1. oekotest.de
  2. Tests
  3. 17 Materialien für Wurzelkanalfüllungen im Test

17 Materialien für Wurzelkanalfüllungen im Test

Entnervt

ÖKO-TEST Oktober 2013 | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 27.09.2013

17 Materialien für Wurzelkanalfüllungen im Test

Zerstörte Zähne, die der Zahnarzt vor Jahren noch gezogen hätte, lassen sich heute häufig erhalten. Dabei spielen Wurzelkanalfüllungen eine große Rolle. Unser Test zeigt: Noch heute finden Stoffe ins Innerste der Zähne, die in Fachkreisen längst als veraltet gelten.

Mehr als sieben Millionen Wurzelkanäle werden allein in Deutschland alljährlich gefüllt. Das ist immer dann nötig, wenn das Innere des Zahnes, die Pulpa, verletzt oder infiziert ist, beispielsweise aufgrund von Karies oder einer Unfallverletzung. Das tut nicht nur weh, sondern auch der Kieferknochen kann sich entzünden und geschädigt werden.

Die Behandlung des Wurzelkanals kann den zerstörten Zahn retten - als Alternative bliebe nur der Griff zur Zange und das Entfernen des Zahnes. Die Chance, einen Zahn mittels Wurzelkanalbehandlung langfristig zu erhalten, wird auf 70 bis 95 Prozent beziffert. Nach örtlicher Betäubung und Schutz des Zahnes vor Speichel und Bakterien bohrt der Zahnarzt den Zahn auf, reinigt die Nervhöhle und erweitert die Wurzelkanäle mit kleinen Feilen, um die Kanäle zu säubern und zu desinfizieren. Den so aufbereiteten Hohlraum füllt er dann mit einem vorgefertigten Stift und einer Art Kleber, der die kleinen Räume zwischen Stift und Wurzelkanalwand abdichtet. Schließlich wird der Zugang in der Zahnkrone mit einer bakteriendichten und stabilen Füllung verschlossen und der Zahn in der Regel mit einer Krone versorgt.

Doch womit wird der Wurzelkanal eigentlich gefüllt? 1836 wurde Arsentrioxid zur gezielten Tötung der Pulpa propagiert. Knapp 50 Jahre später wurde es von Formalin, einer wässrigen Formaldehydlösung, abgelöst. Noch heute ist das Präparat Toxavit vereinzelt im Einsatz, das fast zur Hälfte aus Paraformaldehyd besteht. 1891 führte der deutsche Zahnarzt Otto Walkhoff eine Mischung aus Chlorphenol und Campher zur Sterilisation von Wurzelkanälen ein.

"Grundsätzlich ist die Deklaration der Werkstoffe ein Riesenproblem", beklagt Lutz Höhne, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Umwelt-Zahnmedizin. "Es ist selbst für den Zahnarzt sehr schwierig herauszubekommen, was in den Werkstoffen steckt. Einige Firmen geben Auskunft, andere halten sich bedeckt." Die Folgen sind kaum absehbar. Jeder eingebrachte Werkstoff könne eine Immunreaktion mit der Folge einer Entzündung auslösen. Aus allergologischer Sicht falle auf, dass Wurzelfüllmaterialien häufig ausgesprochen potente Allergene enthielten, weiß Dr. Volker von Baehr, Ärztlicher Leiter der Abteilungen Immunologie und Allergologie am Institut für Medizinische Diagnostik Berlin. Dazu zählt er in einem Fachartikel in ZWR - Das Deutsche Zahnärzteblatt unter anderem Perubalsam, Eugenol, Terpentinöl, Epoxidharze, Silber, Kolophonium, Erdnussöl und Paraformaldehyd auf.

Die unterschiedlichen Anforderungen an Materialien zur Wurzelkanalfüllung sind allerdings kaum unter einen Hut zu bringen. Einerseits sollen sie gut verträglich, nicht allergen und unschädlich für das umgebende Gewebe sein, andererseits aber auch antibakteriell wirken und günstigenfalls auch noch die Ausheilung in der Wurzelspitze fördern. So zeigt Formaldehyd zwar gute antibakterielle Eigenschaften, führt jedoch unter anderem zu Nekrosen, das heißt, gesunde Zellen werden so geschädigt, dass sie sterben, ih


Materialien für Wurzelkanalfüllungen: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Dr. Sargenti Endodontic Cement N2
  • Hager & Werken

Dentsply De Trey AH 26 Wurzelkanalfüllungsmaterial
  • Dentsply De Trey

Speiko ED 84, Dentalemulsion
  • Speiko Dr. Speier

Dentsply Thermafil Obturators
  • Dentsply De Trey

Gangraena-Merz N Wurzelkanalfüllungsmaterial
  • Merz Dental

M+W Dental Guttaperchaspitzen
  • M+W Dental

Prof. Dr. Walkhoff's Jodoformpaste
  • Adolf Haupt & Co.

