühlregal gibt es in allerlei Varianten. Die Mehrzahl der Testprodukte war aber nur mittelprächtig - vor allem deshalb, weil die Hersteller fehlenden Geschmack durch Aromen "ausgleichen".

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Deutschland macht Platz im Kühlschrank, hieß es vor zehn Jahren in einem Werbespot der Firma Hilcona. Denn in der Küche sollte Platz sein für Neues: Nudelfertiggerichte, die so frisch sind, dass sie gekühlt werden müssen. Weg von zweifelhaften Dosenravioli und trockenen Tütentortellini, hin zu Pasta, die (fast) so frisch ist wie hausgemacht.

Die Aufforderung ist angekommen. Etwa ein Kilo Frischpasta kauft jeder Deutsche heute pro Jahr. Für den Handel ein lukratives Geschäft, denn wer frische Tortelloni kauft, packt meist noch die passende Sauce, Parmesankäse, eine Paprika und vielleicht noch einen Salatkopf mit in den Einkaufswagen.

Eine echte Erfolgsgeschichte für eine Produktkategorie, die vor nicht allzu langer Zeit noch ziemlich unbekannt war. Cappelletti, Tortelloni und Ravioli aus frischem Nudelteig - davon wusste man in den 80er- und 90er-Jahren höchstens, wenn man in der Nähe ein italienisches Feinkostgeschäft hatte. Oder eine Trattoria, die auch über die Straße verkauft.

Heute gibt es frische Pasta in zig Formen, mit Füllungen von Mortadella bis Mozzarella. Und weil sich immer wieder ein neues Gericht ergibt, je nachdem ob man die Nudeln mit Sauce, mit Lachsstreifen, in Brühe oder als Salat isst, dürfte keine Langeweile aufkommen.

Und einen weiteren Vorteil haben die Nudeln aus dem Kühlregal: Frischpasta hat kein Imageproblem. Im Wettstreit mit glutamatverstärktem Dosengulasch oder analog belegter Käsepizza gelten frisch gekühlte Teigwaren als die feine Variante des Fertiggerichts.

Wir wollten wissen, ob die Fertignudeln dieses gute Image zu Recht haben. In Supermärkten, Discountern und dem Bio-Supermarkt Basic haben wir zwölf Produkte eingekauft, vor allem Tortelloni/Tortellini in den beliebtesten Sorten, Spinat/Käse und Käse. Außerdem im Test: die von der Rezeptur her vergleichbaren Gemüsemaultaschen von Bürger.

Das Testergebnis

Nicht so gut wie ihr Image, aber besser als viele Fertiggerichte: Die meisten Fertignudeln schneiden mit "gut" oder "befriedigend” ab. Verglichen mit den Ergebnissen unseres jüngsten Fertiggerichte-Tests (ÖKO-TEST-Magazin 2/2010) gehören die gekühlten Nudeln damit zu den besseren Fertiggerichten.

Auch mit Soße sind die Nudeln kein Dickmacher, aber häufig zu salzig

Mit zirka 400 bis knapp 600 Kilokalorien (kcal) pro Portion bleiben die Gerichte im Rahmen des Verträglichen - selbst wenn man noch eine Sauce, einen Salat oder eine andere Beilage dazunimmt. Wir haben übrigens realistisch kalkuliert und uns nicht auf das verlassen, was die Hersteller als Portionsgröße auf die Packung schreiben. So rechnen Hilcona und Rewe mit Portionen von 125 Gramm - etwa zwölf Tortelloni. Davon wird niemand satt! Eine Portion von 200 bis 250 Gramm ist unserer Meinung nach angemessen, bei Maultaschen 360 Gramm.

Mehr als sechs Gramm Salz pro Tag sind problematisch. Denn zu viel Salz kann bei empfindlichen Menschen den Blutdruck erhöhen. Deshalb sollte man über eine Hauptmahlzeit höchstens drei Gramm Salz aufnehmen. Aber Tortelloni & Co. werden normalerweise nicht pur gegessen, sondern mit Sauce, Pesto, Brühe oder auch mal Räucherlachs. Zutaten, die oft auch sehr salzig sind und für die deshalb ein "Puffer" von einem Gramm Salz bleiben sollte. Deshalb werten wir alle Produkte ab, die mehr als zwei Gramm Salz pro Portion haben.

Manche Nudeln würden ohne den Griff in die Trickkiste nicht so schmecken, wie sie sollten

Beim Geschmack wird nachgeholfen. Nicht mehr mit dem künstlichen Geschmacksverstärker Mononatriumglutamat, aber mit Hefeextrakt und Würze, die in aller Regel auch Glutamat enthalten. Oder mit Aroma. Dafür kassiert die Mehrzahl der Produkte einen Minuspunkt. Sensorisch waren alle Produkte fehlerfrei, allerdings wurde für die Aldi-Nudeln eine geringe Menge Käsepulver mitverwendet. Die Bio-Produkte punkten dagegen mit einem besonders hohen Käseanteil.

So reagierten die Hersteller

Gute Nachrichten für die Freunde des guten Geschmacks: Edeka und Penny kündigten an, bei den getesteten Produkten in Zukunft auf Hefeextrakt bzw. Aroma zu verzichten.

