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13 Spielzelte im Test

Zeltuntergang

ÖKO-TEST August 2010 | Kategorie: Kinder und Familie | 30.07.2010

13 Spielzelte im Test

Spielzelte für drinnen und draußen stehen bei Kindern hoch im Kurs. Denn sie lieben es, sich zu verkriechen und zu verstecken. Doch so manch ein untersuchtes Zwergenhaus stinkt zum Himmel und in vielen lauern jede Menge üble Stoffe.

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Wenn Paul sämtliche Decken und Kissen einsammelt, Stühle und Tische verrückt, dann wird das Kinderzimmer zu seiner eigenen fantastischen Welt und ein Fünfjähriger zum Höhlenmenschen. Selbst das Essen will er dann nur noch in seiner selbst gebauten Bude zu sich nehmen. Grund zur Sorge? Ganz im Gegenteil: "Höhlen bauen hat einen wichtigen Zweck in der kindlichen Entwicklung, dient oft dem seelischen Gleichgewicht", sagt Hedi Friedrich, Kinder- und Jugendtherapeutin aus Frankfurt. "Zum Beispiel wenn Kinder stark gefordert sind, wenn sie viel Leistung bringen müssen, dann bauen sie ein Versteck, an dem sie ihre Ruhe haben und sich den prüfenden Blicken der Erwachsenen entziehen können." In der Höhle Marke Eigenbau sind Kinder die Hausherren, dort können sie ausspannen, träumen, Erlebtes nachspielen und verarbeiten - ohne beobachtet oder korrigiert zu werden. Eltern sollten deshalb den Wunsch der Kleinen akzeptieren, wenn es heißt: "Hier dürfen nur Kinder rein!"

Eine andere Möglichkeit, sich zurückzuziehen, sind farbenfrohe Spielzelte, die der Handel gerade in den Sommermonaten in zig Ausführungen anbietet. Sie können im Garten aufgestellt werden, kleinere Modelle werden auch im Kinderzimmer aufgebaut.

Allerdings stellte ÖKO-TEST im Dezember 2002 bei einem Test fest, dass die meisten Spielzelte für richtig dicke Luft im Kinderzimmer sorgen. Damals waren fast alle Modelle mit einem ganzen Cocktail an Chemikalien belastet, die aus den verwendeten Materialien stammen.

Wir wollten wissen, ob sich die Situation inzwischen gebessert hat. Immerhin liegen fast acht Jahre zwischen dem damaligen und dem aktuellen Test, und das Bewusstsein um Schadstoffe in Kinderspielzeug sollte sich mittlerweile bis zu den Herstellern herumgesprochen haben. Wir haben 13 aktuelle Modelle im Labor durchchecken lassen.

Das Testergebnis

Anfassen, durchkriechen, einigeln - was Kinder so sehr lieben, sollte man sich in vielen Spielzelten lieber verkneifen. Mindestens fünf von 13 Produkten hätten eher die Bezeichnung Schadstoffhöhle verdient. Allerdings hat sich im Vergleich zum ebenfalls miesen Abschneiden im großen Spielzelt-Test von 2002 auch etwas gebessert: Mit dem Marvel Play Tent The Amazing Spider-Man können wir diesmal ein "sehr gutes" Modell empfehlen.

Zwei Zelte sollten sofort vom Markt verschwinden: Im Intex Kinder-Spielhaus Bauernhof ist der Gehalt der flüchtigen organischen Verbindung Cyclohexanon mehr als 170-mal höher als der empfohlene Richtwert der Spielzeugnorm EN 71. Umgerechnet auf den Zeltinnenraum belastet das Produkt die Atemluft der Kleinen mit bis zu 34.500 Mikrogramm flüchtigen organischen Verbindungen (TVOC) pro Kubikmeter (µg/m³). Zum Vergleich: Das Umweltbundesamt empfiehlt für die Raumluft in Schulen maximal 1.000 µg/m³, angestrebt werden sogar nur 200 µg/m³. Weil Kinder besonders empfindlich sind, können sie auf höhere Mengen mit Übelkeit, Kopfschmerz und Reizungen der Schleimhäute reagieren. Für Wolfgang Plehn vom Umweltbundesamt hat dieses - laut Verpackung auch "zum Spielen für drinnen" geeignete Produkt - "in einem Kinderzimmer nichts zu suchen". Da das Zelt aus einer dicken Plane besteht, kann es zudem Monate oder gar Jahre dauern, bis die Schadstoffe ausgedünstet sind. Dennoch: Laut Gesetz darf das Zelt so verkauft werden, denn Richtwerte haben ja keinen Gesetzescharakter.

