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15 Fleecejacken im Test

Ein dickes Fell

ÖKO-TEST Oktober 2009 | Kategorie: Kosmetik und Mode | 25.09.2009

15 Fleecejacken im Test

Fleecejacken sind treue Begleiter - beim Herbstspaziergang, auf der Wanderung und im ganz normalen Alltag. Mit etlichen Jacken sind Sie gut ausgerüstet.

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Träume leben" - dieses Motto prangt auf dem Katalog des größten deutschen Outdoorausrüsters Globetrotter. Ein treffender Slogan, denn mit Zelten, Bergstiefeln und Funktionsklamotten, verkauft die Outdoorindustrie nicht nur Waren, sondern auch Träume: Den Traum von der sternklaren Nacht in der Wüste oder von einer Expedition nach Alaska - den Traum von einer langen Reise zurück zur Natur und zu sich selbst.

Die Wirtschaftskrise scheint dem Geschäft mit den Freilandaktivitäten wenig anhaben zu können. 70 Prozent der deutschen Verbraucher sagen, das aktuelle Wirtschaftsklima werde keinen Einfluss auf den Umfang ihrer Aktivitäten in der freien Natur haben. 68 Prozent planen außerdem, im Laufe des Jahres 2009 die gleiche Summe wie im Jahr zuvor für Reisen und Unterkunft im Zusammenhang mit Outdooraktivitäten auszugeben. So das Ergebnis einer gemeinsamen Studie des Herstellerverbandes European Outdoor Group (EOG) und der Zeitschriften Outdoor und Klettern.

Für die Branche eine gute Nachricht, denn für die Aktivitäten wird auch weiterhin die entsprechende Ausrüstung benötigt. Gut 1,6 Milliarden Euro wurden nach Verbandsschätzungen im Jahr 2008 mit Outdoor-Artikeln in Deutschland umgesetzt, europaweit waren es rund sechs Milliarden Euro. Etwa 50 Prozent des Umsatzes entfallen auf Kleidung.

Die praktischen Funktionstextilien sind längst nicht mehr nur in Bergen, Wüsten, Wäldern und Wildnis beheimatet. Fleecejacken und Co. sind auch Bekleidungsstücke für den urbanen Alltag geworden. Die wasserdichte Funktionsjacke mit Membran schützt auf der 100-Meter-Fahrradstrecke zum Büro genauso vor Regen wie auf der Fjorderkundung. Das Fleece wärmt auf dem heimischen Balkon ebenso wie auf der Wandertour durch Island. Dabei geht es bei der Outdoormode auch um Markenmode und Markenimage. Wer sich einen Polyesterpelz eines bekannten Labels für 80 oder 100 Euro kauft, der erwirbt damit auch ein Stück vom Image. In diesem Fall ist es ein grünes, naturnahes Image, das eine gesunde, sportliche Lebensweise beinhaltet.

Doch am guten Image der Outdoorbranche wird in jüngster Zeit heftig gekratzt. Die kritische Organisation "Kampagne für saubere Kleidung" (Clean Clothes Campaign/CCC) hat die Branche in diesem Jahr ins Visier genommen, weil immer mehr Anfragen zu Produktionsbedingungen von Outdoorprodukten eingegangen waren. Im Sommer wurde eine Studie veröffentlicht, die untersucht, wie stark sich die Firmen für faire Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben engagieren. Zu 15 Firmen hat die CCC recherchiert, darunter Fjällräven, Jack Wolfskin, Mammut, Marmot, The North Face, Patagonia, Salewa, Schöffel, Tatonka und Vaude. Außerdem wurden die Unternehmen gebeten, einen Fragebogen zu beantworten.

Kaum ein Unternehmen lässt die Arbeitsbedingungen in Zulieferbetrieben kontrollieren

