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ÖKO-TEST Februar 2018
vom

Bunte Haarfarben

Bunter schund

Eine neue Haarfarbe bedeutet Veränderung, Neuerfinden, Rebellion. Kein Wunder, dass vor allem Jugendliche gerne in den Farbtopf langen. Je bunter, desto besser - das ist längst kein Randgruppenphänomen mehr. Allerdings haben Haarfarben den Ruf, fiese und gesundheitsschädliche Chemiekeulen zu sein. Gilt das auch für die Regenbogenpalette?

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25.01.2018 | Für Stars und Sternchen gehört es fast zum guten Ton, in einem Zustand ständiger Metamorphose zu leben. Teenie-Idole wie Miley Cirus, Katy Perry oder Jennifer Lawrence wechseln Haarschnitt und -farbe, inklusive Lebensphilosophie, wie andere Menschen die Unterwäsche. Bahnbrechend neu ist dieses Phänomen natürlich nicht. Schon Madonna, David Bowie und Co. lebten das Prinzip des ständigen Neuerfindens ihrer eigenen Kunstfigur. Und selbst sie waren damit keine Pioniere.

Über Epochen und Kulturkreise hinweg eigneten sich Haare schon immer hervorragend zum Ausdruck von Individualität. Mit aufwendigen Frisuren, Haarschmuck, Perücken oder eben einer neuen Farbe modifizieren Menschen seit jeher ihren Schopf. Den Haaren wird mitunter sogar eine persönlichkeits- und stimmungsbezogene Definitionsmacht zugeschrieben. Das reicht vom profanen "Bad Hair Day" bis zur radikalen Typveränderung nach einem einschneidenden Lebensereignis. Nicht nur Frauenzeitschriften stürzen sich auf diesen Zusammenhang. Auch wissenschaftliche Arbeiten beschäftigen sich damit, welche Emotionen Haarschnitt und -farbe auslösen können. Frisuren dienen dabei nicht nur als Ausdruck persönlichen Empfindens. Sie können auch ein gesellschaftliches Statement sein: In den 70er- und 80er-Jahren schmückten die wildesten Tollen die Häupter. Dagegen wirkte der pomadengetränkte Dandyschnitt der 50er-Jahre noch harmlos, wenn er auch zu seiner Zeit anrüchig genug war. Wer sein Haar besonders stylt, will sich von der Masse abheben.

Aber funktioniert das heute immer noch? Um im modernen Social-Media-Selbstdarstellungszirkus mit seinen Haaren noch Aufsehen zu erregen, muss man sich jedenfalls ordentlich ins Zeug legen. Bunt kann heute jeder. Längst stehen Verbrauchern in Drogerien und Internetshops neben all den Colorationen in Naturtönen auch quietschebunte Do-it-yourself-Produkte zur Verfügung.

Nachdem chemische Haarfarben in vergangenen Tests eher schlecht abschnitten, wollten wir diesmal wissen, was mit den Regenbogennuancen los ist und haben 14 bunte Einkomponenten-Haarfarben in die Labore geschickt.

Das Testergebnis

Kein Topf voll Gold am Ende des Regenbogens. Die bunten Einkomponenten-Haarfarben könnten theoretisch besser abschneiden als ihre oxidativen Schwestern.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Bunte Haarfarben drängen zunehmend in die Verkaufsregale der Drogeriemärkte. Dort, im Friseurbedarf und im Internet haben wir 14 Einkomponentenfarben gekauft und - auf 100 Milliliter umgerechnet - zwischen 2,99 Euro und 15,98 Euro bezahlt. Die Farben funktionieren ohne Oxidationsprozesse und waschen sich meist nach und nach wieder heraus.

Die Inhaltsstoffe
Unser kritischer Blick galt wie bei allen Haarfarbentests besonders den Färbesubstanzen. Die Labore prüften außerdem auf bedenkliche Konservierungsmittel und Duftkomponenten, halogenorganische Verbindungen und Nitrosamine.

Die Weiteren Mängel
Enthält die Umverpackung umweltschädliche chlorierte Verbindungen? Schlüsseln die Hersteller uns gegenüber Sammeldeklarationen der Farbbestandteile auf? Auch hier haben wir genau hingeschaut.

Die Bewertung
Je nachdem, ob und wie die Färbesubstanzen vom wissenschaftlichen Beratergremium der EU-Kommission (SCCS) bewertet wurden, staffelt sich die Abwertung für bedenkliche Färbestoffe. Die meisten Produkte sammeln allerdings mit einer Vielzahl anderer Problemstoffe noch einige zusätzliche Minuspunkte.

So haben wir getestet

Welche problematischen Farbstoffe in den knalligen Haarfarben stecken, haben von uns beauftragte Labore untersucht.