Ein klarer Fall für den Sondermüll und für die Gesetzhüter ist das Stats Piraten Zelt mit Tunnel: In der braunen Stoffeinfassung für die Zeltstange wurden mehr als die gesetzlich erlaubten 30 Milligramm pro Kilogramm des aromatischen Amins p-Aminoazobenzol nachgewiesen.

Viele Zelte stecken voller übler Stoffe, bei einem wird sogar ein Grenzwert überschritten

In zwei Produkten stecken polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), im Stats Piraten Zelt mit Tunnel sogar in stark erhöhten Gehalten. Viele PAK gelten als krebserregend. Bisher gibt es - außer für Weichmacheröle in Autoreifen - keine verbindlichen europäischen Grenzwerte. Um Verbraucher besser zu schützen, haben das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und das Umweltbundesamt im Auftrag der Ministerien ein Dossier nach der Chemikalienverordnung REACH erarbeitet und der EU-Kommission vorgelegt. Konkret vorgeschlagen wird eine EU-weite Beschränkung der Vermarktung von PAK-belasteten Produkten. Da PAK über die Haut aufgenommen werden und Kinder auch mal nur in Badehose oder nackt spielen, steht für uns außer Frage, dass diese besorgniserregenden Substanzen aus Produkten wie einem Spielzelt verbannt werden müssen.

Das Intex-Zelt hat im "Kinderzimmer nichts zu suchen", sagt sogar das Umweltbundesamt

Doch damit nicht genug: Sieben Zelte enthalten umstrittene halogenorganische Verbindungen, in drei Modellen wurde das offiziell als fortpflanzungsgefährdend eingestufte Phthalat DEHP und in zweien giftiges Dibutylzinn in erhöhten Gehalten nachgewiesen. Darüberhinaus stecken im Haba Spielzelt Ritterturm und im Sanrio Hello Kitty Igloo Tent phosphororganische Verbindungen, in Letzterem sogar in rauen Mengen. Dabei handelt es sich unter anderem um das halogen- und phosphororganische Flammschutzmittel TDCPP, das im Verdacht steht, Krebs zu erzeugen.

Bis auf eine Ausnahme sind außerdem optische Aufheller ein Problem. Wenn sie mit dem Schweiß auf die Haut gelangen, können sie in Verbindung mit dem Sonnenlicht allergische Reaktionen auslösen. Für optische Aufheller mit Hautkontakt, zum Beispiel im Gitternetz der Sichtfenster oder an weißen Stellen im bunt bedruckten Oberstoff der Zelte, gibt es einen Punkt Abzug im Gesamtergebnis. Etwas weniger streng bewerten wir, wenn die Weißmacher in einem bedruckten Etikett stecken oder in der Füllwatte einer Fahne, die für Kinder nur schwer erreichbar sind. Auch hier müssen wir zwar eine Note abziehen - aber nur unter dem Testergebnis Weitere Mängel. Grundsätzlich belasten optische Aufheller die Umwelt, weil sie kaum abgebaut werden.

Beim Öffnen des Bieco's Piraten Zelt/Burg sind gute Nerven und eine schnelle Reaktionszeit hilfreich. Das Produkt "poppt" unvermittelt auf wie eine Ziehharmonika, im schlechtesten Fall mitten ins Gesicht - eine Warnung oder zumindest den Hinweis, dass das Zelt nur von einem Erwachsenen geöffnet beziehungsweise aufgebaut werden soll, sucht man leider vergeblich. Dafür gibt es ebenfalls einen Minuspunkt unter Weitere Mängel.

