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ÖKO-TEST Juli 2015
vom

Isomatten

Liegen Sie richtig?

Für Abenteuerurlauber und Festivalfans gehört sie zur Grundausstattung: die Isomatte. Nach unserem letzten Test rechneten wir mit dem Schlimmsten, doch die meisten Hersteller haben dazugelernt. Mehr als die Hälfte der getesteten Schlafunterlagen können wir empfehlen.

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26.06.2015 | Die Zeiten sind vorbei, in denen es Reinhold Messner und ähnlich wagemutigen Gesellen vorbehalten war, die Gebirgsgipfel dieser Erde zu erklimmen. Abenteuertrips sind längst zum massentauglichen Urlaubsvergnügen geworden. Das passende Equipment dafür halten zahllose Outdoor-Shops bereit. Entsprechend ausgerüstet steht der Klettertour in den Alpen nichts mehr im Wege. Und wer tagsüber Höchstleistungen erbringt, muss sich nachts erholen. Die Redensart "Wie man sich bettet, so liegt man" lässt sich auch auf die Outdoor-Ausrüstung übertragen. Denn der Schlafkomfort hat beim Campen meist direkten Einfluss auf den Gemütszustand. Die richtige Isomatte ist also das A und O.

Die Auswahl an Matten ist riesig - vom klassischen Schaumstoffmodell über die selbst aufblasende Variante bis zur Luftmatratze mit integrierter Pumpe bleiben kaum Wünsche unerfüllt. Nicht selten wird die anfängliche Freude über den Kauf aber getrübt: In Internetforen liest man von unangenehmen, chemischen Gerüchen, die den Campern beim Auspacken so mancher Ausrüstung entgegenschlagen. Kein Wunder also, dass sich einige Outdoor-Fans neben Größe, Gewicht und Isoliergrad auch Gedanken über die Schadstoffbelastung ihrer portablen Schlafstätten machen. Schließlich haben sie des Nachts stundenlang Körperkontakt mit den Kunstfasern, schwitzen und atmen unmittelbar an ihrer Oberfläche.

Und tatsächlich: Bei der Herstellung der Matten kann sich ein ganzer Cocktail schädlicher Substanzen zusammenbrauen. Alarmierende Schadstofffunde in unseren vergangenen Tests und Schlagzeilen wie "Chemie für Gipfelstürmer", mit denen etwa der Outdoor-Report 2013 von Greenpeace schockierte, zeigen, dass die Produktionsprozesse in der Branche längst nicht immer so grün und fair sind, wie die Werbung das suggeriert.

Einige Produzenten wollen dem angeschlagenen Image mit gezielten Maßnahmen entgegenwirken. Das baden-württembergische Unternehmen Vaude, das offensiv mit einer ökologischen Unternehmenspolitik wirbt, legt beispielsweise laut eigener Aussage Wert darauf, dass Lieferanten sich mindestens an gesetzliche Vorgaben und Standards wie OEKO-TEX 100 oder die ISO-Normen 14000 halten. Mit dem selbst entwickelten sogenannten "Green Shape Standard" bewerte man zudem Herkunft und Produktion der Roh- und Hilfsstoffe, erklärt Unternehmenssprecher Benedikt Tröster. Ähnlich verfährt auch Jack Wolfskin mit seinem "Green Book", mit dem das Unternehmen den Einsatz bestimmter Substanzen bei der Herstellung seiner Produkte regelt, wie Melanie Kuntnawitz von Jack Wolfskin mitteilt.

Doch auch wenn einige Hersteller positive Signale senden - an einheitlichen Qualitätslabels kann man sich beim Isomattenkauf kaum orientieren. Etwas Licht ins Dunkel bringen Siegel wie Bluesign, an dessen Anforderungen sich Unternehmen wie Vaude, Mammut und Jack Wolfskin orientieren. Bluesign Technologies, eine Firma aus der Schweiz, hat Grenzwerte für Chemikalien und Vorgaben für Produktions- und Arbeitsabläufe bei der Textilveredelung festgelegt. Wer das Bluesign-Label (www.bluesign.com) erhalten möchte, muss beim Färben, Bedrucken und Beschichten seiner Produkte einige Regeln einhalten - bestimmte Fasern, Chemikalien, Farbstoffe oder Hilfsmittel dürfen nicht eingesetzt werden. An zertifizierten Produkten ist ein blaues Stoffschild angenäht. Darauf steht entweder "Bluesign Product", wenn neben den Textilien auch Komponenten wie Knöpfe, Reißverschlüsse oder Schnallen überprüft wurden, oder "Bluesign Approved Fabric", wenn mindestens 90 Prozent der verwendeten Textilien die geforderten Kriterien erfüllen.

Zum Teil sind die Bluesign-Grenzwerte sehr streng, häufig aber weniger streng als die Abwertungsgrenzen, die ÖKO-TEST anlegt.

In unserem letzten Isomatten-Test aus dem Jahr 2004 zeigten sich eklatante Mängel: Knapp zwei Drittel der getesteten Produkte waren so schadstoffbelastet, dass wir vom Kauf dringend abraten mussten. Damals waren es vor allem hohe Mengen zinnorganischer Verbindungen, die uns Kopfschmerzen bereiteten. Auch vor Weichmachern und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) strotzten einige Schlafunterlagen nur so. Nun wollten wir wissen, ob die Branche dazugelernt hat. Wir haben erneut 16 Matten eingekauft und in den Laboren auf Herz und Nieren prüfen lassen.

Das Testergebnis

Die Tendenz stimmt. Um mit der guten Nachricht zu beginnen: Fast die Hälfte der Matten meistert unseren Test dieses Mal mit der Bestnote "sehr gut". Drei weitere sind mit "gut" ebenfalls empfehlenswert. Nur zwei Matten fallen mit "ungenügend" eindeutig durch - auf diesen möchte wohl niemand auch nur ein kurzes Nickerchen machen.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Ob im Spezialgeschäft, im Kaufhaus oder im Online- und Katalogversand - Isomatten bekommt man fast überall. Aus der großen Auswahl landeten 16 Schlafunterlagen in unserem Einkaufswagen. Darunter sind Schaumstoffmatten, selbst aufblasende Polsterexemplare und Luftmatratzen. Tendenziell sind die ausgewählten Modelle eher für Freizeitabenteurer als für Profis gedacht.

Die Inhaltsstoffe
Die Matten bestehen aus Kunststoffen wie Polyester, Polyethylen (PE), Polyurethan (PU), Nylon oder Ethylenvinylacetat (EVA). Bei der Herstellung dieser Materialien kann es unter anderem zu Belastungen mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), giftigen zinnorganischen Verbindungen oder Weichmachern aus der Gruppe der bedenklichen Phthalate kommen. Alternativ gibt es Ersatzweichmacher wie DEHT und DiNCH, zu deren Wirkung auf den Menschen aber noch wenig bekannt ist. Auf alle diese Stoffe ließen wir die Matten untersuchen.

Die Bewertung
Eigentlich ganz einfach: Produkte, in denen für uns tolerierbare Schadstoffmengen überschritten werden, bekommen Punktabzug. Das betrifft sowohl PAK als auch zinnorganische Verbindungen, Weichmacher und phosphororganische Verbindungen. Je mehr Schadstoffe sich im Produkt tummeln, desto schlechter schneidet es in unserem Test ab.

So haben wir getestet

Für die Laboranalyse wurde jede der Matten in unzählige kleine Stücke geschnitten.