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Weiße Wandfarben im Test: Die meisten sind empfehlenswert

Ratgeber Bauen 2016 | Kategorie: Bauen und Wohnen | 12.05.2016

Weiße Wandfarben im Test: Welche Produkte sind empfehlenswert?
Foto: Grigor Ivanov/Shutterstock

Die meisten Wandfarben im Test können wir ohne Abstriche empfehlen. Und auch für Allergiker haben wir eine gute Nachricht: Zwei der Farben sind völlig frei von Konservierungsmitteln.

Aktualisiert am 12.05.2016 | Es ist schon ein paar Jahre her, seit auf europäischer Ebene geregelt wurde, dass Produkte wie Farben, Lacke und Beschichtungen für Handwerker und Normalverbraucher nur noch begrenzte Mengen an ausgasenden Stoffen enthalten dürfen: 2004 in der sogenannten Decopaint-Richtlinie, die in Deutschland in eine Chemikalienverordnung umgesetzt wurde. Die dort formulierten Grenzwerte galten ab 2007 und wurden 2010 in einer zweiten Stufe verschärft.

Seitdem dürfen wasserbasierte Wandfarben nur noch maximal 30 Gramm pro Liter an flüchtigen organischen Verbindungen, kurz VOC (Volatile Organic Compounds), enthalten. Vor allem für die Hersteller von Naturfarben war das anfangs aufgrund der eingesetzten Naturharze noch eine Herausforderung. Konventionelle Farben enthielten jedoch schon zu diesem Zeitpunkt nur noch geringe Mengen an VOC. Denn die meisten Produkte tragen das Umweltzeichen Der Blaue Engel, das seit 1999 für die emissionsarmen Farben nur noch ganz wenig VOC zulässt.

Farben auf Wasserbasis müssen fast immer konsveriert werden 

Schwieriger sieht es mit Konservierungsmitteln aus. Wasserbasierte Farben benötigen solche, um sie in Topf und Eimer haltbar zu machen, sie also vor Bakterien und Schimmel zu schützen. Dazu werden zum Teil Formaldehydabspalter eingesetzt, die krebsverdächtiges Formaldehyd bilden, sobald ein mikrobieller Befall eintritt.

Heutzutage üblich sind Isothiazolinone, die jedoch ein mehr oder weniger großes sensibilisierendes Potenzial besitzen. Nach Einschätzung von Professor Axel Schnuch, Leiter des Informationsverbunds Dermatologischer Kliniken (IVDK), sind die üblichen Verbindungen Methylisothiazolinon (MIT) und Benzisothiazolinon (BIT) hinsichtlich ihres Sensibilisierungspotenzials in etwa gleich einzuschätzen, MIT sei noch etwas potenter.

MIT ist auch deshalb ein größeres Problem, weil es leichter als BIT verdampft und damit die Raumluft mehr belastet. Besonders problematisch im Hinblick auf mögliche Allergien sind jedoch chlorierte Isothiazolinonverbindungen wie Chlormethylisothiazolinon (CIT).

Weiße Wandfarben im Test: Wir haben 21 Produkte überprüft.
Weiße Wandfarben im Test: Wir haben 21 Produkte überprüft. (Foto: Dmitry Galaganov/Shutterstock)

Seit Juni 2015 strengere Regeln für Isothiazolinone 

Seit dem 1. Juni 2015 gelten nach einer europäischen Verordnung zur Kennzeichnung von Gefahrstoffen (CLP-Verordnung) auch für Isothiazolinone strengere Regeln: So müssen ab gewissen Gehalten, die von der jeweiligen Verbindung abhängen, der konkrete Stoff benannt und auf das Allergierisiko hingewiesen werden. Da BIT offiziell als Gefahrstoff eingestuft wurde, ist das schon ab 50 mg/kg der Fall - diese Menge wird üblicherweise in Farben eingesetzt.

Die Regelung gilt für Produkte, die seit dem 1. Juni 2015 erstmalig in Verkehr gebracht wurden; erst zwei Jahre später müssen sie alle aus den Regalen verschwunden sein. Einige Hersteller haben ihre Etiketten jedoch schon angepasst. MIT ist bisher noch nicht harmonisiert, wie es in der Fachsprache heißt; deshalb liegt die Schwelle für diesen Hinweis im Augenblick noch höher. Allerdings wird sich das möglicherweise demnächst ändern.

