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20 Gummibärchen im Test

ÖKO-TEST Januar 2014
vom 27.12.2013

Gummibärchen

Natürlich künstlich!

Bunte Bärchen sind beliebt bei Groß und Klein. Für den Geschmack sorgen zugesetzte Aromen. Zahlreiche Hersteller loben auf ihren Verpackungen "natürliches Aroma" aus. Aber dieses Versprechen hat seine Tücken.

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27.12.2013 | Sie sind bunt, sehen knuffig aus und schmecken schon den Kleinsten. Gummibärchen landen aber nicht nur im Einkaufskorb, wenn Kinder mit dabei sind. Seit seiner Erfindung im Jahr 1922 durch Haribo-Gründer Hans Riegel steht der Gummibär auch bei den Großen hoch im Kurs. Die Herstellung ist relativ einfach. Ein Hauptbestandteil der meisten Gummibärchen ist geschmacksneutrale Gelatine. Sie wird beispielsweise aus den Knochen und der Haut von Schweinen gewonnen. Weitere Zutat ist reichlich Zucker: Mehr als 17 Stücke Würfelzucker enthält so eine kleine 100-Gramm-Tüte Gummibärchen. Zusätzliche Bestandteile sind Wasser, Fruchtsäuren sowie Farb- und Aromastoffe. Zum Glück verzichten fast alle Hersteller mittlerweile auf den Einsatz künstlicher Farbstoffe. Stattdessen sorgen Frucht- und Pflanzenextrakte für die bunten Farben. Mit der Auslobung "Frucht" auf der Verpackung wollen die Hersteller darauf hinweisen, dass Fruchtsaft aus Fruchtsaftkonzentrat zugesetzt ist.

Ist die Masse aus diesen Zutaten erst einmal angerührt, wird sie in aus Gips angefertigte Formen gefüllt, die zuvor mit Stärke ausgepudert wurden. Sind die Gummis vollständig erstarrt, schüttet man sie aus den Formen heraus und befreit sie vom Stärkepuder. Ihre glänzende Oberfläche erhalten sie durch eine Behandlung mit Bienenwachs und pflanzlichen Ölen.

Damit die Bärchen aber auch richtig lecker schmecken, fehlt noch eine maßgebliche Zutat: das Aroma. Es sorgt dafür, dass Kinder und Erwachsene beim Naschen an Erdbeeren, Ananas oder Orangen denken. Aromen kommen in zahlreichen Lebensmitteln zum Einsatz, ob im Joghurt, in Gewürzgurken oder in Fertiggerichten. Häufig dienen sie dazu, die schlechte Qualität der Rohstoffe zu übertünchen. Vor allem für Kinder gilt: Je mehr aromatisierte Lebensmittel gegessen werden, desto mehr gewöhnt sich der Gaumen an den künstlichen Geschmack. Im Falle der Gummibärchen ist es mit natürlichen Alternativen aber nicht so einfach. Denn auch der Zusatz von konzentriertem Fruchtsaft sorgt lediglich für einen karamellig-süßen Geschmack. Eine Möglichkeit wäre, wie bei der Herstellung von Fruchtsaft aus Konzentrat echtes Fruchtsaftaroma zur naturgetreuen Aromatisierung einzusetzen. Doch würde das zu höheren Preisen führen.

Tatsächlich wird "Aroma" oder "natürliches Aroma" verwendet. Letzteres wird auf der Verpackung mit dem Ziel deklariert, Verbrauchern das Gefühl natürlicher Inhaltsstoffe zu suggerieren. Das ist allerdings nicht der Fall: "Natürlich" heißt keineswegs, dass die Zusammensetzung eines Aromas mit beispielsweise Ananas-Geschmack dem einer Ananasfrucht entspricht. "Natürlich" heißt lediglich, dass die Ausgangsstoffe, die zur industriellen Herstellung verwendet werden, aus der Natur stammen. Das Aroma ist trotzdem beliebig zusammengesetzt und dadurch in seiner Zusammensetzung nicht identisch mit einem Ananas-Aroma.

Laut EU-Aromenverordnung gelten für Produkte mit der Deklaration "natürliche Aromen" strikte Vorschriften (siehe Kasten "Aroma-Definitionen"). W

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Die Vielfalt bei Fruchtgummi ist groß. Wir wollten den Klassiker: bunte Gummibärchen. Auch davon gibt es mittlerweile zahlreiche Produkte. Insgesamt haben wir 20 Packungen gekauft. Sieben davon sind als Bio-Ware gekennzeichnet. Die restlichen Produkte sind konventionelle Marken sowie Eigenmarken der Discounter und Supermärkte.

Die Inhaltsstoffe
Ein Hauptbestandteil von Gummibärchen ist Gelatine. Angaben wie "vegan" oder "ohne Gelatine" haben wir von beauftragten Laboren testen lassen. Werben die Hersteller zusätzlich mit "Halal", darf keine Schweinegelatine enthalten sein. Natürlich haben wir die betreffenden Produkte daraufhin untersucht.

Die Weiteren Mängel
Für den Geschmack ihrer Gummibärchen verwenden die Hersteller Aromen. Bio-Anbieter dürfen ausschließlich natürliche Aromen verwenden. Wir wollten wissen, ob die Deklaration "natürliches Aroma" zutrifft und haben bei entsprechend ausgelobten Produkten nach Rücksprache mit einem Aromenexperten einzelne Geschmacksrichtungen einer Aromenanalyse unterziehen lassen. Außerdem ließen wir prüfen, ob mit dem Zusatz von Vitaminen geworben wird. Damit geben die Hersteller ihren Süßigkeiten den Anschein, trotz des hohen Zuckergehalts gesund zu sein.

Die Bewertung
Der Einsatz von Aromen - ob natürlich oder nicht - führt grundsätzlich zur Abwertung. Wurde bei Produkten mit "natürlichem Aroma" Buccoblätteraroma verwendet und nicht deklariert, führt dies zur Abwertung unter Weitere Mängel. Die Angabe "natürliches Aroma" ist dann zu unspezifisch. Wurden synthetische Aromastoffe wie Methylcinnamat oder Allylhexanoat nachgewiesen, ist die Deklaration falsch. Auch die Bezeichnung Bio-Aromen ist unzulässig und führt zur Abwertung. Ein Nachweis des nicht natürlichen Aromastoffs Allylhexanoat in Bio-Gummibärchen führt zur Abwertung unter den Inhaltsstoffen, weil in Bio-Ware synthetische Aromastoffe nichts verloren haben.

So haben wir getestet

Schmeckt lecker nach alpha-Terpineol. In Gummibärchen stecken zahlreiche Fremdwörter,
hinter denen sich Aromastoffe verbergen.