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Ratgeber: Asbest

Fatale Fasern

Ratgeber Bauen, Wohnen, Renovieren 13:2011 | Kategorie: Bauen und Wohnen | 06.05.2011

Ratgeber: Asbest

Vor Jahren war er nahezu täglich in den Schlagzeilen, dann wurde es ruhig um den Baustoff Asbest. Allerdings gibt es dafür keinen Anlass. Im Gegenteil: Asbest steckt auch heute noch in vielen Gebäuden - Mieter und Hausbesitzer haben allen Grund zur Beunruhigung.

Asbest ist Geschichte - denkt man. Vor Jahren sorgten Nachrichten darüber, dass das stark krebserregende Material wieder in einer Schule, einem Theaterbau oder in Wohnhäusern gefunden worden war, noch regelmäßig für Verstörung bei Mietern und Hausbesitzern. Jetzt ist Ruhe eingekehrt. Im Ostberliner Palast der Republik war Asbest ein Problem, ebenso im World Trade Center in New York. Aber in den eigenen vier Wänden? Doch sicher nicht!

Das freilich ist ein großer Irrtum: Asbest ist verbreiteter, als viele wahrhaben wollen. Das hat Gründe: Von den Wirtschaftswunderjahren bis in die Achtziger galt Asbest als Baustoff, der das Bewerbungsprofil für die Baustellen des Landes fast mustergültig erfüllte: Er widersteht großer Hitze und brennt nicht, trotzt Chemikalien und ist beständig gegenüber Fäulnis und Korrosion. Elektrizität leitet er kaum und ist zudem noch elastisch und zugfest. Architekten waren begeistert und verbauten Asbest, wo immer sie konnten - schließlich galt er als "Inbegriff der Modernität", wie der Verband der Faserzementindustrie auf seiner Internetseite erinnert.

Das Etikett "modern" würde heute niemand mehr Asbest anheften; vielmehr gilt er als "einer der verheerendsten Stoffe in der modernen Arbeitsgeschichte", wie das Schweizer Bundesamt für Gesundheit in der 2005 veröffentlichten Broschüre Asbest im Haus feststellt. Der Grund dafür ist, dass der einstige Favorit aller Bauherren mit der Zeit fatale Nachteile offenbarte. Zwar waren die mit seiner Hilfe errichteten Bauten gegen allerlei Widrigkeiten gewappnet. Zugleich ruinierte (und ruiniert) Asbest aber die Gesundheit der Bauleute und anderer Menschen, die mit dem Stoff Umgang hatten und haben.

Das liegt an der Struktur des Materials, das aus feinsten Fasern besteht. Sie gelangen beim Einatmen tief in die Lungen, bohren sich dort durch Lungenbläschen und in Zellen und lösen dadurch hässliche Krankheiten wie das Mesotheliom aus, einen sehr häufig tödlichen Krebs im Brustraum. An Berufskrankheiten, die durch den damals allzu sorglosen Umgang mit Asbest verursacht wurden, starben in den vergangenen zehn Jahren jeweils zwischen 1.900 und mehr als 2.100 Menschen. Weil der Krebs oft erst nach Jahrzehnten ausbricht, dürften die Zahlen trotz des zum 1. November 1993 in Deutschland in Kraft getretenen vollständigen Verbots von Asbestprodukten weiter steigen.

Sehr häufige Vorkommen

Freilich: Zwar ist Asbest heute ein Unwort, dessen Nennung ausreicht, um den raschen Abriss von Gebäuden wie dem Palast der Republik in Berlin zu rechtfertigen. Hausherren wie Mieter scheuen wenige Mängel an ihren vier Wänden so sehr wie einen Asbestverdacht. Tatsächlich aber kommt das Material - eben weil es einst derart populär war - noch heute viel häufiger vor, als vielen lieb sein dürfte. "Praktisch jedes Bestandsgebäude enthält Gefahrstoffe und Materialien, die wir heute nicht mehr verwenden würden", sagt Robert Rath vom Berliner Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicher

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6 Seiten
Seite 50 - 55 im Ratgeber Bauen, Wohnen, Renovieren 13:2011
vom 06.05.2011
Abrufpreis: 0,79 €

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Erschienen am 06.05.2011

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