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Krebserregende Stoffe entdeckt: Sonnentor-Kurkuma fällt im Test durch

Autor: Hannah Pompalla/Cerline Wolf-Gorny | Kategorie: Essen und Trinken | 07.07.2022

Das Kurkuma der Marke Sonnentor fällt in unserem Test mit "ungenügend" durch.
Foto: ÖKO-TEST

Das Bio-Kurkuma von Sonnentor fällt in unserem Test besonders negativ auf: Darin haben wir krebserregende Stoffe entdeckt – und das in Gehalten, die über den gesetzlichen Grenzwerten für getrocknete Gewürze liegen. Der Anbieter rief die betroffene Charge zurück.

Wir haben 21 Kurkumagewürze eingekauft und im Labor auf Schadstoffe untersuchen lassen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Fast alle Produkte fallen wegen problematischer Inhaltsstoffe durch den Test, nur ein Kurkuma ist "sehr gut".

Zu den Gewürzen, die enttäuschen, gehört das Sonnentor Kurkuma gemahlen. Es schneidet, zusammen mit vier weiteren überprüften Pulvern, mit "ungenügend" ab. Aber warum ist das Gesamturteil für dieses Bio-Produkt so schlecht ausgefallen?

Sonnentor-Kurkuma enthält krebserregende Stoffe

Der Hauptkritikpunkt ist, dass wir im Kurkuma von Sonnentor polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) gefunden haben – und das nicht zu knapp. Denn die festgestellten PAK-Gehalte liegen deutlich über den gesetzlichen Grenzwerten für getrocknete Gewürze. Das war in keinem anderen Kurkumaprodukt im Test der Fall.

PAK können beim Trocknen des Kurkumas über offenem Feuer in das Gewürz gelangen. Das Problem: Viele von ihnen gelten als krebserzeugend oder zumindest krebsverdächtig.

Der bekannteste PAK-Vertreter ist Benzo(a)pyren. Er ist einer von zwei Indikatoren für die PAK-Belastung in Lebensmitteln. Gemäß einer EU-Verordnung darf maximal 10 μg/kg Benzo(a)pyren in Gewürzprodukten enthalten sein – im geprüften Sonnentor-Kurkuma haben wir es jedoch in einer Menge nachgewiesen, die über diesen Höchstwert hinausgeht.

Der zweite Indikator für die PAK-Belastung in Lebensmitteln ist die Summe der vier krebserregenden PAK-Verbindungen Benzo[a]pyren, Benz[a]anthracen, Benzo[b]fluoranthen und Chrysen ("PAK-4" genannt). Diese darf in getrockneten Gewürzen höchstens 50 μg/kg betragen. Im Sonnentor-Kurkuma im Test wird allerdings auch dieser Wert überschritten. 

Sonnentor ruft Kurkuma zurück

Von unserem Befund alarmiert, hat der Hersteller Sonnentor die betroffene Charge (DFI21053101F01) nach Absprache mit den Lebensmittelbehörden sofort aus dem Verkehr genommen.

"Wir bedauern die Notwendigkeit dieser Maßnahme, die aber auf Grund der Ergebnisse im Sinne des Verbraucherschutzes erforderlich ist", teilt der Anbieter in seiner Stellungnahme mit. Jedoch ginge von dem Produkt keine gesundheitliche Gefährdung aus.

Wir raten aber, die Charge vorsichtshalber besser nicht mehr zu verzehren. 

Kurkuma von Sonnentor mit Mineralölbestandteilen belastet

Hohe PAK-Gehalte sind allerdings nicht das einzige Problem im Kurkuma von Sonnentor. Wir sind darin auch auf bedenkliche Mineralölbestandteile gestoßen – und zwar in einer Menge, die wir als "stark erhöht" bewerten. Genauer gesagt, handelt es sich hierbei um gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH).

Wir kritisieren diese Substanzen, weil sie sich im menschlichen Fettgewebe sowie in der Leber, Milz und den Lymphknoten ansammeln, mit bislang ungewissen Folgen. Zum Vergleich: MOSH bemängeln wir in insgesamt 20 Produkten im Test.

Auch auf die MOSH-Gehalte in seinem Produkt reagierte Anbieter Sonnentor. Er teilte uns mit, dass "ubiquitäre" (allgegenwärtige) Belastungen und Umweltweinflüsse wie Emissionen, Öldämpfe, Abgase, Feinstaub und Ruß mögliche Eintragswege von MOSH seien. Konkret könnten MOSH etwa über landwirtschaftliche Maßnahmen, Transportvorgänge, Lagerung oder Verarbeitungsprozesse in die Rohware gelangen. 

Wir finden: Anbieter müssen sich dem Problem annehmen, Kontaminationsquellen während Ernte, Produktion oder Transport ausfindig machen und sie beseitigen. Das es besser geht, zeigt ein anderer Anbieter im Test: Sein Bio-Produkt enhält nur Spuren dieser Verunreinigung.

Kurkuma gilt als sehr gesund und wird in der Küche vielfältig eingesetzt. Umso ärgerlicher ist es, wenn in einer Gewürzpackung problematische Inhaltsstoffe stecken.
Kurkuma gilt als sehr gesund und wird in der Küche vielfältig eingesetzt. Umso ärgerlicher ist es, wenn in einer Gewürzpackung problematische Inhaltsstoffe stecken. (Foto: HandmadePictures/Shutterstock)

Chlorierte Verbindungen in der Verpackungsfolie

Kritik gibt es auch aus Umweltgründen. Denn in der Verpackungsfolie des Sonnentor-Kurukumas befinden sich, wie in einem weiteren Produkt im Test, chlorierte Verbindungen (PVC/PVDC). Diese bilden in der Müllverbrennung giftige Dioxine und belasten dadurch die Umwelt bei der Herstellung und Entsorgung.

Laut Sonnentor handelt es sich um eine biologisch abbaubare Folie aus dem Rohstoff Cellulose. Diese bestehe aus einer Zelluloseschicht und jeweils auf beiden Seiten aus einer hauchdünnen Kunststoffschicht, die ihrerseits einen geringen Anteil an PVDC (weniger als 0,001%) aufweise.

An unserer Bewertung ändert das jedoch nichts – chlorierte Verbindungen in der Verpackungsfolie werten wir trotzdem um eine Note ab. 

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So setzt sich das Gesamturteil zusammen

Das Gesamturteil beruht auf dem Teilergebnis Inhaltsstoffe. Weil das Sonnentor-Kurkuma im Test die gesetzlichen Grenzwerte für Benzo(a)pyren und die Summe der PAK-4 überschreitet, ziehen wir fünf Noten ab. Für den gemessenen MOSH-Gehalt gibt es vier Noten Abzug. Damit lautet das Gesamturteil für das Sonnentor Kurkuma gemahlen "ungenügend". Details zu Bewertung und Prüfmethoden lesen Sie hier auf der Seite zum Test im Abschnitt Testverfahren.

Der Test zeigt: 18 von 21 Kurkumagewürzen im Test fallen durch. Die Mehrheit der geprüften Produkte ist aus unserer Sicht stark mit Mineralölbestandteilen belastet. Kritik gibt es aber unter anderem auch für Pestizide. Mehr dazu lesen Sie hier: Kurkuma im Test: 18 von 21 Gewürzen fallen durch.

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