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Lilial in festen Seifen im Test: Der Duftstoff könnte bald verboten sein

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Magazin November 2021: Kaffee | Autor: Dimitrij Rudenko/Heike Baier/Lena Wenzel | Kategorie: Kosmetik und Mode | 28.10.2021

Feste Seife im Test: Welche Seifenstücke sind empfehlenswert?
Foto: ÖKO-TEST

Feste Seife gehört zu den ältesten Kosmetika überhaupt. Sie erlebt zurzeit ein Comeback. Gut so, denn sie kommt mit wenig Verpackung aus und enthält selten Problemstoffe. Es gibt aber Ausnahmen: So fallen vier Seifenstücke durch unseren Test. Schuld sind vor allem problematische Duftstoffe. 

  • Feste Seifen sind eine preisgünstige Handhygiene: "Sehr gute" Seifenstücke gibt es schon ab 23 Cent pro 100 Gramm.
  • Kritik gibt es vor allem für problematische Duftstoffe, allen voran Lilial: Der Stoff steht in Verdacht, die Fruchtbarkeit zu gefährden. 
  • Seifen sind basisch und verschieben den pH-Wert der Haut. Gesunde Haut reguliert sich von selbst wieder. Bei sehr häufigem Händewaschen lieber ein Syndet verwenden.

Händewaschen mit dem guten alten Seifenstück: Das ist aus unserer Sicht eine super Sache. Nicht nur weil wasserfreie Kosmetik sich ökologisch bezahlt macht – denn bei festen Seifen muss weniger Wasser und damit Volumen verpackt und transportiert werden. Auch an den Inhaltsstoffen der meisten Stückseife haben wir wenig auszusetzen. 16 Produkte schneiden mit "sehr gut" ab.

Feste Seife im Test: Parfümierung als Problem 

Es gibt aber auch feste Seifen, die uns nicht überzeugen. Unser größter Kritikpunkt: die Parfümierung. Zu den problematischen Duftstoffen gehören Cinnamal und Isoeugenol, die wir als besonders potente Allergene einordnen.

Vier Seifen enthalten sogar künstlich erzeugte Moschusdüfte wie Galaxolid (HHCB) oder Cashmeran: Die Stücke der Marken Palmolive, Nesti Dante, Maja Classic und Dudu-Osun. HHCB breitet sich über das Abwasser in der Umwelt aus, bedroht Gewässer und und reichert sich im Gewebe von Menschen und Tieren an.

Feste Seifen im Test: Wir haben 40 Produkte überprüft.
Feste Seifen im Test: Wir haben 40 Produkte überprüft. (Foto: 777Anna777/Shutterstock)

Kommt ein Verbot des bedenklichen Duftstoffs Lilial?

Etliche feste Seifen sind außerdem mit dem problematischen Stoff Butylphenyl Methylpropional parfümiert, besser bekannt unter dem Namen Lilial. Und das, obwohl dieser synthetische Duftstoff bald verboten sein dürfte: Lilial hat sich im Tierversuch als fortpflanzungsschädigend erwiesen.

Die EU hat die Substanz im vergangenen Jahr als CMR-Stoff der Kategorie 1B eingestuft. Ein Verbot des Stoffes durchläuft bereits die EU-Gremien und wird allgemein ab März 2022 erwartet. Einige Hersteller der betroffenen Seifen stellen sich bereits darauf ein und schreiben uns, dass sie derzeit neue Rezepturen ohne Lilial erarbeiten.

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Feste Naturkosmetik-Seife in der Kritik 

Besonders pikant ist der Fund von Lilial und künstlichem Moschusduft in der Dudu-Osun Schwarze Seife Classic. Die Seife besitzt ein Naturkosmetikzertifikat und ist zum Beispiel in Bio-Märkten zu finden. Aber: In Naturkosmetik sind die beiden synthetisch erzeugten Stoffe gar nicht erlaubt.

