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Gesichtscremes im Test: Nur 11 von 50 sind "sehr gut"

Magazin Februar 2022: Vitamine | Autor: Dimitrij Rudenko/Annette Dohrmann/Lena Wenzel | Kategorie: Kosmetik und Mode | 02.02.2022

Gesichtscreme-Test: Welche Marken überzeugen für die Gesichtspflege?
Foto: ÖKO-TEST

Eine reichhaltige Gesichtscreme soll die Haut pflegen und sie mit Fett und Feuchtigkeit versorgen. Dafür sollten Hersteller in ihren Rezepturen aber nicht auf Inhaltsstoffe setzen, von denen gesundheitliche Risiken bekannt sind. Im Test sind wir dennoch auf solche Stoffe gestoßen. 

  • Mit Bestnote bewerten wir elf von 50 Gesichtscremes im Test. Sie sind damit rundum empfehlenswert.  
  • Da sie problematische Inhaltsstoffe wie kritische Konservierungs- und Duftstoffe sowie aromatische Kohlenwasserstoffe (MOAH) enthalten, fallen sieben Gesichtscremes durch den Test. 
  • Gegenüber einer Pflegecreme ohne Wirkversprechen hat eine Anti-Aging-Creme aus unserer Sicht keine Vorteile.  

Drinnen ist die Luft durch die Heizung trocken und warm, draußen ist es kalt und windig – auf diese Wechsel reagiert die Haut besonders im Winter gereizt, gerötet oder rau. Sie signalisiert so, dass ihre Pflege jetzt gern etwas reichhaltiger sein darf.

Auch unabhängig von der Jahreszeit gibt es Faktoren, die für ein Plus an Fett und Feuchtigkeit sprechen. Beispielsweise, wenn die Talgdrüsen mit zunehmendem Alter die Produktion an schützenden Lipiden herunterfahren, die Haut trockener wird und Fältchen bildet.

Gesichtscremes im Test: Lavera, Weleda & Co. im Vergleich

Von außen kann eine reichhaltige Gesichtscreme Nachschub an Feuchtigkeit und Fett liefern und dafür sorgen, dass die Haut weniger spannt und glatter wird. Die Auswahl an entsprechender Kosmetik ist groß. Doch wir können gerade mal elf der 50 Gesichtscremes im Test ohne Wenn und Aber mit Bestnote empfehlen.

Sieben Produkte schmieren dagegen mit "mangelhaft" oder "ungenügend" regelrecht ab. Negativer Spitzenreiter ist eine Gesichtscreme, die insgesamt 16 Notenabzüge erhält – weitere Mängel sind dabei noch nicht einmal mitgezählt.

Gesichtscremes im Test: Wir haben 50 Produkte überprüft.
Gesichtscremes im Test: Wir haben 50 Produkte überprüft. (Foto: fizkes/Shutterstock)

Problemstoffe in Feuchtigkeitscremes

Die Liste von Substanzen, die aus unserer Sicht nichts in Kosmetik zu suchen haben, ist lang. Im Gesichtscreme-Test sind wir auf einige von ihnen gestoßen: problematische Konservierer, kritische Duftstoffe, Silikone, Paraffine, aromatische Kohlenwasserstoffe (MOAH), bedenkliche UV-Filter und PEG-Verbindungen. 

Doch eins nach dem anderen. Beginnen wir mit der Konservierung. Laut Deklaration enthält eine Gesichtscreme im Test Imidazolidinyl Urea. Dabei handelt es sich um einen Formaldehydabspalter. Das von uns beauftragte Labor hat dementsprechend freies/freisetzbares Formaldehyd in der Creme nachgewiesen. Formaldehyd kann jedoch die Schleimhäute reizen und Allergien auslösen.

Kritische Konservierungsstoffe in Gesichtscremes

Die EU-Kommission hat das Problem Formaldehyd auf der Agenda. Für Kosmetika, deren Gehalt an freiem Formaldehyd bei mehr als 10 Milligramm pro Kilogramm liegt, plant sie einen Hinweis. Die Anbieter müssen gegebenenfalls bald "enthält Formaldehyd" auf die Verpackungen drucken.

In dieser Feuchtigkeitscreme sowie einer anderen stecken weitere kritische Konservierer: Butylparaben beziehungsweise Propylparaben, die im Verdacht stehen, wie Hormone zu wirken.

Gesichtscreme-Test: Jetzt Ergebnisse als ePaper kaufen

Nicht alle Duftstoffe sind unbedenklich 

Auch, was die Parfümierung angeht, könnten ein paar Hersteller nachbessern. Insgesamt sind wir auf folgende kritische Dufstoffe gestoßen: 

  • Lilial: hat sich in Tierversuchen als fortpflanzungsschädigend erwiesen. Ab März sind Kosmetika, die Lilial enthalten, EU-weit verboten.
  • Galaxolid: Der künstliche Moschusduft gelangt über die Haut in den menschlichen Organismus und reichert sich im Fettgewebe an.
  • Hydroxycitronellal, Cinnamyl Alkohol und Cinnamal: können Allergien auslösen.  

