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ÖKO-TEST Mai 2010
vom

Kinder-T-Shirts

Drucksache

Bei bedruckter Baby- und Kinderkleidung ist Skepsis angebracht — auch wenn sie noch so niedlich aussieht. Einige T-Shirts in unserem Test sind hoch mit Schadstoffen belastet. Aber es gibt auch gute Produkte.

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30.04.2010 | Mit unserer Kleidung drücken wir uns aus - manchmal subtil, manchmal ganz deutlich über Bilder oder Schriftzüge auf dem Oberteil. Mit einem T-Shirt kann man der Welt die Freude übers bestandene Abitur mitteilen, dass man bei dem tollen Festival dabei war, und natürlich zu welcher Fußballmannschaft man hält. Individuell gestaltete Oberteile sind immer wieder eine schöne Geschenkidee.

Allerdings ist der Grat zwischen originell und oberpeinlich bei Motivkleidung recht schmal. Ein riesiges Foto des Partners oder vermeintliche Partykracher wie "Zehn Gründe, warum Bier besser ist als eine Frau" und "Was haben meine Eltern falsch gemacht" - getragen von Erwachsenen - kommen nicht immer gut an.

Bei kleinen Kindern hingegen sehen Motiv-T-Shirts in den allermeisten Fällen wirklich süß aus. Von den kleinen Trägern selbst werden Kleidungsstücke mit Hello Kitty, Treckermotiv oder aktuellen Trickfilmstars oft heiß geliebt.

Leider können sich aber aus Drucken auf Textilien erfahrungsgemäß sehr unangenehme Schadstoffe lösen. Die Herstellerangabe "100 Prozent Baumwolle" überzeugt nicht wirklich, wenn die komplette Vorderseite mit Kunststoff überzogen ist. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) können T-Shirts mit PVC-Aufdrucken erheblich zur Belastung von Kindern mit gesundheitsschädlichen zinnorganischen Verbindungen beitragen.

Um herauszufinden, ob aktuelle T-Shirts und Langarm-Shirts für Babys und Kleinkinder belastet sind, haben wir 19 Modelle in die Labore geschickt und gründlich testen lassen. Darunter war auch ein Bio-Baumwollshirt, für das wir selbst den bunten Schriftzug "I love schadstofffrei" ausgewählt haben.

Das Testergebnis

... trübt die Freude an schönen Druckmotiven. Zinnorganische Verbindungen sind zwar nur in zwei T-Shirts ein Problem. Fünf Modelle sind aber so stark mit bedenklichen und umstrittenen Inhaltsstoffen belastet, dass wir sie nur noch mit "ungenügend" bewerten können. Die positive Nachricht ist, dass es auch sieben "gute" Shirts gibt, darunter das Selbstgestaltete T-Shirt vom Versender Spreadshirt aus Bio-Baumwolle.

Einige teure T-Shirts sind hoch mit Phthalaten belastet, die in Spielzeug reglementiert sind

Der Preis ist nach den Ergebnissen dieses Tests kein Anhaltspunkt. Das teuerste Produkt im Test für 29,95 Euro ist sogar das schlechteste. Unter den "guten" Produkten sind wiederum vier, die weniger als zehn Euro gekostet haben.

Im T-Shirt von Modelabel Balbina und im Prinzessin Lillifee T-Shirt steckt mehr von dem bedenklichen Weichmacher Diisononylphthalat (DINP), als in Spielzeug und Babyartikeln, die von Kindern in den Mund genommen werden können, erlaubt wäre. Im Benetton T-Shirt wurden deutlich mehr als 0,1 Prozent DEHP nachgewiesen, einem von drei Phthalaten, die offiziell als fortpflanzungsgefährdend eingestuft sind. Es ist davon auszugehen, dass Babys und Kleinkinder die bedruckten Stellen auch in den Mund nehmen. Trotzdem gelten für Phthalate in T-Shirts keine gesetzlichen Grenzwerte. Weil sie weder als Spielzeug noch als Babyartikel eingestuft sind, würden die Behörden belastete Kleinkinderkleidung nicht beanstanden. "Wir würden aber einen Appell an den Hersteller richten, bei diesen T-Shirts auf Phthalate zu verzichten", sagt Werner Altkofer vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart (CVUA). Phthalate in den Sponsorendrucken von Kindertrikots waren im vergangenen Winter auch den Fußbundesligaballvereine FSV Mainz 05 und Eintracht Frankfurt Anlass genug, den Verkauf zu stoppen und den Kunden einen Umtausch anzubieten. ÖKO-TEST wertet die hoch belasteten Produkte konsequent um fünf Noten ab.

