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18.03.2010 | Staatliche Label

Auf den meisten Bio-Produkten in Deutschland findet sich das sechseckige staatliche Bio-Siegel. Das EU-Label Ökologischer Landbau wurde bisher kaum genutzt. Das wird sich aber bald ändern - nicht nur, weil das Label ein neues Gesicht bekommen hat. Seit Jahren gibt es nämlich ein Hickhack um das Design des EU-Bio-Siegels. Zunächst sah das Label dem der Eigenmarke von Aldi Süd zu ähnlich, dann wurde in einem EU-weiten Wettbewerb für Designstudenten ein neues Zeichen gesucht. Drei von einer Jury vorab ausgewählte Siegel schafften es in die Onlineabstimmung, an der 130.000 EU-Bürger per Internet teilnahmen. Gewonnen hat das Euro-Blatt, in dem die EU-Sterne in Form eines Blatts vor einem grünen Hintergrund angeordnet sind. Ab 1. Juli 2010 ist dieses Logo für alle verpackten Bio-Produkte, die in einem EU-Mitgliedsstaat hergestellt wurden, verbindlich vorgeschrieben. Das deutsche Bio-Siegel und die Label der ökologischen Anbauverbände dürfen weiterhin zusätzlich genutzt werden. Bereits produziertes Verpackungsmaterial darf noch bis Januar 2012 aufgebraucht werden. Das allgemeine staatliche Bio-Siegel gibt es auch noch mit regionalen Zusätzen wie "aus Hessen". Hier ist der regionale, saisonale Grundgedanke von Bio-Ware enger gefasst, die Transporte auf ein Minimum reduziert. Für alle Produkte mit den staatlichen Labels gilt: Es sind echte Bio-Produkte. Von den Anbauverbänden werden sie gerne als "bio light" bezeichnet. Tatsächlich sind die Anforderungen in einigen Punkten weniger streng als die der Verbände. Die entscheidenden Unterschiede bestehen jedoch zwischen konventioneller und ökologischer Erzeugung - und nicht zwischen den Erzeugnissen der ökologischen Anbauverbände und den staatlich ausgezeichneten Bio-Produkten.



Verbände

In Deutschland gibt es mehrere ökologische Anbauverbände. Sie stehen alle für echte Bio-Produkte. Ihre Anforderungen gehen über die Grundanforderungen für Bio-Produkte hinaus, die in der EU-Öko-Verordnung festgeschrieben sind. Beispielsweise erlaubt die EU, dass ein Betrieb teilweise umgestellt wird und sowohl ökologische als auch konventionelle Produkte herstellt. Das ist bei den Anbauverbänden untersagt. Aber auch die Richtlinien der einzelnen Verbände unterscheiden sich in Details voneinander. Darin drücken sich unterschiedliche Philosophien aus, die ein Grund dafür sind, dass es bislang nicht gelungen ist, eine große schlagkräftige Organisation zu formen.



Eigenmarken

Sie heißen Gut Bio, Biotrend, Bio Sonne oder Bio Greno. Es sind Eigenmarken von Handelsketten, mit denen sie ihr Profil schärfen, sich von Konkurrenten absetzen und im attraktiven Bio-Markt verdienen wollen. Denn billig kann längst jeder. Und so verwundert es nicht, dass selbst Discounter wie Aldi und Lidl mit eigenen Bio-Marken vertreten sind. Für alle diese Eigenmarken gilt: Sind Bio oder Öko ein Namensbestandteil, müssen die Produkte zumindest den Anforderungen der EU-Öko-Verordnung entsprechen. Es handelt sich also um echte Bio-Produkte. Das gilt für die anderen von uns in der Tabelle aufgeführten Eigenmarken ebenfalls - darunter die der Bio-Supermarktketten Basic, Alnatura und Erdkorn. Auch diese Ketten verkaufen übrigens nicht nur Verbands- oder Premiumbio, sondern überwiegend Produkte nach EU-Öko-Verordnung. Die meisten Eigenmarken bieten inzwischen ein breites Sortiment. Unter Rewe Bio führt Rewe beispielsweise um die 200 Artikel der verschiedensten Warengruppen, Netto hat 150 BioBio-Artikel gelistet. Aldi Süd bietet mittlerweile zirka zehn Prozent der Obst- und Gemüse-Artikel in Bio-Qualität an, im Bereich des Standardsortiments sind zirka 40 Bio-Artikel im Angebot. Rossman und Penny haben neben den Bio-Eigenmarken EnerBio und Naturgut zusätzlich jeweils eine Marke für Bio-Babynahrung: Babytime (Penny) und Babydream (Rossmann).



Was den Unterschied macht

Das bekannteste und am häufigsten genutzte Label ist das staatliche Bio-Siegel. Es wird seit 2001 vergeben und kennzeichnet Lebensmittel, die der EU-Öko-Verordnung genügen und damit die großen Grundregeln für Bio erfüllen: Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, mineralische Stickstoffdünger sowie jeglichen Einsatz von Gen-Technik. Rinder, Schweine und Hühner müssen artgerecht gehalten werden. Das Futter muss zu 100 Prozent aus ökologischem Anbau sein, in Ausnahmefällen kann aber auch konventionelle Ware in den Futtertrog. Verarbeitete Produkte dürfen das Siegel tragen, wenn mindestens 95 Prozent der Zutaten biologischer Herkunft sind. Erlaubt sind 47 Zusatzstoffe sowie natürliche Aromen.

Strengere Richtlinien haben sich die acht deutschen Bio-Anbauverbände auferlegt, wobei Bioland, Demeter und Naturland am bedeutendsten sind. Ein wesentliches und gemeinsames Kennzeichen ist der Gedanke der Kreislaufwirtschaft. Das heißt, der gesamte Betrieb muss auf Öko umgestellt werden. EU-Bio-Bauern können hingegen auch nur Teile umstellen, den Gemüseacker zum Beispiel, während die Tierhaltung konventionell weitergeführt wird - wodurch die Gefahr einer Vermischung wächst. Das Öko-Futter muss mindestens zur Hälfte vom eigenen Hof stammen. Die Anzahl der Tiere ist an die Betriebsgröße gebunden, Masttiere haben in der Regel mehr Platz im Stall. Die Verwendung von natürlichen Pflanzenschutzmitteln wie Kupfer, die gegebenenfalls für Mensch und Umwelt auch schädlich sein können, sind stärker reglementiert. Die Verwendung von Zusatzstoffen ist bei den Anbauverbänden sehr begrenzt, synthetisch gewonnene Aromen dürfen nur zum Einsatz kommen, wenn produktspezifische Genehmigungen vorliegen.