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Haarkuren im Test: knapp die Hälfte mit problematischem Plastik, Duftstoffen & Co. belastet

ÖKO-TEST November 2018: Titelthema Mikroplastik | Autor: Kai Thomas | Kategorie: Kosmetik und Mode | 25.10.2018

Vier Mal "ungenügend" im Test für Haarkuren der Marken Dove, John Frieda, L'Oréal und Swiss-O-Par.
Vier Mal "ungenügend" im Test für Haarkuren der Marken Dove, John Frieda, L'Oréal und Swiss-O-Par.

Wir haben 26 Haarkuren untersuchen lassen. Erstmals rücken wir auch lösliche Kunststoffe in den Testfokus, die der Umwelt schaden können. Ergebnis: Knapp die Hälfte der Haarkur enthalten solche synthetischen Polymere. Immerhin für 13 Haarkuren ohne Plastik in der Rezeptur gibt‘s die Bestnote.

In Haarkuren verarbeiten Hersteller auch Silikone und weitere synthetische Polymere, damit behandeltes Haar geschmeidig wirkt. Die Plastikverbindungen gleichen Unebenheiten der aufgerauten Schuppenschicht des Haars aus. Ein Teil bleibt nach dem Spülen auf dem Kopf haften. Der Rest des Plastiks wandert allerdings ins Abwasser und kann so über den Klärschlamm in die Umwelt gelangen.

In zertifizierter Naturkosmetik sind synthetische Polymere nicht erlaubt. Zur Haarpflege setzen die Hersteller stattdessen etwa Betain ein, das aus Zuckerrüben gewonnen wird. Wichtige Stoffe in Naturkosmetik für Haare sind zudem die Aminosäure Arginin, pflanzliche Öle und Proteine.

Wir haben 26 Haarkuren mit Auslobungen wie „Repair“ und „für strapaziertes Haar“ eingekauft und auf Mikroplastik, synthetische Polymere sowie weitere Schadstoffe untersuchen lassen. Acht der Produkte im Test sind als Naturkosmetik zertifiziert.

Das Ergebnis: 13 Haarkuren ohne Mikroplastik können wir Ihnen mit ÖKO-TEST Gesamturteil „sehr gut“ empfehlen. Ihre Rezepturen sind auch frei von weiteren Kunststoffen. Viele Produkte imTest sind jedoch nur Mittelmaß. Notenabzug gab es vor allem für bedenkliche Konservierer, problematische Duftstoffe und eben Kunststoffverbindungen.

Mit „ungenügend“ bewerten wir vier Haarkuren: die „Dove Oil Care Nährpflege Kräftigende Haarkur“, die „John Frieda Frizz Ease Wunder-Kur“, die „L‘Oréal Elvital Anti-Haarbruch Tiefen-Aufbaukur“ sowie die „Swiss-O-Par Haarkur Kokosmilch Feuchtigkeit & Duft“. Unsere Testsieger und weitere Details zum Testergebnis erfahren Sie im ePaper.

Haarkuren im Test: Erstmals auch lösliches Plastik bewertet

Schon seit längerem kritisieren wir etwa in Peelings feste Mikroplastikpartikel. Mit diesem Test richten wir unseren Fokus nun erstmals auch auf lösliche Kunststoffverbindungen. Denn auch diese können von Lebewesen in der Natur aufgenommen werden ­– mit unklaren Folgen, am Ende auch für den Menschen. Gesetzliche Vorgaben sind hier rar. Zu Punktabzug führen bei uns deshalb jetzt alle synthetischen Polymere. Unabhängig davon, wie gut löslich sie jeweils sind.

Auch auf unserem Prüfzettel: allergieauslösende sowie künstliche Duftstoffe, die sich im Körper anreichern. Denn alle Haarkuren im Test sind parfümiert. Spezialisierte Labore haben die Produkte für uns zudem auf problematische Stoffe wie Diethylphthalat und PEG/PEG-Derivaten untersucht. Ebenfalls Gegenstand der Deklarations- und Laboranalysen: kritische Konservierungsmittel wie Formaldehyd/-abspalter und problematische Parabene.

Haarkuren im Test: Belastungen mit Silikonen, Konservierungsstoffen und Duftstoffen

Von den 26 Haarkuren in diesem Test enthalten elf synthetische Silikone, vier davon noch weitere synthetische Polymere wie Polyquaternium-Verbindungen, Acrylate oder ein Polyurethan. Für all diese Substanzen gibt es erstmals Punktabzug. Feste Mikroplastikpartikel würden wir noch stärker abwerten. Sie kommen in den getesteten Kosmetika aber nicht vor.

In einigen haben wir auch Stoffe gefunden, die nicht nur für die Umwelt, sondern auch direkt für den Haarkurverwender von Nachteil sein können. Ein No-Go für uns ist der Formaldehydabspalter in einem bekannten Markenprodukt. Formaldehyd ist ein krebsverdächtiger Stoff, der schon in geringen Mengen Schleimhäute reizt und Allergien auslösen kann. Über die Atemluft aufgenommen, gilt es als krebserregend.

Das Konservierungsmittel Chlormethylisothiazolinon (CIT) gilt als starkes Allergen. CIT ist in Kosmetika mittlerweile stark reglementiert. Wir haben es noch in drei der getesteten Produkte gefunden. Den Einsatz von CIT in einer Haarkur betrachten wir als unnötiges Risiko.

Drei Produkte bekommen für ihren künstlichen Moschusduft kräftig Punktabzug. Denn polyzyklische Moschusverbindungen reichern sich im menschlichen Fettgewebe an. Drei Kuren enthalten außerdem den Duftstoff Lilial, der vom Verbraucherschutzkomitee für Kosmetik der EU als nicht sicher bewertet worden ist. Lilial hat sich in Tierversuchen als fortpflanzungsschädigend erwiesen. Die Duftstoffe Hydroxycitronellal und besonders Cinnamal werten wir wegen ihres allergenen Potenzials ab.

Die PEG/PEG-Derivate in sechs Haarkuren können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen.

Haarkuren im Test: Das bietet der Haarkur-Test

Testumfang: ÖKO-TEST hat 26 verschiedene Haarkuren getestet.

Testergebnis: 13 Haarkuren ohne Plastik in der Rezeptur haben ein „sehr gut“ erhalten. Die schlechteste Note im Test ist „ungenügend“. Notenabzug gab es vor allem für bedenkliche Konservierer, Duftstoffe und Kunststoffverbindungen.

Gut zu wissen: Wir erklären, wann und wie oft Sie überhaupt eine Haarkur brauchen und wie Sie ihre Haare auch ohne Haarkur gesund halten können. Mehr dazu und zum Testergebnis im ePaper.


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10 Seiten
Seite 26 - 35 im ÖKO-TEST November 2018: Titelthema Mikroplastik
vom 05.11.2018

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