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Conditioner-Test: Kritische Duftstoffe in bekannten Marken

Jahrbuch Kosmetik 2021 | Autor: Annette Dohrmann/Hanh Nguyen | Kategorie: Kosmetik und Mode | 10.12.2020

Conditioner im Test: 29 Haarspülungen haben wir auf ihre Inhaltsstoffe überprüft.
Foto: ÖKO-TEST

Um ihre Haare zu pflegen und besser kämmbar zu machen, nutzen 37 Prozent der Frauen mehrmals pro Woche eine Haarspülung. Das zeigt eine Umfrage von Statista. Wir haben 29 Conditioner getestet. Das Ergebnis: In etlichen Spülungen stecken bedenkliche Inhaltstoffe.

  • Die Note "sehr gut" erhalten 13 Conditioner im Test.
  • Auffällig: Unter den fünf Haarspülungen, die durchfallen, sind vor allem namhafte Hersteller. 
  • Wir kritisieren den Einsatz von bedenklichen Duftstoffen, halogenorganischen Verbindungen und Polyethylenglykolen und ihren Abkömmlingen (PEG).

Aktualisiert am 10.12.2020 | Kämmen, waschen, föhnen, glätten: All das greift die Schuppenschicht an, die jedes Haar umgibt. Kein Wunder, dass unser Schopf irgendwann brüchig, stumpf und trocken wird und sich schwer kämmen lässt. Allen Werbeversprechen der Kosmetikindustrie zum Trotz: reparieren oder revitalisieren lässt sich da leider nichts. Denn Haare sind und bleiben tote Hornzellen.

Dennoch tut ihnen Unterstützung durch Conditioner ab und an gut. Wir haben 29 Haarspülungen getestet, darunter acht zertifizierte Naturkosmetikprodukte. Eigenmarken von Drogerien, Supermärkten und Discountern sind im Conditioner-Test ebenso vertreten wie Marken namhafter Kosmetikhersteller.

Conditioner im Test: Bestnote für 13 Spülungen  

Das Ergebnis: Knapp die Hälfte der Conditioner im Test bewerten wir mit Bestnote. Unter den Testsiegern sind Naturkosmetikprodukte und Haarspülungen konventioneller Anbieter. Fünf Spülungen fallen insgesamt mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch. Wir kritisieren vor allem bedenkliche Duftstoffe, halogenorganische Verbindungen und Polyethylenglykole und ihre Abkömmlinge (PEG).

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Einige Conditioner enthalten bedenkliche Duftstoffe 

Duftstoffe mögen angenehm riechen, doch einige haben es unangenehm in sich: Einer davon ist Lilial, der sich im Tierversuch als fortpflanzungsschädigend erwiesen hat. Er steckt in vier Conditionern im Test. Sie erkennen Lilial in der Liste der Inhaltsstoffe unter der Bezeichnung "Butylphenyl Methylpropional".

Auch das Verbraucherschutzkomitee für Kosmetik der Europäischen Union bewertet Lilial als nicht sicher. Daher ist es besonders ärgerlich, dass Hersteller ihn immer noch in Kosmetikprodukten einsetzen, zumal es ganz einfach ohne diesen Zusatz geht.

Neben Lilial kritisieren wir auch künstliche Moschusdüfte, die in fünf Spülungen enthalten sind. Sie reichern sich im menschlichen Fettgewebe an und schädigen möglicherweise die Leber. Eine Pflegespülung im Test duftet darüber hinaus mit Hydroxycitronellal, das Allergien auslösen kann.

Knapp die Hälfte der Conditioner im Test schneidet "sehr gut" ab.
Knapp die Hälfte der Conditioner im Test schneidet "sehr gut" ab. (Foto: plprod/Shutterstock)

Kritische Konservierer in Haarspülungen im Test 

Das Potenzial, Allergien auszulösen, haben auch die halogenorganischen Verbindungen, die einige der Haarspülungen im Test vor Keimen schützen sollen. Kritik gibt es zum Beispiel für Chlormethylisothiazolinon (CIT) – eine halogenorganische Verbindung, die als Konservierungsmittel eingesetzt wird, aber als starkes Allergen bekannt ist.

In Kosmetika ist CIT streng reglementiert. Bei Pflege, die auf der Haut bleibt, darf es gar nicht mehr eingesetzt werden; in auswaschbarer Kosmetik nur noch in sehr geringen Mengen. Auch wenn diese Konzentration nicht überschritten wurde, sehen wir den Einsatz von CIT als unnötiges Risiko an. Drei Hersteller im Test nutzen es als Konservierer. 

Weitere drei Conditioner werden mit Chlorhexidindigluconat haltbar gemacht – auch das ein allergisierendes Konservierungsmittel. Dass Keime sich auch anders in Schach halten lassen, zeigen viele andere Spülungen im Test. Naturkosmetik etwa konserviert Produkte mit Alkoholen, organischen Säuren oder ätherischen Ölen.

