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ÖKO-TEST November 2013
vom

Haferflocken

Zarte Flocken in Öl

Während die Politik in puncto Mineralöl in Verpackungen zumindest reagiert, bleibt das Thema Glyphosat weiter auf dem Abstellgleis. Zur Mineralölproblematik stellen wir nach unserem Test fest: Strengere und detaillierte Richtlinien sind überfällig, denn nahezu alle Produkte waren mit Rückständen belastet.

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25.10.2013 | Das Öl kommt aus dem Papier: Durch die Verwendung von Altpapier gelangt Mineralöl in Recyclingpapier. Altpapier besteht zum Beispiel aus Zeitungen und Katalogen, die mit Farben bedruckt werden, die Mineralöl enthalten. Mineralöl wird aus Erdöl gewonnen und stellt ein komplexes Gemisch dar, das hauptsächlich aus gesättigten und aromatischen Kohlenwasserstoffen besteht. Gesättigte Kohlenwasserstoffe können laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) im Körper gespeichert werden und zu Schädigungen der Leber und der Lymphknoten führen. Bei aromatischen Kohlenwasserstoffen ist laut BfR nicht auszuschließen, dass sich darunter Substanzen befinden, die schon in geringsten Mengen Krebs hervorrufen können. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat daher Mitte des Jahres einen zweiten Entwurf der sogenannten "Mineralölverordnung" vorgelegt. Demnach soll ein Übergang von aromatischen Kohlenwasserstoffen auf Lebensmittel generell nicht mehr stattfinden.

Mineralöl migriert durch Frischfaser hindurch

Auch wenn das Thema Mineralöl in Verpackungen schon lange im Fokus der Öffentlichkeit steht und es sich zunächst nur um einen Gesetzesentwurf handelt: Der Gesetzgeber hat sich damit beschäftigt. Die Reaktionen der Hersteller auf unsere Testergebnisse zeigen zudem, wie schwierig es ist, festzustellen, auf welchem Weg Mineralöl in Lebensmittel gelangt. So betonen zahlreiche Anbieter, sie verwendeten Verpackungen aus Frischfasern ohne Mineralöl und ohne mineralölhaltige Druckfarben. Doch auch in den großen Transportverpackungen aus Recyclingkartons, in denen die Waren ausgeliefert werden, ist Mineralöl enthalten und kann auf diesem Weg in Frischfaser-verpackte Lebensmittel gelangen. "Die alleinige Nutzung von Frischfaserkartons als Primärverpackung ist somit keine Lösung der Mineralölproblematik", sagt die in Pharmakologie und Toxikologie promovierte wissenschaftliche Expertin Dr. Uta Verbeek.

Zumal das Mineralöl auch im Produktionsprozess über Maschinen in Produkte gelangen kann. Zudem geht es um die Frage, ob bei der Zeitungsherstellung auf minderwertiges Mineralöl in den Druckfarben verzichtet werden kann, damit die gesundheitsgefährdenden Öl-Komponenten gar nicht erst in den Papierkreislauf gelangen. Damit würde das Risiko für die Konsumenten insgesamt verringert. Laut WWF-Papierexperte Johannes Zahnen wäre eine Umstellung auf alternative Druckfarben auf Basis zertifizierter Pflanzenöle oder auf Aromaten-freie Mineralöle technisch problemlos möglich. Aufgrund der derzeit eingesetzten minderwertigen Mineralöle ist allerdings davon auszugehen, dass die Druckkosten beim Einsatz sauberer Öle etwas ansteigen - was eine Umsetzung in Zeiten krisengeschüttelter Verlage erschwert. Gefragt könnte hierbei die Politik sein. Will sie die Migration von Mineralöl aus Verpackungen in Lebensmittel verhindern, sind weitere Schritte notwendig.

Noch ganz am Anfang eines weiten Weges stehen Politik und Hersteller beim Thema Glyphosat. Wir haben das Unkrautvernichtungsmittel in fast jeder zweiten Probe aus konventionellem Anbau in Spuren gefunden. Glyphosat wird dort zur Vorerntebehandlung (Sikkation) eingesetzt. Dies erleichtert die Ernte, kann jedoch zu deutlichen Rückständen in Lebens- und Futtermitteln führen. Glyphosat wurde in einer Studie des Bundes für Umwelt und Naturschutz BUND in menschlichem Urin nachgewiesen. Jetzt haben Wissenschaftler der Universität Leipzig das Herbizid auch in allen 200 untersuchten Kühen aus konventionellen Ställen in Dänemark gefunden. Die Tiere wiesen Anzeichen von Leber- und Nierenschäden auf. Hinsichtlich der Risikobewertung des Wirkstoffes Glyphosat kommt das BfR angesichts der Studienergebnisse allerdings zu keinen neuen Erkenntnissen.

