Conditioner-Test: Einige Stoffe sollten besser nicht auf dem Haar landen

Magazin September 2022: Abgeschmiert | Autor: Hanh Friedrich/Marieke Mariani/Hannah Pompalla | Kategorie: Kosmetik und Mode | 29.08.2022

Erfreulich: 27 Conditioner im Test können wir mit "sehr gut" empfehlen.
Foto: ÖKO-TEST

Es gibt eine große Auswahl an empfehlenswerten Haarspülungen – das zeigt unser Test von 39 Produkten. Wir sind allerdings auch auf Substanzen gestoßen, die Sie besser nicht an Ihr Haar lassen sollten.  

  • Im Test: 39 Haarspülungen, davon 13 zertifizierte Naturkosmetikprodukte.
  • Mit "sehr gut" sind 27 Conditioner im Test rundum empfehlenswert.
  • Kritik gibt es unter anderem für bedenkliche Konservierungsstoffe, einen problematischen Duftstoff, eine hormonverdächtige Substanz sowie Silikone.

Haarspülungen sollen als zusätzliche Pflege nach dem Waschen das Haar geschmeidiger, besser kämmbar und glänzender machen. Da ist ärgerlich, wenn sie ihren Zweck erfüllen, aber bedenkliche Inhaltsstoffe enthalten. 

Conditioner im Test: Viele sind "sehr gut" 

Um zu überprüfen, wie es um Schadstoffe in Haarspülungen steht, haben wir 39 Produkte im Labor untersuchen lassen. Das Testergebnis kann sich sehen lassen: 27 Haarspülungen können wir mit Bestnote empfehlen.

Ganz ohne Kritik können wir die Produktgruppe aber nicht entlassen. Denn wir sind auch auf Substanzen gestoßen, die aus unserer Sicht nichts in einem Conditioner zu suchen haben. Das hat Minuspunkte zur Folge, sodass einige Haarspülungen nur mittelmäßig abschneiden und zwei mit "ungenügend" durchfallen. 

Die Aufgabe von Conditionern ist es, die Haare zu pflegen und besser kämmbar zu machen. Bedenkliche Substanzen haben nichts in ihnen zu suchen.
Die Aufgabe von Conditionern ist es, die Haare zu pflegen und besser kämmbar zu machen. Bedenkliche Substanzen haben nichts in ihnen zu suchen. (Foto: Prostock-studio/Shutterstock)

Bedenkliche Stoffe in getesteten Haarspülungen

Auf folgende bedenkliche Substanzen sind wir vereinzelt gestoßen:

  • Künstlicher Moschusduft: Es liegen Hinweise vor, dass dieser Duftstoff Leberschäden verursachen und sich im Fettgewebe anlagern kann.
  • Butylhydroxytoluol (BHT): Diese Substanz steht im Verdacht, wie ein Umwelthormon zu wirken und die Funktion der Schilddrüse zu beeinträchtigen.
  • Chlormethylisothiazolinon (CIT): Der Konservierungsstoff gehört zur Gruppe der halogenorganischen Verbindungen. Er kann Haut und Augen reizen und löst besonders häufig allergische Reaktionen aus.
  • Iodopropynylbutylcarbamat: Studien weisen darauf hin, dass dieser halogenorganische Konservierungsstoff Kontaktallergien auslösen kann. 
  • Formaldehyd/-abspalter: Formaldehyd kann bereits in geringen Mengen die Schleimhäute reizen und Allergien auslösen. Über die Atemluft aufgenommen gilt es als krebserregend.
  • PEG-Verbindungen: Diese Substanzen können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen.

Umweltbelastende Silikone in Conditionern im Test

Für den schönen Schein verließen sich viele Hersteller lange Zeit wenig innovativ vor allem auf den Effekt billiger Silikone. Tatsächlich legen sich Silikone aber lediglich wie ein Film um das Haar und machen es so nur optisch glatt und geschmeidig. Wirkliche Pflege ist das nicht.

Noch dazu belasten sie die Umwelt und sind deshalb vor allem in Kosmetik ein Problem, die direkt nach der Anwendung wieder den Abfluss heruntergespült wird.

Zu recht führte vor einigen Jahren eine öffentliche Debatte um Silikone in Haarpflegeprodukten schließlich dazu, dass immer mehr Hersteller ihre Rezepturen auf hochwertigere natürliche Öle umstellten, sodass der überwiegende Teil der Spülungen im Test keine Silikone mehr enthält.

Ausgerechnet in einigen bekannten Markenprodukten werden sie aber noch immer eingesetzt. Wir werten sie als Umweltproblem ab.

Nicht alle Naturkosmetik-Produkte sind zertifiziert

Wer lieber nur natürliche Inhaltsstoffe möchte, greift gerne vertrauensvoll zur Naturkosmetik und verlässt sich auf Zertifizierungen. Uns fiel jedoch auf, dass beliebte und bekannte Naturkosmetikmarken gar nicht alle Produkte zertifizieren lassen.

