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22 Rosensträuße im Test

Wem jetzt was blüht

ÖKO-TEST Mai 2011 | Kategorie: Bauen und Wohnen | 29.04.2011

22 Rosensträuße im Test

Rosen zu Muttertag sind ein blühendes und oft schmutziges Geschäft. Unser Test zeigt die Probleme - und Wege aus der Misere.

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Alles Liebe zum Muttertag, dazu Blumen und Pralinen. Die Arbeiterinnen auf den Blumenfarmen in Ecuador bekommen am 8. Mai keine Glückwünsche. Sie haben keine Kinder, sie haben Fehlgeburten. Oder sie sind unfruchtbar, durch Pestizide, die auf Rosen gespritzt werden. Ähnliche Studien und Berichte gibt es auch aus anderen Ländern. In Kenia, einem der bedeutendsten Erzeugerländer, sterben nach Angaben der Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt jährlich 1.000 Menschen an Pestizidvergiftungen. Aus Uganda wird über Kopfschmerzen und Atembeschwerden berichtet, von den Philippinen über Nierenschäden und Krebs.

Wir wollen Ihnen nicht die Freude an den Muttertagsblumen verderben, aber das ist die Wirklichkeit in einer Welt, in der die einen in der Sonne, die anderen auf der Sonnenseite leben.

Die Probleme in den Erzeugerländern sind selbstverständlich auch in Deutschland bekannt. Man kann versuchen, sie über zwei Wege zu lösen. Zum einen durch bessere Arbeitsbedingungen. Dazu gehören geeignete Schutzausrüstung beim Mischen und Versprühen der Pestizide und die Einhaltung der vorgeschriebenen Wartezeiten, bevor die Gewächshäuser nach dem Spritzmitteleinsatz wieder betreten werden. Das alles ist bislang eher die Ausnahme.

Der zweite Ansatzpunkt sind die Pestizide selbst, um die es auch in unserem Test geht. Es dürfte bekannt sein, dass sie per se nicht gesund, sondern Spritzgifte sind. Aber es gibt durchaus Unterschiede. Die Weltgesundheitsorganisation WHO beispielsweise teilt die mehreren Hundert Wirkstoffe in fünf Klassen ein von "extrem gefährlich" bis "Gefährdung unwahrscheinlich" - zumindest bei vorschriftsmäßigem Gebrauch. Die amerikanische Umweltbehörde (EPA) unterscheidet ebenfalls fünf Klassen von "wahrscheinlich krebserregend" bis "keine Krebsgefahr".

Den Einsatz der schlimmsten Gifte "verbieten" die drei Label, mit denen ein Teil der Blumen in unserem Test ausgezeichnet ist: das Flower Label Program (FLP), das von Menschenrechtsorganisationen wie Brot für die Welt, Gewerkschaften, Blumenhändlern und -erzeugern getragen wird, Fair Flowers Fair Plants (FFP) aus den Niederlanden und Fairtrade, das es für Lebensmittel, Blumen, Kleidung oder Spielzeug gibt. Wir schreiben "verbieten" in Anführungszeichen, weil sich die Verbotslisten in den Vergabebedingungen bei genauerem Hinsehen mehr oder weniger als Papiertiger entpuppen. Pestizide, die in den EU-Ländern längst nicht mehr verwendet werden dürfen, sind ebenso erlaubt wie solche, die die amerikanische Umweltbehörde als "möglicherweise krebserregend" einstuft.

Zu noch übleren, "hochgiftigen oder krebserregenden Pestiziden" heißt es bei FFP lediglich, sie "sollten" nicht verwendet werden. Die wenigen, die bei den beiden anderen Labeln tatsächlich auf dem Index stehen, werden trotzdem eingesetzt, wie unser Test zeigt. Da kann man nur hoffen, dass es um den Arbeitsschutz auf den Blumenfarmen, der ein weiteres Vergabekriterium für die Label ist, besser steht. Der Fairness halber wollen wir hinzufügen, dass es


Blumen: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Rosen, rot
  • Aldi Nord

Flora Service Rosenstrauß Midi, gelb
  • Rewe

Rosen orange-gelb (S)
  • Kaufland

Rosen, rot
  • Dehner

A586 Alles Liebe zum Geburtstag
  • Fleurop

Fairtrade Rosen 40 cm, gelb
  • Rewe

A615 Zartrosa Rosen
  • Fleurop

Super Florist 10er Rosen, rot
  • Real

FLP-Rosen Marie Claire, orange-gelb meliert
  • Blumenladen

Rosen, rot
  • Blumen Risse

Rosen, gelb
  • Norma

Afri Flora Fairtrade Moosrosen, rosa
  • Netto Marken-Discount

Edelrosen, gelb
  • Lidl

Rosen Sweethearts, hellrot
  • Blume 2000

Fairtrade Fairfleurs Rosen Gaia, gelb/rot/gelb-rot meliert
  • Blume 2000

Rosen gelb/grün-rosa meliert
  • Edeka

Gebundener Rosenstrauß, bunt
  • Blumotion (Tankstellen)