Österreich verbannt Glyphosat - Deutschland sieht keinen Handlungsbedarf

Was uns verwundert: Bei Hafer ist die zulässige Höchstmenge für Glyphosat doppelt so hoch wie bei Weizen. Der BUND kritisiert: "Diese Grenzwerte haben nichts mit Verbraucherschutz zu tun, sondern dienen dem Schutz landwirtschaftlicher Produktionsverfahren." Heißt: Wenn viel gespritzt wird, werden die Grenzwerte passend gemacht. Österreich hat bereits ein Sikkationsverbot für Glyphosat verhängt. Doch in Deutschland sieht die Politik dafür keine Notwendigkeit. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) betont auf Nachfrage, dass in Österreich das Parlament per Gesetz entschieden habe. Das BVL selbst könne die Zulassung von Glyphosat nicht ablehnen oder widerrufen. Auch die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) weist die Verantwortung von sich. "Die DLG hat wiederholt betont, es sei an den Landwirten, sorgsam mit Glyphosat umzugehen. Man befürchtet offenbar, Glyphosat kommt so stark in Verruf, dass es verboten wird", so Heike Moldenhauer, Leiterin Gentechnikpolitik beim BUND. Doch gesetzliche Regelungen sind derzeit nicht in Sicht. Immerhin führt der Verband Deutscher Mühlen Gespräche mit Landwirten, Lieferanten, Getreidehändlern und Spritzmittelherstellern. Das Ziel ist es, den Einsatz von Glyphosat zu minimieren.

Unabhängig davon, wie sich die Politik bei der Minimierung von Mineralöl und Glyphosat engagiert: Wir haben 21 Mal zarte Haferflocken, darunter sieben Bio-Produkte, eingekauft und von unabhängigen Laboren testen lassen.

Das Testergebnis

Gute Noten trotz einiger Probleme. Insgesamt schneiden 14 von 21 Produkten mit "gut" oder "sehr gut" ab. Eigentlich kein enttäuschendes Ergebnis. Dennoch: Das Thema Mineralöl in Lebensmittelverpackungen trifft nahezu alle Hersteller - auch die von Bio-Produkten.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben 21 Packungen Haferflocken eingekauft: Sieben stammen aus kontrolliert biologischem Anbau, die restlichen Produkte sind konventionelle Marken sowie Eigenmarken der Discounter und Supermärkte. Bei der Auswahl entschieden wir uns für zarte Haferflocken, sogenannte Kleinblattflocken. Sie werden häufiger gekauft als kernige Großblattflocken, da sie vielfältig verwendbar sind, beispielsweise zum Backen.

Die Inhaltsstoffe
Aus Papier- und Kartonverpackungen kann gesundheitsgefährdendes Mineralöl in die Nahrung gelangen. Wir haben die Haferflocken darauf untersuchen lassen. Bereits im September 2012 hat ein ÖKO-TEST das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat in Mehl, Brötchen und Haferflocken nachgewiesen. Das Herbizid steht unter Verdacht, zahlreiche negative Auswirkungen auf die Gesundheit zu haben. Wir ließen die Haferflocken daher auf Glyphosat und weitere Pestizide untersuchen.

Die Bewertung
Um die Belastung von Lebensmitteln mit Mineralöl zu verhindern, hat der Gesetzgeber schärfere Richtlinien formuliert. Demnach soll ein Übergang von aromatischen Kohlenwasserstoffen (MOAH) aus der Verpackung ins Produkt generell vermieden werden. Der Übergang gesättigter Kohlenwasserstoffe (MOSH) ist zu minimieren. ÖKO-TEST differenziert daher bei der Bewertung zwischen diesen beiden Stoffgruppen. Je höher die MOSH-Werte, desto schlechter die Note. Wurde MOAH nachgewiesen, werten wir grundsätzlich ab. Zudem führt der Einsatz von Pestiziden zur Abwertung, wenn die Werte die gesetzlich zulässige Höchstmenge um mehr als zehn Prozent ausschöpfen.

So haben wir getestet

Mineralöl gelangt aus Verpackungen in Lebensmittel und kann sogar aus den Umkartons stammen.