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Allergiker-Wandfarbe im Test: die beste für weiße Wände

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2020 | Autor: Christian Ippach | Kategorie: Bauen und Wohnen | 17.10.2019

Allergiker-Wandfarbe im Test: die beste für weiße Wände
(Foto: ÖKO-TEST)

„Ohne Konservierungsmittel“, „für Allergiker“ – wir haben weiße Wandfarben mit diesen Auslobungen geprüft. Neun von zehn sind empfehlenswert.

Aktualisiert am 17.10.2019; Einkauf Testprodukte Jan/Feb 2019 | Seit Januar 2019 gelten die neuen Kriterien für den Blauen Engel. In „emissionsfreien Innenwandfarben“, die das Umweltzeichen tragen wollen, dürfen Hersteller künftig keine Konservierungsmittel mehr einsetzen. Wir haben zehn weiße Wandfarben getestet, die als „konservierungsmittelfrei“ ausgelobt sind oder für die die Hersteller mit dem Hinweis „für Allergiker“ werben. Letzteres legt nahe, dass die Farben zumindest keine allergieauslösenden Haltbarmacher enthalten.

Allergiker-Wandfarbe im Test mit zehn Weiß im Vergleich

Bislang verwendeten Farbenhersteller als Konservierungsmittel häufig Isothia­zolinone. Die Zahl der Menschen, die auf diese Verbindungen allergisch reagieren, nahm dramatisch zu. Auch weil die Industrie die Stoffe häufig als Konservierer in Kosmetika nutzte und viele Verbraucher so in Kontakt mit ihnen kamen. Für Isothiazolinone in Kosmetika gelten mittlerweile Grenzwerte. Auch für andere Anwendungen, wie Gemische wie Farben und Lacke, verschärfte der Gesetzgeber die Regeln.

Angesichts dieser Entwicklungen handelte auch die Jury Umweltzeichen, die den Blauen Engel vergibt. Bislang ließ er beide Verbindungen in einer Konzentration bis 100 mg pro Kilogramm zu. Künftig müssen Farben, die das Zeichen tragen sollen, ganz ohne Konservierer auskommen. Denn die Industrie ist längst in der Lage, sie so herzustellen.

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Weiße Farbe für Allergiker im Test meist „sehr gut“

Im Test: Im Labor haben wir testen lassen, ob die zehn Farben wirklich frei von Konservierungsmitteln sind. Auch wollten wir wissen, ob die Farben problematische Stoffe ausgasen. Ebenfalls geprüft: eine mögliche Belastung mit Schwermetallen und umstrittenen halogenorganischen Verbindungen. Ganz genau haben wir uns auch die Anwendungs- und Gefahrenhinweise zu den Farben angeschaut.

Ergebnis: Neun Farben schneiden „sehr gut“ ab. Sie enthalten keine der umstrittenen Konservierungsmittel. Weder allergene Isothiazolinone noch krebsverdächtiges Formaldehyd, nicht einmal in Spuren. Zudem belastet keine der zehn getesteten Farben beim Trocknen die Raumluft durch ausgasende Stoffe.

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Eine Dispersionsfarbe für Allergiker im Test durchgefallen 

Eine Farbe im Test schneidet allerdings „ungenügend“ ab. Sie enthält Bor, das ­ergab unsere Analyse. Laut Technischem Merk­blatt, das auf der Webseite des ­Anbieters zu finden ist, stecken in der Farbe die Borverbindungen ­Borsäure und Borax. Sie gelten als besonders ­gefährlich, weil sie vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und das Kind im Mutterleib schädigen können. Die Biozid-Verordnung erlaubt es nicht, diese Stoffe als Konservierungsmittel in Farben zuzugeben.

Außerdem enthält die Farbe Silber. Silberionen sind antibakteriell wirksam und in medizinischen Anwendungen wie Wundauflagen wichtig. Kommen Sie auch außerhalb der Medizin in vielen alltäglichen Produkten zum Einsatz, kann das zur Folge haben, dass Bakte­rien resistent gegen Silberionen werden und Silber ­seine medizinische Wirkung verliert. Auch Silber ist nicht mehr als Konservierungsmittel in Farben erlaubt, auch wenn derzeit noch eine Übergangsregelung greift.

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Problemstoffe auf Verpackung verschwiegen

Der Hersteller der „ungenügenden“ Farbe im Test verschweigt in der Inhaltsstoffangabe auf der Verpackung die Borverbindungen und auch Silber. Wenn sich der Verbraucher die Mühe macht, nach dem Technischen Merkblatt im Internet zu suchen, findet er eine Volldeklaration mit Borsäure und Borax. Von Silber ist auch hier nicht die Rede.

