Reis-Test: Zu viel krebserregendes Arsen in zwölf Marken

Magazin Juli 2020: Fischstäbchen | Autor: Johanna Michl, Annette Dohrmann | Kategorie: Essen und Trinken | 06.07.2020

Foto: ÖKO-TEST

Reis hat oft ein Problem mit Arsen, Mineralöl und Pestizidspuren. Das zeigt unser Test von 21 Reismarken – darunter Basmatireis, Parboiled-Langkorn-Reis sowie Vollkornreis. Vier Produkte aus unserem Reis-Test können Sie aber ohne Bedenken auftischen, sie sind "sehr gut".

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  • Vier Reismarken im Test können wir mit "sehr gut" empfehlen, die meisten schneiden mittelmäßig ab. 
  • Es gibt zwei Testverlierer: Sie fallen mit "ungenügend" durch. 
  • Reis enthält oft krebserregendes Arsen, weitere giftige Schwermetalle und Mineralöl.  

Reis ist für rund die Hälfte der Weltbevölkerung Grundnahrungsmittel Nummer eins. Zudem gelten die kleinen Körner – vor allem in der Vollkornvariante – als sehr gesund. Doch neben wertvollen Nährstoffen stecken in Reis häufig auch krebserregendes Arsen, weitere giftige Schwermetalle und Mineralöl.

Reis im Test: Arsen als großes Problem 

Für die Neuauflage unseres Reis-Tests haben wir 21 Produkte untersucht: jeweils siebenmal Basmati-, Parboiled-Langkorn- sowie Vollkornreis. Wer demnächst Reis auftischen will, kann allerdings nur unter vier "sehr guten" Marken wählen. Die meisten Produkte schneiden mittelmäßig ab, zweimal haben wir das Gesamturteil "ungenügend" vergeben.

Eine der Hauptbelastungen von Reis ist anorganisches Arsen. Den krebserregenden Stoff hat das beauftragte Labor in allen Reismarken im Test nachgewiesen, in den Basmatisorten jedoch nur in Spuren. Hauptsächlich sind Natur- und Parboiled-Reis damit belastet.

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Arsen kommt natürlicherweise im Boden vor, gelangt aber auch durch Klärschlamm oder Phosphatdünger ins Grundwasser. Reis nimmt besonders viel Arsen auf, da er überwiegend nass – also mit den Wurzeln unter Wasser – angebaut wird. Die Pflanze reichert den Stoff vor allem in den Randschichten an – ein Grund, weshalb geschälter Reis in der Regel weniger belastet ist als ungeschälter Naturreis.

Bei Parboiled-Reis sorgt möglicherweise die Vorbehandlung mit hohem Druck dafür, dass Giftstoffe wie Arsen ins Innere des Reiskorns gelangen können.

Mineralöl in zehn Reissorten im Test

Reis-Test: Vier der 21 getesteten Reismarken können wir mit Bestnote empfehlen. (Foto: Agri Food Supply/Shutterstock)

Neben Arsen ist auch Mineralöl ein Problem in Reis. Denn zehn Reismarken sind mehr oder weniger stark mit Mineralöl belastet, zwei der Basmatireise sogar mit aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen (MOAH). Unter den MOAH können auch krebserregende Verbindungen sein.

Anhand der Laboranalysen lässt sich nicht feststellen, woher das Mineralöl stammt. "Verdächtig" sind Jutesäcke, in denen der Reis traditionell transportiert wird, aber auch Kartonverpackungen und mineralölbasierte Druckfarben.

Kritik an Cadmium und Pestizidspuren in Reis  

Was ist außerdem im Reis-Test aufgefallen? 

  • In zwei Reismarken hat das Labor aus unserer Sicht erhöhte Mengen an Cadmium nachgewiesen. Es kommt natürlich im Boden vor und gelangt über die Wurzeln in die Körner. Das Problem: Bei Cadmium handelt es sich um ein giftiges Schwermetall. Über längere Zeit in hohen Dosen aufgenommen, führt Cadmium zu Nierenschäden und ist als krebserzeugend für den Menschen eingestuft. Bei Tieren haben inhalierte Cadmiumverbindungen eindeutig Krebs erzeugt.

  • Einer der beiden Testverlierer enthält Rückstände des Pestizids Deltamethrin in von uns als erhöht eingestuften Mengen. Der Stoff ist giftig für Bienen und aus unserer Sicht besonders bedenklich. Seine Wirkung wird durch Piperonylbutoxid verstärkt, dass das beauftragte Labor ebenfalls in dem Reis nachgewiesen hat. In vier weiteren Reismarken kritisieren wir Spuren besonders bedenklicher Pestizide.

  • Weil Basmatireis eine Spezialität ist, die nach dem britischen Code of Practice on Basmati höchstens sieben Prozent fremde Reissorten zulässt, haben wir die DNA der Basmati-Reissorten im Test prüfen lassen. Ausgerechnet ein fairgehandelter Reis patzt an dieser Stelle: Sein Fremdreisanteil liegt bei 20 Prozent.
Vorsicht: In vielen Reismarken im Test stecken bedenkliche Inhaltsstoffe. (Foto: komokvm/Shutterstock)

So schmeckt der Reis im Test 

Sensorisch ist der Reis weitgehend in Ordnung. Die professionellen Verkoster erkannten nur einige leichte Abweichungen in Geschmack oder Geruch. So mancher Reis schmeckte ihnen leicht dumpf, einer zudem leicht bitter. Kritik gab es ansonsten in einem Fall für eine leichte Papiernote. 

