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Feste Gesichtsreiniger im Test: Umweltfreundlich und gut?

Magazin September 2022: Abgeschmiert | Autor: Christine Throl/Heike Beier/Hannah Pompalla | Kategorie: Kosmetik und Mode | 30.08.2022

Gute Nachrichten: Viele feste Gesichtsreiniger im Test sind empfehlenswert.
Foto: ÖKO-TEST

Weniger Müll im Bad – das geht jetzt auch mit Gesichtsreinigern im Stückformat. Doch sind sie auch frei von problematischen Inhaltsstoffen? Wir haben 15 Produkte geprüft.

  • Im Test: 15 feste Gesichtsreiniger. Bei 13 Produkten handelt es sich um Syndets, bei drei um Seifen.
  • Viele feste Gesichtsreiniger können wir empfehlen.
  • Kritik gibt es für giftige Schwermetalle, einen umstrittenen Duftstoff und einen technischen Hilfsstoff.

Das fehlte noch: Nach festen Duschen und Shampoos kommen nun auch immer mehr Waschstücke zur Gesichtsreinigung auf den Markt. Ökologisch sind diese Konzentrate gegenüber flüssigen Reinigungsmitteln im Vorteil. Denn mit ihnen lässt sich nicht nur (Plastik-)Verpackung einsparen, sondern auch jede Menge Transportgewicht.

Häufig sehen wir im neuen Marktsegment der festen Kosmetik viele "sehr gute" Produkte: Die Industrie weiß, dass die Zielgruppe mit hohem ökologischem Bewusstsein gleichzeitig auf bedenkliche Inhaltsstoffe achtet und lässt diese meist außen vor.

Wie gut sind die festen Gesichtsreiniger im Test?

Aber wie sieht es bei festen Gesichtsreinigern aus? Wir haben 15 Produkte ins Labor geschickt und auf Schadstoffe prüfen lassen.

Das Testergebnis ist erfreulich: Viele feste Gesichtsreiniger können wir empfehlen. Allerdings: Blind verlassen kann man sich auf die Unbedenklichkeit der neuen Produktgruppe nicht. Denn vereinzelt haben wir bedenkliche Stoffe entdeckt.

Personen, die einen festen Gesichtsreiniger verwenden möchten, finden in den Regalen eine große Auswahl an empfehlenswerten Produkten.
Personen, die einen festen Gesichtsreiniger verwenden möchten, finden in den Regalen eine große Auswahl an empfehlenswerten Produkten. (Foto: Pixel-Shot)

Arsen, Blei und Nickel entdeckt

So sind wir auf die Schwermetalle Arsen, Blei und Nickel gestoßen, die aus mineralischen Bestandteilen wie Tonerde, zum Beispiel Kaolin, ins Produkt kommen können. Arsen ist in seiner anorganischen Form hochgiftig und krebserregend. Blei reichert sich im Körper an und wirkt auf Dauer als Nervengift. Nickel zählt wiederum zu den häufigsten Auslösern einer Kontaktallergie.

Die gemessenen Gehalte an Arsen und Blei überschreiten die Werte, die das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Kosmetika als technisch vermeidbar ansieht, gleich um ein Mehrfaches. Und auch die Rückstände des Kontaktallergens Nickel sind in unseren Augen zu hoch.

Zwar wird der Schaum des Waschstücks schnell wieder abgespült. Doch wir meinen: Problematische Schwermetalle haben in Kosmetika nichts verloren. Andere Produkte schaffen es schließlich auch ohne. 

Weitere problematische Inhaltsstoffe

Schwermetalle sind nicht der einzige Kritikpunkt im Test. Das von uns beauftragte Labor hat noch diese bedenklichen Substanzen nachgewiesen: 

  • Galaxolid: Der künstlichen Moschusduft kann sich in der Umwelt und im menschlichen Fettgewebe anreichern. Wegen des Verdachts, dass er das Hormonsystem beeinflussen könnte, unterliegt der Moschusduft derzeit einer Neubewertung im Rahmen des EU-Aktionsplans CoRAP. Mehrere hundert Stoffe werden in diesem Prozess hinsichtlich ihrer Risiken für Mensch und Umwelt neu eingeschätzt.
  • Diethylphthalat: Diese Substanz, die von Kosmetikherstellern unter anderem als Vergällungsmittel in Alkohol oder als Trägerstoff von Parfümölen eingesetzt wird, kann den Schutzmechanismus der Haut beeinflussen. 

Worin unterscheiden sich Seifen und Syndets?

Waschstücke fürs Gesicht reinigen nach den Angaben der Hersteller milder und enthalten mehr Pflegestoffe als ein gewöhnliches Duschstück. Wir haben in unserem Test drei Seifen und zwölf Syndets getestet.

Während Seifen einen basischen pH-Wert aufweisen, reinigen Syndets die Haut mit waschaktiven Tensiden, die sich auf den pH-Wert der Haut von etwa 5,5 einstellen lassen. Steht der Hinweis "pH-hautneutral" auf der Verpackung, deutet das auf ein Syndet hin. Wir haben solche Auslobungen im Labor überprüfen lassen und können bestätigen: Alle Angaben zum pH-Wert passen.

