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Früchtemüsli im Test: Manche enthalten ganze Pestizidcocktails

Magazin Januar 2022: Superfood Hafer | Autor: Vanessa Christa/Meike Rix/Lena Wenzel | Kategorie: Essen und Trinken | 04.01.2022

Früchtemüsli im Test: Wir haben 50 Marken verglichen.
Foto: ÖKO-TEST

Früchtemüsli. Das klingt nach einem gesunden Frühstück. Unser Test von 50 Müslis zeigt allerdings, dass die Produktgruppe ein Problem mit Mineralöl und Pestiziden hat. Besonders ärgerlich: In den getesteten Früchtemüslis stecken teils mehrere Pestizide – sogar Spritzmittel, die in der EU verboten sind.

  • Ein gesundes Frühstück stellen wir uns anders vor: Weil sie gleich mehrere Pestizide enthalten, fallen einige Fruchtmüslis durch den Test. 
  • Kritik gibt es außerdem für enthaltene Mineralölbestandteile und zu viel Zucker. 
  • Mit Bestnote sind 21 Fruchtmüslis im Test empfehlenswert. 

Starten Sie mit einem Früchtemüsli zum Frühstück gesund in den Tag? Die Antwort lautet: Nicht unbedingt. Zum einen ist der Fruchtzucker aus dem getrockneten Obst erst einmal nicht gesünder als zum Beispiel weißer Haushaltszucker - deshalb kommt es auf die Verzehrmenge an.

Und zum anderen sind wir im Test von Früchtemüslis auf ganze Pestizidcocktails gestoßen, darunter auch besonders bedenkliche Spritzgifte, die in der EU nicht mehr eingesetzt werden dürfen.

Kölln, Seitenbacher & Co.: Früchtemüsli im Test

Doch beginnen wir von vorn: Für diesen Test haben wir 50 beliebte Früchtemüslis mit Fruchtanteilen von sieben bis 55 Prozent eingekauft. Weil es ein großes Bio-Angebot an Müslis gibt, haben wir allein 29 Produkte aus kontrolliert biologischem Anbau in den Test aufgenommen. Was ist dabei aufgefallen? 

Das von uns beauftragte Labor hat in vielen der 50 getesteten Früchtemüslis gleich mehrere Pestizide nachgewiesen. Mischungen aus mehreren Pestiziden halten wir unter anderem deshalb für problematisch, weil mögliche Gesundheitsrisiken durch Wechselwirkungen kaum erforscht sind. Der Negativrekord in diesem Test: 31 Pestizide in einer Tüte

Fruchtmüsli im Test: Wie gut schlagen sich Kölln, Seitenbacher & Co.?
Fruchtmüsli im Test: Wie gut schlagen sich Kölln, Seitenbacher & Co.? (Foto: Iryna Melnyk/Shutterstock)

Bedenkliche Pestizide in Früchtemüslis entdeckt 

Besonders ärgerlich: In einigen Früchtemüslis stecken besonders bedenkliche Spritzgifte, darunter auch solche, die in der EU nicht mehr eingesetzt werden dürfen. Genau gesagt sind das: 

  • Famoxadon
  • Chlorpyrifos
  • Propargit
  • Fenvalerate
  • Carbendazim
  • Permethrin
  • Thiacloprid 
  • Triadimenol 

Einige Spritzmittel sind in der EU verboten 

Dass diese Spritzgifte in anderen Ländern noch erlaubt sind, und die Zutaten theoretisch aus solchen Ländern stammen können, macht die Sache nicht besser. Angenommen, die Gifte wurden in einem der vielen Anbauländer mit laxeren Regeln ganz legal zum Beispiel auf die Weinreben für die Rosinen gesprüht – von der Sache her bleibt das ein Skandal.

Früchtemüsli im Test: Ergebnisse als ePaper kaufen

Die Anwendung dieser Chemikalien ist mit gutem Grund in der EU verboten, etwa wegen erbgutverändernder oder krebserregender Eigenschaften oder weil die Stoffe für Bienen giftig sind und Insekten und Vögel gefährden. So werden einmal mehr inakzeptable Risiken für Landarbeiter, Anwohner und die Umwelt für die Produktion unseres Essens in andere Länder ausgelagert.

Kritik an Glyphosat in Früchtemüslis im Test 

In der EU hoch umstritten, aber noch nicht verboten ist das krebsverdächtige Spritzgift Glyphosat, dessen massenhafter Einsatz ebenfalls die Artenvielfalt gefährdet. Das beauftragte Lebensmittellabor hat in fünf Früchtemüslis Spuren davon nachgewiesen.  

(Foto: ÖKO-TEST )

Mineralölbestandteile in überprüften Müslis

Doch damit nicht genug: Auch Mineralölbestandteile sind ein Problem in Früchtemüslis im Test. Elfmal kritisieren wir Verunreinigungen mit gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH). Denn diese reichern sich im menschlichen Körper an. Welche Folgen das hat, ist noch unklar.

