Gesichtscremes ohne Parfüm: Bekannte Marken enttäuschen im Test

Ratgeber Kosmetik & Wellness 2023 | Autor: Christine Throl/Heike Baier/Hannah Pompalla/Christine Throl/Heike Beier/Hannah Pompalla | Kategorie: Kosmetik und Mode | 27.06.2023

Parfümfreie Gesichtscreme-Test: Wie gut sind Neutrogena, L'Oréal & Co.?
Foto: ÖKO-TEST

Parfüm in Gesichtscreme? Ist schön, allerdings auch ein potenzielles Reizthema – vor allem für Haut, die sensibel ist oder zu Allergien neigt. Viele Hersteller bieten für diese Zielgruppe Cremes ganz ohne Duft an. Wir haben 20 untersucht und können neun parfümfreie Gesichtscremes mit Bestnote empfehlen. 

  • Im Test: 20 Gesichtscremes mit Auslobungen wie "ohne Parfüm", "0 % Parfüm" oder "parfümfrei". Sieben Produkte sind als Naturkosmetik zertifiziert.
  • Neun Gesichtscremes ohne Parfüm schneiden mit "sehr gut" ab.  
  • Minuspunkte gibt es unter anderem für wenig hautfreundliche Stoffe, synthetische Fette und UV-Filter, die aus unserer Sicht unnötig sind.

Aktualisiert am 27.06.2023 | Klar tut es Nase und Seele gut, morgens mit einer zart duftenden Creme in den Tag zu starten. Aber manche Menschen haben so sensible oder gar geschädigte Haut, dass sie gut beraten sind, in ihrer Hautpflege auf sämtliche Inhaltsstoffe zu verzichten, die nicht unbedingt nötig sind.

Und dazu gehören Duftstoffe und ätherische Öle definitiv. Viele von ihnen besitzen nämlich ein nicht zu unterschätzendes allergenes Potenzial. Und gerade wenn ein Mensch bereits sensibilisiert ist, genügen bereits sehr kleine Mengen des Allergens, um die Symptome erneut zu entfachen.

Lavera, Weleda & Co.: Parfümfreie Gesichtscremes im Test

Ein guter Grund für uns, Gesichtscremes zu testen, die von vornherein ganz auf Parfüm verzichten. Wir haben 20 Produkte eingekauft, die meisten von ihnen für Menschen mit sensibler oder empfindlicher Haut ausgelobt, einige auch speziell für Allergiker und Neurodermitiker.

Das Resultat: Neun Cremes schneiden "sehr gut" ab. Insgesamt weisen viele Rezepturen nur wenige Inhaltsstoffe auf – damit sinkt auch ihr Reizpotenzial. In unserem Test sind wir jedoch auch auf kritische Inhaltsstoffe gestoßen. Bei drei Cremes kommen sogar so viele davon zusammen, dass sie mit "ungenügend" durchfallen. Das betrifft ausgerechnet bekannte Marken.

Parfümfreie Gesichtscremes richten sich an Menschen mit empfindlicher Haut. Umso ärgerlicher ist es, wenn sie bedenkliche Inhaltsstoffe enthalten.
Parfümfreie Gesichtscremes richten sich an Menschen mit empfindlicher Haut. Umso ärgerlicher ist es, wenn sie bedenkliche Inhaltsstoffe enthalten. (Foto: Pressmaster/Shutterstock)

Substanz kann Hautirritationen auslösen

Doch was sind das für Inhaltsstoffe, die wir in diesem Test kritisieren? Vereinzelt sind wir auf folgende Problemstoffe gestoßen:

  • PEG-Verbindungen: Diese Substanzen verbinden als Emulgator in einer Creme Fett- und Wasserphase. Doch einige Vertreter dieser Stoffgruppe können die Haut durchlässiger machen für Fremdstoffe.
  • Halogenorganische Verbindungen: Viele Stoffe aus dieser Gruppe gelten als allergieauslösend. Im Falle einer Creme passt der Laborbefund zum deklarierten Chlorphenesin: Der halogenorganische Konservierungsstoff kann zu Hautirritationen führen.
  • Silberchlorid: Manche Hersteller setzen den antimikrobiellen Stoff ein, um Keimen im Produkt entgegenzuwirken. Doch Silber kann die Resistenzbildung von Bakterien befördern, Antibiotika wirken dann nicht mehr gegen solche Keime. Aus unserer Sicht hat Silber daher in reinen Pflegeprodukten nichts verloren. Wir finden, es sollte medizinischen Anwendungen, zum Beispiel der Behandlung von Wunden, vorbehalten bleiben.
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In einigen Gesichtscremes ohne Parfüm stecken Silikone

Darüber hinaus stecken in sieben Cremes Silikone oder andere synthetische Polymere. Diese Verbindungen sollen für ein gutes Hautgefühl nach dem Eincremen sorgen. Der Anteil an Silikonen ist in zwei Cremes so hoch, dass wir sie unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe abwerten. Sonst sorgen Silikone oder synthetische Polymere für zwei Minuspunkte im Testergebnis Weitere Mängel

Silikone in Kosmetika sehen wir kritisch. Nicht nur, weil sie die Umwelt belasten. Sondern auch, weil sich diese Fette nicht so gut ins Gleichgewicht der Haut einfügen wie natürliche Öle. Jojoba-, Mandel- oder Traubenkernöl sorgen in anderen Cremes dieses Tests für eine gute Rückfettung. 

Kritik an UV-Filtern in parfümfreien Gesichtscremes

Was ist außerdem im Test aufgefallen? Zwei überprüfte parfümfreie Gesichtscremes sind mit UV-Filtern ausgestattet: Die eine mit einem Lichtschutzfaktor (LSF) von 15, die andere sogar mit Faktor 30. Letztere wirbt obendrein damit, dass die tägliche Verwendung eines LSF vor lichtbedingter Hautalterung schütze.