Manche Hersteller denken darüber nach, die Deklarationsgrenzen zu umgehen, indem sie mehrere Konservierungsmittel gleichzeitig und dafür in geringerer Konzentration einsetzen. So bieten Konservierungsmittelhersteller schon Mittel an, die neben BIT/MIT auch das wassergefährdende Zinkpyrithion enthalten. Allerdings lässt der Blaue Engel erst seit einiger Zeit eine solche Konservierung zu.

Weiße Wandfarben im Test: Enthalten sie Problemstoffe?

Sogenannte Silikatfarben enthalten schon jetzt keine Konservierungsmittel, denn Silikate sind kein Nährboden für Bakterien und Schimmel. Nachteil: Solche Farben sind für den Heimwerker schwerer zu verarbeiten. Die Deutschen Amphibolin-Werke (DAW), die unter anderem die Marken Caparol, Alpina und Rühl herstellen, produzieren seit mehr als zehn Jahren auch konservierungsmittelfreie Dispersionsfarben - spezielle Allergikerfarben.

Bei der Herstellung versucht man, die Eigenschaften der Silikat- und Dispersionsfarben zu vereinen. Die Rezeptur sei so gewählt, "dass die Farbe einen besonders ungünstigen Nährboden für Mikroorganismen darstellt", erläutert uns Dr. Helmut Möbus, Leiter der zentralen Produktsicherheit bei DAW. "Zudem werden in der Produktion strenge Hygienevorschriften eingehalten und Rohstoffe verwendet, die zum Beispiel über thermische Vorbehandlung eine minimierte Keimbelastung mitbringen." Die Produktion sei aufwendig und erfordere viel Know-how und technischen Aufwand, was es kleineren Herstellern schwierig mache, ebenfalls konservierungsmittelfreie Wandfarben zu produzieren. Noch sind sie Nischenprodukte für Allergiker.

Wir haben 21 weiße Wandfarben eingekauft, um zu prüfen, inwieweit sie noch mit problematischen Stoffen belastet und ob sie verbraucherfreundlich deklariert sind.

Zwei Drittel der Wandfarben im Test sind empfehlenswert.
Zwei Drittel der Wandfarben im Test sind empfehlenswert. (Foto: Shift Drive/Shutterstock)

Zwei Drittel der weißen Wandfarben ist "sehr gut"

Das Testergebnis: Zwei Drittel der Wandfarben sind insgesamt "sehr gut", und noch mehr Produkte überzeugen, wenn wir nur die Inhaltsstoffe betrachten. Isothiazolinonallergiker müssen jedoch bei fast allen Testmarken auf der Hut sein. Zwei Farben schneiden mit "befriedigend" ab. Die Deklarationen der Wandfarben sind im Vergleich zu früheren Tests besser und verbraucherfreundlicher geworden.

Was ist ansonsten aufgefallen? 