Der Anbieter Spa Vivent schreibt uns, dass er sich nicht erklären könne, wie die Duftstoffe in die Seife kämen, da das Parfüm seines deutschen Herstellers diese gar nicht enthielte. Die Dudu-Osun-Seife wird in Nigeria nach traditionellem Verfahren hergestellt und verdankt ihre Farbe unter anderem der Asche von Palmkernen und Kakaofrüchten.

Der Anbieter will nun nach eigenen Angaben seine Rohmaterialien untersuchen lassen und vorläufig keine Dudu-Osun classic mehr ausliefern.  

Händewaschen mit kaltem Wasser entfettet die Haut weniger. Es macht die Hände genauso sauber wie Waschen mit warmem Wasser.
Händewaschen mit kaltem Wasser entfettet die Haut weniger. Es macht die Hände genauso sauber wie Waschen mit warmem Wasser. (Foto: Maridav/Shutterstock)

Kritik gibt es auch für den Einsatz von Diethylphthalat (DEP). Es kann als Träger für Duftstoffe eingesetzt werden, bedeutet: Es bindet die Duftstoffe und sorgt für den guten Geruch der Seife. Das Problem: Es beeinflusst den Schutzmechanismus der Haut. 

Die Testverlierer im Überblick

Vor allem die problematischen Duftstoffe haben zur Folge, dass ein paar feste Seifen im Test nur mittelmäßig abschneiden, von vier Produkten raten wir ab. Sie fallen durch: 

  • Dudu-Osun Schwarze Seife Classic = "mangelhaft"
  • Kappus Pink Rose transparente Pflanzenölseife = "ungenügend"
  • Nesti Dante Emozioni in Toscana Natural Soap = "ungenügend"
  • Palmolive Naturals Moisture Care Olive & Milk Seife = "ungenügend"

>> Die detaillierten Testergebnisse lesen Sie in der Produktbox am Ende des Artikels

Woraus bestehen die festen Seifen im Test? 

Feste Seifen basieren auf Neutralfetten wie Palmöl oder Rindertalg, die durch Zusatz von Lauge zu Seifenmolekülen reagieren. Diese sind dann in der Lage, fettigen Schmutz an Wasser zu binden. Seifen besitzen außerdem in der Regel einen basischen pH-Wert zwischen 8 und 11.

Sie verschieben damit den leicht sauren pH-Wert der Haut nach der Handwäsche. Das unterscheidet sie von sogenannten Syndets, die optisch gleich aussehen können, aber mit synthetischen Tensiden reinigen. Diese waschaktiven Substanzen wurden erst im vorigen Jahrhundert erfunden und lassen sich pH-hautneutral einstellen.

Für gesunde Haut stellt die basische Seife kein Problem dar. Denn die Haut kann ihren pH-Wert selbst regulieren. Eine Stunde nach dem Waschen mit Seife liegt er wieder bei pH-hautneutralen 5,5. Ein Manko einiger festen Seifen im Test ist dagegen, dass die Hersteller noch häufig Phosphonate einsetzen: Sie sind biologisch schwer abbaubar, und Kläranlagen können diese Stoffe nur schlecht zurückhalten.

(Foto: ÖKO-TEST)

Naturkosmetik punktet mit Bio-Palmöl

Aber noch mal zurück zum Palmöl. Die Herstellung von Palmöl und Palmkernöl steht in der Kritik, weil für ihren Anbau häufig Regenwald vernichtet wird. Gleichzeitig sind diese Rohstoffe in der Produktion von waschaktiven Substanzen schwer verzichtbar – ob es nun um Tenside oder Seifen geht.

Auch in unserem Test basiert mehr als die Hälfte der Seifen auf "Sodium Palmate", also verseiftem Palmöl. Fast alle Naturkosmetikseifen im Test punkten immerhin mit Palmöl aus Bio-Anbau oder verzichten gleich komplett darauf.  

Sind feste Seifen hygienisch? 

Für das Händewaschen im eigenen Haushalt sind Seifenstücke allemal hygienisch genug. Es stimmt zwar, dass sich auf ihnen mehr Bakterien ansammeln. Doch Studien haben gezeigt, dass diese nicht auf den nächsten Nutzer übertragen werden, sondern mit dem Schaum im Abfluss verschwinden.  

