Nachtcreme-Test: Bestnote für 7 von 36 Cremes

Magazin Dezember 2022: Butter | Autor: Bianca Puff/Marieke Mariani/Ann-Cathrin Witte | Kategorie: Kosmetik und Mode | 17.11.2022

Nachtcremes im Test: Welche Produkte können wir empfehlen?
Foto: ÖKO-TEST

Im Schlaf erholt sich die Haut. Spezielle Nachtcremes sollen sie dabei unterstützen. Wunder können diese nicht bewirken, aber immerhin sind die meisten Rezepturen unbedenklich. Das zeigt unser Test. Auffällig: Die Testverlierer sind ausgerechnet namenhafte Marken.

  • Wir haben 36 Nachtcremes getestet, davon 21 mit Anti-Aging-Versprechen. 
  • Das finden wir "sehr gut": Sieben Nachtcremes haben makellose Rezepturen und verzichten auf überzogene Wirkversprechen. 
  • Einige Nachtcremes im Test enthalten problematische Inhaltsstoffe. Und viele Hersteller konnten uns die Anti-Aging-Wirkung ihrer Produkte nicht ausreichend beweisen. 

Erholsamer Schlaf sorgt für einen frischen Teint am Morgen – so viel zur einfachen Theorie. Aber wer hat den schon? Der natürlichen Regenerationskraft des Körpers trauen viele spätestens im fortgeschritteneren Alter nicht mehr und suchen Unterstützung in Form von Nachtcremes.

Wie unterscheiden sich Nachtcremes von Tagescremes?

Nachtcremes sind im Vergleich zu Tagescremes reichhaltiger. Es werden mehr Wachse, Öle und andere Fette eingesetzt – auch solche, die in einer Tagescreme stören würden, weil sie langsamer einziehen oder sich nicht mit einem anschließenden Make-up vertragen.

Wir haben insgesamt 36 Cremes für die Nacht unter die Lupe genommen. Darunter auch jede Menge Produkte, die eine Anti-Aging-Wirkung versprechen. Was es damit auf sich hat, wollten wir natürlich genau wissen. Darüber hinaus haben wir auch die Inhaltsstoffe und die Verpackungen der Cremes gewohnt kritisch geprüft.

Nachtcremes im Test: Welche sind empfehlenswert?
Nachtcremes im Test: Welche sind empfehlenswert? (Foto: fizkes/Shutterstock)

Zweifel an Anti-Aging-Versprechen der Nachtcremes

Einige Nachtcremes im Test werben mit einer reichhaltigen Pflege oder verbesserter Feuchtigkeit. Andere dagegen wollen mit einer vermeintlichen Anti-Aging-Wirkung nicht weniger als die Zeichen der Zeit verschwinden lassen. "Anti-Aging" und eine angeblich wissenschaftlich bestätigte Wirkung gegen Falten sind beliebte Claims, auf deren Grundlage die Kosmetikhersteller teils horrende Preise für ihre Produkte abrufen.

Gerechtfertigt wäre das aus unserer Sicht höchstens, wenn die Cremes tatsächlich einen Mehrwert gegenüber einer herkömmlichen Feuchtigkeitspflege bieten würden. Dies konnte uns jedoch keiner der Hersteller im Test zufriedenstellend nachweisen.

Denn: In den produktbezogenen Studien wurde die vermeintliche Anti-Aging-Wirkung jeweils im Vergleich zu einem unbehandelten Hautareal überprüft. Dass sich dabei ein Effekt erkennen lässt – geschenkt. Doch der lässt sich schon auf die feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften der Creme zurückführen, die eine im Zweifelsfall deutlich günstigere Basispflege ebenfalls mitbringt. 

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Nachtcremes im Test: dm, Annemarie Börlind & Co.

Wenn die Nachtcremes im Test schon keine Falten verschwinden lassen, sind sie dann zumindest in ihrer Rezeptur unbedenklich? Leider nein. Ein paar Produkte schneiden mit dem Gesamturteil "ungenügend" ab. Der Grund: Problematische Inhaltsstoffe. Wir sind vereinzelt auf folgende gestoßen: 

  • aromatische Mineralölbestandteile (MOAH)
  • bedenkliche/ umstrittene Konservierungsmittel
  • das Antioxidans BHT
  • halogenorganische Verbindungen
  • PEG-Verbindungen
  • Silikone

Problematische Inhaltsstoffe in Nachtcremes im Test 

Warum kritisieren wir diese Stoffe? Fangen wir mit den MOAH an: Sie können über mineralölbasierte Fette in Kosmetikprodukte gelangen. Das Problem: Unter den MOAH können sich krebserregende Substanzen befinden. Bei den bedenklichen bzw. umstrittenen Konservierungsmitteln handelt es sich um DMDM Hydantoin und die halogenorganische Verbindung Iodopropynyl Butylcarbamat.