  • Da gast kaum was aus. Das ist heute Stand der Technik bei Dispersionswandfarben: Sie enthalten keine oder nur ganz geringe Mengen an flüchtigen organischen Verbindungen (VOC). In einer Wand- und Deckenfarbe wurde jedoch eine schwerflüchtige Glykolverbindung nachgewiesen, die langsam und daher lange Zeit ausgasen kann und die auch immer wieder bei Raumluftmessungen nachgewiesen wird. Abgewertet haben wir die Verbindung nicht, sehr sensible Menschen sollten das jedoch beachten.
  • Umstrittene Konservierungsmittel. In zwei Wandfarben im Test wurden Formaldhyd/-abspalter nachgewiesen - noch dazu in Kombination mit Isothiazolinonen. Die Hersteller wollten hier wohl ganz auf Nummer sicher gehen. Fast alle Produkte sind mit Isothiazolinonen konserviert, die meisten jedoch in Mengen, die unter unserer Abwertungsgrenze liegen. In zwei Fällen halten wir den Gehalt an Methylisothiazolinon (MIT) aber für zu hoch.
  • Für Isothiazolinonallergiker gibt es zwei echte Alternativen: Unsere Labore konnten in zwei der als "frei von Konservierungsstoffen" beziehungsweise "Konservierungsmittelfrei!" ausgelobten Wandfarben in der Tat keine solchen nachweisen. Zur Sicherheit ließen wir prüfen, inwieweit die Produkte mit Bakterien und Schimmelpilzen belastet sind oder schon nach wenigen Wochen umkippen können. Das war nicht der Fall. 
  • Chlorierte Isothiazolinone (CIT), die ein besonders hohes sensiblisierendes Potenzial haben und die in einigen Fällen auch deklariert waren, hat das Labor, wenn überhaupt, nur in ganz geringen Mengen unterhalb der Bestimmungsgrenze nachgewiesen.
  • Verwirrende Deklarationen. Auch wenn sich in den vergangenen Jahren viel getan hat und mittlerweile auf allen Produkten eine Allergikerhotline und häufig auch die Konservierungsstoffe genannt werden, sind wir mit einigen Angaben oder fehlenden Informationen nicht einverstanden. So ließ ein Anbieter die Formaldehyd/-abspalter unter den Tisch fallen. Und auch drei Naturfarbenhersteller fallen mit widersprüchlichen, unverständlichen oder gar falschen Informationen auf. 

Über Deckkraft, Nassabriebbeständigkeit und Replebin

Deckkraft

Wie gut eine Farbe deckt, wird nach Norm als Kontrastverhältnis auf schwarz-weißen Kontrastkarten bestimmt. Deshalb wird die Deckkraft in der Fachsprache als Kontrastverhältnis bezeichnet. Die Norm sieht vier Klassen vor:

  • Klasse 1: mindestens 99,5 % = hochdeckend
  • Klasse 2: mindestens 98 % = gut deckend
  • Klasse 3: mindestens 95 % = noch ordentlich deckend
  • Klasse 4: unter 95 %

Die Deckkraft hängt von der Menge der Farbe ab, die aufgetragen wird. Deshalb entscheidet der Hersteller, welche Klasse er angeben möchte: Dazu muss er die Farbmenge nennen, mit der das Kontrastverhältnis erreicht wurde. Vergleichbar sind die Farben nur, wenn alle Hersteller dieselbe Ergiebigkeit zugrunde legen. Je besser die Klasse, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Anstrich reichen wird.

Nassabriebbeständigkeit

Beim Nassabrieb geht es darum, wie viel Farbe beim Scheuern abgetragen wird, wenn man die Farbe wegen Flecken mal feucht abwischt. Um diese in eine der fünf Klassen einteilen zu können, wird mit Scheuerschwamm im Prüfgerät richtig gescheuert. Die Klasse 1 ist qualitativ die höchste Stufe, doch auch die Klasse 2 ist noch scheuerbeständig und auch für stärker beanspruchte Bereiche wie Kinderzimmer, Flur und Küche geeignet. Die Farben der Klasse 3 eignen sich für normale Anwendungszwecke.

Was ist eigentlich Replebin?

Ein Hersteller setzt ein neues Bindemittel mit dem Markennamen Replebin ein - nach Auskunft dessen "ein selbstentwickeltes biogenes Bindemittel", also biologischen oder organischen Ursprungs. "Die Basis des Bindemittels sind Alkohole aus nachhaltigen Quellen, die - mit einer Säure verestert - als Rohstoff (Pflanzenalkoholester) dienen", so der Hersteller.

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 8/2015 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für den Ratgeber Bauen 2016 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Der Einkauf umfasste 21 weiße Wandfarben, überwiegend aus Baumärkten und Malerfachgeschäften, darunter auch wichtige Marken aus dem Naturfarbenbereich, sowie mit Baufix eine Marke aus einem Onlineshop, die zeitweise auch bei Discountern angeboten wird. Die Preise variieren deutlich von circa 25 bis über 70 Euro für zehn Liter.

Die Inhaltsstoffe: Wie üblich wurden die Rezepturen auf den Prüfstand gestellt: Gasen die Farben flüchtige organische Verbindungen (VOC) aus? Werden problematische oder umstrittene Konservierungsmittel wie Formaldehyd/-abspalter, Isothiazolinone oder Zinkpyrithion eingesetzt? Enthalten die Farben umstrittene halogenorganische Verbindungen?

