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Fußbad im Test: Nicht alle Tenside sind unproblematisch

Magazin Februar 2022: Vitamine | Autor: Victoria Pfisterer/Heike Baier/Lena Wenzel | Kategorie: Kosmetik und Mode | 27.01.2022

Fußbäder im Test: Welche Marken überzeugen?
Foto: ÖKO-TEST

Nach einem langen Tag auf den Beinen kann ein Fußbad entspannend sein. Sind dabei pflegende Badezusätze im Wasser zu empfehlen? Gegen zwölf Fußbäder in unserem Test ist nichts einzuwenden – sie sind "sehr gut". Es gibt aber auch Produkte, die Problemstoffe enthalten.

  • 20 Fußbäder im Test: Die meisten der pulvrigen oder kristallinen Produkte basieren auf Natron, Soda oder Kochsalz.
  • Gegen einen pflegenden Badezusatz im Wasser ist häufig nichts einzuwenden: Zwölf Fußbäder im Test schneiden mit Bestnote ab.
  • Einige Produkte enthalten PEG-Verbindungen als Tenside. Diese können die Haut durchlässiger für Fremd- und Schadstoffe machen.  

Unsere Füße machen so einiges mit. Sie tragen uns im Laufe eines Lebens gut und gerne vier Mal um die Erde. Manch eine(r) steht sich von morgens bis abends die Beine in den Bauch. Ob schmerzende Füße nach einem langen Arbeitstag oder kalte Zehen nach einem ausgiebigen Winterspaziergang: Ein Fußbad am Abend ist eine Wohltat – und lässt sich je nach Jahreszeit passend temperieren. Aber braucht man auch einen Badezusatz im Wasser?

Wir haben erstmals Fußbäder getestet. Sie versprechen einiges an Problembewältigung für den Fuß: von der Belebung und Erfrischung müder Füße über das Aufweichen von Schwielen bis zur Desodorierung.

Fußbad im Test: Diese Produkte gibt es 

Flüssige Fußbäder sind eher die Ausnahme, auch in unserem Test. Bei einem Großteil der Produkte handelt es sich um pulvrige oder kristalline Zusätze: Sie basieren auf Natron, Soda oder Kochsalz. Die Salze dienen als Trägersubstanz für die restlichen Bestandteile.

Überdies wird ihnen eine leicht reinigende und antibakterielle Wirkung nachgesagt. Weil sie den pH-Wert des Wassers in den basischen Bereich verschieben, quillt die oberste Hautschicht auf, es entsteht ein gewisser Peeling-Effekt.  

Fußbäder im Test: Wie gut sind pflegende Badezusätze im Wasser?
Fußbäder im Test: Wie gut sind pflegende Badezusätze im Wasser? (Foto: Creative Cat Studio/Shutterstock)

Was bringt Salz aus natürlichen Quellen im Fußbad?

Etliche Fußbäder im Test werben auf der Verpackung mit Salz aus besonderen natürlichen Quellen: "Salz aus dem Toten Meer, Meersalz" oder "Thermalsolesalz aus 460 Metern Tiefe" etwa. Das klingt nach einem Mehrwert. Doch bringen Fußbäder mit diesen Salzen tatsächlich mehr?

Eher nein. Das Salz, um das es hier geht, ist Natriumchlorid – besser bekannt als Kochsalz. Im Salz des Meeres macht es etwa 97 Prozent aus. Der Rest sind Mineralien und Spurenelemente, etwa Magnesium, Natrium oder Kalium.

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Salzgewinnung ist ausschlaggebend 

Kommt das Salz aus Thermalsole, unterscheidet sich die Zusammensetzung der Begleitstoffe je nach Quelle etwas. Sowohl Thermalsole als auch Meerwasser kommen in der Therapie von Hautkrankheiten erfolgreich zum Einsatz. Aber: Wie viele und welche Mineralien im isolierten Salz wirklich noch drin sind, hängt von der Salzgewinnung ab.