Wie steht es um Flüssigseifen und Syndets? 

Wenn Sie trotz der ökologischen Vorteile nicht zu festen Seifen greifen wollen, sondern Flüssigseife benutzen, könnte Sie unser Test von 49 Seifen aus Drogerien, (Bio-)Supermärkten, Apotheken und Discountern interessieren. 18 Produkte schnitten "sehr gut" ab. Probleme gab es mit Duftstoffen und kritischen Konservierungsstoffen. Mehr dazu lesen Sie hier: Seifen-Test: Schädlicher Konservierer in Flüssigseifen entdeckt

Auch Syndets haben wir bereits unter die Lupe genommen. Das sind seifenfreie Waschlotionen, die damit werben, pH-hautneutral zu sein. Insgesamt drei Syndets im Test bewerteten wir mit Bestnote. Häufigster Kritikpunkt waren PEG-Verbindungen, die die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können. Zum Test geht es hier: Syndets als Alternative zu Seife: Nicht alle rundum hautfreundlich. 

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Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 40 Seifen eingekauft, darunter zwölf Naturkosmetikprodukte. Die Produkte sind als Seife, Cremeseife, Pflegeseife, Körperseife, Pflanzenölseife, Stückseife oder Naturseife ausgelobt und kosten zwischen 0,23 und 8,90 Euro pro 100 Gramm.

Im Labor haben wir überprüfen lassen, ob die Seifen umstrittene oder bedenkliche Inhaltsstoffe enthalten wie halogenorganische Verbindungen, Formaldehyd/-abspalter und problematische Duftstoffe. Untersucht wurde auch der Gehalt an Diethylphthalat (DEP), das als Träger für Duftstoffe eingesetzt werden kann, jedoch den Schutzmechanismus der Haut beeinflusst.

Anhand der Deklaration der Inhaltsstoffe prüften wir, ob PEG/PEG-Derivate, BHT, synthetische Polymere/Silikone oder Paraffine enthalten sind. Auch auf das Vorhandensein von Phosphonaten checkten wir die Liste der Inhaltsstoffe. Phosphonate und PVC in der Verpackung verschlechtern jeweils das Testergebnis Weitere Mängel.

Bewertungslegende 

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) halogenorganische Verbindungen; b) Butylphenyl Methylpropional (Lilial); c) mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschusverbindungen (Galaxolid (HHCB), Tonalid (AHTN) und/oder Cashmeran (DPMI); in der Tabelle: künstlicher Moschusduft); d) Duftstoffe, die Allergien auslösen (Cinnamal, Isoeugenol); e) mehr als 1.000 mg/kg DEP (in Tabelle "stark erhöht"). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) BHT; b) Duftstoffe, die Allergien auslösen (Cinnamylalkohol); c) mehr als 10 bis 1.000 mg/kg DEP (in Tabelle "erhöht").

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um zwei Noten: Phosphonate (Tetrasodium Etidronate, Etidronic Acid). Zur Abwertung um eine Note führen: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die von den Herstellern versprochenen Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.  

Testmethoden 

Pestizidscreening: GC-MS bzw. LC-MS/MS. Nitrat/Nitrit: nach ASU L 26.00-1:2018 modifiziert. Furan: Niedertemperatur Headspace-GC/MS mittels deuterierten Furans als internen Standards gemäß Vorschrift der FDA und § 64 LFGB, Dreifachbestimmungen per Standardzusatz. Mikrobiologie: Die Proben werden in der Originalverpackung für 14 Tage bei 30 °C bebrütet; anschließend Untersuchung nach DIN EN ISO 488-2:2014 (aerob) bzw. DIN EN ISO 488-2:2014 mod. (anaerob). Mineralöl: nach DIN EN 16995:2017, modifiziert. Die Modifikation betrifft die Verseifung und eine andere Matrix. Elementbestimmung/Schwermetalle: ICP-MS. Folgende Elemente wurden bestimmt: Arsen, Cadmium, Kobalt, Chrom, Kupfer, Quecksilber, Nickel, Selen, Blei, Antimon, Zinn, Zink. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Juni 2021 

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