Bodylotions im Test: Die beiden teuersten Marken sind nichts für die Haut

Magazin Dezember 2022: Butter | Autor: Dimitrij Rudenko/Heike Baier/Hannah Pompalla | Kategorie: Kosmetik und Mode | 22.11.2022

Bodylotions im Test: Welche Bodylotion pflegt trockene Haut am besten?
Foto: ÖKO-TEST; Yuriy Maksymiv/Shutterstock

Bodylotions mit bekannten Designernamen wie Calvin Klein oder Jean Paul Gaultier machen mächtig was her unterm Weihnachtsbaum. In unserem Test können sie aber nicht überzeugen: Sie fallen mit "ungenügend" durch. Dagegen sind viele Körperlotionen, die nur einen Bruchteil kosten, "sehr gut". 

  • Wir haben 35 Körperlotionen, -milche, -balsame und -cremes getestet. Die meisten sind für trockene Haut geeignet oder als "reichhaltig" ausgelobt. 
  • 18 Bodylotions können wir mit "sehr gut" empfehlen.
  • Kritik gibt es für bedenkliche Duftstoffe, synthetische Fette, kritische Mineralölbestandteile und weitere Problemstoffe.

Die Lotionen mit den Designerdüften sind edel verpackt und nicht ganz billig. 40 Euro müssen Kundinnen etwa für 200 Milliliter der Calvin Klein Eternity For Woman Luxurious Body Lotion berappen. Es ist das teuerste Produkt in diesem Test. Die gleiche Menge der günstigsten – und "sehr guten" – Körperlotionen kostet gerade mal 38 Cent.

Kaum zu glauben: Der Preis der Calvin-Klein-Lotion übersteigt den der preiswertesten Produkte damit um mehr als das Hundertfache. Nun will vielleicht nicht jeder die allergünstigste Bodylotion unter den Weihnachtsbaum legen. Es soll schon "was Gutes" sein. Nur: Woran erkennt man das? An einem Markennamen und am Preis jedenfalls nicht, so viel steht fest.

Bodylotions im Test: Welche sind die Testsieger?

Wir haben Bodylotions eingekauft – passend zur Jahreszeit vorrangig Produkte für trockene Haut – und im Labor auf Schadstoffe überprüfen lassen. 18 Produkte können wir mit "sehr gut" empfehlen, und da ist preismäßig alles dabei.

Zehn Bodylotions schmieren jedoch mit "mangelhaft" oder "ungenügend" ab. In ihnen haben wir Stoffe entdeckt, die aus unserer Sicht nichts in einem Kosmetikprodukt zu suchen haben.

Auffällig: Unter den Schlusslichtern befinden sich auch die beiden teuersten Produkte im Test: Die Körperlotion von Calvin Klein, gefolgt von der Lotion der Designermarke Jean Paul Gautier. Diese kostet satte 32,99 Euro pro 200 Milliliter. 

Bodylotion soll vor allem trockene Haut pflegen. Problematische Stoffe haben nichts in ihnen verloren.
Bodylotion soll vor allem trockene Haut pflegen. Problematische Stoffe haben nichts in ihnen verloren. (Foto: Boszyy Artist/Shutterstock)

Hormonverdächtiger Duftstoff entdeckt

Wo anfangen mit den Kritikpunkten? Vielleicht bei der Duftmarke, über die sich drei geprüfte Designerprodukte definieren: Calvin Klein, Jean Paul Gaultier und Jill Sander. Sie enthalten den polyzyklischen Moschusduft Galaxolid.

In der getesteten Bodylotion von Jean Paul Gaultier und der von Jil Sander steckt obendrein der synthetische Duftstoff Cashmeran, und davon reichlich. Beide Verbindungen reichern sich im menschlichen Fettgewebe an.

Galaxolid steht im Verdacht, das Hormonsystem zu beeinträchtigen. Ob das stimmt, muss abschließend geklärt werden – dazu läuft derzeit im Rahmen des EU-Aktionsplans CoRAP eine Neubewertung des Duftstoffs.

Woran jedoch kein Zweifel besteht: Galaxolid ist sehr schwer abbaubar und wurde schon überall in der Umwelt nachgewiesen. In Flüssen und Klärschlämmen, im Nordseewasser, sogar in Muttermilch. Verzichtbar finden wir auch Duftstoffe mit allergischem Potenzial wie Cinnamal oder Hydroxycitronellal, die in einigen Lotionen zu Minuspunkten führen.