Selten wird Meersalz zum Beispiel durch direktes Eindampfen des Meerwassers gewonnen. Vor allem aber bräuchte man bei den Fußbädern unseres Tests mindestens das Zehnfache der empfohlenen Dosierung, um auch nur den Salzgehalt der Nordsee zu simulieren. Um die Konzentration des salzreichen Toten Meers zu erreichen, sogar mehr als das Hundertfache. Viel mehr als Marketing steckt also nicht dahinter.

(Foto: ÖKO-TEST )

Problemstoffe in Fußbädern im Test 

Zur Reinigung setzen einige Fußbäder im Test Tenside ein, also waschaktive oder schäumende Substanzen. In fünf Produkten handelt es sich dabei allerdings um Polyethylenglykole und deren Abkömmlinge. Diese Schaumschläger sehen wir nicht gerne, denn sie können die Haut durchlässiger für Fremd- und Schadstoffe machen. 

Völlig daneben geht die Tensid-Auslobung eines Fußbades im Test: Auf der Frontseite empfiehlt sich das Produkt durch einen prominent platzierten Störer als "vegan" und schreibt darunter "mit pflanzlichen Seifen". Ein Blick in die Inhaltsstoffliste verrät, dass der Badezusatz Sodium Tallowate enthält – aus Rindertalg gewonnene Seifentenside.

Der Anbieter erklärt uns auf Nachfrage, er habe die Fußpflege-Marke übernommen und sei gerade dabei, alle Auslobungen zu prüfen. Der Plan, die Rezeptur auf vegan umzustellen, sei beim vorherigen Marken-Eigentümer offenbar auf halbem Weg stecken geblieben: Umgestellt wurde schon mal die Verpackung, die Rezeptur blieb, wie sie ist. Ups, leider doch nicht vegan? Das gibt Punktabzug unter den Weitern Mängeln.

Stoff aus Latschenkiefer gilt als starkes Allergen

Ätherische Öle und Pflanzenextrakte spielen eine wichtige Rolle bei den Wirk-Versprechen vieler Produkte: So will ein Fußbad müde Füße mit Minz- und Limettenöl erfrischen, ein anderes setzt auf Weidenrindenextrakt zur Hauterweichung und Glättung. Öle aus Lavendel, Rosmarin und Thymian sollen in einem weiteren Produkt die Durchblutung anregen und die Füße "durchwärmen".

Das Dufterlebnis liefern viele Öle gleich dazu. Erfreulich ist, dass wir in den Fußbädern kaum kritische Duftstoffe gefunden haben. Lediglich eins enthält einen in unseren Augen zu hohen Gehalt an Delta-3-Caren. Der Stoff ist ein natürlicher Bestandteil aus dem Öl von Nadelhölzern – gilt aber als starkes Allergen und sorgt deshalb für Minuspunkte.  

Nach einem langen Tag können Fußbäder wohltuend sein.
Nach einem langen Tag können Fußbäder wohltuend sein. (Foto: alexei_tm/Shutterstock)

Bedenklicher UV-Filter in einem Fußbad im Test 

Was ist im Fußbäder-Test ansonsten aufgefallen? Einmal sind wir auf den UV-Filter Ethylhexyl Methoxycinnamate gestoßen. Den hat der Hersteller möglicherweise eingesetzt, damit die Salzkristalle in der Plastikflasche ihre Farbe behalten.

Doch muss er dafür ausgerechnet einen UV-Filter nehmen, bei dem es handfeste Hinweise auf eine hormonelle Wirkung gibt? Nein, finden wir. Der ist hier komplett für die Füße.  

Urea in Fußbädern sorgt für weiche Sohlen 

Die Hornhaut an der Sohle aufweichen und den Fuß auf die Pediküre vorbereiten – auch dafür ist ein Fußbad bewährt. Deshalb enthalten einige Badezusätze Urea.