Mineralölbestandteile in drei Gesichtscremes im Test

Statt natürlicher Öle und Wachse stecken außerdem in etlichen reichhaltigen Gesichtscremes nach wie vor Paraffine oder Silikone. Die integrieren sich einerseits nicht so gut ins Gleichgewicht der Haut. Andererseits können mineralölbasierte Fette mit aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen (MOAH) verunreinigt sein.

Das Labor hat MOAH in drei Gesichtscremes nachgewiesen. Unter ihnen können sich Verbindungen befinden, die Krebs erzeugen.

(Foto: ÖKO-TEST )

Besser auf Gesichtspflege ohne UV-Filter setzen

Auffällig: Einige der reichhaltigen Gesichtscremes im Test sind mit Lichtschutzfaktor ausgelobt. Vier von ihnen enthalten jedoch Octocrylen oder Ethylhexylmethoxycinnamat. Diese von uns schon lange kritisierten UV-Filter stehen im Verdacht, wie ein Hormon zu wirken.

Unser Tipp: Verwenden Sie besser eine Feuchtigkeitscreme ohne UV-Filter. Bei Bedarf können Sie ein Sonnenschutzmittel ergänzen. Lesen Sie dazu: Sonnencreme im Test: Teils landen bedenkliche Stoffe auf dem Körper

Auch diese Stoffe gehören nicht in Gesichtscremes

Weitere Ergebnisse aus dem Gesichtscreme-Test: 

  • In sieben überprüften Feuchtigkeitscremes stecken PEG-Verbindungen. Die Hersteller setzen sie in Cremes meistens als Emulgatoren ein. Diese sorgen dafür, dass Wasser und Fett miteinander vermengt werden. PEG-Verbindungen können jedoch die Haut auch durchlässiger für Fremdstoffe machen.
  • Am häufigsten bemängeln wir Kunststoffverbindungen im Gesichtscreme-Test. Sie können zur Umweltbelastung werden. Dass gute Kosmetik auch darauf verzichten können, zeigen andere Produkte im Test.

Überzeugen die Anti-Falten-Cremes im Test? 

Ach, wenn es doch so simpel wäre: Regelmäßig Pflegecreme auftragen – und schon strafft sich die Haut. Schlechte Nachricht: Das funktioniert nicht. Dennoch versuchen viele Kosmetikanbieter, uns genau das immer wieder weiszumachen.

Wir wollten wie üblich Belege für diese Wirkversprechen sehen. Allerdings hat uns keine der vorgelegten Studien davon überzeugt, dass die untersuchte Creme mehr kann als eine gewöhnliche Pflegecreme. Nämlich bestenfalls die obere Hautschicht vorübergehend etwas aufpolstern. Aber: Genug Schlaf und gesundes Essen beugen Falten vor.

Trotz aller Anti-Aging-Versprechen: Kosmetische Wirkstoffe können bestenfalls die obere Hautschicht aufpolstern.
Trotz aller Anti-Aging-Versprechen: Kosmetische Wirkstoffe können bestenfalls die obere Hautschicht aufpolstern. (Foto: solar22/Shutterstock)

6 Tipps: Hautpflege mit Feuchtigkeitscreme

Im Winter strapazieren Heizungsluft und Kälte die Haut. Dann ist Hautpflege besonders wichtig. Worauf Sie achten sollten: 

  1. Wenn die Haut zieht und spannt, ist das ein Zeichen dafür, dass sie zu trocken ist. Dann können Sie eine reichhaltigere Creme ausprobieren.
  2. Am besten gleichzeitig eine mildere Reinigung testen. Manchmal führt auch erst ein "Zuviel" an Kosmetika und Reinigung zu gereizter Haut.
  3. Nach dem Eincremen glänzt die Haut häufig etwas, das ist normal. Wenn sie aber noch lange danach schimmert, ist die Creme möglicherweise zu fettreich. Dann besser auf eine leichtere Variante umsteigen.
  4. Landet auf Dauer eine zu reichhaltige Creme auf der Haut, kann es zu Pickeln kommen.
  5. Ungute Gewohnheiten hinterlassen ihre Spuren auf der Haut: Deshalb möglichst abwechslungsreich essen, ausreichend schlafen und Wasser trinken, aufs Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum verzichten – und so oft es geht runterkommen und entspannen.
  6. Mit zunehmendem Alter wird die Haut dünner, trockener und ist weniger elastisch. Trotzdem nicht mit Fett zukleistern, da sie sonst verlernt, sich selbst zu regenerieren.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Das könnte Sie auch interessieren: Für das ÖKO-TEST Magazin 2/2021 überprüften wir Gesichtscremes, die für trockene und/oder empfindliche Haut ausgelobt sind. Das Ergebnis: 13 Produkte schnitten mit "sehr gut" ab. Wir stießen aber auch in diesem Test auf unerwünschte Inhaltsstoffe. Kritik gab es für bedenkliche UV-Filter und problematische Konservierungsstoffe. Mehr dazu lesen Sie hier: Gesichtscreme für trockene Haut im Test: Problemstoffe in sechs Marken.