Trockene Haut: Welche Bodylotion pflegt am besten?

Der eigentliche Zweck einer Bodylotion ist die Hautpflege. Gerade im Winter, wenn trockene Heizungsluft oder heißes Duschen der Haut zusetzen, soll eine Lotion ihr Lipide und Feuchtigkeit zurückgeben.

Nun könnten Verbraucherinnen und Verbraucher denken, wenn sie für eine Körperlotion 30 oder 40 Euro ausgeben, bekommen sie dafür auch eine luxuriöse Hautpflege. Doch darum scheint es bei den Cremes mit Designerdüften nicht zu gehen. Denn die teuersten Bodylotions im Test können nicht gerade mit hochwertigen Pflegeölen bzw. -fetten glänzen. 

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Synthetische Fette in den teuersten Körperlotionen

So setzen die hochpreisigen Körperlotionen auf künstliche Fette. In der Bodylotion von Calvin Klein etwa ist Silikonöl nach Wasser der wichtigste Inhaltsstoff. Bei Jil Sander kommt nach Wasser gleich das Erdölfett Paraffinum Liquidum.

Silikonöl und Paraffine sind synthetische Fette, die zwar ein gutes Hautgefühl erzeugen; zur Rückfettung der Haut tragen sie jedoch wenig bei, denn sie bleiben vornehmlich auf deren Oberfläche liegen. Natürliche Öle, wie sie etwa in den Naturkosmetik-Lotionen eine tragende Rolle spielen, integrieren sich dagegen besser ins Gleichgewicht der Haut.

Allerdings stecken künstliche Fette nicht nur in den Designerprodukten – etliche überprüfte Anbieter mischen sie ebenfalls in ihre Rezeptur. In einer Körperlotion fand das Labor sogar den Rekordgehalt von mehr als 15 Prozent Paraffinen.

Kritische Mineralölbestandteile in Bodylotions

Paraffine sind darüber hinaus auch aus einem weiteren Grund problematisch: Wenn die aus Erdöl hergestellten Paraffine nicht gut aufgereinigt sind, können sich darin noch Reste aus ihrer Vergangenheit befinden: aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH), zu denen auch krebserregende Verbindungen gehören.

In sechs Bodylotions im Test hat das Labor MOAH nachgewiesen. Immerhin: Die Designer-Lotionen gehören nicht dazu. Wenn sie Paraffine verwenden, dann zumindest in ordentlicher Qualität.

Weitere Problemstoffe in Körperlotionen im Test

Wir sind im Test von 35 Körperlotionen auch auf weitere Problemstoffe gestoßen: 

  • Synthetische Polymere: Die löslichen Kunststoffverbindungen können nach dem Duschen in die Umwelt gelangen – mit bisher unbekannten Folgen.
  • Chlorphenesin: Bei diesem Konservierungsstoff handelt es sich um eine halogenorganische Verbindung, die zu Hautirritationen führen kann.
  • PEG-Verbindungen: Diese Stoffe, die als Emulgatoren eingesetzt werden, um Wasser und Fett zu verbinden, können die Haut durchlässiger machen für Fremd- und Schadstoffe.
  • Diethylphthalat (DEP): Die Substanz, die zur Vergällung von Alkohol dient, kann den Schutzmechanismus der Haut ebenfalls beeinträchtigen.

Tipps bei trockener Haut

Veranlagung, Alter, die kalte Jahreszeit – manche Ursachen für trockene Haut lassen sich nicht beeinflussen. Andere hingegen schon:

  • Kürzer Duschen: Je länger und heißer eine Dusche, desto mehr entzieht sie der oberen Hautschicht körpereigene Fette, die Lipide. Und damit auch gleich Feuchtigkeit, denn die wird dank der Lipide gebunden. Kürzer und kälter duschen, seltener duschen und baden – all das tut trockener Haut gut.
  • Nach der Dusche eincremen: Die Haut sollte möglichst direkt nach dem Duschen eingecremt werden, denn in nassem Zustand nimmt sie Pflegestoffe besser auf. Wem die Lotion aus dem Sommer nun zu wenig Fett bietet: Einfach in der Hand einen Tropfen Körperöl untermischen.
  • Luft befeuchten: Im Winter ist die Luft häufig sowohl draußen trockener als auch drinnen, wo die Heizung ordentlich aufgedreht ist. Beides entzieht der Haut Feuchtigkeit. Wasserbehälter oder feuchte Tücher in Heizungsnähe regulieren die Luftfeuchtigkeit. Weniger Heizen und Kosten sparen? Die Haut freut sich mit.
  • Das hilft auch – nicht nur gegen trockene Haut: ausreichend Trinken, ausgewogen Essen, genügend Schlafen.