Noch bedenklicher: In einigen Produkten hat das Labor aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) gefunden. Zu dieser Stoffgruppe können auch krebserregende Verbindungen gehören. Lebensmittel sollten deshalb vorsorglich frei von MOAH sein. Die Mineralölbestandteile könnten etwa aus Verpackungen oder Schmierölen an Maschinen in die Müslizutaten gelangt sein.

In einigen Früchtemüslis steckt viel Zucker 

Neben bedenklichen Inhaltsstoffen wie Pestiziden und Mineralöl ist auch zu viel Zucker nicht wünschenswert in Fruchtmüslis. Auch wenn Anbieter gerne "ohne Zuckerzusatz" auf die Verpackung schreiben: Ob ein Früchtemüsli übermäßig viel Zucker enthält oder nicht, lässt sich daran nicht ablesen.

So bestehen einige Müslis zu einem Viertel und mehr aus Zucker, ohne dass in der Zutatenliste Zucker, Rohrzucker oder Glukosesirup auftauchen würden. Die Süße ist natürlich und stammt vor allem aus den Trockenfrüchten. Für den Körper bleibt Zucker aber Zucker.

Für insgesamt sechs Früchtemüslis im Test gilt: Eine Erwachsene hat schon mit einer 50-Gramm-Portion davon die Hälfte der täglichen Zuckermenge zu sich genommen, die die Weltgesundheitsorganisation WHO noch für gesundheitlich unbedenklich hält.

Trockenfrüchte sind beliebt, um Zuckerzusätze oder Süßigkeiten zu ersetzen. Der Haken dabei: Der Fruchtzucker selbst aus dem getrockneten Obst ist erst einmal nicht gesünder als zum Beispiel weißer Haushaltszucker.
Trockenfrüchte sind beliebt, um Zuckerzusätze oder Süßigkeiten zu ersetzen. Der Haken dabei: Der Fruchtzucker selbst aus dem getrockneten Obst ist erst einmal nicht gesünder als zum Beispiel weißer Haushaltszucker. (Foto: 5PH/Shutterstock)

Sind Trockenfrüchte in Müslis gesund?

Um mal ein paar Beispiele zu geben: Rosinen und getrocknete Datteln bestehen zu mehr als 60 Prozent aus Zucker, getrocknete Äpfel zirka zur Hälfte. Frische Weintrauben gehören mit gut 14 Gramm Zucker pro 100 Gramm zu den süßesten Obstsorten. Frische Äpfel enthalten, ja nach Sorte, um die elf Prozent.

Trotzdem hat das fertige Früchtemüsli dem Schokomüsli ein paar Dinge voraus: Zum einen ist in Trockenfrüchten nicht nur der Zucker konzentriert, sondern auch viele Vitamine und Mineralstoffe aus den frischen Früchten. Und sie sind reich an Ballaststoffen (Rosinen 5, getrockneter Apfel 11, Datteln 9 Prozent), die satt machen und vor Heißhunger auf noch mehr Süßes schützen.  

21 Früchtemüslis im Test sind "sehr gut"

All die Kritik hat zur Folge, dass elf Früchtemüslis im Test mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durchfallen, einige weitere schneiden nur mittelmäßig ab. Insgesamt 21 Produkte können wir aber auch mit Bestnote zum Verzehr empfehlen. 

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Haferflocken zum Frühstück? 

Nicht nur fertiges Müsli ist zum Frühstück beliebt, es lässt sich auch einfach selber machen. Dabei dürfen Haferflocken meist nicht fehlen. Wir testeten 2020 auch diese Produktgruppe. Das Ergebnis: Einige Marken waren deutlich mit Nickel belastet, ein paar enthielten Schimmelpilzgifte und wir stießen auf Mineralölbestandteile. 

Das hatte zur Folge, dass drei Haferflockenmarken durch den Test fielen, einige schnitten nur mittelmäßig ab. Es gab aber auch empfehlenswerte Produkte: Zehn bewerteten wir mit Bestnote. Mehr zum Test lesen Sie hier: Haferflocken-Test: Nickel, Schimmelpilzgifte und Mineralöl gefunden

Weiterlesen auf oekotest.de:

Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Für diesen Test haben wir 50 beliebte Früchtemüslis mit Fruchtanteilen von sieben bis 55 Prozent eingekauft. Entsprechend des großen Bio-Angebots an Müslis haben wir allein 29 Produkte aus kontrolliert biologischem Anbau in den Test aufgenommen.

In spezialisierten Laboren ließen wir die Müslis auf zahlreiche verbotene sowie in der konventionellen Landwirtschaft zulässige Pestizide untersuchen. Außerdem auf gesundheitsschädliche Schimmelpilzgifte, die sowohl Getreide als auch (Trocken-)obst befallen können, und auf Schwermetalle. Zudem ließen wir überprüfen, ob so viele Ballaststoffe und Früchte in den Mischungen stecken wie deklariert.