Im Balbina Shirt Lovely Bimba Hawaii wurde zudem ein besonders hoher Gehalt der zinnorganischen Verbindung Dioctylzinn nachgewiesen. Wie andere zinnorganische Verbindungen beeinträchtigt Dioctylzinn wahrscheinlich das Immunsystem. Anfang 2012 wird ein "Verbot" von Dioctylzinn und Dibutylzinn in Textilien in Kraft treten - allerdings soll dann immer noch ein Vielfaches des von uns um vier Noten abgewerteten Gehalts erlaubt sein.

In drei "ungenügenden" T-Shirts steckt die phosphororganische Verbindung Triphenylphosphat. Triphenylphosphat wird unter anderem ebenfalls als Weichmacher eingesetzt und kann im Kontakt mit der Haut Allergien auslösen.

Im T-Shirt von Zara wurde Formaldehyd nachgewiesen. Formaldehyd ist ein krebsverdächtiger Stoff, der auch Allergien auslösen kann. Sein Einsatz ist in der Textilindustrie leider nach wie vor verbreitet.

Die textiltechnische Prüfung bestanden beinahe alle Produkte mit Bravour. Nur für drei Modelle gab es jeweils eine Note Abzug, weil sie sich nach der ersten Wäsche etwas verzogen (H & M Hello Kitty T-Shirt türkis/Sternchen), an Farbe verloren hatten (Zeeman T-Shirt "Lizard Wizard"), oder weil die Maßänderung knapp über dem lag, was als normal gilt (T-Shirt Maulwurf für Kinder).

So reagierten die Hersteller

Mehrere Anbieter wiesen darauf hin, dass sie von ihren Lieferanten Nachweise über den Öko-Tex Standard 100 fordern. "Was können wir mehr tun?", fragten sie. Aus Sicht von ÖKO-TEST sind die Mengen an Chemikalienrückständen, die der Standard erlaubt, teilweise inakzeptabel. ÖKO-TEST kritisiert bereits deutlich geringere Gehalte an gesundheitsschädlichen zinnorganischen Verbindungen und Phthalatweichmachern. Stark erhöhte Gehalte von mehr als 1.000 mg/kg von in Spielzeug und Babyprodukten gesetzlich reglementierten Phthalaten im bedruckten Bereich eines T-Shirts schließt aber auch der Öko-Tex Standard 100 eigentlich aus.

Häufig schicken uns Hersteller Gutachten zu Testprodukten, für die jedoch andere Chargen untersucht worden sind. Die Qualität von unterschiedlichen Chargen kann erheblich voneinander abweichen. Dieses Mal bekamen wir von der Firma Benetton gleich 82 Untersuchungsberichte über das T-Shirt in unterschiedlichen Farben, das Unternehmen dokumentierte so seine Bemühungen um umfangreiche Kontrollen. Laut den Berichten sind - anders als in unserem Test - keine stark erhöhten Gehalte des Phthalats DEHP nachgewiesen worden. Die Charge, die das von uns beauftragte Labor analysiert hatte, war jedoch nicht dabei.

Die Firma Nike teilte mit, dass sie künftig optische Aufheller aus den Textilien der Marke verbannt. Das betreffe Produkte ab der Herbstsaison 2010, also alle Produkte, die ab Juni neu in den Handel kommen. ÖKO-TEST kritisiert optische Aufheller seit Langem, weil sie im Zusammenspiel mit Sonnenstrahlung auf der Haut Allergien auslösen können und in der Umwelt kaum abgebaut werden.



Umfrage zu Sozialstandards

Wir haben bei den Anbietern nachgefragt, welche Sozialstandards in den Produktionsstätten der T-Shirts gelten, und ob deren Einhaltung durch unabhängige Kontrollen gewährleistet wird. Nahezu alle erklärten, dass sie ihren Zulieferern Sozialstandards vorgeben, die Kinder- und Zwangsarbeit verbieten und die Einhaltung grundlegender Rechte wie Versammlungsfreiheit und Zahlung mindestens des vor Ort geltenden gesetzlichen Mindestlohnes fordern. Kontrollen erfolgen aber bei der großen Mehrheit der Anbieter im Test nur intern oder durch von ihnen selbst beauftragte Auditierungsunternehmen.

Selten unabhängige Kontrollen

Kontrollen von unabhängiger Seite kommen bei Unternehmen hinzu, die Mitglied in einer Multistakeholder-Initiative wie der Fair Labour Association (FLA) oder der Fair Wear Foundation sind. Hier haben nicht einseitig Vertreter von Industrie und Handel das Sagen, sondern auch Vertreter der Arbeiter. Bei der FLA, wo etwa Nike und H & M Mitglied sind, bemängeln Kritiker, dass die Organisation nur die Einhaltung der gesetzlichen Mindestlöhne fordert, nicht aber existenzsichernde Löhne. Für H & M führt die FLA nur in China und in der Türkei Kontrollen durch, nicht aber in Bangladesch, wo das Testprodukt hergestellt wurde.

