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Ratgeber: Natürlich - und auch fair?

Nicht reden, sondern handeln

Ratgeber Kosmetik 2015 | Kategorie: Kosmetik und Mode | 05.06.2015

Ratgeber: Natürlich - und auch fair?

Das Fairtrade-Siegel findet sich in Deutschland nur auf wenigen Kosmetika. Dabei unterstützen hiesige Naturkosmetikfirmen seit Langem faire Anbauprojekte. Es gibt viele Gründe, weshalb sie ihr Engagement nicht an die große Glocke hängen.

Bei Kaffee, Tee oder Schokolade ist das Fairtrade-Siegel weitverbreitet und gibt uns das gute Gefühl, dass unser Genuss nicht auf Kosten anderer geht. Das Logo garantiert mit seinen Standards den Rohstofferzeugern ein sicheres Einkommen und partnerschaftliche Zusammenarbeit. Neben Lebensmitteln sind inzwischen auch eine ganze Fülle anderer Produkte in Deutschland Fairtrade-zertifiziert: Von Blumen über Kuscheltiere bis zu T-Shirts und Jeans reicht die Palette, sogar Sportbälle finden sich darunter. Nur im (Natur-)Kosmetikmarkt spielt das Siegel bislang so gut wie keine Rolle. Es ist lediglich auf einer verschwindend geringen Anzahl von Produkten zu finden. Und das, obwohl die großen Hersteller wie Weleda, Wala und Laverana oder auch kleinere wie Santaverde eigene Projekte nach fairen Prinzipien in den Anbauländern unterstützen und auch initiieren. Warum ist das faire Label auf Kosmetik noch die absolute Ausnahme?

Die Suche nach einer Antwort schickt einen ins Dickicht der internationalen Gütesiegel und ihrer Organisationen. Denn das Fairtrade-Label ist nicht das einzige faire Siegel am Markt, es ist nur das bekannteste. Dahinter steht die Organisation Fairtrade International, kurz FLO. Unter ihrem Dach versammeln sich 19 nationale Siegelinitiativen, die 24 Länder abdecken, in Deutschland der Verein Transfair mit Sitz in Köln.

Gemeinsam ist allen Initiativen, dass sie auf den Fairtrade-Standards aufbauen wollen. Das heißt, sie fördern den direkten Handel mit den sogenannten Entwicklungsländern und sorgen dafür, dass die Hersteller einen fairen Lohn für ihre Arbeit erhalten. Weitere Standards sind langfristige Handelsbeziehungen, die Möglichkeit einer Vorfinanzierung, demokratische Organisationsstrukturen, keine ausbeuterische Kinderarbeit, Umweltschutz und die Entwicklung der lokalen Strukturen.

Trotz dieser gemeinsamen Linie haben die nationalen Initiativen individuelle Handlungsspielräume. Und die nutzen sie auch. Transfair etwa war lange dagegen, in Deutschland das Fairtrade-Siegel für Kosmetik zu vergeben. Der Grund: Nach Ansicht des Vereins kamen die Produzenten der Rohstoffe bei der Siegelvergabe finanziell zu kurz.

Doch inzwischen hat sich die FLO auf ein gemeinsames Regelwerk für Kosmetik geeinigt, das von Deutschland akzeptiert wurde. Demnach wird das Fairtrade-Label für Kosmetik nicht an ein gesamtes Produkt, sondern für einzelne Inhaltsstoffe vergeben. "Für die Produzenten bedeutet das eine Chance, ihre Absätze zu steigern und neue Märkte zu erschließen", heißt es bei Transfair. Denn ein großer Teil der bereits existierenden Fairtrade-Rohstoffe könne auch in Kosmetikartikeln verarbeitet werden, wie Sheabutter oder Zucker. Hinzu kämen neue Bereiche wie Kokosöl, Bienenwachs und Kakaobutter.

Im Gegensatz zu Deutschland vergeben Fairtrade-Organisationen beispielsweise in Frankreich oder Großbritannien das begehrte Logo schon länger an Kosmetik, auch wenn nur zwei beziehungsweise fünf Prozent der Inhaltsstoffe fair gehandelt sind -

Ratgeber: Natürlich - und auch fair?
Ratgeber Kosmetik 2015 Seite 44
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Ratgeber Kosmetik 2015 Seite 46
Ratgeber Kosmetik 2015 Seite 47

4 Seiten
Seite 44 - 47 im Ratgeber Kosmetik 2015
vom 05.06.2015
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Erschienen am 05.06.2015

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