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Kleidermotten bekämpfen: 14 Mittel im Test enthalten Nervengift

Magazin Juni 2022: Wie gut ist mein Bier? | Autor: Hanh Friedrich/Frank Schuster/Cordula Posdorf | Kategorie: Bauen und Wohnen | 19.05.2022

Kleidermotten bekämpfen: Fast die Hälfte kann schädlich sein
Foto: ÖKO-TEST

Kleidermotten können großen Schaden anrichten, obwohl sie sehr klein sind: Sie fressen Löcher in Textilien mit tierischen Naturfasern wie Wolle und Seide. Wir haben Mittel gegen Kleidermotten getestet. Von rund der Hälfte raten wir ab. Außerdem erklären wir, was hilft, um Kleidermotten loszuwerden.

  • Im Test: 33 Mittel gegen Kleidermotten. 15 Produkte im Test fallen durch. Die meisten von ihnen können für Mensch und Umwelt schädlich sein. 
  • Nicht alle Mottenmittel eignen sich dazu, Kleidermotten abzutöten – einige können nur zur Vorbeugung angewendet werden.
  • Mit diesen Tipps werden Sie Kleidermotten wieder los.

Es sind nicht die ausgewachsenen Kleidermotten (Tineola bisselliella), die Löcher in die Wolle fressen, sondern ihre Larven. Denn für ihr Wachstum benötigen sie Keratin: ein Protein, das unter anderem in Tierhaaren enthalten ist.

Fündig werden die Larven der Kleidermotten in Textilien, die aus Wolle bestehen. Auch Teppiche, Polstermöbel, Federn, Daunen oder Dämmstoffe bleiben nicht verschont. Außerdem können Motten dort sitzen, wo sich Haare sammeln, etwa auf Schlafplätzen von Haustieren oder in Bettritzen.

Typisch für einen Befall sind die wattig-seidigen Gespinströhren. Darin halten sich die Larven (etwa einen halben Millimeter groß) auf. In geheizten Räumen kann sich die Kleidermotte ganzjährig vermehren. Ein Weibchen legt bis zu 250 Eier auf Wollstoffen ab.

Kleidermotten: So klein und unscheinbar, aber ihre Larven fressen sich gern durch den Kleiderschank.
Kleidermotten: So klein und unscheinbar, aber ihre Larven fressen sich gern durch den Kleiderschank. (Foto: Tomasz Klejdysz/Shutterstock)

Kleidermotten bekämpfen: Nexa Lotte, Raid und Co. im Vergleich

Kleidermotten scheuen das Licht, verstecken sich unter Teppichen oder in Kleiderschränken – und hinterlassen unschöne Spuren. Wenn sie sich erst einmal irgendwo eingenistet haben, wird man sie nur schwer wieder los.

In Drogerien, Super- und Baumärkten gibt jede Menge Mittel, die Hilfe gegen Kleidermotten versprechen: Mottenpapier, Klebefallen, Kleiderstangenhänger, Sprays und das gute alte Lavendelsäckchen. Stellt sich die Frage: Was hilft?

Die kurze Antwort vorab: Alle Mittel können eine Hilfe sein, um Textilien vor Motten zu schützen. Aber sie helfen auf unterschiedliche Weise und gehen mit unterschied­lichen Prinzipien gegen die ungeliebten Schrankgenossen vor. Hier der Überblick:

Bedenkliche Gifte in manchen Mottenmitteln

Prinzip Nummer eins: Motten vergiften. Vorteil: Insektengifte sind wirksam. Nachteil: Sie können auch Menschen und Hausstiere belasten. Aus ÖKO-TEST-Perspektive sind sie deshalb nicht zu empfehlen.

Diese Bekämpfungsmittel enthalten als Hauptwirkstoff das Gift Transfluthrin – zweimal kombiniert mit Tetramethrin, einmal mit Prallethrin. Alle drei Substanzen zählen zu den Pyrethroiden. Vorbild für diese synthetischen Insektizide ist Pyrethrum, ein aus den Blüten der Chrysantheme gewonnenes natürliches Nervengift. Aus den Bekämpfungsmitteln in Form von Papieren und Gelbeuteln gasen die Gifte langsam aus und lagern sich auf Oberflächen ab.

Zwar töten Transfluthrin und die anderen Pyrethroide Motten und Mottenlarven ab. Das Problem aber: Sie können auch das Nervensystem von Menschen und Haustieren angreifen. Die Symptome, die sie auslösen können, reichen von Kopfschmerzen über Augenreizungen bis zu depressiven Verstimmungen.

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Kleidermotten bekämpfen: Helfen Klebefallen?