Wir prüften auch, ob die Verpackungsinformationen aus unserer Sicht vollständig sind und die Werbeaussagen sich in einem angemessenen Rahmen bewegen. War ein Müsli als glutenfrei ausgelobt, haben wir nachgemessen, ob es den Claim zu Recht trägt. Als glutenfrei ausgelobte Produkte dürfen nicht mehr als 20 Milligramm Gluten pro Kilogramm enthalten, das ist für die meisten Menschen mil Zöliakie noch verträglich.

Bewertungslegende

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Zur Abwertung um jeweils vier Noten führen: a) 15 und mehr Pestizide nachgewiesen; b) fünf oder mehr als besonders bedenklich eingestufte Pestizide in Gehalten von jeweils mehr als 0,01 mg/kg (hier: Acetamiprid, Carbendazim, Chlorpyrifos, Cypermethrin, Deltamethrin, Dimethomorph, Esfenvalerat/Fenvalerate, Famoxadon, Glyphosat, Indoxacarb, Cyhalothrin, Myclobutanil, Penconazol, Permethrin, Pirimicarb, Pirimiphosmethyl, Propargit, Proquinazid, Tebuconazol, Thiacloprid, Triadimenol). Als besonders bedenklich werden Pestizide eingestuft, wenn sie PAN-gelistet sind (in Gruppe 2 oder als bienentoxisch), nach EU-Datenbank oder ECHA kanzerogen oder reproduktionstoxisch sind oder aus Gründen der Toxizität in der EU nicht mehr zugelassen sind; c) ein Gehalt an MOSH/MOSH-Analoga der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 4 mg/kg (in der Tabelle: "MOSH stark erhöht").

Zur Abwertung um drei Noten führen: 11–14 nachgewiesene Pestizide. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) 7–10 nachgewiesene Pestizide; b) 3–4 als besonders bedenklich eingestufte Pestizide über 0,01 mg/kg; c) ein Gehalt an MOSH/MOSH-Analoga der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 2 bis 4 mg/kg (in der Tabelle: "MOSH erhöht"); d) der Nachweis von MOAH.

Zur Abwertung um jeweils eine Note führt: a) 3–6 nachgewiesene Pestizide; b) ein bis zwei als besonders bedenklich eingestufte Pestizide in Gehalten von jeweils mehr als 0,01 mg/kg; c) ein nicht in der EU zugelassenes Pestizid in Gehalten von jeweils mehr als 0,01 mg/kg (hier: Chlorpyrifos, Carbendazim, Famoxadon, Fenvalerate, Permethrin, Propargit, Thiacloprid, Triadimenol); d) in Gehalt an MOSH/MOSH-Analoga der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 1 bis 2 mg/kg (in der Tabelle: Mineralölbestandteile "MOSH leicht erhöht"); e) ein Zuckergehalt von mehr als 12,5 g pro 50 g Portion (entspricht einer Ausschöpfung um mehr als 50 % der empfohlenen Zuckeraufnahme der WHO von max. fünf Energieprozent am Tag); f) der Zusatz von Aroma.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) keine Angabe des Ballaststoffgehalts in der Nährwertdeklaration; b) eine fehlende quantitative Angabe des Fruchtanteil oder des Anteils bestimmter Früchte im Zutatenverzeichnis; c) eine fehlende Adresse des Herstellers; d) eine fehlerhafte Nährwertdeklaration; e) keine zusätzliche Kennzeichnung, dass es sich bei "Dinkel" um eine Weizenart handelt; f) Werbung mit Selbstverständlichkeiten. Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen "nein", bedeutet das "unterhalb der Bestimmungsgrenze" der jeweiligen Testmethode.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Testmethoden 

Methodenverzeichnis: Gesamtfruchtanteil und anteilige Bestimmung der Hauptfrucht: Gravimetrie
Ballaststoffgehalt: ASU L00.00-18, 1997,01, Ber. 2017-10: Gravimetrie
Elementbestimmung mittels ICP-MS nach Totalaufschluss in der Mikrowelle, analysiert wurden As, Cd, Co, Cr, Cu, Hg, Ni, Pb, Sb, Sn, Tl, Zn.
Pestizid-Screening: GC-MS/MS und LC-MS/MS.
Mepiquat / Chlormequat: LC-MS/MS.
Glyphosat: Aminomethylphosphonsäure (AMPA), Glufosinat, Glyphosat via LC-MS/MS.
Mykotoxine: LC-MS/MS: Aflatoxine, Ochratoxin A, Deoxynivalenol, Zearalenon, T2-/HT2-Toxin.
Mineralölbestandteile: DIN EN 16995: 2017 mod. Die Modifikation betrifft die Verseifung und eine andere Matrix.
Ballaststoffgehalt, Zuckergehalt, Quid-Angaben, Aromazusatz: Deklaration
PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: September 2021 

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