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19 Wandfarben im Test

Ratgeber Bauen, Wohnen, Renovieren 13:2011
vom 06.05.2011

Wandfarbe

Erhellend

Ist es mal wieder Zeit zum Weißeln? Kein Problem! Die meisten untersuchten Wandfarben kann man bedenkenlos verstreichen. Es gibt nur wenige Ausreißer, die wegen der enthaltenen Konservierungsmittel Abzüge bekommen.

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06.05.2011 | Monatelang konnte man ihn ignorieren, aber irgendwann geht es beim besten Willen nicht mehr: Der graue Schleier am Übergang zwischen Wand und Decke muss weg. Die Wand war ja schon länger nicht mehr strahlend weiß. Jetzt hilft nur ein neuer Anstrich.

Jedes Jahr werden in Deutschland rund eine halbe Million Tonnen Innenwandfarbe verpinselt. Der Klassiker ist noch immer Weiß. Meist handelt es sich dabei um Dispersionsfarbe auf Wasserbasis. Sie besteht aus Pigmenten, die für die Deckkraft sorgen, hinzu kommen Bindemittel und Wasser. Und natürlich eine ganze Reihe von Hilfsstoffen, mit denen die Hersteller ihren Farben das gewisse Etwas verleihen wollen: Sie sollen besonders tropfarm sein, es soll sich keine Haut bilden und sich leicht verstreichen lassen.

Den eigentlichen Anstrich bilden Bindemittel und Pigmente, nachdem das Wasser, in dem sie fein verteilt sind, verdunstet ist. Für eine gute Bindung sorgen bei den meisten Farben Kunstharze auf Mineralölbasis - etwa Polyvinylacetat oder Acrylate. Es gibt aber auch Hersteller, die mit natürlichen Ölen oder Harzen arbeiten.

Neben Wasser können die Farben weitere Lösemittel enthalten. Bei Naturfarben werden beispielsweise Zitrusschalenöle eingesetzt. Die enthaltenen natürlichen Terpene können sich beim Ausdünsten allerdings in der Nase bemerkbar machen. So kommt es, dass bei ÖKO-TESTs in der Vergangenheit vor allem bei Naturfarben die Belastung mit flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) vergleichsweise hoch war.

Das Thema ist nicht neu. Die "Decopaint"-Richtlinie des Europäischen Parlaments über die Begrenzung der Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen macht inzwischen recht strenge Vorgaben. Die Grenzwerte wurden kontinuierlich reduziert, seit 2010 gilt nun die letzte Stufe.

Wasserbasierte Farben brauchen in der Regel ein Konservierungsmittel, damit es zu keinem Befall durch Mikroorganismen kommt. Hier werden etwa Formaldehyd/-abspalter eingesetzt, die alles andere als unbedenklich sind, oder Isothiazolinone, die allergisierend wirken können. Besser greift man zu Produkten, die ohne diese Stoffe auskommen oder zumindest nur geringe Konzentrationen enthalten.

Wir haben 19 weiße Wandfarben in die Labore geschickt, um herauszufinden, welche man für den neuen Anstrich empfehlen kann.

Das Testergebnis

... macht Lust auf Renovieren. 14 Wandfarben bekommen ein "sehr gut", im schlechtesten Fall gab es ein "ausreichendes" Gesamturteil. Zum Teil gab es Abzüge wegen aggressiver Konservierungsmittel, recht häufig bemängeln wir lückenhafte Deklarationen.

In den meisten Produkten im Test werden Isothiazolinone eingesetzt. Chlorisothiazolinone, die besonders problematisch sind, konnte das Labor aber bei keiner Farbe nachweisen. Auf den letzten Rängen landen vier Wandfarben, die neben Isothiazolinonen auch Formaldyhd/-abspalter enthalten. Formaldehyd ist krebsverdächtig. Flüchtige organische Verbindungen, die beim Streichen und Austrocknen ausgasen können, sind maximal in Spuren vorhanden.

Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Die ÖKO-TEST-Einkäufer waren in Baumärkten sowie in Fachgeschäften unterwegs. Um vergleichbare Qualitäten einzukaufen, sollten die weißen Wandfarben mindestens eine Nassabriebbeständigkeit Klasse 3 haben. Wichtige Marken aus dem Naturfarbenbereich haben wir auch dann eingekauft, wenn auf der Verpackung keine solchen Infos zu finden waren.

Problematische Inhaltsstoffe
Ein Knackpunkt bei Wandfarben sind flüchtige organische Verbindungen, die über die Lösungsmittel in die Farben gelangen, beim Streichen und Trocknen ausgasen und für allergische Reaktionen sorgen können. Ein anderes Problem sind die Konservierungsmittel - häufig kommen hier Formaldehyd/-abspalter sowie Isothiazolinone zum Einsatz. Da keiner der Hersteller eine komplette Volldeklaration veröffentlicht und sich hinter Worten wie "Hilfsmitteln" alles und nichts verbergen kann, ließen wir zur Sicherheit noch auf halogenorganische Verbindungen untersuchen. Über die weißen Pigmente können auch Schwermetalle eingebracht werden, weshalb auch diese auf dem Untersuchungsplan standen.

Die Deklaration
Die Hersteller müssen nicht angeben, was genau sich in ihren Farben verbirgt. Manche deklarieren deshalb schlichtweg gar nichts, andere so gut wie alles. Der Blaue Engel fordert, dass zumindest die Konservierungsmittel genannt werden. Wir haben uns die Etiketten genau daraufhin angesehen. Wir prüften, ob eine Hotline für Isothiazolinon-Allergiker angegeben wird und ob man dort vernünftige Auskünfte erhält. Aufs Geld haben wir auch geschaut: Welche Reichweite versprechen die Hersteller - und ist damit die beworbene Deckkraft überhaupt zu erreichen?

Deckkraftklasse und Nassabriebbeständigkeit
Gerade bei Naturfarben ist es noch immer keine Selbstverständlichkeit, dass der Kunde über die Deckkraftklasse und Nassabriebbeständigkeit informiert wird. Wo noch nicht einmal auf dem Technischen Merkblatt eine Einstufung zu erkennen war, haben wir diese nach Vorgaben der entsprechenden Norm ermitteln lassen. Die Deckkraft erhält man, indem die Farbe auf schwarz-weiße Kontrastkarten aufgetragen und gemessen wird, wie gut die Abdeckung auf der weißen Fläche im Vergleich zur schwarzen Fläche ist. Bei der Nassabriebprüfung wird bestimmt, wie viel einer 28 Tage eingetrockneten Farbe sich bei einer Scheuerprüfung abtragen lässt.

Die Bewertung
Eine gute Wandfarbe kommt ohne problematische Konservierungsmittel aus oder beschränkt sich zumindestens auf ein akzeptables Maß, auch der Gehalt an flüchtigen organischen Verbindungen hält sich in Grenzen. Diese Faktoren gehen in das Testergebnis Inhaltsstoffe ein, das 70 Prozent des Gesamturteils ausmacht. Die Informationen rund um das Produkt, die die Hersteller zur Verfügung stellen, haben wir unter dem Testergebnis Deklaration bewertet, es macht 30 Prozent des Gesamturteils aus. Unter Weitere Mängel gab's Abzüge, wenn ein Naturfarbenhersteller Erdölprodukte in seiner Farbe einsetzt. Wo "Natur" draufsteht, erwartet man dies einfach nicht.