In diesem Test betrifft das die Haarspülungen von Alterra (Rossmann) und Sante. Rossmann teilte mit, man habe "im Sinne des Verbraucherlebnisses bei der Anwendung und der Produktperformance auf eine Zertifizierung verzichtet".

Der Grund sind bestimmte Inhaltsstoffe, die von den Zertifizierern nicht anerkannt werden. Einer ist Hydroxyethylcellulose – unter anderem ein Verdickungsmittel, das synthetisch oder auf Pflanzenbasis hergestellt werden kann. Die fraglichen Zutaten seien aber natürlichen Ursprungs, versicherte uns Rossmann.

Haarspülungen im Test: Jetzt Ergebnisse als ePaper kaufen

Wer auf Zertifikate vertraut, muss genau hinschauen

Der andere Inhaltsstoff ist Stearamidopropyl Dimethylamine, ein Emulgator auf Palmölbasis. Für diesen sowie für Panthenol verzichtet auch der inzwischen von L’Oreal aufgekaufte Anbieter Logocos beim Sante-Produkt aufs Label. Aktuell trügen drei von elf Haarspülungen keine Zertifizierung, heißt es dort. "Damit bieten wir dem Verbraucher eine Varianz von Produkten nach seinen Wünschen an."

Ob nicht zertifizierte Produkte bei einer Naturkosmetikmarke dem Verbraucherwunsch entsprechen, lassen wir mal dahingestellt. Verboten ist das Vorgehen nicht. Gesundheitlich sind die Substanzen aus unserer Sicht unbedenklich. Wer dennoch lieber auf Zertifikate vertraut, muss genau hinschauen. Oder sich auf uns verlassen. Wir prüfen alle Produkte auf Herz und Nieren – ob mit oder ohne Label.

So wenden Sie Conditioner richtig an

Darauf sollten Sie bei der Anwendung von Haarspülungen achten:

  • Zu heißes Wasser macht die Haare stumpf. Pflegeprodukte deshalb besser nur mit lauwarmem Wasser ausspülen.  
  • Eine Spülung soll das Haar besser kämmbar machen. Dafür muss sie aber nicht auf den ganzen Kopf. Es reicht, sie in die Längen und Spitzen zu massieren.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:

Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 39 Haarspülungen – davon 13 zertifizierte Naturkosmetikprodukte – eingekauft, von denen die Mehrzahl eine feuchtigkeitsspendende Wirkung bewirbt. Doch auch Produkte mit Auslobungen wie "Aufbau", "repair" und "pflegend" landeten in unserem Einkaufswagen. Gekauft haben wir sie in Drogerien, (Bio-)Supermärkten und bei Discountern. Wir haben die Inhaltsstoffliste aller Haarspülungen auf umstrittene Stoffe geprüft: PEG/PEG-Derivate, die die Haut für Fremdstoffe durchlässiger machen können, und BHT, das im Verdacht steht, hormonell zu wirken. Auch Paraffine, Silikone und andere synthetische Polymere haben wir erfasst. Spezialisierte Labore untersuchten alle Produkte auf bedenkliche Formaldehyd/-abspalter, umstrittene halogenorganische Verbindungen und Duftstoffe, die allergisierend wirken können. Darüber hinaus wollten wir wissen, wie umweltfreundlich die Verpackungen sind: Von den Herstellern forderten wir Nachweise zum Anteil an recyceltem Kunststoff in den Flaschen oder Tuben.

Bewertungslegende

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: Formaldehyd/-abspalter. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) halogenorganische Verbindungen, darunter CIT, Iodopropynylbutylcarbamat; b) ein gemessener Gehalt von mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschusverbindungen (hier: Galaxolid/HCCB; in der Tabelle: "künstlicher Moschusduft"). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) PEG/PEG-Derivate; b) BHT; c) deklarationspflichtige Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Hydroxycitronellal).

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: Silikone (Bis-Cetearyl Amodimethicone, Bis-Aminopropyl Dimethicone, Dimethicone, Dimethicone, Amodimethicone, Dimethiconol, Bis-Hydroxy/methoxy Amodimethicone) und/oder synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier: Polyester-11, Polyquaternium-37, Polyquaternium-47). Zur Abwertung um eine Note führt: ein Anteil von Rezyklaten (Post-Consumer-Rezyklat, PCR) von weniger als 30 Prozent in Relation zum Gesamtgewicht der Kunststoffverpackung, keine Angabe hierzu und/oder kein ausreichender Nachweis auf unsere Anfrage hierzu.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.

Testmethoden

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte):
Deklarationspflichtige Duftstoffe/Diethylphthalat/Polyzyklische Moschus- und Nitromoschus-Verbindungen/Cashmeran: Extraktion mit TBME, GC-MS.
Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Fotometrie.
Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts.
PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.
Isothiazolinone: Extraktion mit Essigsäure-Methanol-Gemisch, LC-MS.
Weitere Inhaltsstoffe: per Deklaration.

Einkauf der Testprodukte: April – Juni 2022.

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