Prinzip Nummer zwei: Befallskontrolle mittels Klebefallen. Vorteil: Die Fallen sind für Mensch, Hund und Katze keine Gefahr. Nachteil: Mit Klebefallen fängt man zwar die männlichen Motten. Die Larven, die möglicherweise schon am Kaschmirpulli nagen, lässt das kalt.

Klebefallen verbreiten für Menschen geruchlose und ungefährliche Sexuallockstoffe. Diese Sexuallockstoffe (Pheromone) werden normalerweise von weiblichen Kleidermotten ausgesendet. Die Klebefallen machen sich also den Paarungstrieb zunutze. Man gibt die Klebefallen in den Kleiderschrank, zieht die Schutzfolie ab und der entströmende Duft lockt die männlichen Insekten auf den Leim, mit dem die Fallen bestrichen sind.

Da die Fallen die männlichen Tiere töten, wird zumindest der Paarungszyklus unterbrochen. Sie halten aber die Weibchen nicht dauerhaft von der Wollwäsche fern. Also: Wer mit seiner Leimfalle einen Befall nachweist, muss anschließend zu weiterreichenden Maßnahmen greifen.

(Foto: ÖKO-TEST)

Schlupfwespen, Essig, Kälte: natürliche Mittel gegen Kleidermotten

Wenn Sie keine herkömmlichen Produkte verwenden möchten, gibt es auch Hausmittel oder natürliche Feinde, die Sie gegen Kleidermotten einsetzen können. Das können Sie tun, wenn Sie einen Befall von Kleidermotten feststellen: 

  1. Kleiderschränke oder Truhen gründlich aussaugen, besonders die Fugen und Ritze.
  2. Möbel mit Essigwasser auswischen und gut trocknen.
  3. Fugen und Ritzen mit einem Föhn erhitzen, um restliche Motten, Larven oder Eier abzutöten.
  4. Nicht befallene Wollsachen für ein paar Tage ins Gefrierfach legen.

Kleidermotten können Sie außerdem mit ihren natürlichen Feinden bekämpfen: Schlupfwespen. Im Fachhandel und im Internet sind Präparate mit lebenden Tieren erhältlich. Diese legt man in den betroffenen Schrank oder Raum. Die Wespen legen ihre Eier in die Motteneier ab, woraufhin diese absterben.

Die Schlupfwespen sind so winzig, dass man ihre Anwesenheit kaum wahrnimmt. Sie sind ungefährlich für Mensch und Haustier. Haben sie alle Motteneier zerstört, sterben sie ab oder verschwinden.

Kleidermotten vorbeugen mit ätherischen Ölen

Vorsorge ist die beste Sorge: Wer verhindern möchte, dass die Kleidermotten überhaupt auftauchen, sollte zu Abwehrmitteln greifen.

Von den Sprays und Duftdepots in der Gruppe der vorbeugenden Mittel enthalten acht Produkte in unserem Test als Wirkstoff Lavandinöl, das aus Lavendel gewonnen wird, eines Margosa – ein Extrakt aus Pflanzenteilen des Niembaums. Wissenschaftliche Studien liefern Hinweise darauf, dass der Duft von bestimmten ätherischen Ölen Motten fernhalten kann. Doch was die von den Anbietern vorgelegten Praxistestberichte angeht, waren wir auch hier nicht zufrieden.

In unseren Anforderungen an Studien zur Wirksamkeit haben wir uns an den Leitlinien zur Biozidprodukte-Verordnung der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) orientiert.

Ein Abwehrprodukt-Produkt erhält von uns ein "ungenügend", da es nicht in der Datenbank der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit (BAuA) registriert ist, obwohl das gesetzlich für Biozidprodukte so vorgeschrieben ist.

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Lavendel und Zedernholz: Diese Düfte wehren Kleidermotten ab 

Einige Hausmittel wie Lavendel oder Zedernholz können mit ihrem Duft Motten fernhalten. Einen hundertprozentigen Schutz bieten diese Naturprodukte nicht. Aber sie helfen, den Motten das Leben schwer zu machen, und das ganz ohne Gift.

Für diese Düfte gibt es laut Umweltbundesamt (UBA) Hinweise, dass sie Kleidermotten vergrämen: 

  • Lavendel
  • Zirben
  • Zederholz
  • Neem
  • Geraniol

Andere Mittel hingegen gelten inzwischen als wirkungslos. Darunter laut Umweltbundesamt:

  • Angelikawurzel
  • Eukalyptusblätter
  • Cayenne-Pfeffer
  • Schwarzer Pfeffer

Unser Tipp: Wer sich Holzscheiben, Duftsäckchen oder -depots mit ätherischen Ölen in den Kleiderschrank legt, sollte sie regelmäßig wechseln. Denn der für die Motten unangenehme Geruch verflüchtigt mit der Zeit. Achtung: ätherische Öle können bei empfindlichen Menschen für Unwohlsein und Kopfschmerzen sorgen. Am besten zunächst vorsichtig ausprobieren, welchen Duft man verträgt.