DMDM Hydantoin kann Formaldehyd abspalten. Dieser Stoff kann schon in geringen Mengen die Schleimhäute reizen und Allergien auslösen. Über die Atemluft aufgenommen gilt er zudem als krebserregend.

Zur Gruppe der halogenorganischen Verbindungen gehören viele Stoffe, die als allergieauslösend gelten, manche erzeugen Krebs, fast alle reichern sich in der Umwelt an. PEG-Verbindungen sehen wir kritisch, weil die Stoffe die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können. 

Außerdem kritisieren wir das Antioxidans BHT. Antioxidantien schützen die enthaltenen Fette in Kosmetika vor Verderb. Allerdings steht BHT unter Verdacht, wie ein Umwelthormon zu wirken. Tierversuche geben unter anderem Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Schilddrüsenfunktion.

Nachtcremes im Test: Wenig umweltfreundlich 

Kommen wir mit den Silikonen zu den letzten problematischen Inhaltsstoffen in diesem Test. Silikone können mit dem Klärschlamm über das Abwasser in die Umwelt gelangen. Dort bauen sie sich teilweise nur schwer wieder ab.

In puncto Umweltfreundlichkeit dürfen die Hersteller allgemein gerne noch aktiver werden. Denn bisher, so ergibt unsere Abfrage, verwenden nur wenige Hersteller für ihre Tuben und Tiegel recycelten Kunststoff. Das halten wir allerdings für wichtig, weil sich so Plastikmüll reduzieren lässt. 

Außerdem stecken viele der Nachtcremes im Test immer noch in einem Umkarton, der kein Glas schützt. Damit könnte er weggelassen werden. So würde kein unnötiger Müll entstehen. Hier besteht Nachholbedarf.

Für wen ist eine Nachtcreme sinnvoll? 

Doch wann lohnt sich eine Nachtcreme überhaupt? Ist tagsüber viel Make-up oder Sonnencreme auf der Haut, sollte am Abend auf alle Fälle gründlich gereinigt werden. Dazu braucht es ein fettlösendes Reinigungsprodukt mit waschaktiven Stoffen. Die nehmen dann aber nicht nur die Schminke oder Creme von der Haut, sondern entziehen ihr gleichzeitig ein Teil der hauteigenen Lipide. In diesem Fall macht es dann Sinn, mit einer Creme für Rückfettung zu sorgen.

Ob es dafür eine reichhaltige Nachtcreme braucht oder ob eine Basispflege ausreicht, muss jeder selbst ausprobieren. Und wer abends nur mit Wasser reinigt, weil er tagsüber gar nicht mit Schminke oder verschmutzter Luft in Berührung kam, kann mal ausprobieren, ganz auf eine Creme zu verzichten.

Was auf jeden Fall vermieden werden sollte: eine Tagescreme mit UV-Filter auch in der Nacht aufzutragen. Denn viele chemische UV-Filter stehen unter Verdacht, das Hormonsystem zu stören. Wir raten ohnehin: Lieber keine Tagescreme mit integriertem UV-Schutz nutzen, sondern einen Sonnenschutz je nach Bedarf ergänzen.

Sieben Nachtcremes sind Testsieger 

Was für eine Nachtcreme spricht: In der Nacht kann sich die Haut ihrer eigenen Regeneration widmen. Gesteuert durch das Hormon Melatonin teilen sich ihre Zellen im Schlaf schneller und die Wachstumshormone kommen auf Touren. Deshalb funktioniert in der Nacht die Wundheilung auch besser.

Gleichzeitig wird die Hautschutzbarriere, die sich in der obersten Schicht der Haut befindet, etwas durchlässiger. Die Haut ist in dieser Phase also tatsächlich "offener" für Pflegestoffe. Entscheiden Sie sich für eine Nachtcreme als Pflege, können wir Ihnen sieben Produkte mit "sehr gut" empfehlen. Die Inhaltsstoffe sind einwandfrei und die Hersteller verzichten auf vollmundige Versprechungen. 

