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18 Pflanzliche Schlafmittel im Test

Traumhaft!

ÖKO-TEST Mai 2011 | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 29.04.2011

18 Pflanzliche Schlafmittel im Test

Wer ständig nachts keine Ruhe findet, der leidet auch am Tag. Pflanzliche Schlafmittel können sanft dabei helfen, Schlafstörungen zu beheben. Viele Präparate sind empfehlenswert.

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Ein paar unruhige Nächte verkraftet der menschliche Körper noch. Auf Dauer macht zu wenig Schlaf aber krank. Da ist der Griff zur Pille verlockend, denn in Apotheken gibt es zahlreiche Beruhigungs- oder leichtere Mittel gegen Schlafstörungen rezeptfrei zu kaufen. ÖKO-TEST hat 18 pflanzliche Schlafmittel eingekauft und einen kritischen Blick auf Wirk- und Hilfsstoffe geworfen.

Das Testergebnis

Zehn "sehr guten" und "guten" Produkten stehen fünf Präparate gegenüber, die wir mit "mangelhaft" bewertet haben.

Aus der Baldrianwurzel hergestellte Trockenextrakte sind als Wirkstoffe am besten untersucht. Im Vergleich dazu können Tinkturen auf Alkoholbasis als veraltet angesehen werden. Entsprechend schlecht schneiden die Baldriantinkturen in unserem Test ab. Doch auch zwischen den Baldriantrockenextrakten gibt es Unterschiede. Ein wichtiges Qualitätskriterium ist, dass als Extraktionsmittel Alkohol - entweder Methanol oder Ethanol - verwendet wird. Bei den Zirkulin Einschlaf-Dragees Baldrian & Hopfen ist das nicht der Fall, hier wird mit Wasser extrahiert.

Melissenblätter, Passionsblumenkraut und vor allem Hopfen werden traditionell bei Einschlafstörungen eingesetzt. Immerhin gibt es klinische Ergebnisse für die Wirksamkeit von Zweierkombinationen, in denen Baldrianextrakt mit Hopfen- oder Melissenextrakt kombiniert wird. Vorteile von Zweierkombinationen gegenüber reinen Baldrianpräparaten zeigen sich nicht, für die Kombination von drei Wirkstoffen gibt es schon gar keine belastbaren Daten. Dennoch werten wir Wirkstoffkombinationen, die keinen belegten Vorteil bringen, nicht ab. Zu wichtig und positiv finden wir den Ansatz, Schlafstörungen auf sanfte Weise anzugehen. Wir fordern aber von den Kombinationsprodukten, dass sie die am besten untersuchten Trockenextrakte aus Baldrianwurzel in einer angemessen hohen Dosierung enthalten.

Um die Dosierungen einschätzen zu können, haben wir zur Berechnung die jeweils höchste empfohlene Dosis bei Einschlafstörungen angesetzt. Nach den "Transparenzkriterien für pflanzliche, homöopathische und anthroposophische Arzneimittel" wird für reine Baldrianpräparate eine Tagesdosis von umgerechnet vier bis sechs Gramm Droge als wirksam angesehen. Dies ist bei den fünf Monopräparaten mit Baldriantrockenextrakt der Fall. Produkte mit hohen Dosierungen sind den gering dosierten vorzuziehen, zumal die Pflanzenextrakte keine Nebenwirkungen haben, eine geringere Dosierung daher keine Vorteile bringt. Bei Kombinationen darf die Dosierung des Baldrians aufgrund der Wirkung der Kombinationspartner niedriger sein, bei zwei Gramm Drogenäquivalent oder höher sollte sie aber liegen. Diese Bedingung erfüllen vier Kombinationen nicht.

Kinder brauchen keine Schlafmittel. Wenn Kinder nicht schlafen können, brauchen sie jemanden, der nach den Ursachen sucht. Produkte, die die Anwendung für Kinder unter zwölf Jahren empfehlen oder Dosierungsempfehlungen für diese Altersgruppe angeben, werten wir daher ab.

Drei Präparate sind


Schlafmittel, pflanzlich: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Doppelherz Aktiv Schlaf-Dragees Forte mit Baldrian
  • Queisser

SE Baldrian/Melisse forte, Filmtabletten
  • Spitzner

Sedacur forte Beruhigungsdragees
  • Schaper & Brümmer

Klosterfrau Nervenruh Baldrian Forte 600, überzogene Tabl.
  • Klosterfrau

Baldrian Tinktur Hetterich
  • Madaus

Zirkulin Einschlaf-Dragees Baldrian & Hopfen
  • Zirkulin

Allunapret, Filmtabletten
  • Bionorica

Vivinox Night Einschlaf Dragees
  • Dr. Mann

Baldrivit 600 mg, überzogene Tabletten
  • Rodisma-Med

Dolestan Baldrian 450 mg, Filmtabletten
  • Krewel Meuselbach

Pascosedon Filmtabletten
  • Pascoe

Kneipp Gute Nacht Einschlafdragees
  • Kneipp-Werke

Baldrian-Dispert Nacht zum Einschlafen, überzogene Tabletten
  • Vemedia

Baldriparan Zur Beruhigung, überzogene Tabletten
  • Pfizer Consumer Healthcare / Whitehall-Much

Valeriana Hevert Beruhigungsdragees
  • Hevert

Kytta-Sedativum Dragees
  • Merck Selbstmedikation

Baldrian-Ratiopharm 450 mg, überzogene Tabletten
  • Ratiopharm

Sedariston Tropfen für die Nacht Baldrian + Melisse
  • Steiner & Co.