Schade um den schönen Pulli. Mottenlarven fressen sich durch Wolle und Seide, darin steckt Keratin.
Schade um den schönen Pulli. Mottenlarven fressen sich durch Wolle und Seide, darin steckt Keratin. (Foto: Little Adventures/Shutterstock)

So schützen Sie Ihre Kleidung vor Motten 

Was kann man noch tun, um Kleidermotten vorzubeugen?

  • Wollkleidung und -decken, die Sie längere Zeit nicht nutzen, gut verschließen und verpackt einlagern. Mittel mit einem abwehrenden Duft dazulegen - das schützt umso mehr.
  • Wäsche nur gut gewaschen einlagern, denn Kleidermotten lieben Schweißrückstände und Hautschuppen. Weil sie auch Wärme lieben, ist ein kühler Raum ein guter Ort zum Lagern.
  • Felle, Decken und (Wand-)Teppiche regelmäßig ausklopfen, lüften und der Sonne aussetzen.
  • Fliegennetze an Fenstern und Balkontüren verhindern das Hereinkommen von Motten (und anderen Insekten). 

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:

Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 33 Mittel gegen Kleidermotten in Supermärkten, Drogerien, Baumärkten und im Onlinehandel eingekauft. 14 sind Bekämpfungsmittel, die mit Insektiziden die Motten abtöten sollen. Zehn sind Klebefallen, die mit Sexuallockstoffen (Pheromonen) die männlichen Falter anziehen und so zur Befallskontrolle dienen. Neun sind Vertreibungsmittel (Repellentien) in Form von Dispensern und Sprays, die mit Duftstoffen (Lavandinöl, Margosa­extrakt) die Insekten abhalten sollen. Für die Beurteilung der bioziden Wirkstoffe legten wir ein von uns beauftragtes Gutachten zu möglichen gesundheitlichen Auswirkungen auf den Menschen zugrunde. Außerdem fragten wir alle Anbieter und Hersteller nach Studien, die die Wirksamkeit ihrer Produkte belegen, und überprüften, falls zugänglich, die Zulassungsdokumente. Zudem kontrollierten wir die Aus­lobungen und ließen die Verpackungen von einem Labor auf umweltschädliche chlorierte Verbindungen untersuchen.

Testmethode 

PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Bewertungslegende

Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um fünf Noten: ein Produkt, das nicht in der BAuA-Datenbank registriert ist. Zur Abwertung um vier Noten führen:synthetische Insektizide wie Pyrethroide (hier: Transfluthrin, Tetra­methrin und/oder Prallethrin). Zur Abwertung um zwei Noten führen:eine nicht überzeugend belegte Wirksamkeit der Produkteoder keine Wirksamkeitsstudie vorgelegt.Als überzeugende Belege gelten eine aktuelle Produktzulassung durch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit (BAuA) und/oder eine vom Hersteller vorgelegte, produktspezifische Wirksamkeitsstudie, die sich an den ECHA-Anforderungen der RichtlinieGuidance on the Biocidal Products Regulation (Volume II)orientiert.

Eine Wirksamkeitsstudie für Repellentien (Vertreibungsmittel) und Lockmittel (Klebefallen) (Produktart 19) wurde nicht anerkannt, wenn: a) eine Wirksamkeit von unter 80 Prozent vorlag; b) weniger als fünf Wiederholungsversuche durchgeführt wurden; c) der Versuchsaufbau weniger als 50 Motten vorsah; d) kein Kontrollversuch durchgeführt wurde (5-fach-Bestimmung). Eine Wirksamkeitsstudie für Insektizide (Produktart 18) wurde nicht anerkannt, wenn: a) die Wirkstoffzusammensetzung und/oder -konzentration in der Wirkstudie nicht der des Testprodukts entsprach; b) nur Teile einer Wirkstoffstudie zitiert wurden.

Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um zwei Noten: fehlende, laut Produktsicherheitsgesetz aber vorgeschriebene Kontaktdaten des Herstellers. Zur Abwertung um eine Note führt: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung.

Gesamturteil: Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir keinen Praxistest durchgeführt und die von den Herstellern versprochenen Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben; es waren jedoch produktspezifische Wirksamkeitsstudien vorzulegen.

Einkauf der Testprodukte: März 2022

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