Das Ergebnis ist ernüchternd. Nur sieben Firmen haben den Fragebogen ausgefüllt und überhaupt Informationen geliefert, acht Unternehmen haben keine Informationen preisgegeben. Ein Verhaltenskodex oder Informationen zur sozialen Nachhaltigkeit sind bei den wenigsten öffentlich zugänglich. Und kaum ein Outdoorhersteller lässt die Arbeitsbedingungen in Zuliefererbetrieben von unabhängiger Seite prüfen - aus Sicht der CCC zentrales Element, wenn es um die Einhaltung von arbeitsrechtlichen Standards geht. Lediglich die Anbieter Mammut und Odlo sind der Fair Wear Foundation, einer unabhängigen Kontrollorganisation, beigetreten. Das US-Unternehmen Patagonia ist Mitglied der amerikanischen Fair Labour Association, die ebenfalls internationale Arbeitsstandards überprüft. Neben der Studie gab es eine Vortragsreise mit einer Textilarbeiterin aus El Salvador, die über Arbeitsrechtsverstöße in Outdoor-Zulieferer-Fabriken berichtete und Protestaktionen, etwa in der Berliner Filiale des Händlers Globetrotter.

Ob die Kampagne Erfolg haben wird, ist aus Sicht des Mitinitiators Maik Pflaum ungewiss: "Wir waren am Anfang enttäuscht darüber, wie wenig Informationen wir bekommen haben, aber wir stellen auch fest, dass viele Unternehmen - auch als Reaktion auf den öffentlichen Druck - nun offener sind und sich um das Thema kümmern wollen", sagt Pflaum. Die Branche könne es sich nicht leisten, nichts zu tun.

Die Branche selbst sieht das Thema freilich anders. Es gebe bereits eine Menge unabhängiger Initiativen der Firmen, um sicherzustellen, dass die Produktionsstätten überprüft würden und ein befriedigender Standard eingehalten werde, erklärt der Generalsekretär des europäischen Herstellerverbandes EOG, Mark Held.

Sicher ist: Wer Träume verkaufen will, muss dafür sorgen, dass die Produkte nicht unter Albtraumbedingungen hergestellt werden. Das Thema faire Produktion ist in jedem Falle ungeheuer kompliziert und sehr schwer zu kontrollieren. Weil ÖKO-TEST nicht die Möglichkeit hat, Angaben von Unternehmen zu überprüfen, können wir die Einhaltung von arbeitsrechtlichen und sozialen Kriterien nicht zur Grundlage der Bewertung machen. Wir haben uns darauf konzentriert, 15 Fleecejacken für Frauen im Labor auf bedenkliche oder umstrittene Substanzen testen zu lassen. Wir wählten unterschiedlich dicke Jacken aus Polyester, zum großen Teil von Outdoorfirmen, aus. Zudem haben wir prüfen lassen, wie sich die Oberfläche des Fleece unter Belastung verändert.

Das Testergebnis

Es gibt viel Positives zu berichten: Antimon wurde nur in winzigen Spuren entdeckt, problematische Schwermetalle und allergisierendes Nickel aus Metallteilen gar nicht. Das beauftragte Labor hat in den Jacken weder krebsverdächtige, aromatische Amine aus Azo-Farbstoffen noch allergisierende Dispersionsfarbstoffe gefunden. Allerdings wurden in sieben Jacken umstrittene halogenorganische Verbindungen nachgewiesen. Vermutlich stammen sie aus den eingesetzten Farbstoffen. Viele halogenorganische Verbindungen können Allergien auslösen.

Optische Aufheller stecken in allen Produkten - meist in den Etiketten, teilweise im Garn oder aufgestickten Emblemen. Sie machen die Fasern zwar strahlend weiß, wären aber ohne Weiteres verzichtbar. Die Stoffe sind in erster Linie ein Umweltproblem, weil sie kaum abgebaut werden.

Kunststoffteile an Fleecejacken sind eine Quelle für bedenkliche Schadstoffe

Zum Problem können auch Plastikanhänger an Reißverschlüssen oder Klettverschlüsse und deren Beschichtungen werden. In drei Plastikanhängern steckt die phosphororganische Verbindung Triphenylphosphat, die unter anderem als Weichmacher eingesetzt wird und als Kontaktallergen eingestuft ist. Giftige zinnorganische Verbindungen und PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe sind in den Bestandteilen des Klettverschlusses am Ärmel der Lands' End Marniac Jacket, Persian Blue zu finden.

