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24 Holzwerkstoffplatten im Test

Verhäckselt und zugeklebt

Ratgeber Bauen, Wohnen, Renovieren 13:2011 | Kategorie: Bauen und Wohnen | 06.05.2011

24 Holzwerkstoffplatten im Test

Ob ein Regal gebaut werden soll oder eine komplette Einbauküche, ob der Fußboden im Hobbykeller dran ist oder das Dachgeschoss: Heimwerker kommen an Spanplatte und Co. nicht vorbei. Unser Test zeigt: MDF- und beschichtete Spanplatten sind geringer belastet als OSB- und Rohspanplatten.

OSB, MDF, Spanplatte mit und ohne Beschichtung - was darf es denn sein? Wer sich für zu Hause ein Brett in der Zuschnittabteilung des Baumarkts zusägen lassen will, muss sich entscheiden - je nachdem, was daraus werden soll, wo es am Ende landen und was es aushalten soll. Für routinierte Heimwerker kein Problem, aber so manch einer kann eine kleine Einführung in die Eigenheiten der unterschiedlichen Holzwerkstoffplatten gut gebrauchen.

Spanplatten werden aus getrockneten und beleimten Spänen durch Heißpressung hergestellt. Dazu verwendet man verschiedene Formaldehydharze. In der Regel besteht die Platte aus drei Schichten: zwei Deckschichten mit feinen und einer Mittelschicht mit gröberen Spänen. Nach der Pressung werden die heißen Platten besäumt, geglättet und geschliffen. Die Spanplatte ist - im Gegensatz zu OSB - in beiden Richtungen gleich fest. Je nach Einsatzzweck (tragend, nicht tragend, Trockenbereich, Feuchtbereich) gibt es verschiedene Qualitätsklassen von P1 bis P7. Spanplatten werden sowohl im Holzbau als auch im Innenausbau und Möbelbau eingesetzt.

Beschichtete Spanplatten werden mit einem Dekorpapier, einer Folie oder einem Furnier beschichtet. Die einfachen beschichteten Spanplatten - wie im Test - sind üblicherweise melaminharzbeschichtet, das heißt, ein Dekorpapier wird mit Melaminharzen (Formaldehydharzen) getränkt und unter Druck und Hitze verpresst. So entsteht eine sehr dichte Schicht. Diese Platten werden vor allem im Möbelbau eingesetzt.

OSB (Oriented Strand Boards) sind dreischichtig aufgebaute Platten aus in einer Richtung gestreuten, relativ langen, schlanken Holzspänen, sogenannten Strands. Für die Späne werden Rundhölzer entrindet und zerspant. Da sie schichtweise längs oder quer angeordnet werden, sind die Platten in beiden Richtungen unterschiedlich fest. Die Werkstoffe sind mit einem Polyurethanharz auf Grundlage des bedenklichen Isocyanats PMDI verklebt; in den Deckschichten werden teilweise auch Formaldehydleime verwendet. OSB-Platten werden vor allem in tragenden und aussteifenden Bauteilen eingesetzt, aber auch im Innenausbau, zum Beispiel als Verlegeplatten auf dem Boden. In Deutschland werden sie fast ausschließlich aus Kiefernholz hergestellt. Je nach Einsatzzweck gibt es verschiedene Qualitätsklassen von OSB/1 bis OSB/4. Im Baumarkt ist in der Regel OSB/2 vertreten: für tragende Zwecke im Trockenbereich.

Mitteldichte Faserplatten (MDF) werden ähnlich produziert wie Spanplatten, nur dass das Holz bis auf die Holzfaser aufgemahlen wird. Zunächst werden Hackschnitzel vorgekocht und zerfasert, die Fasern dann getrocknet und unter Klebstoffzugabe zu einem Vlies gestreut, das heiß zu einem sehr homogenen Werkstoff verpresst wird. MDF-Platten weisen beidseitig glatte geschliffene Oberflächen und Kanten auf, sind sehr fest und lassen sich präzise verarbeiten, weshalb sie im Möbelbau sehr beliebt sind. Je nach Einsatzzweck gibt es verschiedene Qualitätsklassen.