Die Deklaration: Außerdem nahmen wir die Deklaration unter die Lupe: Werden Verbraucher über die verwendeten Inhaltsstoffe, vor allem die Konservierungsmittel, aufgeklärt? Gibt es für Allergiker Hinweise auf sensibilisierende Stoffe und eine kompetente Allergiker-Hotline, die sie im Zweifelsfall anrufen können? Auch der Blaue Engel fordert, dass die eingesetzten Konservierungsstoffe genannt werden müssen. Sind gefährliche Stoffe deklariert, wie es das Gefahrstoffrecht fordert? Eine aktuelle Neuregelung, wonach Isothiazolinonverbindungen schon bei Gehalten, wie sie häufig in Wandfarben vorkommen, auf der Verpackung mit dem Hinweis "Kann allergische Reaktionen hervorrufen" genannt werden müssen, kommt aufgrund einer Abverkaufsfrist bis 2017 noch nicht zum Tragen.

Die Bewertung: Die Inhaltsstoffe haben für uns höchste Priorität. Wir kritisieren Formaldehyd/-abspalter als Konservierungsmittel sowie hohe Gehalte an Isothiazolinonen. In diesem Test betrifft es die Verbindung Methylisothiazolinon (MIT), auf die bisher mehr Menschen allergisch reagieren als auf Benzisothiazolinon (BIT). Das Testergebnis Deklaration, in das verschiedene Deklarationsmängel sowie Weitere Mängel einfließen, wird mit einem Anteil von 30 Prozent gewichtet.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: mehr als 20 mg/kg Formaldehyd/-abspalter. Zur Abwertung um eine Note führt: deutlich mehr als 100 mg/kg Methylisothiazolinon (MIT).

Bewertung Testergebnis Deklaration: Unter dem Testergebnis Deklaration führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) keine konkrete Angabe der Konservierungsmittel (der chemischen Verbindungen), hier: nur Markenname Parmetol bzw. nur "Thiazole" genannt; b) unvollständige Angabe der Konservierungsmittel, hier: falsche Angabe der Konservierungsmittel, hier: BIT angegeben, MIT nachgewiesen. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) eine widersprüchliche Auskunft bei Anruf der Hotline (Angaben zu den ein gesetzten Konservierungsmitteln weichen von den Testergebnissen ab); b) keine Angabe von Deckkraft (Kontrastverhältnis) und/oder Nassabriebbeständigkeit; c) Angabe der Deckkraft (Kontrastverhältnis) ohne zugehörige Ergiebigkeit; d) widersprüchliche Angaben zur Reichweite.

In das Gesamturteil gehen das Testergebnis Inhaltsstoff e zu 70 Prozent und das Testergebnis Deklaration zu 30 Prozent ein. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Testergebnis Deklaration um eine Note. Das Gesamturteil kann nicht besser sein als das Testergebnis Inhaltsstoffe.

Testmethoden 

Kontrastverhältnis (Deckkraft): nach DIN EN ISO 6504-3:2007; Klassifizierung nach DIN EN 13300:2002. Nassabrieb: nach DIN EN ISO 11998:2006; Klassifizierung nach DIN EN 13300:2002. Halogenorganische Verbindungen: a) Wasserdampfdestillation, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Reinigung der Proben mit Kieselgel, Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmmung des Halogengehalts. Formaldehyd/-abspalter: Fotometrie nach Wasserdampfdestillation und Derivatisierung. Zinkpyrithion, Isothiazolinone: HPLC/DAD nach Extraktion. Flüchtige organische Verbindungen (VOC): GC/MS nach Extraktion mit Dichlormethan. Mikrobiologie: Suspensionsmethode (Kultivierung) in fabrikneuer Farbprobe; Beimpfung mit verschiedenen Mikroorganismen (Schimmelpilze und Bakterien) mit nachfolgender Konzentrationsbestimmung; zweite Analyse nach vier Wochen. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: April und November 2015 

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 8/2015 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für den Ratgeber Bauen 2016 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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