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19 Kindershampoos im Test

ÖKO-TEST April 2018
vom 29.03.2018

Shampoos, Kinder

Weil ich ein Mädchen bin ...

Wenn aus Babys Kleinkinder werden, dann darf's auch für die Haare ein Klecks Kindershampoo sein. Viele Verpackungen bedienen rosa Rollenklischees. Trotz Prinzessinnenwahns: Der Inhalt kann sich sehen lassen.

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29.03.2018 | "Nein Mama, ich will das Shampoo mit der rosa Prinzessin! Das hat Paula aus dem Kindergarten auch." Wer ein Kind hat, kennt derartige Totschlagargumente mit Sicherheit. Selbst Eltern, die eigentlich alles daran setzen, ihren Nachwuchs ohne Geschlechterklischees zu erziehen, holt irgendwann die Realität ein. Ende Gelände, keine Diskussion mehr möglich. Dass ein Shampoo mit pinker Glitzerprinzessin nicht besser oder schlechter reinigt als ein klassisches, neutrales Kindershampoo, wird spätestens dann zur Nebensache, wenn sich der Zwerg die Haare aus purem Trotz irgendwann einfach überhaupt nicht mehr waschen lassen will. Ganz zu schweigen vom Wutanfall am Drogerieregal.

Immerhin: Nicht alle Kosmetikprodukte für Kinder richten sich konkret an ein bestimmtes Geschlecht. Und auch nicht alle Kosmetikhersteller, die mit ihren Produkten gezielt Mädchen adressieren, setzen auf possierliche Prinzessinnen- und Feenmotive. Hier und da blitzen auch selbstbewusste Rebellinnen und Superheldinnen von den Shampooflaschen und Duschgeltuben.

Natürlich bedienen die Hersteller mit derartigen Motiven auch bestehende Trends. Aber bei allem Verständnis für die wirtschaftlichen Interessen der Industrie, es bleibt die Frage, ob gegenderte Kinderprodukte das Konsumverhalten im Erwachsenenalter beeinflussen. Denn sie können den Eindruck wecken, Frauen benötigten zwingend andere Kosmetikprodukte als Männer. Fördern die Hersteller damit womöglich bereits im Kindesalter die Bereitschaft weiblicher Konsumenten, im Erwachsenenalter Unsummen für Pflegeprodukte auszugeben, wohingegen viele Männer angesichts derartiger Preise nur verständnislos den Kopf schütteln und sich im Zweifelsfall mit einem zweckmäßigen Minimalsortiment zufriedengeben würden?

Eine US-amerikanische Studie aus dem Jahr 2015 zeichnete ein eher besorgniserregendes Bild: Die Forscher des New York City Fachbereichs für Verbraucherangelegenheiten fanden heraus, dass Frauen im Schnitt 13 Prozent mehr für Körperpflegeprodukte zahlen als Männer. Und dass Frauen diesen Mehrkosten kaum entkommen können, weil der Markt ihnen schlicht keine Alternativen bietet. Hierzulande scheinen die Aussichten nicht ganz so düster zu sein. Eine im November 2017 veröffentlichte Studie im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zur Preisdifferenzierung nach Geschlecht kommt zu dem Schluss: "Ein zentraler und durchaus positiver Befund der Untersuchung ist, dass der überwiegende Teil der Produkt- und Dienstleistungsvarianten in Deutschland für beide Geschlechter preisgleich angeboten werden."

In zwei Bereichen stellten die Forscher allerdings deutliche Abweichungen fest: Friseursalons und Reinigungen. Für die gleichen Dienstleistungen zahlen Frauen hier in aller Regel mehr. Auch in Deutschland gehen also "geschlechtsspezifische Preisunterschiede, sofern sie feststellbar sind, meistens zulasten von Frauen". Die Antidiskriminierungsstelle sieht hier durchaus Handlungsbedarf und "empfiehlt insbesondere Reinigungs- und Friseurbetrieben, Leistungen nach ihrem tatsächlichen Aufwand und nicht nach Geschlecht anzubieten und in Preislisten auf die Aufteilung nach Geschlecht zu verzichten." Gleichzeitig sollen Verbraucher über "geschlechtsspezifische Preisdifferenzierungen und Gender Marketing" verstärkt informiert und aufgeklärt werden.

Die New Yorker Wissenschaftler stellten zwar fest, dass die Preisunterschiede bei Kinderprodukten mit am geringsten sind; die Frage, ob das Angebot in Kinderjahren womöglich die Akzeptanz derartiger Differenzen im Erwachsenenalter fördert, bleibt aber unbeantwortet.

Beim Einkauf der 19 Kindershampoos für unseren Test haben wir lange und nahezu vergeblich nach Produkten für Jungs gesucht - hier setzen die Hersteller meist schon früh auf Duschgel-Shampoo-Kombiprodukte, die sie später auch den erwachsenen Männern verkaufen wollen.

Das Testergebnis

Grünes Licht gibt es zumindest in puncto Inhaltsstoffe für die allermeisten Produkte: Acht der Kindershampoos schneiden "sehr gut" ab, weitere zehn mit "gut".

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Weitere Informationen

So haben wir getesteten

Der Einkauf
Schon in der Kinderabteilung gibt es eine recht große Auswahl an Haarpflegeprodukten - im besten Fall mit geschlechtsneutralen Motiven, häufig aber konkret an Mädchen gerichtet. Wir haben insgesamt 19 Shampoos und Shampoo-Spülung-Kombiprodukte ausgewählt. Dabei haben wir sowohl neutrale Produkte als auch Merchandise-Shampoos und solche mit geschlechtsspezifischer Färbung berücksichtigt. Die Shampoos kosten umgerechnet auf 200 Milliliter zwischen 30 Cent und 8,25 Euro.

Die Inhaltsstoffe
Im Labor haben wir unter anderem überprüfen lassen, ob die Shampoos problematische Duftstoffe oder Formaldehyd/-abspalter enthalten. Außerdem, ob PEG/PEG-Derivate, die als Tenside eingesetzt werden, mit dem krebsverdächtigen 1,4-Dioxan verunreinigt sind. Mit kritischem Blick haben wir uns die Rezepturen in Bezug auf Mikroplastik angeschaut.

Die Weiteren Mängel
Stecken in der Verpackung der Shampoos problematische PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen, die in der Müllverbrennung gesundheitsschädliche Dioxine bilden und die Umwelt bei Herstellung und Entsorgung belasten?

Die Bewertung
Zwar gab es in diesem Test Abzüge für PEG/PEG-Derivate, jedoch wurden in keinem Produkt problematische Mengen 1,4-Dioxan nachgewiesen. Nur ein Produkt erhielt zwei Noten Abzug für eine Verbindung, die wir als Mikroplastik einstufen.

So haben wir getestet

Die Inhaltsstoffliste liefert wichtige Hinweise für die Laboranalysen: Ein Produkt mit PEG/PEG-Derivaten kann krebsverdächtiges Dioxan enthalten.