Auch wenn Holzwerkstoffplatten vor allem aus Holz


Holzwerkstoffplatten: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

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4 Seiten
Seite 36 - 39 im Ratgeber Bauen, Wohnen, Renovieren 13:2011
vom 06.05.2011
Abrufpreis: 1,00 €

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

In den Filialen von sechs großen Baumarktketten ließen unsere Einkäufer im Zuschnittbereich jeweils vier verschiedene Holzwerkstoffplatten zusägen: eine rohe und eine weiße - melaminharzbeschichtete - Spanplatte, eine OSB- und eine MDF-Platte, je nach Verfügbarkeit 18 beziehungsweise 19 Millimeter dick. Diese Platten gibt es unverpackt in den Baumärkten, wie lange sie dort schon stehen, ist für den Verbraucher nicht ersichtlich.

Die Inhaltsstoffe

Gemeinsam ist diesen Platten, dass sie aus Holzfasern oder -spänen bestehen, die unter Hitze und Druck mit einem Klebstoff zusammengepresst werden. Dazu verwenden die Hersteller je nach Art unterschiedliche Bindemittel. Formaldehyd aus dem Kleber und andere flüchtige organische Verbindungen (VOC), die aus Holz und Bindemittel ausgasen, sind die Hauptprobleme dieser Produktgruppe. Bei Spanplatten wird beispielsweise Harnstoff-Formaldehydharz eingesetzt, das den bedenklichen Stoff später langsam und über einen langen Zeitraum an die Luft abgibt.Eingeatmetes Formaldehyd wurde vom Krebsforschungszentrum der Weltgesundheitsorganisation WHO 2004 als krebserzeugend für den Menschen eingestuft. Flüchtige organische Verbindungen können - wie auch Formaldehyd - Haut, Augen und Schleimhäute reizen. Bei Holzwerkstoffplatten handelt es sich meist um geruchsintensive Aldehyde und Terpene. Letztere sind insbesondere bei frischen Nadelhölzern - vor allem der Kiefer - im Harz enthalten. Aldehyde werden zum größten Teil erst durch thermische und andere Reaktionen bei der Produktion gebildet und freigesetzt. Die Hersteller können das Produkt durch die Auswahl der Hölzer, durch Lagerung, Trocknung und andere Produktionsparameter beeinflussen. Wir wollten natürlich wissen, ob die Hersteller solche Faktoren beachten und ließen die Platten auf ausgasende Stoffe untersuchen. Holzwerkstoffplatten müssen in Bezug auf Formaldehyd bestimmte gesetzliche Bestimmungen erfüllen. Wir gehen davon aus, dass sie eingehalten werden. Doch die Situation im Haus ist eine ganz andere, weshalb wir anders getestet und bewertet haben: In der Praxis werden zum Teil größere Flächen - Decken, Wände und Böden - mit Werkstoffen bekleidet und auch für den Möbelbau braucht man zahlreiche Platten. Außerdem wird weniger gelüftet, als es bei der genormten Prüfung der Fall ist. ÖKO-TEST hat die ausgasenden Mengen an Formaldehyd und VOC in einer Emissionsprüfzelle messen lassen - ohne Berücksichtigung der Kanten - und dann auf einen Standardraum von 30 Kubikmeter Volumen umgerechnet, in dem sich zwölf beziehungsweise 60 Quadratmeter Oberflächen von Holzwerkstoffplatten befinden. Auch die höhere Beladung wird in Holzhäusern, Dachausbauten oder mit größeren Schränken durchaus erreicht. In unserem Test wird nur die Hälfte der Luft pro Stunde erneuert, in Neubauten ist das meist noch weniger.

Die Bewertung

Für die Bewertung legen wir die Luftbelastungen des Beispielraums zugrunde, der stark mit Holzwerkstoffplatten beladen ist. Wenn für Formaldehyd der Richtwert für die Innenraumluft des Umweltbundesamtes (UBA) und des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) - von den Behörden als sichere Konzentration "safe level" bezeichnet - überschritten wird, bewerten wir das als "stark erhöht", die Hälfte der Konzentration als "erhöht". Bei beschichteten Spanplatten kann das enthaltene Formaldehyd, das nicht über die Fläche freigesetzt wird, teilweise noch über die Kanten entweichen, deshalb kritisieren wir auch hier bestimmte Gehalte. Für die flüchtigen organischen Verbindungen orientieren wir uns an Werten des Umweltbundesamtes, die als langfristiges Mittel erreicht werden sollten. Wir werten zudem zu hohe Konzentrationen an Aldehyden oder Delta-3-Caren ab, auch wenn diese Verbindungen zum Teil aus dem natürlichen Holz kommen.

Aktuelle Ausgabe
ÖKO-TEST November 2018: Schwerpunkt Mikroplastik
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Zugehörige Ausgabe:
Ratgeber Bauen, Wohnen, Renovieren 13:2011
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Erschienen am 06.05.2011

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