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47 betriebliche Berufsunfähigkeitsversicherungen im Test

ÖKO-TEST Februar 2018
vom 25.01.2018

47 betriebliche Berufsunfähigkeitsversicherungen im Test

Dilemma ohne Ende

Eine Alternative zur problematischen privaten Berufsunfähigkeitsversicherung soll die Absicherung über den Betrieb sein. ÖKO-TEST hat sich den Markt angeschaut.

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25.01.2018 | Nun soll es auch noch satte Prämienerhöhungen geben. Nach Informationen von Versicherungsmakler Helge Kühl hat die WWK-Versicherung Anfang 2018 die Beiträge für private Berufsunfähigkeitsversicherungen (BU) massiv erhöht. Andere Anbieter könnten folgen. Das befürchtet die Ratingagentur Assekurata aus Köln, weil die Lebensversicherer aufgrund der Zinsmisere deutlich unter Druck stehen.

Dabei ist schon der Einstieg für viele Kunden zu teuer. Schon 2012 (ÖKO-TEST-Magazin 4/2012) musste eine 30-jährige Krankenschwester bis zu vier Mal so viel bezahlen wie die gleichaltrige Krankenhausärztin. Seither ist es noch schlimmer geworden. Zudem liegt der Verdacht nahe, dass Versicherer für manche Berufe regelrechte Abwehrpreise fordern. So verlangte die VHV Leben im Jahr 2014 (ÖKO-TEST-Magazin 3/2014) vom 31-jährigen Krankenpfleger für einen 1.500-Euro-BU-Schutz 457 Euro im Monat. Ein solcher Preis dürfte bei einem Bruttoeinkommen von 2.300 Euro unbezahlbar sein.

Doch selbst diese hohen Preise gelten nur theoretisch, nämlich für kerngesunde Kunden. So zeigte unser Test schon 2012, dass nur 25 Prozent der Anträge problemlos angenommen werden. 2014 lag die Quote sogar nur noch bei 19 Prozent. Dagegen behauptete der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) 2016, dass auf alle Kunden bezogen, die Ablehnungsquote nur sechs Prozent beträgt. Die Lobby-Statistik erntete in der Branche viel Kritik und Häme.

Mit der Schönrechnerei wollen die Assekuranzen offenbar ihr Marktversagen kaschieren. Denn die Preise sind nicht das einzige Problem. "Wir stellen weiterhin fest, dass viele Verbraucher mit Risikoausschlüssen, Verringerungen der BU-Rente oder Kürzung des gewünschten Endalters zu kämpfen haben", stellt der Bund der Versicherten fest. Letzteres bestätigen ebenfalls die Analysen von ÖKO-TEST: Bestimmte Berufe sind nur bis zum 55. oder 62. Lebensjahr versicherbar. Doch gerade im höheren Alter steigt das Risiko der Berufsunfähigkeit deutlich an.

Scheinbar günstig sind Starter- oder Einsteiger-Policen, die wir auf der Suche nach einem bezahlbaren und soliden Schutz für alle im ÖKO-TEST-Magazin 9/2017 untersucht haben. Doch "Volle Leistung - halber Beitrag", diese Werbung stimmt einfach nicht. Die Starter-Policen sind nicht preiswerter als Normaltarife. Zwar sind die Beiträge zunächst günstig, steigen später aber übermäßig an. Zudem zahlen auch hier Handwerker überdurchschnittlich viel.

Solche und andere "Problemkunden" sollen nach Meinung des GDV auf Alternativprodukte ausweichen. Doch sie sind schlicht unbrauchbar oder gaukeln Vorteile vor, die es gar nicht gibt. So leisten private Erwerbsunfähigkeitsversicherungen in der Regel nur dann, wenn Versicherte keine drei Stunden mehr irgendeinen Job ausüben können. Sie sind damit kaum mehr als ein Notnagel, wie unsere Analyse ergab (ÖKO-TEST-Magazin 7/2016). Noch problematischer sind Schwerekrankheiten-, Grundfähigkeits- oder Multi-Risk-Policen. Sie decken immer nur ein Teil des Risikos ab. Psychische