In niedrigeren Konzentrationen bindet Urea Feuchtigkeit in der oberen Hautschicht, in Gehalten über 10 Prozent wirkt es keratoplastisch, erweicht also die Hornhaut. Wir haben die Gehalte an Urea nachmessen lassen und festgestellt: Drauf steht, was drin ist.

Tipps für ein angenehmes Fußbad 

ÖKO-TEST Ratgeber: 

  • Eintauchen, loslassen: Zwölf Fußbäder im Test sind "sehr gut" und kommen ohne problematische Inhaltsstoffe aus.
  • Ein Fußbad belebt – allein schon durch die Wärme des Wassers. Denn diese erweitert die Kapillaren und regt den Stoffwechsel an. Wärmer als 38, höchstens 40 Grad sollte das Wasser aber nicht sein.
  • Maximal 15 Minuten genügen für ein Fußbad. Danach: gut abtrocknen, auch zwischen den Zehen.  

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:

Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 20 Fußbäder in Apotheken, Drogerien, Discountern, Supermärkten und Bio-Märkten eingekauft. Drei davon sind als Naturkosmetik zertifiziert. Die Preise in unserem Test reichen von 37 Cent bis 9,67 Euro für 100 Milliliter/Gramm Badezusatz.

Spezialisierte Labore untersuchten für uns die Produkte auf problematische Duftstoffe, bedenkliche Formaldehyd/-abspalter und umstrittene halogenorganische Verbindungen. In Fußbädern mit einer Prozentangabe für Urea haben wir den Harnstoffgehalt im Labor überprüfen lassen. Wenn Titandioxid deklariert war, haben wir die Partikelverteilung bestimmen lassen, um zu schauen, ob Nanopartikel enthalten sind. Das beauftragte Labor suchte außerdem nach umweltschädlichen chlorierten Verbindungen in der Verpackung.

Per Deklaration identifizierten wir PEG/PEG-Derivate oder bedenkliche UV-Filter. Für eine Verpackung, die unnötig viele Ressourcen aufwendet, zogen wir beim Zwischenergebnis Weitere Mängel eine Note ab: Und zwar dann, wenn das Fußbad in einem Umkarton steckt, der kein Glasbehältnis schützt oder wenn die Plastikverpackung weniger als 30 Prozent Recyclingmaterial enthält.

Bewertungslegende 

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: ein bedenklicher UV-Filter (hier: Ethylhexylmethoxycinnamat). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein gemessener Gehalt von mehr als 100 mg/kg Delta-3-Caren; b) PEG/PEGDerivate.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um jeweils eine Note: a) ein Umkarton, der kein Glas schützt, wenn er nicht mehrere Teile/Produkte beinhaltet; b) die fehlende Angabe "nano" bei Titandioxid in der Liste der Inhaltsstoffe gemäß EU-Kosmetik-Verordnung 1223/2009 und der Empfehlung 2011/696 der EU-Kommission zur Definition von Nanomaterial, wenn das in den Produkten enthaltene Titandioxid zu mehr als 50 Prozent nanoförmig vorliegt; c) ein Anteil von Rezyklaten (Post-Consumer- Rezyklat, PCR) von weniger als 30 Prozent in Relation zum Gesamtgewicht der Kunststoffverpackung oder keine Angabe hierzu oder kein ausreichender chargenbezogener Nachweis hierzu; d) die Auslobung "vegan" trotz nicht veganer Inhaltsstoffe (hier: Sodium Tallowate).

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.

Testmethoden 

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte):
Deklarationspflichtige Duftstoffe/Diethylphthalat/Polyzyklische Moschus- und Nitromoschus-Verbindungen/Cashmeran: Extraktion mit TBME, GC-MS.
Halogenorganische Verbindungen:a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts.
Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Fotometrie.
Delta-3-Caren: GC-MS.
Harnstoff: Enzymatische Aktivitätsmessung nach r-biopharm.
Weitere Inhaltsstoffe: per Deklaration.
PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Oktober 2021 

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