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Silikone in Conditionern als Umweltbelastung

Setzen Hersteller Silikone oder andere synthetische Polymere in Spülungen ein, um die Haare zum Glänzen zu bringen, sehen wir auch das als kritisch an. Daran stört uns vor allem, dass etliche Kunststoffverbindungen biologisch schwer abbaubar sind. Über Wasserleitungen und Kläranlagen finden sie ihren Weg in die Umwelt, die dadurch belastet wird. Langlebige Substanzen wurden schon im Schnee der Arktis nachgewiesen.

Insgesamt 15 Haarspülungen im Test beinhalten Silikone oder andere synthetische Polymere. Die Naturkosmetikhersteller zeigen, dass es auch anders geht. Sie bringen mit natürlichen Ölen Glanz ins Haar und setzen Milch-, Seiden- oder Weizenproteine als Glattmacher ein. Diese stehen als Hydrolized Milk, Hydrolized Silk oder Hydrolized Wheat in der Liste der Inhaltsstoffe.

(Foto: ÖKO-TEST)

Silikone können Haare nicht reparieren

Silikone glätten das Haar, sorgen dafür, dass es gut kämmbar ist – und lassen es seidig glänzen, ohne fettig zu wirken. Sie bilden eine filmähnliche Schicht um das Haar und gleichen so brüchige Stellen aus.

Doch Silikone sind Blender: Denn die synthetisch hergestellten Substanzen, meist Dimethicon, Amodimethicon oder Dimethiconol, wirken vor allem optisch – also alles nur schöner Schein. Brüchige Haare oder gespaltene Haarspitzen können sie nicht wieder reparieren. Auch wenn die Werbeversprechen manchmal danach klingen.

Da sich Silikone teilweise schwer auswaschen lassen, beschweren sie auf Dauer das Haar oder können das Farbergebnis beim Tönen oder Färben vermiesen. Außerdem lagern sich Silikone auf der Kopfhaut ab und können so die Schuppenbildung verstärken.

Wie Sie Conditioner richtig anwenden

ÖKO-Test gibt Tipps: 

  1. Conditioner nach jeder Haarwäsche? Besser nicht. Sonst sammeln sich Pflegesubstanzen an und bilden einen dichten Film, der das Haar beschwert und schlaff herunterhängen lässt.
  2. Besser ab und zu mit einer sauren Rinse spülen: (Apfel-)Essig- oder Zitronenwasser neutralisieren basische Seifenreste des Shampoos und machen die Haare geschmeidiger.

    Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

    Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Jahrbuch für 2021 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch Kosmetik für 2021, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

    Weiterlesen auf oekotest.de:


    Testverfahren

    Wir haben 29 Haarspülungen eingekauft, darunter acht zertifizierte Naturkosmetikprodukte sowie 21 konventionelle Conditioner. Eigenmarken von Drogerien, Supermärkten und Discountern sind ebenso vertreten wie Marken namhafter Kosmetikhersteller. Die Preise der Haarspülungen liegen zwischen 37 Cent und 11,93 Euro pro 200 Milliliter.

    Die Liste der Inhaltsstoffe haben wir daraufhin überprüft, ob sie umstrittene oder bedenkliche Bestandteile wie PEG/PEG-Derivate oder umweltproblematische Kunststoffverbindungen enthält. Darüber hinaus haben verschiedene von uns beauftragte Labore die Haarspülungen auf Duftstoffe, kritische Konservierungsmittel wie halogenorganische Verbindungen, Formaldehyd/- abspalter und Parabene untersucht.

    Die Schadstoffe bewerten wir unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe, das maßgeblich für das Gesamturteil ist. Es kann sich verschlechtern, wenn Hersteller synthetische Polymere einsetzen, zu denen auch Silikone zählen. Diese haben wir unter dem Testergebnis Weitere Mängel berücksichtigt und abgewertet.

    Bewertungslegende 

    Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) der Duftstoff Butylphenylmethylpropional (in Tabelle: Lilial); b) mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschusverbindungen und/oder Cashmeran (in der Tabelle: künstlicher Moschusduft); c) Chlormethylisothiazolinon (CIT) oder andere halogenorganische Verbindungen. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) PEG/PEG-Derivate; b) deklarationspflichtige Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Hydroxycitronellal).

    Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um zwei Noten: Silikone und/oder weitere synthetische Polymere.

    Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ausfällt, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.  

    Testmethoden 

    Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte): Deklarationspflichtige Duftstoffe/Diethylphthalat/Moschusverbindungen: Extraktion mit TBME, GC-MS. Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Photometrie. Paraffine/Silikone: LC-RI nach Extraktion und ggf. GC-MS. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.

    Einkauf der Testprodukte: November 2019 

    Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Jahrbuch für 2021 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch Kosmetik für 2021, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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