18 Pflanzliche Schlafmittel im Test
ÖKO-TEST Mai 2011 Seite 44
ÖKO-TEST Mai 2011 Seite 45
ÖKO-TEST Mai 2011 Seite 46

3 Seiten
Seite 44 - 46 im ÖKO-TEST Mai 2011
vom 29.04.2011
Abrufpreis: 1,00 €

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Alle pflanzlichen Arzneimittel wurden in der Apotheke gekauft. Auf freiverkäufliche Präparate wie Spitzwegerich enthaltende Hustenmittel, die vor allem im Lebensmitteleinzelhandel oder in der Drogerie gekauft werden, haben wir bewusst verzichtet. Denn auch wenn die Wirkstoffe auf pflanzlichen Auszügen basieren, handelt es sich um Arzneimittel, die nicht unbedingt ohne fachliche Beratung gekauft und konsumiert werden sollten. Auch nicht berücksichtigt haben wir äußerlich anzuwendende Pflanzenarzneien, die es zur Behandlung von Venenleiden oder Gelenkschmerzen gibt. Unter dem Strich kamen so 115 Produkte zum Einnehmen für sieben verschiedene Anwendungsgebiete zusammen. Die Tests verteilen sich auf zwei Hefte.

Die pharmakologische Begutachtung

Unseren wissenschaftlichen Berater, Professor Manfred Schubert-Zsilavecz, haben wir mit der Begutachtung der Mittel beauftragt. Seit gut neun Jahren berät uns der pharmazeutische Chemiker von der Universität Frankfurt am Main in allen Fragen rund um das Thema Arzneimittel. Zu seinen Arbeitsgebieten zählt die Entwicklung und Anwendung analytischer Verfahren für die Bioanalytik mit dem Schwerpunkt Naturstoffe und Phytopharmaka. Für seine Stellungnahmen durchforstet Schubert-Zsilavecz medizinische Datenbanken, um zu prüfen, ob und wie gut welche Produkte und welche Wirkstoffe in Studien untersucht worden sind. Die Informationen im Beipackzettel sollen dem Patienten eine sichere Anwendung des Arzneimittels ermöglichen. Wir haben geprüft, ob sie tatsächlich darauf hinweisen, einen Arzt aufzusuchen, wenn nach einer bestimmten Einnahmezeit keine Besserung auftritt oder sich die Beschwerden gar verschlimmern, ob es Altersangaben gibt, die die Einnahme bei Kindern beschreiben (Kinder unter zwölf Jahren brauchen keine Schlafmittel), ob Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln beschrieben sind (Johanniskraut kann die Wirkung der Pille beeinträchtigen).

Die Hilfsstoffe

Unter den Hilfsstoffen tauchen immer wieder problematische Vertreter auf, seien es Alkohol, allergieauslösende Farbstoffe oder bedenkliche Weichmacher. Zusätzlich haben wir einige Abführmittel, die keine hochverarbeiteten Extrakte enthalten, stichprobenartig auf Pestizide untersuchen lassen.

Die Bewertung

Das A und O der pharmakologischen Begutachtung ist die Auswertung der publizierten Studien, aber auch Deklarationsmängel fließen hier ein. Im Idealfall ist die Wirksamkeit eines Mittels "sehr gut" belegt, das heißt, mehrere hochwertige klinische Studien förderten positive Resultate ans Tageslicht. Eine Besonderheit bei pflanzlichen Arzneimitteln ist die Unterscheidung zwischen Spezial- und nachgeahmten Extrakten. Konnte ermittelt werden, ob ein Präparat einen in Studien untersuchten Spezialextrakt enthält, schneidet er besser ab als die Nachahmer, deren Wirksamkeit nur angenommen werden kann. Streng um vier Noten werten wir die Verwendung eines Extraktionsmittels ab, das zu nicht oder nicht gut untersuchten Extrakten führt. Dann sind Aussagen über die Wirksamkeit nicht möglich. Hilfsstoffe sind zur Herstellung einer Tablette oder einer Kapsel unerlässlich. Doch sollten sie nicht umstritten oder gar bedenklich sein. Insofern kann die unnötige Verwendung eines allergieauslösenden Farbstoffs ein in der pharmakologischen Begutachtung einwandfreies Produkt am Ende doch in einem nicht ganz so glänzendem Licht dastehen lassen. Denn das Gesamturteil kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis, das in diesem Fall das Testergebnis Hilfsstoffe wäre.

Aktuelle Ausgabe
ÖKO-TEST November 2018: Schwerpunkt Mikroplastik
ÖKO-TEST November 2018: Schwerpunkt Mikroplastik
Zugehörige Ausgabe:
ÖKO-TEST Mai 2011
ÖKO-TEST Mai 2011

Erschienen am 29.04.2011

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