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10 Karnevals- und Spaßmasken im Test

ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2011
vom 07.01.2011

Karnevals- und Spaßmasken

Helauauau

Einmal den Gorilla, Vampir oder Obama rauslassen: Die fünfte Jahreszeit, Halloween oder die nächste Mottoparty machen's möglich. Besser ist, man bekommt die Verwandlung auch ohne Maske hin. Denn die Dinger stecken nicht nur voller Schadstoffe, sie gasen diese auch großzügig aus.

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07.01.2011 | Die Idee war einfach, aber wir fanden: genial. Wir gehen als Außerirdische verkleidet zum Maskenball in unserem Ort. Und stauben den Preis für das beste Kostüm ab. Wir rührten noch am gleichen Tag den Kleister an, zerrupften Zeitungen und begannen, zwei XXL-Luftballons damit zu bekleben. Während das Pappmaschee draußen bei Minusgraden trocknen sollte, färbten wir Bettlaken türkis, sprühten Staubsaugerschläuche silber an und suchten die Nachbarschaft nach alten Fahrradreifen ab, die wir in unser Kostüm einnähen wollten. Dann holte Katja ihre Nähmaschine raus.

Die Pappmascheeköpfe sprühten wir dann an unserem großen Tag mit türkisfarbener Lackfarbe ein. Ein paar Stunden später kam der große Moment: Draußen auf der verschneiten Terrasse stachen wir die Riesenballons auf. Sie schnurrten zusammen - und mit ihnen auch die Pappmascheeform. Innen suppte der Tapetenkleister, außen schlug die Lackfarbe Blasen und als wir die silbernen Staubsaugerschläuche drum herumwickelten, knickten die Masken dann noch einmal ziemlich ein. Aber egal. Wir machten zwei Löcher für die Augen und setzten die Köpfe auf. Einen Preis gewannen wir mit diesem Auftritt nicht. Dafür hatten wir unter den Masken heftig mit dem stickigen Klima zu kämpfen.

Das Selbermachen hat so seine Tücken. Daher ist der Markt voll von Masken, die für wenige Euro zu haben sind. Kann man sich eine solche Maske wirklich guten Gewissens überstülpen? Wir kauften zehn Modelle aus verschiedenen Materialien ein und ließen sie gründlich auf Schadstoffe untersuchen.

Das Testergebnis

Es könnte viel übler nicht ausfallen: Alle zehn Masken landen im roten Bereich. Die lustigen bis gruseligen Gestalten enthalten jeweils eine bunte Mischung aus den verschiedensten Schadstoffen. Eine traurige Gemeinsamkeit: Fast alle enthalten erhöhte oder sogar stark erhöhte Werte polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe (PAK). Etliche von ihnen sind als krebserzeugend eingestuft.

Krebserregende Nitrosamine und nitrosierbare Stoffe entstehen bei der Herstellung von Kautschukprodukten. Verantwortlich sind bestimmte Vulkanisationsbeschleuniger, die hier zum Einsatz kommen, für die aber längst Ersatzstoffe verfügbar sind. Für Luftballons gilt auch deshalb inzwischen eine gesetzliche Höchstmenge von 0,05 Milligramm je Kilogramm. Mehr als das 50-fache dessen steckt im Pferd mit Plüschhaar, im Carnival & Party Frosch das 25-fache. Der Vampir aus Schaumlatex von Greyland bekommt nicht nur wegen der enthaltenen Nitrosamine Punktabzug, sondern auch für seinen extrem hohen Gehalt an Latexproteinen: Der Vampir enthält das 30-fache dessen, was heute in Latexhandschuhen Mindeststandard ist.

Im Kunststoffgesicht des Howling Ghost stecken enorm hohe Werte Diethylhexylphthalat. In Spielzeug und Babyartikeln darf dieser Weichmacher schon seit Jahren nicht mehr als 0,1 Prozent des Produktes ausmachen - die Howling-Ghost-Maske überschreitet diesen Wert um das Hundertfache! Da es sich ja nicht um ein Kinderprodukt handelt, ist das

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So haben wir getestet

Der Einkauf

Februar ist Jeckenzeit - doch auch außerhalb der fünften Jahreszeit sind Verkleidungen angesagt, etwa bei Mottopartys oder an Halloween. Die Masken, die für diese Anlässe in Kaufhäusern, bei Discountern, im Fachhandel und in Internetshops verkauft werden, sind meist aus unterschiedlichen Kunststoffen gefertigt. Wir wollten wissen, welche Materialien stärker, welche möglicherweise gar nicht mit Schadstoffen belastet sind. Daher haben wir eine große Bandbreite eingekauft: Latex, Schaumlatex, weicher und harter Kunststoff. Was uns erstaunte: Man kann sich schon recht günstig zum Narren machen. Die ÖKO-TEST-Einkäufer zahlten zwischen 1,49 und 44,90 Euro pro Modell.

Die Inhaltsstoffe

Auffallen zum (meist) kleinen Preis: Wie bekommen die Hersteller solche Produkte hin? Masken aus PVC-haltigem Kunststoff benötigen in der Regel einen Weichmacher, der aus dem spröden Stoff ein elastisches, einigermaßen bequem tragbares Material macht. Bei Latexmasken sind krebserregende Nitrosamine ein Thema, Stoffe, die bei der Verarbeitung des Kautschuks zu Gummi entstehen können. Außerdem besteht bei Latexprodukten die Gefahr, dass sie bestimmte Eiweißbestandteile enthalten, die eine Latexallergie auslösen können. Um Klinik- und Pflegepersonal zu schützen, ist der empfohlene Gehalt an Latexproteinen in Handschuhen deshalb auf 30 Mikrogramm pro Gramm Handschuh gesetzt worden. Gleich, welches Material die Basis bildet, ohne knallbunte Farben kommt kaum eine Maske aus. In diesen Farben können sowohl problematische aromatische Amine als auch allergisierende Dispersionsfarbstoffe stecken. Hersteller arbeiten auch gerne mit Ausrüstungen, die ihre Produkte auf dem Transport vor Schädlingen schützen, etwa Naphthalin aus der Gruppe der PAKs - oder mit phosphororganischen Flammschutzmitteln. Etliche Masken stießen schon beim Auspacken enorme Duftwolken aus, wir ließen deshalb in einer Prüfkammer messen, was in einer Stunde aus den Masken ausgast. Schließlich steckt der Kopf teilweise wie in einer Glocke und man atmet über Stunden all das ein, was die Maske so ablässt.

Die Bewertung

Muss man beim Thema Karnevals- und Spaßmasken so streng sein? Wo man ein solches Ding nur eine kurze Zeit im Jahr trägt? Wir wollen niemandem den Spaß verderben, aber: Eine Maske trägt man durchaus einen Umzug lang oder eine Partynacht hindurch. Man schwitzt ordentlich und hat natürlich auch direkten Hautkontakt mit seinem zweiten Gesicht. Bei Nitrosaminen etwa, die in Latexmasken häufig ein Problem sind, liegt die gesetzliche Höchstmenge in Luftballons bei 0,05 Milligramm pro Kilogramm. Masken fallen zwar nicht unter diese gesetzliche Regelung, aber für uns hört der Spaß hier auf.