Ich Prinzessin, du Frosch

Auf Spielzelten tummeln sich Piraten, Actionhelden, Schmusetiere oder Prinzessinnen. Das weckt bei Kindern die Lust aufs Rollenspiel. Eine Requisitenkiste mit abgelegter Kleidung, Schmuck, alten Hüten, Tüchern und Alltagsgegenständen hilft ihnen, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen. Hinterher finden manche es toll, sich mit Mama und Papa ins Zelt zu lümmeln und dort einem Märchen oder einer Abenteuergeschichte zu lauschen.

Wir bauen eine Höhle

Es muss nicht immer das Spielzelt aus dem Handel sein. Höhlen bauen macht Spaß und fördert die Kreativität der Kleinen. In der Regel ist dazu alles im Haus: Aus Polstern, Stühlen, Besenstielen, großen Pappkartons ist im Handumdrehen ein Gerüst errichtet. Darüber ein paar Decken oder Vorhänge werfen, diese mit Wäscheklammern an der Konstruktion befestigen und das Versteck ist fertig.

Hoch hinaus ins Grüne

Auch im Freien ist ein selbst gebautes Spielhaus eine spannende Sache, zum Beispiel in der Krone eines großen Apfelbaumes. Baumhäuser sind Spiel- und Rückzugsorte, die auch ältere Kinder zu schätzen wissen. Und es geht sogar ohne den passenden Baumriesen im eigenen Garten. Tipps und Anregungen liefert das Buch "Kleine Baumhäuser und Hütten - kinderleicht gebaut" von David Stiles (Ökobuch-Verlag, 2008, 12,90 Euro).

So haben wir getestet

Der Einkauf

Häuser, Schlösser, Tipis, Burgen - Spielzelte gibt es in vielen Farben und Formen. Vom klassischen Iglu bis hin zur kunterbunten Pippi-Langstrumpf-Villa haben wir verschiedenste Modelle in Spielwarengeschäften und beim Kinderwaren-Versandhändler eingekauft. Die Preisspanne reicht von 9 bis 99 Euro. Da Spielzelte bei Kindern im Sommer und Winter hoch im Kurs stehen, war uns wichtig, dass die meisten Produkte sowohl drinnen als auch draußen aufgebaut werden können.

Die Schadstoffe

Spielzelte sind oft stark mit Schadstoffen belastet, enthalten zum Beispiel Restlösungsmittel aus dem Herstellungsprozess und vom Bedrucken. Diese flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) gasen aus und belasten die Raumluft. Das ist umso schlimmer, da Kinder besonders empfindlich reagieren. Um zu sehen, wie hoch die Belastung im Zelt ist, ließen wir zunächst im Prüflabor bestimmen, was bei normaler Raumtemperatur aus den Hauptmaterialien entweicht. Anschließend wurden die Messwerte auf das entsprechende Zeltvolumen umgerechnet.Da Kinder gerne mal barfuß und nur in Unterhose spielen, ließen wir Zeltböden und -wände auf weitere Schadstoffe untersuchen, darunter giftige zinnorganische und umstrittene halogenorganische Verbindungen, allergisierende Dispersionsfarbstoffe, krebserregende Azo-Farbstoffe und Schwermetalle - üble Substanzen, die wir größtenteils auch im ÖKO-TEST Spielzelte im Dezember 2002 gefunden hatten. In einigen Produkten steckte zudem PVC. Da liegt der Verdacht nahe, dass die Hersteller zusätzlich Weichmacher einsetzen, um das spröde Material geschmeidig zu machen.

Die Bewertung

Wir wollen keine Spielverderber sein. Aber Kinder verbringen oft Stunden in den Zelten und haben natürlich auch direkten Hautkontakt mit den Materialien. Dies müssen wir bei der Bewertung der Schadstoffe berücksichtigen. Beispiel Phthalatweichmacher: Einige Vertreter dieser Stoffgruppe sind gesetzlich in Spielzeug reglementiert, weil sie im Verdacht stehen, hormonell zu wirken und krebserregend zu sein. Der gesetzliche Grenzwert wird zwar nicht überschritten, wir werten aber trotzdem ab, weil es problematische Stoffe sind, die über die Haut aufgenommen werden können. Noch strenger sind wir, wenn gesetzliche Bestimmungen nicht erfüllt werden, solche Produkte können unterm Strich nicht besser sein als "ungenügend".

