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13 Spielzelte im Test

Zeltuntergang

ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2011 | Kategorie: Kinder und Familie | 07.01.2011

13 Spielzelte im Test

Spielzelte für drinnen und draußen stehen bei Kindern hoch im Kurs. Denn sie lieben es, sich zu verkriechen und zu verstecken. Doch so manch ein untersuchtes Zwergenhaus stinkt zum Himmel und in vielen lauern jede Menge üble Stoffe.

Im Dezember 2002 stellte ÖKO-TEST fest, dass die meisten Spielzelte für richtig dicke Luft im Kinderzimmer sorgen. Damals waren fast alle Modelle mit einem ganzen Cocktail an Chemikalien belastet, die aus den verwendeten Materialien stammen. Wir wollten wissen, ob sich die Situation geändert hat und haben 13 Modelle im Labor durchchecken lassen.

Das Testergebnis

Zwei Zelte sollten sofort vom Markt verschwinden: Im Intex Kinder-Spielhaus Bauernhof ist der Gehalt der flüchtigen organischen Verbindung Cyclohexanon mehr als 170-mal höher als der empfohlene Richtwert der Spielzeugnorm EN 71. Für Wolfgang Plehn vom Umweltbundesamt hat dieses - laut Verpackung auch "zum Spielen für drinnen" geeignete Produkt - "in einem Kinderzimmer nichts zu suchen". Laut Gesetz darf das Zelt aber so verkauft werden, denn Richtwerte haben keinen Gesetzescharakter.

Ein klarer Fall für den Sondermüll und für die Gesetzeshüter ist das Stats Piraten Zelt mit Tunnel: In der braunen Stoffeinfassung für die Zeltstange wurden mehr als die gesetzlich erlaubten 30 Milligramm pro Kilogramm des aromatischen Amins p-Aminoazobenzol nachgewiesen.

In zwei Produkten stecken polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), im Stats Piraten Zelt mit Tunnel sogar in stark erhöhten Gehalten. Viele PAK gelten als krebserregend.

Sieben Zelte enthalten halogenorganische Verbindungen, in drei Modellen wurde das als fortpflanzungsgefährdend eingestufte Phthalat DEHP und in zweien giftiges Dibutylzinn in erhöhten Gehalten nachgewiesen. Darüber hinaus stecken im Haba Spielzelt Ritterturm und im Sanrio Hello Kitty Igloo Tent phosphororganische Verbindungen, in Letzterem sogar in rauen Mengen. Dabei handelt es sich unter anderem um das halogen- und phosphororganische Flammschutzmittel TDCPP, das im Verdacht steht, Krebs zu erzeugen.

Beim Öffnen des Bieco's Piraten Zelt/Burg sind gute Nerven gefragt. Das Produkt "poppt" unvermittelt auf - eine Warnung oder den Hinweis, dass das Zelt nur von einem Erwachsenen geöffnet beziehungsweise aufgebaut werden soll, sucht man leider vergeblich.


Spielzelte: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Indianer Tipi
  • César

Outdoor Active Kinder Iglu, blau-rot-gelb
  • Hoffmann Spielwaren

Disney Princess Garten Castle
  • John

Marvel Play Tent The Amazing Spider-Man
  • Worlds Apart

Haba Spielzelt Ritterturm
  • Habermaaß

Pippi Spielzelt Villa Kunterbunt
  • Micki Leksaker

Knorrtoys My Little Princess Spielzelt Piano
  • Knorrtoys

Pinky Queeny Spielzelt
  • Sigikid

Bieco's Piraten Zelt/Burg, blau-bunt
  • Bieco

Koja Zelt, weiß-hellblau
  • Ikea

Stats Piraten Zelt mit Tunnel
  • Toys"R"Us

Intex Kinder-Spielhaus Bauernhof
  • Intex

Sanrio Hello Kitty Igloo Tent
  • D'Arpèje

13 Spielzelte im Test
ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2011 Seite 159
ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2011 Seite 160
ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2011 Seite 161

3 Seiten
Seite 159 - 161 im ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2011
vom 07.01.2011
Abrufpreis: 1,00 €

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Häuser, Schlösser, Tipis, Burgen - Spielzelte gibt es in vielen Farben und Formen. Vom klassischen Iglu bis hin zur kunterbunten Pippi-Langstrumpf-Villa haben wir verschiedenste Modelle in Spielwarengeschäften und beim Kinderwaren-Versandhändler eingekauft. Die Preisspanne reicht von 9 bis 99 Euro. Da Spielzelte bei Kindern im Sommer und Winter hoch im Kurs stehen, war uns wichtig, dass die meisten Produkte sowohl drinnen als auch draußen aufgebaut werden können.

Die Schadstoffe

Spielzelte sind oft stark mit Schadstoffen belastet, enthalten zum Beispiel Restlösungsmittel aus dem Herstellungsprozess und vom Bedrucken. Diese flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) gasen aus und belasten die Raumluft. Das ist umso schlimmer, da Kinder besonders empfindlich reagieren. Um zu sehen, wie hoch die Belastung im Zelt ist, ließen wir zunächst im Prüflabor bestimmen, was bei normaler Raumtemperatur aus den Hauptmaterialien entweicht. Anschließend wurden die Messwerte auf das entsprechende Zeltvolumen umgerechnet.Da Kinder gerne mal barfuß und nur in Unterhose spielen, ließen wir Zeltböden und -wände auf weitere Schadstoffe untersuchen, darunter giftige zinnorganische und umstrittene halogenorganische Verbindungen, allergisierende Dispersionsfarbstoffe, krebserregende Azo-Farbstoffe und Schwermetalle - üble Substanzen, die wir größtenteils auch im ÖKO-TEST Spielzelte im Dezember 2002 gefunden hatten. In einigen Produkten steckte zudem PVC. Da liegt der Verdacht nahe, dass die Hersteller zusätzlich Weichmacher einsetzen, um das spröde Material geschmeidig zu machen.

Die Bewertung

Wir wollen keine Spielverderber sein. Aber Kinder verbringen oft Stunden in den Zelten und haben natürlich auch direkten Hautkontakt mit den Materialien. Dies müssen wir bei der Bewertung der Schadstoffe berücksichtigen. Beispiel Phthalatweichmacher: Einige Vertreter dieser Stoffgruppe sind gesetzlich in Spielzeug reglementiert, weil sie im Verdacht stehen, hormonell zu wirken und krebserregend zu sein. Der gesetzliche Grenzwert wird zwar nicht überschritten, wir werten aber trotzdem ab, weil es problematische Stoffe sind, die über die Haut aufgenommen werden können. Noch strenger sind wir, wenn gesetzliche Bestimmungen nicht erfüllt werden, solche Produkte können unterm Strich nicht besser sein als "ungenügend".

Aktuelle Ausgabe
ÖKO-TEST November 2018: Schwerpunkt Mikroplastik
ÖKO-TEST November 2018: Schwerpunkt Mikroplastik
Zugehörige Ausgabe:
ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2011
ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2011

Erschienen am 07.01.2011

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