Auf der Verpackung erwähnt der Hersteller stattdessen Parmetol. Das ist der Handelsname für ein Konservierungsmittel mit Isothiazolinonen. Die hat das Labor nun aber nicht nachgewiesen. Wenn auf der Verpackung etwas steht, was gar nicht drin ist, dann ist das ein Zeichen für eine chaotische Dekla­ration, die es mit der Wahrheit nicht sehr genau nimmt. Das geht gar nicht.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Diesen Test haben wir erstmals im ÖKO-TEST Magazin 6/2019 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch 2020, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Die neuen Vergabekriterien für den Blauen Engel für emissionsarme Innenwandfarben lassen künftig keine Konservierungsmittel mehr zu. Wir haben jetzt schon Dispersionsfarben getestet, die als „konservierungsmittelfrei“ ausgelobt sind oder für die die Hersteller mit dem Hinweis „für Allergiker“ werben. Letzteres legt nahe, dass die Farben zumindest keine allergieauslösenden Haltbarmacher enthalten. Unsere Einkäufer fanden in Bau- und Fachmärkten neun Farben mit der sinngemäßen Auslobung „frei von Konservierungsmitteln“, vier davon mit dem Hinweis „für Allergiker“. Dazu kommt ein Produkt eines Naturfarbenherstellers, das der Hersteller ausschließlich mit „für Allergiker“ bewirbt.

Im Labor haben wir prüfen lassen, ob die Farben wirklich frei von Konservierungsmitteln wie allergenen Isothiazolionen oder Form­aldhyd/-abspaltern sind. Darüber hinaus haben die Laborexperten die Anstrichmittel auf Stoffe geprüft, die ausgasen können. Zu diesen flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) gehören auch problematische Stoffe, etwa solche, die Krebs auslösen können. Außerdem standen bedenkliche Schwermetalle und umstrittene halogenorganische Verbindungen auf dem Prüfprogramm. Schließlich ließen wir den pH-Wert der Farben bestimmen. Denn mit einem ­hohen alkalischen pH-Wert machen die Hersteller ihre Farben haltbar und können deshalb auf Konservierungsmittel verzichten.

Die Deklarationen nahmen wir mit Blick auf wichtige Anwendungs- und Gefahrenhinweise sehr genau unter die Lupe.

In das Gesamturteil fließen die Bewertungen der Inhaltsstoffe und der Deklarationen ein. Gesundheitlich bedenkliche Inhaltsstoffe wie Borverbindungen werten wir deutlich ab, ebenso eine falsche und irreführende Deklaration.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: Borsäure/Borax (analysiert als Bor). Zur Abwertung um eine Note führt: Silber.

Bewertung Testergebnis Deklaration: Unter dem Testergebnis Deklaration führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) keine Angabe von Konservierungsstoffen in einer nicht als konservierungsmittelfrei ausgelobten Farbe; b) irreführende Verwendung des Begriffs „Volldeklaration“; c) widersprüchliche Inhaltsstoffangaben auf der Verpackung und im Internet. Zur Abwertung um eine Note führt: Angabe der Inhaltsstoffe nur im Internet, wenn der Hersteller auf dem Etikett auf die auf der Homepage verfügbare Technische Information zum Produkt hinweist.

In das Gesamturteil gehen das Testergebnis Inhaltsstoffe zu 70 Prozent und das Testergebnis Deklaration zu 30 Prozent ein. Die Preisberechnung beruht auf Gebindegrößen von zehn Litern und der von den Herstellern angegebenen Reichweite (zur Erzielung der angegebenen Deckkraft).

Testmethoden 

Flüchtige organische Verbindungen (VOC): GC-MS nach Extraktion. Isothiazolinone: HPLC/DAD. Formaldehyd/-abspalter: Fotometrie nach Wasserdampfdestillation und Derivatisierung. Zinkpyrithion: HPLC-DAD nach Extraktion. Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zen­trifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Elemente: Totalaufschluss in der Mikrowelle, Elementbestimmung mittels ICP-MS. pH-Wert: gemäß DIN ISO 976 „Polymer-Dispersion und Kautschuk-Latices – Bestimmung des pH-Wertes (ISO 976:2013). PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Januar/ Februar 2019 

Diesen Test haben wir erstmals im ÖKO-TEST Magazin 6/2019 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch 2020, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

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