Rosen, apricot
  • Penny

Fair Flowers Fair Plants Rosen, rot
  • Dehner

A620 Rosenstrahlen
  • Fleurop

Rosen, lachs
  • Aldi Süd

Rosen 30cm, rot
  • Pflanzen-Kölle

22 Rosensträuße im Test
ÖKO-TEST Mai 2011 Seite 84
ÖKO-TEST Mai 2011 Seite 85
ÖKO-TEST Mai 2011 Seite 86
ÖKO-TEST Mai 2011 Seite 87
ÖKO-TEST Mai 2011 Seite 88
ÖKO-TEST Mai 2011 Seite 89
ÖKO-TEST Mai 2011 Seite 90
ÖKO-TEST Mai 2011 Seite 91

8 Seiten
Seite 84 - 91 im ÖKO-TEST Mai 2011
vom 29.04.2011
Abrufpreis: 1,00 €

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Blumen gibt es inzwischen fast überall - ob im Blumenladen oder im Discounter, in Gärtnereien oder in Gartencentern, an Tankstellen oder am Straßenrand. Wir haben uns bei der Auswahl an den Verkaufszahlen orientiert: Die größten Mengen werden über den Einzelhandel verkauft, darunter zunehmend die Discounter. Aber auch Fachgeschäfte wollten wir nicht außen vor lassen und haben deshalb einige Sträuße über Fleurop bestellt - schließlich hat der Blumenversender in Deutschland rund 8.000 Partnerfloristen, die ein Fachgeschäft führen und den Fleurop-Service anbieten. Außerdem haben wir den Mitbewerber (Blume 2000), mehrere Gartencenter-Ketten und Tankstellenblumen (Blumotion) im Test.

Niemand kauft mehr Rosen als der Bundesbürger. Rund drei Milliarden Euro blättern sie jährlich für Schnittblumen hin, mehr als jede dritte davon ist eine Rose. Aus diesem Grund haben wir ausschließlich Rosen eingekauft, darunter typische "Supermarktrosen" mit kleinen oder mittelgroßen Blüten, wie sie in Kenia oder Äthiopien produziert werden und auch einige prachtvollere Exemplare aus dem Hochland Ecuadors, wo die Blumen besonders langstielig und großblütig gedeihen.

Die Pestizide und die Nachhaltigkeit

Blumen, ganz besonders Rosen, sind emotional geprägte Produkte. Sie sollen laut Werbespruch des Handels "Freude schenken". Und wer möchte seinen Liebsten schon Blumen präsentieren, die unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert werden und mit giftigen Chemikalien die Umwelt in den Erzeugerländern und die Gesundheit der Arbeiter auf den Blumenfarmen belasten? Pestizide sind das Hauptproblem. Deshalb haben wir uns auch darauf konzentriert und die Rosen auf mehr als 550 Pflanzenschutzmittelrückstände untersucht, allen voran Fungizide, Insektizide und Herbizide, die gegen Schimmelpilz, Blattflecken, Larven- oder Unkrautbefall eingesetzt werden.

"Einem Verhaltenskodex sind wir nicht unterworfen", ist auf der Fleurop-Homepage zu lesen - eine fragwürdige Aussage von einem Unternehmen, das als weltweit führender Blumen-Vermittlungsservice zwischen Grönland und Kapstadt, zwischen Hawaii und Nowosibirsk in besonderem Maße der Nachhaltigkeit verpflichtet ist. Wir wollten genauer wissen, wie es um die Verantwortung der einzelnen Blumenanbieter im Test bestellt ist und haben allen einen umfangreichen Fragebogen geschickt. In erster Linie ging es um den Pestizideinsatz und damit um die Arbeitsbedingungen auf den Blumenplantagen und die Einhaltung von Selbstverpflichtungen der Händler vor Ort.

Die Bewertung

Für den Pestizideinsatz in Schnittblumen gibt es weder Höchstmengen noch Richtwerte. Wenn aber den Blumen ein wahrer Giftcocktail anhaftet oder in großem Stile Spritzmittel eingesetzt werden, die international verpönt sind, weil sie zum Beispiel Krebs auslösen können oder die Fortpflanzung beeinträchtigen, hat das fatale Folgen für die Arbeiter in den Produzentenländern. Der Einsatz dieser Mittel ist in der Regel unnötig, es gibt unbedenklichere Alternativen.

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ÖKO-TEST Mai 2011
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Erschienen am 29.04.2011

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