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ÖKO-TEST August 2012
vom

Schnuller, Silikon

Wir müssen draußen bleiben

In allen Schnullern in unserem Test ließen sich polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe nachweisen. Sechs Sauger enthalten die krebsverdächtige Substanz Naphthalin in höherer Menge. Immerhin können wir zehn Modelle empfehlen.

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27.07.2012 | Nach der Geburt haben Mama und Papa meist die größte Mühe, den neuen Erdenbürger zu beruhigen. Da kann ein Schnuller Wunder wirken. An Silikonschnullern hatten wir bislang sehr selten etwas zu kritisieren. Doch das Material Silikon ist unter einen neuen Verdacht geraten.

Eine im Januar 2012 veröffentlichte Studie des Forschungszentrums JRC der EU-Kommission machte deutlich, dass auch Babyartikel aus scheinbar unproblematischen Kunststoffen wie Silikon Schadstoffe enthalten können: Aus fünf Silikonbabyflaschen hatten sich unter anderem winzige Mengen der PAK-Verbindung Naphthalin gelöst.

PAK steht als Abkürzung für polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Sie entstehen als Nebenprodukte bei der Verbrennung und können so als Rückstände in schwarzen Pigmenten aus Ruß auftauchen oder in Weichmacherölen, die aus Erdöl hergestellt werden. PAK sind gesundheitlich bedenklich. Acht Vertreter der PAK sind als krebserregend eingestuft. Naphthalin steht im Verdacht Krebs zu erzeugen.

Vor diesem Hintergrund haben auch wir die Silikonschnuller im aktuellen Test im Labor auf PAK prüfen lassen und sind leider fündig geworden: In allen Schnullern steckt die PAK-Verbindung Naphthalin. Doch wie geraten PAK ins Silikon?

Die Autoren der EU-Studie vermuteten, dass das Naphthalin als Verunreinigung in die Babyfläschchen gelangt sein könnte, etwa durch die Druckertinte des Beipackzettels oder Verpackungen aus Recyclingkarton. Für die Herstellung von Silikon spielen typische Quellen für PAK, wie etwa Weichmacheröle, nämlich keine Rolle.

Offenbar haben die Hersteller der Babyprodukte die EU-Studie nicht zum Anlass genommen, die Quelle für die Verunreinigung mit dem krebsverdächtigen Stoff zu finden und auszuschalten. Auch die Reaktionen der Hersteller auf unseren aktuellen Test zeigen kein großes Problembewusstsein. Die Firma MAM Babyartikel etwa schreibt uns, bei den gefundenen PAK handle es sich um "minimale Verunreinigungen, wie wir sie selbst im täglichen Leben praktisch überall vorfinden".

Wir haben 17 Silikonschnuller eingekauft und das Material auf schädliche Substanzen sowie auf Biss- und Reißfestigkeit prüfen lassen.

Das Testergebnis

Top im Praxistest, Flop bei den Inhaltsstoffen: Zehn "sehr gute" Modelle können Sie für Ihre Kleinsten kaufen. Für sechs Silikonsauger gibt es Notenabzug, weil Sie mit deutlichen Mengen an krebsverdächtigen PAK belastet waren. Im Praxistest gab es dagegen nur Bestnoten.

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Drei von vier verkauften Schnullern sind mittlerweile Modelle aus Silikon. Daher haben wir für unseren Test 17 Silikonschnuller eingekauft. Von besonders beliebten Marken wie Mam, Nuk und Nip haben wir je zwei Modelle ausgewählt.

Die Inhaltsstoffe
Die Schnuller wurden umfassend auf mögliche Problemstoffe wie Schwermetalle oder giftige Rückstände an zinnorganischen Verbindungen oder polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) untersucht. Diese Problemstoffe hatten wir aktuell in Beißringen nachgewiesen. 2009 warnten Umweltschutzorganisationen vor Bisphenol A (BPA), das aus Schnullerschildern aus dem Kunststoff Polycarbonat in Schnullern geraten war. Wir haben Modelle auf BPA testen lassen, auf denen wir keine Hinweise wie "BPA frei" gefunden haben.

Der Praxistest
Lassen sich die Schnuller leicht anknabbern und reißt von einem angeknabberten Schnuller schnell ein Teilchen ab, das versehentlich vom Baby verschluckt werden könnte? Anschließend wurden die mit einem Dorn beschädigten Schnuller in eine Maschine eingespannt und es wurde kräftig daran gezogen.

Die Bewertung
In einem sehr guten Schnuller haben deutliche Gehalte an krebsverdächtigen PAK nichts zu suchen. Schließlich nuckeln die Kleinsten intensiv an den Produkten und das zum Teil bis ins dritte Lebensjahr. Als Weitere Mängel haben wir fehlende Gebrauchs- und Warnhinweise moniert.

So haben wir getestet

Die Praxistester prüften zunächst wie leicht sich die Schnuller mit einem Dorn, der ein Zähnchen simuliert, durchstechen lassen.