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22 Milch-Marken im Test

ÖKO-TEST April 2015
vom 27.03.2015

Milch

Ab nach draußen!

Der neueste Trend auf dem Milchmarkt ist Weidemilch. Doch entsprechend ausgelobte Produkte in unserem Test enthalten zu wenig gesunde Omega-3-Fettsäuren. Das deutet darauf hin, dass die Kühe nicht genug Grünfutter gefressen haben. Und nicht alle Hersteller konnten oder wollten belegen, dass die Tiere tatsächlich viel auf der Weide waren.

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27.03.2015 | Wenn man nach einer Studie der Universität Göttingen geht, dann sollten Kühe im Sommer auf der Weide stehen. Das wünschen sich zumindest die meisten der 1.000 Verbraucher, die im Juli 2013 nach ihren Präferenzen beim Milcheinkauf befragt wurden. Demnach nannte gut die Hälfte Weidehaltung als wichtigstes Argument für die Kaufentscheidung, während Regionalität, ein niedriger Preis oder die Bio-Erzeugung als weniger wichtig erachtet wurden. Lediglich die gentechnikfreie Fütterung lag noch weiter vorn in der Käufergunst. Gefragt danach, ob die Verbraucher bereit seien, für Weidemilch mehr auszugeben, ergab sich ebenfalls ein positives Bild. Selbst Konsumenten, die normalerweise konventionell kaufen, würden etwas mehr bezahlen. Fazit der Wissenschaftler: Weidemilch hat ein deutliches Marktpotenzial.

Dass Weidemilch kein Exot sein muss, zeigt der Blick in einige unserer Nachbarländer. In Dänemark etwa macht Weidemilch bereits 20 Prozent der verkauften Frischmilch aus und in den Niederlanden stehen schon heute rund 80 Prozent der Kühe auf der Weide, schätzen Experten. Doch auch hierzulande haben sich erste Molkereien an das Thema herangewagt und entsprechende Produkte auf den Markt gebracht, allen voran der europäische Molkereikonzern Arla Foods, besser bekannt unter den Marken Arla und Hansano, sowie die Molkereien Ammerland und Schwarzwaldmilch.

Die Diskussion, wie Weidemilch erzeugt werden soll, ist aber längst nicht abgeschlossen. So hat etwa das Land Niedersachsen ein Programm zur Förderung der Weidehaltung aufgelegt, das den Trend zu immer mehr Stallhaltung stoppen soll. Ziel ist weiterhin, einen verbindlichen Standard für Weidemilch zu entwickeln, sagt Dr. Arno Krause, der das Projekt leitet. Allerdings wolle man den Standard so moderat definieren, dass ihn die Mehrheit der Landwirte mittragen kann. Szenarien, wie man sie aus Irland kennt, wo Milchkühe das ganze Jahr auf der Weide stehen, aber nur 3.000 bis 4.000 Liter Milch pro Jahr geben, seien in Deutschland nicht wirtschaftlich. Krause begründet das damit, dass der Verbraucher am Ende doch nicht bereit ist, einen höheren Preis zu zahlen. Zudem seien das Labeling und die Kontrollen mit Mehrkosten verbunden. Nur konsequent ist da die Empfehlung von Krause, den Frischgrasanteil durch Weidegang auf 30 Prozent zu begrenzen. So bleibt genügend Spielraum, die Kühe durch zusätzliche Mais- und Kraftfuttergaben zu höheren Milchleistungen anzutreiben. Der Durchschnitt liegt in Deutschland bei rund 7.400 Litern pro Jahr, aber auch 10.000 Liter und mehr sind keine Seltenheit. Die Hochleistungsproduktion geht dabei nicht unbedingt zulasten der Tiergesundheit, wissen Experten. Erkrankungen würden sich vor allem in schlecht geführten Betrieben häufen.

Eine verbreitete Leitlinie, wie ein Weidemilchstandard aussehen kann, kommt aus den Niederlanden. Insider nennen das Modell schlicht "120/6". Demnach müssen Kühe an mindestens 120 Tagen im Jahr mindestens sechs Stunden pro Tag auf der Weide sein. Weide "lig

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Im Mittelpunkt stand dieses Mal Milch mit der Auslobung Weidemilch. Insgesamt vier Produkte landeten im Einkaufskorb, wobei auf einem nur mit der Weidehaltung geworben wird, während alle anderen auch Weidemilch heißen. Hinein kamen fünf Proben Heumilch, die derzeit vor allem im Bio-Kühlregal erhältlich sind. Markenmilch aus dem konventionellen Bereich, Milch von Supermärkten und Discountern sowie Bio-Eigenmarken ergänzten den Einkauf.

Die Inhaltsstoffe
Wir ließen prüfen, wie es um die hygienische Qualität bestellt ist und ob Rückstände von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln nachweisbar sind. Trichlormethan kann aus dem Einsatz chlorhaltiger Mittel resultieren. Werden Benzalkoniumchloride (BAC) gefunden, deutet dies auf die Verwendung von Reinigungsmitteln mit quartären Ammoniumverbindungen hin. Auf die zuletzt im Test Muttermilchersatz auffälligen Chlorate wurde stichprobenweise geprüft - jeweils ohne Befund.

Die Sensorik
Gekühlte Milch hält sich heutzutage oft wochenlang. Ob dies zulasten des Geschmacks geht, ließen wir von professionellen Prüfern am Ende des MHD testen.

Die Weiteren Mängel
Ob die Milchkühe viel oder wenig Grünfutter zu fressen bekamen, bewerteten wir anhand der Omega-3-Fettsäuren in der Milch. Eine gentechnikfreie Fütterung sollte mit Nachweisen belegt werden, ebenso wie der Weidegang der Kühe und die getrennte Erfassung und Verarbeitung von Weidemilch.

Die Bewertung
Weidemilch unterliegt bislang keinen definierten Standards. Die meisten Hersteller schreiben eine Mindestweidedauer vor, machen aber keine Vorgaben für die Fütterung. Wir bewerteten die Proben daher wie konventionelle bzw. wie Bio-Produkte, je nachdem zu welcher Gruppe sie gehören. Mangelnde Transparenz und fehlende Nachweise für die Einhaltung der Weidevorgaben führten zu Punktabzügen. Andere Kritikpunkte betrafen Reinigungsmittelrückstände, sensorische Abweichungen, zu geringe Fettgehalte und Mängel bei der Fütterung.

So haben wir getestet

Dokumentationspflicht: Wer Weidemilch produziert, muss nachweisen können, dass die Kühe tatsächlich
draußen waren.