Darauf sollten Sie beim Reis essen achten: 

Wir haben zwei wichtige Tipps für Sie:  

  • Vollkorn- und Parboiled-Reis haben zwar mehr Vitamine und Mineralstoffe, speichern aber meist auch mehr anorganisches Arsen. Wenn Sie Naturreis genießen wollen, dann nur in Maßen.

  • Um die Schadstoffgehalte etwas zu reduzieren, sollten Sie Reis vor dem Kochen gründlich waschen und diesen mit mindestens einem Liter Wasser garen.  

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


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Testverfahren

In unserem Einkaufskorb sind drei Typen von Reis gelandet: je siebenmal Basmatireis, Natur- bzw. Vollkornreis sowie Parboiled-Langkornreis. Die Preisspanne für 500 Gramm Reis lag zwischen 50 Cent und 3,79 Euro. Insgesamt sind acht Produkte mit Bio-Label im Test vertreten.

Jeden Reis haben wir im Labor auf die Schwermetalle Arsen und Cadmium untersuchen lassen. Insbesondere, was Arsen betrifft, gibt es immer wieder erhöhte Befunde in Reis. Alle 21 Produkte haben wir zudem auf Pestizidrückstände und Mineralöl analysieren lassen. Unter den Reistypen nimmt Basmatireis eine Sonderstellung ein. Nach dem britischen Code of Practice on Basmati, einem (nicht rechtsverbindlichen) Regelwerk anerkannter Verbände aus dem Reissektor, darf er nur als Basmatireis bezeichnet werden, wenn der Fremdreisanteil maximal sieben Prozent beträgt. Wir haben daher für alle Basmatireise im Test eine Echtheitsprüfung durchführen lassen. Aus den Bewertungen der Laboranalysen ergibt sich das Testergebnis Inhaltsstoffe, das maßgeblich für das Gesamturteil ist. Darüber hinaus haben wir den Reis von Experten begutachten und verkosten lassen – auf Aussehen, Textur, Mundgefühl, Geruch und Geschmack.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein Gehalt an MOSH und MOSH-Analoga der Kettenlänge C17-C35 von mehr als 2 bis 4 mg/kg (in der Tabelle: Mineralölbestandteile "stark erhöht"); b) der Nachweis von MOAH; c) mehr als sieben Prozent Fremdreis / Nichtbasmatireis in der Basmati-Echtheitsprüfung; d) ein Gehalt an anorganischem Arsen von mehr als 50 bis 100 Prozent der EU-Höchstgehalte (0,2 mg/kg für Basmati (geschliffener Reis, nicht parboiled; 0,25 mg/kg für Langkorn-/ Parboiled- und Naturreis; in der Tabelle: Arsen "stark erhöht"). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Gehalt an MOSH und MOSH-Analoga der Kettenlänge C17-C35 von mehr als 1 bis 2 mg/kg (in der Tabelle: Mineralölbestandteile "erhöht"); b) ein bis zwei als besonders bedenklich eingestufte Pestizide in Gehalten von jeweils mehr als 0,01 mg/kg (hier: Deltamethrin, Pirimiphos-methyl, Imidacloprid, Chlorpyriphos-methyl, Cypermethrin); c) ein Gehalt eines Synergisten (Wirkverstärkers)/ Pestizids, der die gesetzliche Rückstandshöchstmenge von ≥0,1 mg/kg um mehr als 10 bis 50 Prozent ausschöpft (in der Tabelle: Pestizid/Wirkverstärker "erhöht"). Bei dem Wirkverstärker Piperonylbutoxid wurde der Rückstandshöchstgehalt aus der nationalen Rückstandshöchstmengenverordnung für Getreide herangezogen; d) ein Gehalt an anorganischem Arsen von mehr als 25 bis 50 Prozent des EU-Höchstgehalts (in der Tabelle: Arsen "erhöht"); e) ein Gehalt an Cadmium von mehr als 25 bis 50 Prozent des EU-Höchstgehalts von 0,2 mg/kg (in der Tabelle: Cadmium "erhöht"). Steht bei konkret benannten Analysenergebnissen "nein", bedeutet das unterhalb der Bestimmungsgrenze.

Bewertung Testergebnis Sensorik: Unter dem Testergebnis Sensorik führt zur Abwertung um eine Note: eine mit "leicht" gekennzeichnete Abweichung in Geruch und/oder Geschmack.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Sensorik, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.  

Testmethoden 

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte): MOSH/MOSH-Analoge/MOAH: DIN EN 16995:2017 mod. Die Modifikation betrifft die Verseifung und eine andere Matrix. Gesamtarsen: saurer Aufschluss in der Mikrowelle. Bestimmung mittels ICP-MS. Anorganisches Arsen: Bestimmung mittel Hydriktechnik-GFAAS. Cadmium: saurer Aufschluss in der Mikrowelle. Bestimmung mittels ICP-MS. Sensorik: Nach ASU L.00.90-16:2006. Nach Einzelprüfungen wurden die Ergebnisse in der Gruppe diskutiert und ein gemeinsames Gesamtergebnis erarbeitet. Pestizidscreening: nach DIN EN 15662:2018. Probenvorbereitung nach QuEChERS und anschließende Bestimmung mittels GC-MSD und LC-MS/MS. Echtheitsprüfung: PCR-Kapillarelektrophorese.

Einkauf der Testprodukte: März 2020 

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