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10 Fahrradtaschen im Test

ÖKO-TEST April 2015
vom 27.03.2015

Fahrradtaschen

Nicht tragfähig

Fahrräder haben nun mal keinen Kofferraum. Wer also sein Gepäck per Pedale transportieren will, benötigt eine stabile, wasserdichte und nach Möglichkeit schadstofffreie Fahrradtasche. Doch nur zwei getestete Modelle kommen diesem Anspruch nahe.

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27.03.2015 | Zwei von drei Arbeitnehmern fahren hierzulande mit dem Auto zur Arbeit, 14 Prozent nutzen Busse und Bahnen und nur 8,8 Prozent steigen aufs Fahrrad. Dabei ist jede zweite Pendlerstrecke kürzer als zehn Kilometer.

Doch ganz gleich, ob man auf dem Fahrrad zur Arbeit oder zum Einkaufen fährt: In Ermangelung eines Kofferraums ist der geneigte Radler auf Körbe, Rucksack oder Taschen angewiesen, will er nicht mit einem sperrigen Lastenrad oder mit einem Anhänger auf Tour gehen. Alles hat seine Vor- und Nachteile: Ein Rucksack geht selbst dann, wenn das schnittige Velo gar keinen Gepäckträger besitzt, lässt seinen Träger aber auf längeren Strecken am Rücken stärker schwitzen. Eine Alternative können flexible Umhängetaschen mit Schultergurt sein, so wie sie von Fahrradkurieren benutzt werden ("messenger bags"). Doch auch die sind nicht jedermanns Sache, kann die Tasche beim Fahren doch mal verrutschen und muss dann wieder auf den Rücken geschoben werden. "Bessere Kuriertaschen haben einen weiteren Gurt, der die Tasche fixiert und auch während der Fahrt nachgezogen werden kann", erklärt René Filippek, stellvertretender Pressesprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC).

Bei Körben muss man aufpassen: Insbesondere vorne am Lenker angebracht, tragen sie nicht viel Gewicht. Bleiben noch Fahrradtaschen. Die Modelle für den Alltag besitzen im Inneren Aufteilungen, sodass der Laptop oder der Aktenordner von der restlichen Ladung getrennt ist. Das klassische Modell für Radreisen ist eher der Sack, der nur ganz wenig oder gar nicht aufgeteilt ist. Vorteil: je weniger Nähte, desto geringer die Gefahr undichter Stellen. Üblicherweise sind die Taschen aus einem sehr belastbaren Material gefertigt, das als wasserdicht oder zumindest wasserabweisend ausgelobt wird. "Wenn nicht sollte auf alle Fälle eine Regenhülle dabei sein", rät Filippek.

Befestigt werden die Taschen am Hinterradgepäckträger. Gerade beim Transport schwerer Sachen sollte darauf geachtet werden, dass der Gepäckträger ein bestimmtes Gewicht aushält. Standardträger sind für 25 Kilogramm ausgelegt, Reisegepäckträger schaffen auch 40 kg. "Je tiefer der Schwerpunkt der Tasche und umso näher er an der Nabenmitte liegt, desto angenehmer fährt es sich", weiß Filippek. Eine Faustregel für das maximale Gewicht gibt es seiner Meinung nach aber nicht.

Uns ging es in diesem Test nicht um die Ausstattung für die Fahrradexpedition in die Anden, sondern um alltagstaugliche Fahrradtaschen. Getestet wurden zehn Modelle aus unterschiedlichen Materialien, die am Gepäckträger über dem Hinterrad montiert werden. In einem Praxistest ließen wir ihre Belastbarkeit und Wasserdichtheit prüfen, Labore analysierten problematische Inhaltsstoffe.

Das Testergebnis

Undichte Schadstoffschleudern: Gleich sechs der zehn getesteten Produkte zeigten Schwächen im Praxistest, acht strotzten nur so vor Schadstoffen. So erreichen am Ende lediglich je eine Fahrradtasche ein Gesamturteil "sehr gut" und "gut".

Schönw

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Zu den gängigsten Fahrradtaschen zählen die sogenannten Backroller, also Hinterradtaschen mit Clipverschluss und Seitenhalterung. Diese Taschen können schnell am Gepäckträger befestigt und abgenommen werden. Wir haben zehn verschiedene aktuelle Modelle zu Preisen zwischen 20 und 130 Euro eingekauft. Die Größe wurde so gewählt, dass ein DIN-A4-Ordner mit Laptop oder der Einkauf hineinpasst. Auch die Siebensachen für die kleine Fahrradtour sollte man hineinbekommen.

Der Praxistest
Fahrradtaschen sollten so konstruiert sein, dass sie auch bei regelmäßiger Belastung und Fahrten auf holprigen Strecken nicht zerbröseln und ihren Inhalt vor Nässe schützen. Für den Belastungstest wurden die Taschen mit einem Zehn-Kilogramm-Paket voller Kieselsteine beladen und das Paket gut gepolstert. Anschließend wurden sie an einen Gepäckträger geklemmt, der dann automatisiert 1.800-Mal zehn Zentimeter in die Höhe gezogen und fallen gelassen wurde. Per Wasserdruckversuch testete ein Labor, ab wann das gespannte Material - sowohl aus der Fläche als auch aus der Naht - in direktem Kontakt mit Wasser anfängt, durchlässig zu werden.

Die Inhaltsstoffe
Polyester, Polyurethan, PVC, behandelte Baumwolle: Die in den Taschen verarbeiteten Materialien stecken häufig voller Schadstoffe, wie unsere Tests immer wieder zeigen. Daher haben wir verschiedene Labore mit einem breiten Spektrum an Analysen beauftragt: angefangen von giftigen zinnorganischen Verbindungen, die als Stabilisatoren für PVC verwendet werden, über bedenkliche Phthalate und andere Weichmacher, krebserregende aromatische Amine als Bausteine der verwendeten Farben, bis hin zu Schwermetallen wie Blei oder Cadmium, die möglicherweise als Pigmente eingesetzt werden.

Die Bewertung
Im Idealfall ist eine Fahrradtasche stabil, wasserdicht und nicht mit Schadstoffen belastet. Daher ergibt sich das Gesamturteil aus den beiden Testergebnissen Praxisprüfung und Inhaltsstoffe. Da die Taschen aber mehr am Gepäckträger als am Fahrer des Rades hängen, der Körperkontakt mithin überschaubar ist, gewichten wir die Praxisprüfung etwas stärker (60 zu 40) als die Inhaltsstoffe.

So haben wir getestet

Holterdiepolter: Die Belastungsprüfung simuliert viele Kilometer Ruckeln auf unebenen Wegen.