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Ratgeber Bauen, Wohnen, Renovieren 13:2011
vom

Tapetenkleister

Das hält!

Alle Kleister in unserem Test sorgen dafür, dass die Tapete gut an der Wand klebt. Leider sind viele von ihnen mit nicht ganz unbedenklichen Stoffen haltbar gemacht. Zudem könnte die Deklarationen ein bisschen großzügiger sein. Doch es gibt auch Produkte, die in Ordnung sind.

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06.05.2011 | Endlich. Der Mietvertrag ist unterschrieben, nach langem Suchen ließ sich doch noch eine bezahlbare Altbauwohnung finden. Gut, sie ist renovierungsbedürftig, aber das kann man ja in Kauf nehmen. Verschlissene Blümchentapeten an den Wänden, ein in die Jahre gekommener Teppichboden ... Es steht viel Arbeit an, aber auch die Chance, die Wohnung nach eigenen Wünschen gestalten zu können. Wenn's nur so einfach wäre.

Die alten Tapeten gehen schwer runter, dahinter bröckelt auch noch der Putz. Doch es hilft nichts: Der Untergrund muss glatt sein, bevor es mit dem Tapezieren losgehen kann. Also: Löcher schließen, Unebenheiten glatt spachteln.

Was die Tapete angeht, werden keine Experimente gemacht. Die Wahl fällt auf Raufaser, die ist preiswert und praktisch. Nach der Arbeit geht's in den Baumarkt, zusammen mit anderen Do-it-Yourselfern hastet man durch endlose Regalfluchten, um Tapeten, Kleister, Tapezierbürste und andere notwendige Utensilien zusammenzusuchen. Ein Universalkleister ist bestimmt das Richtige. Jedenfalls ist er für Raufaser geeignet, da kann ja nichts mehr schiefgehen. Oder doch?

Beim Tapezieren selbst können wir Ihnen nicht helfen. Aber damit Sie nicht wahllos einen Tapetenkleister aus dem Regal greifen müssen, hat ÖKO-TEST 20 verschiedene, für Raufaser geeignete Produkte eingekauft und einem Praxistest unterzogen. Und natürlich wollten wir auch wissen, ob neben den üblichen Klebestoffen - Zellulose und Stärke - auch problematische Stoffe eingesetzt werden.

Das Testergebnis

Ohne jegliche Mängel ist kein Tapetenkleister. Doch die meisten waren unterm Strich in Ordnung, fünf sogar noch "sehr gut". Drei Produkte sind nur Mittelmaß.

Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Unsere Einkäufer waren vor allem in Bau-, aber auch einigen Fachmärkten unterwegs, um 20 verschiedene Tapetenkleister zum Anrühren einzukaufen. Sie sollten für Raufaser geeignet sein. Darunter finden sich zwei Produkte aus dem Naturbaumarkt. Ein Kleister von Henkel ist kein Pulver, sondern ein Granulat, das im Fünf-Kilo-Eimer verkauft wird.

Die Inhaltsstoffe
Die Hauptbestandteile der Tapetenkleister sind natürlichen Ursprungs. Meist handelt es sich um aufbereitete Zellulose, aber auch modifizierte Stärke, zum Beispiel Kartoffelstärke, wird eingesetzt - oder beides. Vielfach wird die Klebkraft durch synthetische Kunstharze verstärkt, was aber nicht immer auf der Verpackung angegeben ist. Diese synthetischen Stoffe sind aber schneller verderblich. Deshalb sind sie meist vorkonserviert. Damit der Kleister in der Packung nicht verdirbt und im angerührten Zustand nicht gammelig wird, setzen die Hersteller zum Teil weitere Konservierungsmittel/Fungizide ein. Deklariert sind diese Stoffe nicht, ob und was eingesetzt wird, bleibt im Dunkeln. ÖKO-TEST ließ die beauftragten Labore deshalb mit mehreren Methoden nach verschiedenen Stoffen fahnden, zum Beispiel nach Isothiazolinonen, nach Benzalkoniumchlorid und anderen quartären Ammoniumverbindungen, nach zinnorganischen Verbindungen sowie nach weiteren Bioziden, die im Baubereich eine Rolle spielen.

Der Praxistest und die Deklaration
Die Frage, ob die Produkte als Kleister taugen, ließen wir von einem erfahrenen Malermeister an der August-Bebel-Schule in Offenbach testen, einer Berufsschule, die auch in Farbtechnik und Raumgestaltung ausbildet. Dazu wurden 240 Quadratmeter Untergrund vorbereitet, sauber, glatt und weiß gestrichen, alles tipptopp, um mit einer handelsüblichen, mittelkörnigen Raufaser beklebt zu werden. Die Kleister wurden nach Angaben der Hersteller angerührt, die Tapeten gleichmäßig eingestrichen und nach der erforderlichen Quellzeit fachgerecht an die Wände geklebt. Der Fachmann beurteilte die Konsistenz des Kleisters und das Klebeergebnis, und er begutachtete die Anleitung auf der Verpackung. Sind alle wichtigen Angaben für den Hobbyhandwerker drauf? So zum Beispiel Informationen zu den Inhaltsstoffen, zur Vorbereitung des Untergrunds, zum Vorkleistern, zum Entfernen von Kleisterflecken, zur Haltbarkeit des angerührten Kleisters, zur Resteentsorgung.

Die Bewertung
Zweifelsohne soll ein Tapetenkleister kleben. Dennoch sind ÖKO-TEST die Inhaltsstoffe so wichtig, dass das Gesamturteil nicht besser sein kann als das Testergebnis Inhaltsstoffe. Außer den nicht chlorierten Isothiazolinonen werten wir die eingesetzten Konservierungsmittel je nach Konzentration ab, weil diese Substanzen mit gesundheitlichen Risiken verbunden sind. Sie können vor allem Haut und Schleimhäute reizen. Kunstharze bekommen im Gegensatz zu früheren Tests nicht automatisch einen Minuspunkt, weil es heute auch hochwertige Kunstharze gibt, die wir nicht allein aus Umweltgründen kritisieren wollen. Aber wir achten sehr genau darauf, ob diese mit bedenklichen oder umstrittenen Stoffen einhergehen. Das Urteil des Praxistests setzt sich zu gleichen Teilen aus den Bewertungen für Anleitung, Kleister und Klebeeigenschaften zusammen und wird wie die Inhaltsstoffe gewichtet. Auch die reinen Deklarationsmängel fließen in die Gesamtnote ein.