Ursachen nicht in Fernost

"Eine Fabrik kann für einen Einkäufer mit einem Verhaltenskodex produzieren, überprüft werden und eine Zertifizierung erhalten, und dennoch verdienen die ArbeiterInnen so wenig, dass es nicht ausreicht", kritisiert Berndt Hinzmann vom Netzwerk INKOTA, einer der Trägerorganisationen der Kampagne für Saubere Kleidung. "Dieses Grundproblem wird in den Hochglanznachhaltigkeitsberichten nicht erfasst." Bei der Fair Wear Foundation, die auch das Einkaufsverhalten der Anbieter in Europa als eine Wurzel der Grundprobleme mit untersucht, ist keiner der Hersteller im Test Mitglied. Regen Zulauf hat dagegen die Business Social Compliance Initiative (BSCI). Die BSCI ist allerdings keine unabhängige Multistakeholder-Initiative, sondern wird von Textilunternehmen geführt.



So haben wir getestet

Der Einkauf

Wir kauften ausschließlich bedruckte Kurz- und Langarmshirts ein. Hintergrund: Das Bundesinstitut für Risikobewertung und das Umweltbundesamt haben bereits Anfang 2008 eine Empfehlung ausgesprochen, auf die Verwendung von Dioctyl- und Dibutylzinnverbindungen als Stabilisatoren in PVC-Verbraucherprodukten zu verzichten. Anfang 2009 fand das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in einer Untersuchung von Babykleidung und Kindernachtbekleidung noch kritische Gehalte von giftigem Dibutylzinn. Hersteller und Importeure wurden daraufhin von dem Amt aufgefordert, vollständig auf zinnorganische Verbindungen als Textilhilfsmittel zu verzichten. Wir wollten jetzt wissen, ob sich bei der bedruckten Kinderkleidung etwas verbessert hat. Entsprechend der Vielfalt des Angebots kamen mit in den Test: beliebte Mode- und Sportmarken, Produkte aus dem Billigsegment und von teureren Kinderkleidungslabeln und Spielzeuganbietern sowie Fanartikel zu Figuren aus Fernsehserien und Büchern. Preislich reichte die Spannbreite dabei von 1,99 bis 29,95 Euro.

Die Inhaltsstoffe

Neben zinnorganischen Verbindungen sind in der Vergangenheit in T-Shirt-Drucken eingesetzte Phthalatweichmacher besonders unangenehm aufgefallen. ÖKO-TEST findet in Textilien auch regelmäßig krebsverdächtige Azo-Farbstoffe und Formaldehyd, das aus Klebstoffen stammt oder Kleidung "bügelfrei" machen soll. Nach diesen Stoffen musste in den Baby- und Kleinkindershirts also gründlich gefahndet werden. Außerdem wurden alle Druckfarben auf giftige Schwermetalle untersucht.

Materialeigenschaften

Die Shirts wurden entsprechend der Pflegeanleitung gewaschen und getrocknet. Bei den meisten bedeutete das: Wäsche bei 30 oder 40 Grad Celsius im Schonwaschgang, danach Lufttrocknung. Hinterher maßen die Tester die Veränderung in Länge und Breite, und überprüften, ob die Textilien in sich verdreht waren. Zudem schauten sie sich an, ob die Farben und Oberflächenstrukturen noch so aussahen wie vor der Wäsche.

Die Bewertung

Auch wenn es für bedenkliche Weichmacher in Baby- und Kleinkinderkleidung keinen gesetzlichen Grenzwert gibt: Die T-Shirts werden den ganzen Tag getragen und die Aufdrucke sicher auch mal in den Mund genommen. Wir bewerten sie deshalb selbstverständlich genauso streng wie in Spielzeug und anderen Babyartikeln. Andere Weichmacher wie DINCH oder Acetyltributylcitrat sind eine bessere Alternative. Da sie sich jedoch wie alle Weichmacher aus dem Kunststoff lösen und unklar ist, wie viel sich in der Umwelt und im Körper anreichert, werten wir auch diese Stoffe ab. Die Ergebnisse in den Punkten Inhaltsstoffe und Materialeigenschaften zählen je zur Hälfte. Da aber auch die schönste Form und Farbe wenig wert ist, wenn ein Kleidungsstück mit bedenklichen oder umstrittenen Inhaltsstoffen belastet ist, kann das Gesamturteil nicht besser sein als das Testergebnis Inhaltsstoffe.