Gute Qualität: Auf keiner Jacke bilden sich störende Knötchen. Es gibt trotzdem Unterschiede

Die Tragequalität der Fleecestoffe ist weitgehend in Ordnung. Bei der Pillingprüfung fiel kein Fleece durch. Mit Pilling ist eigentlich die Bildung von kleinen Knötchen gemeint. Diese klassischen Knötchen haben sich selbst bei der stärksten Belastungsstufe bei keinem Fleece gebildet. Allerdings haben sich die Oberflächen der Fleecejacken unterschiedlich stark verändert, die Enden der Fasern haben sich mehr oder weniger miteinander verschlungen, die Stoffe sahen mehr oder weniger strapaziert und zottelig aus. Kaum eine Veränderung und damit ein "sehr gutes" Ergebnis gibt es bei der Jacke The North Face Genesis Jacket, deepwaterblue und der Marmot Women's Solitude Hoody, schwarz, die aus einem samtartigen Fleece besteht. Am schlechtesten schnitten die Modelle von Fjällräven, Tatonka und Schöffel ab.

Komm Kuscheln!

Fleece besteht aus Polyesterfasern. Es ist leicht, formbeständig, trocknet sehr schnell, kann problemlos in der Maschine gewaschen werden, kratzt nicht und fühlt sich angenehm weich an. Weil es kaum Feuchtigkeit aufnimmt und den Schweiß gut ableitet, ist es ideal für leichte sportliche Aktivitäten in der kühleren Jahreszeit wie Wandern. Bei der Produktion werden zunächst kleine Schlingen eingebaut, die dann geöffnet werden, sodass wie bei einem Teppich ein Flor entsteht. Zwischen den vielen winzigen Fäden kann sich ein wärmendes, isolierendes Luftpolster aufbauen.

Ich war eine Flasche

Polyesterfleece kann auch aus Fasern aus Recyclingmaterialien hergestellt werden - dazu gehörem PET-Flaschen oder Industrieabfälle. Wir haben die Unternehmen im Test angefragt, ob sie Recyclingfasern verwenden und zu welchem Anteil in den Produkten und der Kollektion:

Fjällräven: Bietet Jacken aus Eco circle fibre mit recyceltem Polyester an, keine Angaben zum Anteil.

Jack Wolfskin: Die Modelle der Earth Kollektion bestehen aus 100 Prozent recyceltem Polyester, neben Fleecejacken sind auch Handschuhe, Schals und Mützen erhältlich. Insgesamt macht das Recyclingangebot weniger als fünf Prozent der Kollektion aus, soll aber künftig höher ausfallen. Ausgangsstoffe sind PET-Flaschen oder Polyester-Industrieabfälle und Zwischenprodukte. Die Stoffhersteller nutzen Fasern der marktführenden Anbieter Teijin aus Japan oder Unifi aus den USA.

Mammut: Momentan werden keine Recyclingmaterialien eingesetzt, die Möglichkeiten aber überprüft.

Marmot: In fast allen Kategorien Produkte aus recycelten Materialien, zum Beispiel die Schlafsacklinie Marmot Eco Pro mit hohem Anteil recyceltem Polyester oder Funktionsshirts.

Patagonia: 61 Prozent der Herbst-/ Winterkollektion enthalten Recyclingmaterial. Patagonia hat bereits 1993 begonnen, Fleece aus wiederverwerteten PET-Flaschen zu verarbeiten. Mittlerweile werden PET-Flaschen, Ausschussware und abgetragene Bekleidung zu Polyesterfasern verarbeitet.

Salewa: In der Sommerkollektion 2010 sollen Produkte eingeführt werden, die zum Beispiel aus 65 Prozent Baumwolle und 35 Prozent Recylingpolyester bestehen.

Schöffel: Kein Einsatz von Recyclingmaterialien.

Tatonka: Kein Einsatz von Recyclingmaterialien.

The North Face: Die Jacke im Test besteht aus recyceltem Polyester, auch für andere Produkte werden recycelte Fasern aus Industriemüll und Plastikflaschen benutzt. Ein prozentualer Anteil an der Kollektion sei schwer anzugeben.

Vaude: Die Jacke im Test sei noch nicht aus recyceltem Material, mit der neuen Produktion werde die Arosa aber aus recyceltem Material hergestellt. Im Bike-Bereich seit Sommer 2009 fünf Modelle aus recyceltem PET.