Vor allem Menschen mit vorgeschädigter oder sehr empfindlicher Haut sind gut mit einem pH-hautneutralen Syndet bedient. Gesunde Haut hingegen kann ihren pH-Wert innerhalb von etwa einer Stunde selbst wieder regulieren.

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Variierender Tensidgehalt in festen Gesichtsreinigern

Stellt sich noch die Frage, was unterscheidet ein Waschstück fürs Gesicht von einem für den Körper? Einige Hersteller sagen, sie setzen weniger und manchmal auch mildere Tenside ein. Der Gehalt dieser waschaktiven Substanzen unterscheidet sich von Produkt zu Produkt allerdings erheblich. So machen Tenside in einem festen Gesichtsreiniger 74,5 Prozent aus, in einem anderen nur 29,25 Prozent.

Manche Hersteller drücken ihren Tensidgehalt mit Bestandteilen wie Weizenstärke, die dann einen Teil der Reinigungsleistung übernehmen soll.

Tipps zum Kauf von festen Gesichtsreinigern

Für den Kauf und die Anwendung von festen Gesichtsreinigern geben wir Ihnen noch folgende Tipps:

  • Die Gesichts-Waschstücke am Markt sind durch entsprechende Zusätze stärker auf unterschiedliche Hauttypen abgestimmt: Aloe vera oder rückfettende Öle beispielsweise sind für trockene Haut gedacht, Teebaumöl oder Salicylsäure für unreine Haut. Manche Hersteller setzen mineralische Bestandteile wie Calciumcarbonat oder Talkum ein, die kleine Hautschüppchen abtragen sollen. Auch ein geringerer Parfüm-Gehalt ist für einige Teil ihres Konzeptes.
  • Für eine sanfte Reinigung das Waschstück zunächst in der Hand aufschäumen und dann aufs Gesicht bringen. Gründlich mit Wasser nachspülen.
  • Ob für Haar oder Haut: Feste Reinigungsstücke immer trocken lagern. Entweder in einer Schale mit Löchern oder in einem Säckchen aufhängen.
  • Gut zu wissen: Feste Gesichtsreiniger sind ergiebig. Denn ein 60-Gramm-Stück reicht in etwa für so viele Gesichtswäschen wie zwei Flaschen flüssige Reinigungsmittel à 200 Milliliter.

Weiterlesen auf oekotest.de:

Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 15 feste Gesichtsreiniger in Drogerien, Bio-Supermärkten sowie Marken- und Online-Shops eingekauft, darunter drei Seifen. Dabei landeten überwiegend Produkte "für alle Hauttypen" oder "für normale" Haut im Einkaufskorb. Eine Seife ist parfümfrei. Zehn Reinigungsstücke tragen ein Naturkosmetiksiegel. Die Preise liegen pro 60 Gramm zwischen rund 2,72 und 23,76 Euro.

Wir ließen die Produkte anhand der deklarierten Inhaltsstoffe auf umstrittene Verbindungen wie PEG/PEG-Derivate, Paraffine und Silikone prüfen. Spezialisierte Labore fahndeten in unserem Auftrag nach allergenen Duftstoffen und umstrittenen halogenorganischen Verbindungen. Waren in den Waschstücken und Seifen natürliche Tonerden wie Kaolin oder Illit deklariert, gingen sie in die Analyse auf giftige Schwermetalle. Die Verpackungen sind überwiegend aus Karton und Papier, ein Produkt steckt in einer Kunststoffverpackung. Hier wollten wir vom Anbietern wissen, ob und wie viel recyceltes Plastik im Tiegel steckt und forderten dafür Belege.

Bewertungslegende

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: ein gemessener Gehalt an Blei, der den vom BVL festgelegten Orientierungswert (2 mg/kg) für die technische Vermeidbarkeit von Blei in kosmetischen Mitteln überschreitet in Kombination mit einem gemessenen Gehalt an Arsen, der den Orientierungswert für Arsen (0,5 mg/kg) überschreitet.

Zur Abwertung um zwei Noten führt: ein gemessener Gehalt von mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschusverbindungen (hier: Galaxolid/HHBC; in der Tabelle "künstlicher Moschusduft"). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein gemessener Gehalt von mehr als 10 bis 1.000 mg/kg Diethylphthalat; b) ein gemessener Gehalt von mehr als 5 mg/kg Nickel.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: ein Anteil von Rezyklaten (Post-Consumer- Rezyklat, PCR) von weniger als 30 Prozent in Relation zum Gesamtgewicht der Kunststoffverpackung, keine Angabe hierzu und/oder kein ausreichender Nachweis auf unsere Anfrage hierzu.

Das Gesamturteil beruht auf der Beurteilung des Inhalts bzw. auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.

Testmethoden

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte):
Deklarationspflichtige Duftstoffe/Diethylphthalat/Polyzyklische Moschus- und Nitromoschus-Verbindungen/Cashmeran: Extraktion mit TBME, GC-MS.
Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts.
Elemente: Totalaufschluss in der Mikrowelle, Bestimmung mittels ICP-MS; ggf. fotometrische Bestimmung des Chrom-VI-Gehaltes nach EN ISO 18412:2006 und nach Herstellung eines Eluates nach DIN EN 12457-4:2003-01.
pH-Wert: pH-Messung mit Elektrode, Potentiometrie in 10%iger Lösung.
Weitere Inhaltsstoffe: per Deklaration.
PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: März – Mai 2022.

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