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Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 35 Körperlotionen, -milche, -balsame und -cremes eingekauft, vorzugsweise für trockene Haut oder mit der Auslobung "reichhaltig". 13 Produkte sind als Naturkosmetik zertifiziert. Wir deckten auch das obere Preissegment der mit Markendüften parfümierten Lotionen ab, weil die gern zu Weihnachten verschenkt werden: Für die teuerste Körperlotion haben wir 40 Euro pro 200 Milliliter bezahlt, für dieselbe Menge der günstigsten Körpermilch 38 Cent. Einige kritische Inhaltsstoffe von Körperlotionen erfassten wir über die Deklarationen der Produkte auf den Verpackungen: darunter PEG/PEG-Derivate, synthetische Polymere und das Antioxidans Butylhydroxytoluol (BHT), das im Verdacht steht, wie ein Umwelthormon zu wirken. In spezialisierten Laboren ließen wir alle Produkte auf Schadstoffe untersuchen. Wir wollten wissen, ob sie Formaldehyd/- abspalter enthalten, halogenorganische Verbindungen und Duftstoffe, die Allergien auslösen können wie Cinnamal, Cinnamylalkohol oder Hydroxycitronellal. Gegebenenfalls ließen wir auch die Gehalte an Paraffinen, aromatischen Mineralölbestandteilen (MOAH) und Parabenen messen. Schließlich interessierten uns ökologische Aspekte: Sind die Produkte in Plastikflaschen abgefüllt, forderten wir von den Herstellern Nachweise für die Verwendung von Rezyklat. Für weniger als 30 Prozent Rezyklat oder keinem ausreichenden Nachweis für den Rezyklatanteil ziehen wir unter den Weiteren Mängeln eine Note ab.

Bewertungslegende

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) PEG/PEG-Derivate; b) MOAH; c) halogenorganische Verbindungen (hier: Chlorphenesin); d) ein gemessener Gehalt von mehr als 1.000 mg/kg Diethylphthalat (in der Tabelle: "DEP stark erhöht"); e) ein gemessener Gehalt von mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschusverbindungen (hier: Galaxolid/HHCB, in der Tabelle: "künstlicher Moschusduft") und/oder Cashmeran; f) deklarationspflichtige Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Cinnamal).

Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 1 Prozent Silikonverbindungen und/oder Paraffine/ künstliche paraffinartige Stoffe; b) BHT; c) deklarationspflichtige Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Cinnamylalkohol, Hydroxycitronellal).

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führten zur Abwertung um zwei Noten: Silikone (hier: Dimethicone, Cyclohexasiloxane), wenn nicht schon wegen Silikonen unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe abgewertet wurde, und/oder synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier: Acryl- und/oder Methacryl (Co- und Cross-)Polymere).

Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Umkarton, der kein Glas schützt; b) ein Anteil von Rezyklaten (Post-Consumer-Rezyklat, PCR) von weniger als 30 Prozent in Relation zum Gesamtgewicht der Kunststoffverpackung, keine Angabe hierzu und/oder kein ausreichender Nachweis auf unsere Anfrage hierzu.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "mangelhaft" ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.

Testmethoden

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte):

Deklarationspflichtige Duftstoffe/Diethylphthalat/Polyzyklische Moschus- und Nitromoschus-Verbindungen/Cashmeran: Extraktion mit TBME, GC-MS Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Fotometrie. Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration, Festphasenextraktion (SPE), Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Parabene: LC-UV. Aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH): LC-GC/FID. Paraffine/Silikone: Position 1 -3 in der INCI-Liste per Deklaration, ab Position 4 in der INCI-Liste LC-RI nach Extraktion (ggf. GC-MS). PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse. Weitere Inhaltsstoffe: per Deklaration.

Einkauf der Testprodukte: Juli – August 2022.

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