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Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Jack Wolfskin Moonrise Jacket Women, stone
Jack Wolfskin Moonrise Jacket Women, stone
Jack Wolfskin
gut
Mammut Innominata Women's Jacket, grey melange
Mammut Innominata Women's Jacket, grey melange
Mammut
gut
Patagonia Aravis Hoody, greygreen
Patagonia Aravis Hoody, greygreen
Patagonia
gut
Regatta Fleecejacke W Thor III, Royal Blue
Regatta Fleecejacke W Thor III, Royal Blue
Regatta
gut
Yeti Mystery 2 Jacket, Jade Green
Yeti Mystery 2 Jacket, Jade Green
Yeti
gut
Bench Funnel Neck Fleece, aubergine
Bench Funnel Neck Fleece, aubergine
Bench
befriedigend
Fjällräven Fleecejacke Freja, dark thyme
Fjällräven Fleecejacke Freja, dark thyme
Fjällräven
befriedigend
Marmot Women's Solitude Hoody, schwarz
Marmot Women's Solitude Hoody, schwarz
Marmot
befriedigend
Meru Koala Fleece Calgary Jacket Women, rot
Meru Koala Fleece Calgary Jacket Women, rot
Globetrotter
befriedigend
Salewa Jule PL W Jacket, rot
Salewa Jule PL W Jacket, rot
Salewa
befriedigend
Schöffel  Fleecejacke Leona, rot
Schöffel Fleecejacke Leona, rot
Schöffel
befriedigend
Vaude Arosa Jacket IV, Hibiscus
Vaude Arosa Jacket IV, Hibiscus
Vaude Sport
befriedigend
Tatonka Altona Lady Jacket, schwarz
Tatonka Altona Lady Jacket, schwarz
Tatonka
ausreichend
The North Face Genesis Jacket, deepwaterblue
The North Face Genesis Jacket, deepwaterblue
The North Face
ausreichend
Lands' End Marniac Jacket, Persian Blue
Lands' End Marniac Jacket, Persian Blue
Lands' End (Versand)
ungenügend

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Damit wir jetzt im Herbst mit Testergebnissen aufwarten können, mussten wir die Fleecejacken bereits im Hochsommer besorgen - gar nicht so einfach, wenn statt Kuscheljacken Bikinis und Shorts in den Geschäften hängen. Trotzdem konnten wir eine Auswahl von dickeren und dünneren Fleecejacken für Frauen unterschiedlicher Farben zusammenstellen und achteten darauf, dass die Modelle noch eine ganze Weile am Markt sind.

Die Inhaltsstoffe

In Polyesterartikeln fiel in früheren Zeiten immer wieder das gesundheitlich bedenkliche Antimon auf, das bei der Produktion als Katalysator eingesetzt werden kann. Neben Antimon hat das beauftragte Labor die Textilien auf Schwermetalle wie giftiges Blei, Chrom oder Nickel geprüft. Unlackierte Metallteile, die mit der Haut in Kontakt kommen können, haben wir auf lösliches Nickel testen lassen - schließlich ist Nickel Kontaktallergen Nummer eins. Krebserregende und allergisierende Farbstoffe standen ebenso auf dem Testprogramm wie halogenorganische Verbindungen und optische Aufheller. Ganz genau haben wir hingeschaut, wenn das Produkt Kunststoffanhänger oder Klettverschlüsse aufwies. Diese Teile wurden einer umfangreichen Untersuchung auf eine ganze Reihe problematischer Substanzen unterzogen.

Materialeigenschaften

Vielleicht haben Sie die Erfahrung schon einmal gemacht: Erst ist das Fleece wunderbar kuschlig, nach kurzer Tragedauer aber übersät mit kleinen Knötchen, oder das flauschige Material ist so abgerieben, dass nur noch der glatte Stoff durchscheint. Wie sich die Oberfläche des Fleece verändert, haben die Laborexperten in der Pillingprüfung untersucht. Dazu werden zwei Fleecestücke in eine Maschine eingespannt und gegeneinander gerieben, mit einer Bewegung die einer Acht ähnelt. Die Prüfung erfolgte in drei unterschiedlichen Stufen: 125 Touren - das heißt der Stoff wird 125 Mal gegeneinander gerieben - simulieren eine kurze Tragedauer, 1.000 Touren eine mittlere, 2.000 Touren eine lange Tragedauer.

Die Bewertung

Die Inhaltsstoffe spielen in unserem Test die Hauptrolle. Deshalb kann das Gesamturteil auch bei "sehr guten" Materialeigenschaften nicht besser sein als das Testergebnis Inhaltsstoffe.