Alternativen zum Cremen: Tipps für eine frische Haut

  1. Viel Wasser trinken ist das A und O für eine gesunde Haut. Eine gute Flüssigkeitsversorgung des Körpers verbessert die Durchblutung und polstert so ganz natürlich auch die "Problemzonen" im Gesicht auf. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen, eineinhalb Liter Wasser am Tag zu trinken.
  2. Genug schlafen hilft der Haut bei der Regeneration, klar. Eltern kleiner Kinder wird dieser Tipp vermutlich buchstäblich nur ein müdes Lächeln entlocken, doch allen anderen sei gesagt: Für sieben bis acht Stunden Schlaf pro Nacht wird Ihnen nicht nur Ihre Haut danken.
  3. Ohne Alkohol und Zigaretten strahlt auch die Haut deutlich mehr. Alkohol entzieht dem Körper Feuchtigkeit, das macht sich schnell auf der Haut bemerkbar. Starken Rauchern wird nicht umsonst eine fahle Haut nachgesagt.

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Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 36 Nachtcremes eingekauft, bei 16 davon handelt es sich um zertifizierte Naturkosmetik. Im Einkaufskorb landeten Produkte aus Drogerien, (Bio-)Supermärkten, Apotheken oder Discountern. Die Preise für 50 Milliliter der Cremes liegen zwischen 1,95 Euro und knapp 40 Euro.

Anhand der Deklaration haben wir überprüft, ob die Cremes umstrittene Inhaltsstoffe wie PEG/PEG-Derivate, bedenkliche UV-Filter oder umweltbelastendes Flüssigplastik enthalten. Darüber hinaus haben wir alle Produkte in verschiedenen Laboren auf weitere Problemstoffe untersuchen lassen: Sind hautreizende oder allergieauslösende Konservierungsmittel oder Duftstoffe enthalten? Stecken in Cremes mit Erdölderivaten problematische Mineralölbestandteile? Zusätzlich prüften wir, ob die Cremes in einem überflüssigen Pappkarton stecken. Darüber hinaus wollten wir von den Anbietern wissen, ob sie für Plastiktuben und -tiegel recycelten Kunststoff verwenden. Für Cremes, die mit Anti-Aging- beziehungsweise Anti-Falten-Wirkung ausgelobt sind oder die versprechen, Falten und Linien zu reduzieren, haben wir Studien angefordert, die diese Aussagen belegen sollen.

Bewertungslegende

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: ein gemessener Gehalt von mehr als 10 mg/kg Formaldehyd/-abspalter. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) PEG/PEG-Derivate; b) MOAH; c) halogenorganische Verbindungen (hier: Iodopropynyl Butylcarbamat). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 1 Prozent Silikonverbindungen; b) Propylparaben; c) BHT.

Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um vier Noten: keine vollständige, produktbezogene Wirksamkeitsstudie mit Ergebnissen für das konkrete Produkt zum Anti-Aging-Wirkversprechen vorgelegt. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) Vorteil des Produkts mit Anti-Aging-Wirkversprechen gegenüber einem herkömmlichen Pflegeprodukt nicht ausreichend durch die vorgelegte(n) Studie(n) belegt; b) Silikone und/oder künstliche paraffinartige Stoffe (hier Hydrogenated Polydecene), wenn sie nicht schon unter den Inhaltsstoffen abgewertet wurden, und/oder weitere synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier: Acryl- und/oder Methacryl (Co- und Cross-)Polymere), Silica Dimethyl Silylate). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Umkarton, der kein Glas schützt; b) ein Anteil von Rezyklaten (Post-Consumer-Rezyklat, PCR) von weniger als 30 Prozent in Relation zum Gesamtgewicht der Kunststoffverpackung, keine Angabe hierzu und/oder kein ausreichender Nachweis auf unsere Anfrage.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "mangelhaft" oder "ungenügend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte – außer bestimmte Wirkversprechen durch entsprechende Studienabfrage – nicht überprüft haben.

Testmethoden

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte):Deklarationspflichtige Duftstoffe/Diethylphthalat/Polyzyklische Moschus- und Nitromoschus-Verbindungen/Cashmeran: Extraktion mit TBME, GC-MSFormaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Fotometrie.Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration, Festphasenextraktion (SPE), Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts.Parabene: LC-UV.Aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH): LC-GC/FID.Paraffine/Silikone: Position 1 -3 in der INCI-Liste per Deklaration, ab Position 4 in der INCI-Liste LC-RI nach Extraktion (ggf. GC-MS).PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.Weitere Inhaltsstoffe: per Deklaration.

Einkauf der Testprodukte: August 2022

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