Weiterlesen auf oekotest.de

Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 50 reichhaltige Gesichtscremes – mit und ohne Wirkversprechen gegen Falten – eingekauft, 17 davon sind zertifizierte Naturkosmetik (zNK). Im Einkaufskorb landeten Produkte aus Drogerien, (Bio-)Supermärkten, Apotheken oder Discountern. Die Preise für 50 Milliliter der Cremes liegen zwischen 1,95 Euro und knapp 45 Euro.

Anhand der Deklarationen haben wir überprüft, ob die Cremes umstrittene Inhaltsstoffe wie PEG/PEG-Derivate, bedenkliche UV-Filter oder umweltbelastendes Flüssigplastik (synthetische Polymere) enthalten. Verschiedene Labore haben alle Produkte auf weitere Problemstoffe untersucht: Sind hautreizende oder allergieauslösende Konservierungsmittel oder Duftstoffe enthalten? Stecken in Cremes mit Erdölderivaten problematische Mineralölbestandteile?

Die Verpackungen ließen wir auf chlorierte Verbindungen überprüfen und schauten, ob die Cremes in einem überflüssigen Pappkarton stecken. Darüber hinaus wollten wir von den Anbietern wissen, ob sie für Plastiktuben und -tiegel recycelten Kunststoff verwenden. Für Cremes, die mit Anti-Aging-, Anti-Falten- oder straffender Wirkung ausgelobt sind oder die versprechen, Falten und Linien zu reduzieren, haben wir Studien angefordert, die diese Aussagen ausreichend belegen.

Bewertungslegende 

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: ein gemessener Gehalt von mehr als 10 mg/kg Formaldehyd/-abspalter. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) PEG/PEG-Derivate; b) Butylphenyl Methylpropional (Lilial); c) ein gemessener Gehalt von mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschusverbindungen (in Tabelle: künstlicher Moschusduft); d) Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Cinnamal); e) MOAH; f) der bedenkliche UV-Filter Ethylhexylmethoxycinnamat; g) halogenorganische Verbindungen. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Cinnamyl Alkohol, Hydroxycitronellal); b) mehr als 1 Prozent Silikonverbindungen und/oder Paraffine/künstliche paraffinartige Stoffe; c) Propyl- und/oder Butylparaben; d) der bedenkliche UV-Filter Octocrylen; e) BHT.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um vier Noten: keine vollständige, produktbezogene Wirksamkeitsstudie vorgelegt (mit Ergebnissen für das konkrete Produkt) bei Produkten mit Anti-Aging-Wirkversprechen. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führt: a) Vorteil des Produkts mit Anti-Aging-Wirkversprechen gegenüber einem herkömmlichen Pflegeprodukt nicht ausreichend durch die vorgelegte(n) Studie(n) belegt; b) Silikone und/oder künstliche paraffinartigen Stoffe (hier Hydrogenated Polydecene), wenn sie nicht schon unter den Inhaltsstoffen abgewertet wurden, und/oder weitere synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier eine oder mehrere der folgenden Verbindungen: Ammonium Acryloyldimethyltaurate/VP Copolymer, Sodium Polyacrylate, Hydroxyethyl Acrylate/Sodium Acryloyldimethyl Taurate Copolymer, Acrylates/Beheneth-25 Methacrylate Copolymer, Sodium Polyacrylate, Carbomer, Sodium Carbomer, Polyacrylamide, Ammonium Polyacrylate. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung; b) ein Umkarton, der kein Glas schützt; c) ein Anteil von Rezyklaten (Post-Consumer-Rezyklat, PCR) von weniger als 30 Prozent in Relation zum Gesamtgewicht der Kunststoffverpackung oder keine Angabe hierzu oder kein ausreichender Nachweis auf unsere Anfrage.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ausfällt, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "mangelhaft" oder "ungenügend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte – außer bestimmte Anti-Aging-Versprechen durch entsprechende Studienabfrage – nicht überprüft haben.  

Einkauf der Testprodukte: November 2021 

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