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Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Marvel Play Tent The Amazing Spider-Man
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Worlds Apart
sehr gut
Knorrtoys My Little Princess Spielzelt Piano
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Knorrtoys
gut
Pippi Spielzelt Villa Kunterbunt
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Micki Leksaker
gut
Disney Princess Garten Castle
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John
befriedigend
Indianer Tipi
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César
befriedigend
Koja Zelt, weiß-hellblau
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Ikea
befriedigend
Pinky Queeny Spielzelt
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Sigikid
befriedigend
Outdoor Active Kinder Iglu, blau-rot-gelb
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Hoffmann Spielwaren
ausreichend
Bieco's Piraten Zelt/Burg, blau-bunt
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Bieco
mangelhaft
Haba Spielzelt Ritterturm
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Habermaaß
ungenügend
Intex Kinder-Spielhaus Bauernhof
Intex Kinder-Spielhaus Bauernhof
Intex
ungenügend
Sanrio Hello Kitty Igloo Tent
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D'Arpèje
ungenügend
Stats Piraten Zelt mit Tunnel
Stats Piraten Zelt mit Tunnel
Toys"R"Us
ungenügend

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Häuser, Schlösser, Tipis, Burgen - Spielzelte gibt es in vielen Farben und Formen. Vom klassischen Iglu bis hin zur kunterbunten Pippi-Langstrumpf-Villa haben wir verschiedenste Modelle in Spielwarengeschäften und beim Kinderwaren-Versandhändler eingekauft. Die Preisspanne reicht von 9 bis 99 Euro. Da Spielzelte bei Kindern im Sommer und Winter hoch im Kurs stehen, war uns wichtig, dass die meisten Produkte sowohl drinnen als auch draußen aufgebaut werden können.

Die Schadstoffe

Spielzelte sind oft stark mit Schadstoffen belastet, enthalten zum Beispiel Restlösungsmittel aus dem Herstellungsprozess und vom Bedrucken. Diese flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) gasen aus und belasten die Raumluft. Das ist umso schlimmer, da Kinder besonders empfindlich reagieren. Um zu sehen, wie hoch die Belastung im Zelt ist, ließen wir zunächst im Prüflabor bestimmen, was bei normaler Raumtemperatur aus den Hauptmaterialien entweicht. Anschließend wurden die Messwerte auf das entsprechende Zeltvolumen umgerechnet.Da Kinder gerne mal barfuß und nur in Unterhose spielen, ließen wir Zeltböden und -wände auf weitere Schadstoffe untersuchen, darunter giftige zinnorganische und umstrittene halogenorganische Verbindungen, allergisierende Dispersionsfarbstoffe, krebserregende Azo-Farbstoffe und Schwermetalle - üble Substanzen, die wir größtenteils auch im ÖKO-TEST Spielzelte im Dezember 2002 gefunden hatten. In einigen Produkten steckte zudem PVC. Da liegt der Verdacht nahe, dass die Hersteller zusätzlich Weichmacher einsetzen, um das spröde Material geschmeidig zu machen.

Die Bewertung

Wir wollen keine Spielverderber sein. Aber Kinder verbringen oft Stunden in den Zelten und haben natürlich auch direkten Hautkontakt mit den Materialien. Dies müssen wir bei der Bewertung der Schadstoffe berücksichtigen. Beispiel Phthalatweichmacher: Einige Vertreter dieser Stoffgruppe sind gesetzlich in Spielzeug reglementiert, weil sie im Verdacht stehen, hormonell zu wirken und krebserregend zu sein. Der gesetzliche Grenzwert wird zwar nicht überschritten, wir werten aber trotzdem ab, weil es problematische Stoffe sind, die über die Haut aufgenommen werden können. Noch strenger sind wir, wenn gesetzliche Bestimmungen nicht erfüllt werden, solche Produkte können unterm Strich nicht besser sein als "ungenügend".