Diese Werbung führt aus unserer Sicht in eine falsche Richtung. Wir meinen: Es ist nicht sinnvoll, Tag für Tag eine Creme mit UV-Filtern zu verwenden und die Haut damit zu belasten. Auch wenn die UV-Filter hier nicht zu den besonders problematischen gehören, deren hormonelle Wirkung schon im Tierversuch nachgewiesen wurde.

Selbst das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt das Eincremen ab einem UV-Index von drei, der aber wird in unseren Breiten während des Winterhalbjahres kaum je erreicht.

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 4/2023 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für den Ratgeber Kosmetik & Wellness 2023 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Weiterlesen auf oekotest.de:

    Wir haben diese Produkte für Sie getestet

    Testverfahren

    Eingekauft haben wir 20 Gesichtscremes mit Auslobungen wie "ohne Parfüm", "0 % Parfüm" oder "parfümfrei" in Drogeriemärkten, Bio-Läden, Apotheken und Onlineshops. Sieben Cremes tragen ein Naturkosmetik-Siegel. 50 Milliliter des günstigsten Produkts kosteten 2,95 Euro, die gleiche Menge des teuersten 48,17 Euro.

    In spezialisierten Laboren haben wir alle Cremes auf umstrittene halogenorganische Verbindungen und Formaldehyd/-abspalter analysieren lassen. In den drei Cremes mit konkret ausgelobten Prozentgehalten von Niacinamiden oder Urea ließen wir überprüfen, ob sie diese Gehalte einhalten. Produkte mit dem Inhaltsstoff Alkohol analysierte ein Labor auf das Vergällungsmittel Diethylphthalat (DEP). Produkte mit Paraffinen ließen wir auf potenziell krebserregende aromatische Mineralölbestandteile (MOAH) prüfen. Ein Produkt, auf dem Silberchlorid deklariert war, schickten wir für eine Analyse auf das Element Silber ins Labor.

    Anhand der Deklarationen erfassten wir problematische Inhaltsstoffe in den Cremes wie PEG/ PEG-Derivate, bedenkliche UV-Filter, Silikone und synthetische Polymere. Drei Anbieter im Test werben auf ihren Cremes mit einem Anti-Falten-Versprechen: Von ihnen forderten wir Studien, mit denen sie ihre Wirkversprechen für das konkrete Produkt belegen sollten. Bewertet haben wir auch, wie stark sich die Anbieter um eine ökologische Verpackung bemühen: Abzüge gab es, wenn Anbieter nicht belegen konnten, dass ihre Plastiktuben und -tiegel 30 Prozent oder mehr Post-Consumer-Rezyklat (PCR) enthalten. Außerdem kritisieren wir Umkartons, die in unseren Augen unnötig sind, wenn sie keine zerbrechlichen Glastiegel schützen. 

    Bewertungslegende

    Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

    Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) ein gemessener Gehalt von mehr als 1,0 mg/kg halogenorganische Verbindungen (deklarierte halogenorganische Verbindungen in der Tabelle genannt: Chlorphenesin); b) PEG/PEG-Derivate. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als ein Prozent Silikone; b) Silberchlorid (in Tabelle: Silber). 

    Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um vier Noten: keine vollständige, produktbezogene Wirksamkeitsstudie mit Ergebnissen für das konkrete Produkt zum Anti-Aging-Wirkversprechen vorgelegt (L’Oréal Revital: "Anti-Falten + Extra-Straffheit"; Louis Widmer: "Anti-Aging").

    Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) Vorteil des Produkts mit Anti-Aging-Wirkversprechen gegenüber einem herkömmlichen Pflegeprodukt nicht ausreichend durch die vorgelegte(n) Studie(n) belegt (M. Asam: "…verbessert bereits nach der 1. Anwendung die Faltentiefe um 27,81 %"); b) Silikone und/oder künstliche paraffinartige Stoffe (hier: Dimethicone, Hydrogenated Polyisobutene, Polyisobutene), wenn sie nicht schon unter den Inhaltsstoffen abgewertet wurden, und/oder weitere synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier: Acryl- und/oder Methacryl-[Co- und Cross-]Polymere).

    Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Umkarton, der kein Glas schützt; b) ein Anteil von Rezyklaten (Post-Consumer-Rezyklat, PCR) von weniger als 30 Prozent in Relation zum Gesamtgewicht der Kunststoffverpackung, keine Angabe hierzu und/oder kein ausreichender Nachweis auf unsere Anfrage; c) Weiterer Mangel: nicht ausreichend belegte Werbeaussage auf einem Produkt mit Lichtschutzfaktor (Balea: "Die tägliche Verwendung eines LSF schützt vor vorzeitiger lichtbedingter Hautalterung"). 

    Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "mangelhaft" oder "ungenügend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

    Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte – außer bestimmte Wirkversprechen durch entsprechende Studienabfrage – nicht überprüft haben.

    Testmethoden

    Diethylphthalat: Extraktion mit TBME, GC-MS.
    Elemente: Totalaufschluss in der Mikrowelle, Bestimmung mittels ICP-MS.
    Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Fotometrie.
    Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration, Festphasenanreicherung (SPE), Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts.
    Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH, MOSH/MOSH-Analoge): LC-GC/FID.
    Niacinamide (Vitamin B3): LC-UV. Paraffine/Silikone: LC-RI nach Extraktion (ggf. GC-MS).PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.
    Urea: enzymatische Messung.: Weitere Inhaltsstoffe: per Deklaration.

    Einkauf der Testprodukte: Dezember 2022 – Februar 2023. 

    Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

    Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 4/2023 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für den Ratgeber Kosmetik & Wellness 2023 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.