Basic geht davon aus, dass es sich bei der Probe, die eine erhöhte Gesamtkeimzahl aufwies, um einen "Ausreißer" handelt, "möglicherweise bedingt durch eine Unterbrechung der Kühlkette". Man werde deshalb die Temperaturführungsprozesse überprüfen.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Gefüllte Nudeln gibt es in zahlreichen Formen. Bei den gekühlten Produkten sind Tortelloni/Tortellini die Standardsorte. Darum haben wir hier unseren Schwerpunkt gesetzt. Fleischlose Varianten sind in diesem Segment am beliebtesten. Produkte mit Käse, Ricotta und/oder Spinat sind deshalb auch bei uns vorrangig in den Test gekommen. Hersteller Bürger ist in den Kühlregalen zwar gut vertreten, stellt aber keine italienischen Sorten her. Weil wir ihn nicht ausklammern wollten, haben wir seine Gemüsemaultaschen getestet. Die passen von der Rezeptur her durchaus zu den anderen Produkten. Bei den Lebensmittelketten Netto, Norma und Alnatura war zur Zeit des Einkaufs keine vergleichbare Ware zu bekommen.

Die Inhaltsstoffe

Umstrittene Zutaten und der Kaloriengehalt lassen sich schon auf der Packung erkennen. Für andere Prüfungen mussten die Nudeln aber ins Labor: Ist genug Füllung in der Pasta oder hat der Hersteller die Angaben auf der Packung schöngerechnet? Wie viel Salz steckt in den Nudeln? Außerdem wurde untersucht, ob auch am Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums in puncto Keime alles in Ordnung ist. Denn Keime können Krankheiten verursachen und ein Hinweis auf einen beginnenden Verderb sein. Um ganz sicherzugehen, dass wir nicht nur einen "Ausreißer" erwischt haben, ließen wir Produkte von drei unterschiedlichen Chargen auf Keime untersuchen. Schließlich haben wir die Nudeln auf Geschmacksfehler untersuchen lassen. Bissfest oder pappig? Muffiger Beigeschmack oder fehlerfrei? Professionelle Sensoriker bildeten sich hier ein Urteil.

Die Bewertung

Umstrittene Zutaten wie Aroma oder Hefeextrakt machen Fertiggerichte zu einem zweifelhaften Genuss. Wir haben dies abgewertet. Denn traditionelle italienische Pasta kommt auch ohne diese Zutaten aus. Auch ein Zuviel an Salz sehen wir kritisch. Unrealistische Aussagen zur Portionsgröße werten wir ebenso ab. Denn man sollte sich schon darauf verlassen können, ob in einer Packung wirklich zwei Portionen sind oder doch nur eine.

Kleines Nudel-Lexikon

Agnolotti: Runde oder eckige gefüllte Teigtaschen. Charakteristisch ist der gezackte Rand, der die Teigtaschen wie Sterne aussehen lässt.

Cappelletti: "Hütchen". Gefüllte runde oder halb runde Taschen, vergleichbar mit Ravioli.

Cannelloni: Die dicksten gefüllten Nudeln. Glatte, etwa zehn Zentimeter lange Röhren. Übersetzt heißt Cannello auch "Röhrchen".

Conchiglie: Nach innen geformte Muscheln. Der Clou: Die Sauce rutscht leicht in die Muschel rein - kommt aber nicht mehr raus.

Fagottini: Auf Deutsch "Bündelchen". Für Anfänger die einfachste gefüllte Pasta zum Selbermachen. Auf ausgewellte Nudelquadrate wird in die Mitte ein Löffel Füllung gesetzt. Anschließend schlägt man die Ecken wie einen Briefumschlag zusammen.

Mafaldine: Bandnudeln mit gewelltem Rand, die die Sauce besser halten als andere Bandnudeln.

Tortellini: Die kleine Form der Tortelloni. Sollen der Legende nach dem Bauchnabel der Venus nachempfunden sein.

Tortelloni: Zu Ringen geformte Teigtaschen.

Tortiglioni: Kurze, breite, geriffelte Röhrchen. Haben mit Tortellini und Tortelloni nichts zu tun.

Nudeln mit Resten

Der Supermarkt hat schon zu und auf Nudeln mit Ketchup haben Sie keine Lust mehr? Vielleicht finden Sie auf der Internetseite www.nudelnmachengluecklich.de das richtige Rezept. Unter Nudelküche/Rezepte zum Ausprobieren einfach anklicken, was Sie im Kühlschrank haben - schon bekommt man Nudelrezepte angezeigt, die die vorhandenen Zutaten einsetzen.

Spaghetti, frisch vom Baum?

Die hoch seriöse englische BBC hat's aufgedeckt: Spaghetti wachsen auf Bäumen und werden per Hand geerntet. Dies zumindest wurde in einer Dokumentation behauptet, die der Fernsehsender am 1.4.1957 ausgestrahlt hat. Die zahlreichen Anrufer, die unbedingt einen Spaghetti-Baum für den eigenen Garten haben wollten, wurden allerdings enttäuscht: Denn das sonderbare Gewächs gab es natürlich nur am 1. April.

Test kostenlos abrufen (PDF)

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Frischnudeln: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Mama Mancini Frische Tortelloni gefüllt mit Käse
  • Aldi Nord

    befriedigend

Bürger Gemüse Maultaschen
  • Bürger

    befriedigend

Basic Tortellini mit Käsefüllung
  • Basic

    befriedigend

Fior di Pasta Tortelloni mit feiner Käse-Füllung
  • Penny

    gut

Rewe Bio Tortelloni Frischkäse-Kräuter
  • Rewe

    gut

Hilcona Ricotta & Spinat Tortelloni
  • Hilcona

    befriedigend

Steinhaus Pasta Rustica Spinat-Ricotta-Tortelloni
  • Steinhaus

    sehr gut

Rewe Spinat-Ricotta Tortelloni
  • Rewe

    gut

Real Quality Tortelloni mit Ricotta- und Spinatfüllung
  • Real

    befriedigend

K-Classic Käse-Tortelloni
  • Kaufland

    befriedigend

Gut & Günstig Käse Tortelloni
  • Edeka

    befriedigend

Steinhaus Spinat-Ricotta-Tortelloni
  • Steinhaus

    gut