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47 betriebliche Berufsunfähigkeitsversicherungen im Test
ÖKO-TEST Februar 2018 Seite 84
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vom 25.01.2018
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Nun soll es auch noch satte Prämienerhöhungen geben. Nach Informationen von Versicherungsmakler Helge Kühl hat die WWK-Versicherung Anfang 2018 die Beiträge für private Berufsunfähigkeitsversicherungen (BU) massiv erhöht. Andere Anbieter könnten folgen. Das befürchtet die Ratingagentur Assekurata aus Köln, weil die Lebensversicherer aufgrund der Zinsmisere deutlich unter Druck stehen.
Dabei ist schon der Einstieg für viele Kunden zu teuer. Schon 2012 (ÖKO-TEST-Magazin 4/2012) musste eine 30-jährige Krankenschwester bis zu vier Mal so viel bezahlen wie die gleichaltrige Krankenhausärztin. Seither ist es noch schlimmer geworden. Zudem liegt der Verdacht nahe, dass Versicherer für manche Berufe regelrechte Abwehrpreise fordern. So verlangte die VHV Leben im Jahr 2014 (ÖKO-TEST-Magazin 3/2014) vom 31-jährigen Krankenpfleger für einen 1.500-Euro-BU-Schutz 457 Euro im Monat. Ein solcher Preis dürfte bei einem Bruttoeinkommen von 2.300 Euro unbezahlbar sein.
Doch selbst diese hohen Preise gelten nur theoretisch, nämlich für kerngesunde Kunden. So zeigte unser Test schon 2012, dass nur 25 Prozent der Anträge problemlos angenommen werden. 2014 lag die Quote sogar nur noch bei 19 Prozent. Dagegen behauptete der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) 2016, dass auf alle Kunden bezogen, die Ablehnungsquote nur sechs Prozent beträgt. Die Lobby-Statistik erntete in der Branche viel Kritik und Häme.
Mit der Schönrechnerei wollen die Assekuranzen offenbar ihr Marktversagen kaschieren. Denn die Preise sind nicht das einzige Problem. "Wir stellen weiterhin fest, dass viele Verbraucher mit Risikoausschlüssen, Verringerungen der BU-Rente oder Kürzung des gewünschten Endalters zu kämpfen haben", stellt der Bund der Versicherten fest. Letzteres bestätigen ebenfalls die Analysen von ÖKO-TEST: Bestimmte Berufe sind nur bis zum 55. oder 62. Lebensjahr versicherbar. Doch gerade im höheren Alter steigt das Risiko der Berufsunfähigkeit deutlich an.
Scheinbar günstig sind Starter- oder Einsteiger-Policen, die wir auf der Suche nach einem bezahlbaren und soliden Schutz für alle im ÖKO-TEST-Magazin 9/2017 untersucht haben. Doch "Volle Leistung - halber Beitrag", diese Werbung stimmt einfach nicht. Die Starter-Policen sind nicht preiswerter als Normaltarife. Zwar sind die Beiträge zunächst günstig, steigen später aber übermäßig an. Zudem zahlen auch hier Handwerker überdurchschnittlich viel.
Solche und andere "Problemkunden" sollen nach Meinung des GDV auf Alternativprodukte ausweichen. Doch sie sind schlicht unbrauchbar oder gaukeln Vorteile vor, die es gar nicht gibt. So leisten private Erwerbsunfähigkeitsversicherungen in der Regel nur dann, wenn Versicherte keine drei Stunden mehr irgendeinen Job ausüben können. Sie sind damit kaum mehr als ein Notnagel, wie unsere Analyse ergab (ÖKO-TEST-Magazin 7/2016). Noch problematischer sind Schwerekrankheiten-, Grundfähigkeits- oder Multi-Risk-Policen. Sie decken immer nur ein Teil des Risikos ab. Psychische Erkrankungen, heute Berufsunfähigkeitsrisiko Nummer eins, sind meist nicht abgesichert.
Auch Unfallversicherungen, die wir zuletzt im Januar 2016 untersucht haben, sind keine Alternative, da Berufsunfähigkeit meistens nicht durch einen Unfall, sondern durch Krankheiten verursacht wird.
Bleibt als sozusagen letzte Rettung die betriebliche Berufsunfähigkeitsversicherung (bBU). Die Allianz betont, dass sie nun noch attraktiver wird. So sparen Arbeitnehmer und Arbeitgeber durch eine Direktversicherung zur bBU mit Entgeltumwandlung Sozialversicherungsbeiträge. Für den Arbeitnehmer gibt es zusätzlich noch eine Steuerersparnis. "Kommt dann der verpflichtende Arbeitgeberzuschuss dazu, reduziert sich der Eigenaufwand des Arbeitnehmers weiter", erläutert die Allianz. So muss der Arbeitgeber ab 2019 zu allen Neuverträgen und ab 2022 auch zu Altverträgen 15 Prozent Zuschuss beisteuern. Gleichzeitig sei es mit der bBU möglich, die Gesundheitsprüfung deutlich zu entschärfen.
ÖKO-TEST hat untersucht, welche großen Lebensversicherer eine bBU mit einer deutlich eingeschränkten Risikoprüfung bieten. Insgesamt wurden in Kooperation mit dem Versicherungsmakler Andreas Seidl und Heiner Herbring von der Versicherungs- & Finanzmanagement-Gruppe (vfm) 27 Versicherer in den Test einbezogen.


Das Testergebnis

Kein Angebot. Viele Lebensversicherer bieten die bBU im Rahmen der Entgeltumwandlung nicht oder nicht mit eingeschränkter Risikoprüfung an. So gaben in der Umfrage sieben Assekuranzen an, dass sie gar keine betrieblichen Verträge verkaufen.