Dentsply AH Plus Wurzelkanalfüllungsmaterial
  • Dentsply De Trey

Kerr Sealapex
  • Kerr Italia

Roeko Seal Automix Wurzelkanalfüllungsmaterial
  • Coltène/Whaledent

Ledermix, Paste zur Anwendung in Zahnkavitäten
  • Riemser Arzneimittel

Becht Guttaperchaspitzen Greater Taper, rosa, GT 06
  • Becht

Lege Artis Hermetic Lösung / Pulver
  • Lege Artis

Antaeos Iso 035 standardised Guttapercha, Taper 06, pink
  • VDW

Roeko Gutta Flow 2 Kaltfüllsystem für Wurzelkanäle
  • Coltène/Whaledent

Septodont Endomethasone N, Zement für Wurzelkanalfüllungen
  • Septodont

Apexit Plus Refill Wurzelfüllungsmaterial
  • Ivoclar Vivadent

17 Materialien für Wurzelkanalfüllungen im Test
ÖKO-TEST Oktober 2013 Seite 102
ÖKO-TEST Oktober 2013 Seite 103
ÖKO-TEST Oktober 2013 Seite 104
ÖKO-TEST Oktober 2013 Seite 105
ÖKO-TEST Oktober 2013 Seite 106
ÖKO-TEST Oktober 2013 Seite 107
ÖKO-TEST Oktober 2013 Seite 108
ÖKO-TEST Oktober 2013 Seite 109

8 Seiten
Seite 102 - 109 im ÖKO-TEST Oktober 2013
vom 27.09.2013
Abrufpreis: 1,00 €

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Bei den ausgewählten Wurzelkanalfüllmaterialien haben wir uns an einer Studie orientiert, in der sich Zahnärzte unter anderem zu den häufig von ihnen verwendeten Produkten äußerten. So fanden 17 Produkte Eingang in unseren Test: vier temporäre Einlagen, die vor der eigentlichen Füllung eingesetzt werden, vier Guttaperchastifte sowie neun sogenannte Sealer, die die verbleibenden Räume zwischen Stift und Wurzelkanalwand versiegeln sollen. Der Einkauf war nicht ganz einfach, schließlich bedient der Dental-Fachhandel eigentlich ausschließlich Fachkreise, also vornehmlich Zahnärzte, Kieferchirurgen, Zahntechniker und Dentallabore.

Die Inhaltsstoffe

Viele Wurzelfüllmaterialien sind nicht als Arzneimittel, sondern als Medizinprodukte im Verkehr. Dabei reicht es aus, nur die aktiven Inhaltsstoffe zu deklarieren. Wir ließen daher aufwendige Analysen durchführen: ein umfangreiches Materialscreening, um unter anderem bedenkliche Weichmacher aufzuspüren; eine Untersuchung auf giftige Schwermetalle wie Blei, Cadmium, Quecksilber; höher chlorierte Phenole, die Vorstufen von Dioxinen darstellen, in Materialien mit Chlorphenol oder Chlorxylenol; hormonell wirksames Bisphenol A und dessen Glycidylether BADGE in Epoxid-Sealern.

Die zahnmedizinische Eignung

An dieser Stelle haben wir vor allem anhand der Literatur und durch Expertengespräche eine Nutzen-Risiko-Abschätzung der verschiedenen Produkte vorgenommen. Herangezogen haben wir unter anderem eine wissenschaftliche Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde und die "Informationen über zahnärztliche Arzneimittel", herausgegeben von Bundeszahnärztekammer und Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung.

Die Bewertung

Jede Wurzelkanalfüllung zielt darauf ab, den Zahn möglichst lange zu erhalten. Dreh- und Angelpunkt unserer Bewertung ist daher die zahnmedizinische Eignung. Eine positive Nutzen-Risiko-Abschätzung erhalten Präparate, die praktisch nicht vom Körper aufgenommen werden, gut gewebeverträglich sind und keine unerwünschten Wirkungen entfalten. Hapert es etwas an der Löslichkeit, gibt er hier nur eine "eher positive" Einordnung. Bei nicht zu vernachlässigenden Nebenwirkungen wird die Abschätzung "eher negativ", bei veralteten Inhaltsstoffen, die heute nicht mehr verwendet werden sollten, ausschließlich "negativ".

Aktuelle Ausgabe
ÖKO-TEST November 2018: Schwerpunkt Mikroplastik
ÖKO-TEST November 2018: Schwerpunkt Mikroplastik
Zugehörige Ausgabe:
ÖKO-TEST Oktober 2013
ÖKO-TEST Oktober 2013

Erschienen am 27.09.2013

Informationen zum Abruf bei United Kiosk
So funktioniert der Artikel-Abruf
Wenn Sie zum ersten Mal Artikel bei unserem Service-Partner United Kiosk abrufen, lesen Sie bitte vorab unsere Anleitung zum Abruf von Tests, Ratgebern, Einzelseiten und ePapern durch. Gekaufte Artikel, ePaper oder eBundles können Sie im Fall eines Verlustes nur dann wiederherstellen, wenn Sie sich zuvor registriert haben.