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19 Mittel gegen Beschwerden in den Wechseljahren im Test

Ratgeber Kosmetik 2016
vom 09.06.2016

Mittel gegen Beschwerden in den Wechseljahren

Hitzige Debatte

Frei erhältliche Präparate mit Isoflavonen oder anderen pflanzlichen Extrakten sollen für das Wohlbefinden von Frauen in den Wechseljahren sorgen oder typische Beschwerden lindern. Doch das Geld für solche Produkte können Sie sich sparen: Ihr Nutzen konnte nicht belegt werden.

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09.06.2016 | Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und nachlassende Lust auf Sex: Die Liste der körperlichen und seelischen Befindlichkeiten, die bei Frauen ab etwa Ende 40 mit einem sinkenden Östrogenspiegel in Verbindung gebracht werden, ist lang. Ein Forscherteam des Universitätsklinikums Dresden unter Leitung von Professorin Kerstin Weidner hat zwar jüngst in einer umfangreichen Studie festgestellt, dass lediglich Hitzewallungen und Schweißausbrüche tatsächlich auf die hormonellen Umstellungen in den Jahren vor und nach der Menopause zurückzuführen sind. Doch immerhin ein Drittel aller Frauen in dieser Lebensphase fühlt sich von den Veränderungen in ihrem Körper stark beeinträchtigt.

Da die Hormonersatztherapie (HET) in Verruf geraten ist, suchen viele Frauen nach Alternativen und greifen zu Mitteln mit pflanzlichen Hormonen. Diese Phytoöstrogene sind in ihrer Struktur den natürlichen Östrogenen sehr ähnlich und entfalten auch eine hormonelle Wirkung - wenn auch eine deutlich geringere als das eigentliche Hormon. Zu den wirksamsten Phytohormonen gehören Isoflavone, die unter anderem in Sojabohnen und Rotklee vorkommen. Derartige Präparate sind in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen, sondern werden als Nahrungsergänzungsmittel verkauft, die in Drogerien, Apotheken oder im Internet frei erhältlich sind.

Isoflavonpräparate kamen aufgrund der Beobachtung auf den Markt, dass Frauen in Asien deutlich weniger über Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen klagen als in westlichen Ländern. Die Ursache dafür wurde in den unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten vermutet. So liegt die durchschnittliche tägliche Aufnahme an Isoflavonen in asiatischen Ländern bei etwa 50 bis 100 Milligramm; in westlichen sind es dagegen gerade mal ein bis drei Milligramm. Ob das unterschiedliche Empfinden der Wechseljahre aber tatsächlich dadurch begründet ist, dass man in Asien traditionell reichlich Sojaprodukte wie Tofu oder Tempeh verzehrt, ist nicht belegt.

Ohnehin sind Phytoöstrogene, allen voran Isoflavone, alles andere als unumstritten. Auf jeden Fall sollten Frauen nicht schlussfolgern, Isoflavone seien harmlos und könnten unkritisch hoch dosiert werden - nach dem Motto: viel hilft viel -, bloß weil sie pflanzlichen Ursprungs und frei erhältlich sind. Denn im Gegensatz zu Arzneimitteln, die vor der Zulassung in klinischen Studien streng überprüft werden, müssen Nahrungsergänzungsmittel keinerlei Belege für ihre Wirksamkeit und Sicherheit beibringen. Sie gelten rechtlich gesehen als Lebensmittel und müssen vor Inverkehrbringen lediglich angemeldet werden.

ÖKO-TEST wollte genauer wissen, ob die Mittel wirken und sicher sind, und hat 19 Präparate - darunter 18 Nahrungsergänzungsmittel und eine ergänzend bilanzierte Diät - die für Frauen in den Wechseljahren ausgelobt sind, genauer unter die Lupe genommen und pharmakologisch begutachten lassen. Ein Großteil enthält Isoflavone aus Soja- und/oder Rotkleeextrakten.

Das Testergebnis

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben Nahrungsergänzungsmittel eingekauft, die speziell für Frauen in den Wechseljahren ausgelobt sind oder deren Produktnamen das nahelegt. Zusätzlich sind zwei ergänzend bilanzierte Diäten im Test, die zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden wie Stimmungsschwankungen, Hitzewallungen oder innere Unruhe eingesetzt werden. Fündig wurden wir in Drogeriemärkten, Reformhäusern und (Versand-)Apotheken.

Der Nutzen
Seitdem die Hormonersatztherapie in Verruf gekommen ist, setzen viele Frauen auf pflanzliche Mittel, die Isoflavone aus Soja oder Rotklee enthalten. Wir wollten wissen, ob diese pflanzlichen Hormone tatsächlich gegen Wechseljahresbeschwerden helfen, und haben die Hersteller nach produktspezifischen Studien gefragt, die den Nutzen ihrer Präparate belegen können. Parallel dazu hat unser pharmakologischer Berater Professor Manfred Schubert-Zsilavecz die Studienlage zu Isoflavonen ausgewertet. Sein Gutachten umfasst darüber hinaus auch jene Nahrungsergänzungsmittel im Test, die anstelle von Isoflavonen andere pflanzliche Extrakte mit Vitamin- und/oder Mineralstoffmischungen enthalten.

Inhaltsstoffe und Deklaration
Anhand der Deklaration ließen wir überprüfen, ob die angegebenen Mengen an Vitaminen und Mineralstoffen mit den Höchstmengenempfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) im Einklang stehen und ob die gesundheitsbezogenen Angaben auf den Verpackungen bzw. in den Packungsbeilagen sich mit den Vorgaben der EU-Kommission decken und somit zulässig sind. Darüber hinaus ließen wir Mittel, die Algen- bzw. Fischöl enthalten, im Labor auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) untersuchen. Ein weiteres Präparat enthält u.a. chinesische Vitalpilze - ob es dadurch mit Schwermetallen belastet ist, hat ein Labor ebenfalls in unserem Auftrag analysiert.

Die Bewertung
Nahrungsergänzungsmittel sind von ihrem Bestimmungszweck her nicht für Kranke gedacht. Daher steht für uns die Frage im Vordergrund, inwieweit sie der gesunden Verbraucherin nutzen. Ist das nicht der Fall, kann ein Produkt bestenfalls mit "befriedigend" abschneiden. Überflüssige weitere maßgebliche Inhaltsstoffe, zu hoch dosierte Vitamine oder Mineralstoffe sowie fragwürdige Auslobungen sorgen jedoch dafür, dass der Großteil der Mittel im Test mit "ungenügend" abschneidet.

So haben wir getestet

Natürliche Hilfe gegen Hitzewallungen erhoffen sich Frauen in den Wechseljahren von Pflanzen wie
Rotklee oder Sojabohnen.