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20 Erkältungsbalsam im Test

ÖKO-TEST Dezember 2013
vom 29.11.2013

20 Erkältungsbalsam im Test

Auf allen Viren

Ursächlich lassen sich Erkältungen bis heute nicht behandeln, allenfalls können die Symptome gelindert werden. Salben mit stark riechenden ätherischen Ölen überzeugten im Test jedoch nicht: Aufgrund umstrittener und allergieauslösender Inhaltsstoffe schneiden viele Mittel schlecht ab.

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29.11.2013 | Kaum jemand kommt durchs Jahr, ohne zumindest einmal von einer Erkältung heimgesucht zu werden. Über kontaminierte Hände oder beim Niesen, Husten oder auch Sprechen werden die Erreger verteilt, die den grippalen Infekt verursachen. Über 200 verschiedene Virustypen können die typischen Erkältungssymptome auslösen. Dabei ähneln sich die Symptome so sehr, dass es nicht möglich ist, auf das konkret verursachende Virus zurückzuschließen.

Eine vorbeugende Impfung wird ob der Vielfalt der Erreger wohl eine Utopie bleiben. Und ob es jemals ein Mittel gibt, das Erkältungen heilt, ist höchst unwahrscheinlich. Denn wer würde bei einer zwar so weitverbreiteten, aber unter dem Strich doch leichten Erkrankung, die der Körper allein in den Griff bekommt, Nebenwirkungen oder gar Risiken in Kauf nehmen wollen? Bleibt also nur die Möglichkeit, die Malaise so gut es geht durchzustehen und gegebenenfalls die Symptome zu lindern.

Dazu bieten sich abschwellende Nasentropfen, Hustensäfte, Erkältungsbäder und -balsame an. Die Kosten für diese nicht verschreibungspflichtigen Arzneimittel müssen die Geplagten selbst zahlen, seit die Regierung mit dem Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung vor zehn Jahren die Eigenbeteiligung der Patienten umfassend erhöhte. Husten- und Erkältungspräparate wurden auf einmal weniger nachgefragt, die Hersteller pflanzlicher Arzneimittel erlebten Umsatzeinbußen.

Bei Erkältungsbalsamen handelt es sich um halbfeste Zubereitungen aus zumeist in Paraffin oder Vaseline gelösten ätherischen Ölen wie Eukalyptusöl, Nadelholzölen, Pfefferminzöl und Kampfer. Für diese Einreibungen und Inhalate haben die Verbraucher nach Angaben des Gesundheitsdienstleisters IMS Health zuletzt alljährlich rund 40 Millionen Euro in den Apotheken gelassen.

Grund genug für uns, die Mittel einmal näher unter die Lupe zu nehmen. Im ÖKO-TEST: 20 äußerlich anzuwendende Arzneimittel, die laut Gebrauchsinformation das Befinden "bei Erkältungskrankheiten der Luftwege (wie unkomplizierter Schnupfen, Heiserkeit, unkomplizierter Bronchialkatarrh)" oder "bei Erkältungskrankheiten der Atemwege mit zähflüssigem Schleim" verbessern sollen.

Das Testergebnis

Das überzeugt nicht: Die Anwendung von Erkältungsbalsamen stützt sich auf den volksmedizinischen Erfahrungsschatz. Inhaltsstoffe mit einem ungünstigen Nutzen-Risiko-Verhältnis oder potenziell allergener Wirkung und die zu bunte Mischung ätherischer Öle sorgen für das schlechte Abschneiden vieler Produkte. Am Ende gibt es nur je ein "sehr gut" und "gut".

Keine belastbaren Daten: Bis heute existieren für die Balsame keine handfesten Wirksamkeitsbelege aus klinischen Studien. Für sie sprechen aber die langjährige Anwendung und zahlreiche Daten aus pharmakologischen Untersuchungen im Labor. Nach dem Auftragen auf Brust oder Rücken gelangen Teile der ätherischen Öle durch die Haut in den Blutkreislauf und von dort in die Bronchialschleimhaut. Ein nicht näher bekannter Prozentsatz verdampft auf der


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20 Erkältungsbalsam im Test
ÖKO-TEST Dezember 2013 Seite 40
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So haben wir getestet

Der Einkauf
Für diesen Test haben wir in Apotheken und Drogerien 20 Erkältungsbalsame eingekauft. Alle sind als Arzneimittel zugelassen. Außen vor blieben Produkte aus Discountläden, die nur vorübergehend zu bekommen sind. Nicht berücksichtigt wurden zudem speziell für Kinder formulierte Balsame und solche, die als kosmetische Mittel oder anthroposophische Arzneimittel verkauft werden.

Die Pharmakologische Begutachtung
Welche Wirkung ist von den in den Balsamen enthaltenen ätherischen Ölen zu erwarten? Welche Risiken und Nebenwirkungen sind zu beachten? Um das zu klären, haben wir unseren wissenschaftlichen Berater, Professor Manfred Schubert-Zsilavecz, Pharmazeutischer Chemiker an der Goethe-Universität Frankfurt, mit einer Stellungnahme beauftragt. Dabei hat er auch einen kritischen Blick auf die Beipackzettel geworfen.

Die Inhaltsstoffe
In vielen Erkältungsbalsamen stecken Nadelholzöle, die je nach Herkunft und Herstellung unterschiedliche Mengen des Allergens Delta-3-Caren enthalten können. Das haben wir im Labor untersuchen lassen. Bei einigen Präparaten handelt es sich um wasserhaltige Zubereitungen, die - anders als die wasserfreien Balsame, bei denen die ätherischen Öle lediglich in Paraffin oder Vaseline eingearbeitet sind - verkeimen und daher konserviert sein können. Sie wurden auf bedenkliche Formaldehyd/-abspalter analysiert.

Die Bewertung
Im Rahmen der Pharmakologischen Begutachtung haben wir hier nicht zum strengen Maßstab - Nachweis der Wirksamkeit in modernen Therapiestudien - gegriffen, da die Balsame in der Volksmedizin schon lange verwurzelt sind und als gesichert gilt, dass sie die Symptome einer Erkältung lindern können. Dennoch darf der Nutzen nicht auf Kosten möglicher unerwünschter Wirkungen gehen, weshalb bedenkliche Inhaltsstoffe, zu viele ätherische Öle in einem Produkt sowie fehlende Anwendungs- und Warnhinweise zu Notenabzügen führen.

So haben wir getestet

Das ätherische Kiefernnadelöl wird per Wasserdampfdestillation aus frischen Nadeln oder Zweigspitzen gewonnen.