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Bartöl und Bartbalsam im Test: Bedenkliche Duftstoffe entdeckt

Magazin Juli: Grillwurst: Ist bio besser? | Autor: Dimitrij Rudenko/Meike Rix/Hannah Pompalla | Kategorie: Kosmetik und Mode | 23.06.2022

Problemstoffe in einigen Bartpflegeprodukte im Test.
Foto: ÖKO-TEST

Wie Körper und Haar will auch der Bart des Mannes gepflegt werden. Doch einige Bartpflegemittel in unserem Test enthalten unerfreuliche Duftstoffe. Es gibt aber auch viele Alternativen mit besseren Inhaltsstoffen. Insgesamt zehn Bartöle und Bartbalsame sind mit Bestnote empfehlenswert. 

  • Im Test: 19 Bartöle und Bartbalsame, darunter sind fünf Naturkosmetik-Marken.
  • Zehn Produkte schneiden mit "sehr gut" ab, aber nicht alle Bartpflegeprodukte im Test sind frei von Problemstoffen.
  • Kritik gibt es vor allem für bedenkliche Duftstoffe. Ein Stoff darunter gilt als krebsverdächtig, ein anderer steht im Verdacht, das Hormonsystem zu stören.

Ob Fünftagebart oder die ausgewachsene Vollbartvariante – Barttragen ist in. Entsprechend gibt es eine große Auswahl an Mitteln zur Bartpflege. Bartöle machen den Bart weicher und verleihen einen leichten Glanz. Die eher festeren, wachshaltigen Bartbalsame bieten darüber hinaus leichten Halt, wenn man den Bart stylen möchte.

Auch die Haut unter dem Haar kann von der Pflege profitieren und beim Bartwachstum weniger schuppen oder jucken. Dafür sollten allerdings die Inhaltsstoffe in Ordnung sein. Aber sind sie das auch?

dm, Brisk & Co.: Bartöl und Bartbalsam im Test

Wir haben 19 Bartbalsame und Bartöle einkauft und im Labor überprüfen lassen. Das Ergebnis unserer Analysen kann sich sehen lassen: Zehn Produkte sind mit "sehr gut" rundum empfehlenswert.

Vereinzelt sind wir jedoch auch auf problematische Inhaltsstoffe gestoßen. Auffällig: Bei einem Bartbalsam war die Liste an kritischen Substanzen so lang, dass es mit der Note "ungenügend" durch den Test fällt.

Bartöle und Bartbalsame sollen den Bart pflegen und schöner aussehen lassen. Bedenkliche Stoffe sind dabei Fehl am Platz.
Bartöle und Bartbalsame sollen den Bart pflegen und schöner aussehen lassen. Bedenkliche Stoffe sind dabei Fehl am Platz. (Foto: Agave Studio/Shutterstock)

Zutatenangaben wecken oft falsche Erwartungen

Schon gewusst: Oft tragen Kosmetikprodukte besonders hochwertige, natürliche Zutaten mit im Namen oder haben diese woanders prominent auf der Verpackung stehen – doch das bedeutet nicht, dass es sich dabei um eine Hauptzutat handeln muss. Eine gesetzliche Verpflichtung, die angepriesene Zutat in größeren Mengen einzusetzen, gibt es nicht.

 "Mit Kakaobutter" steht zum Beispiel auf dem King C Gilette Soft Beard Balm. Tatsächlich ist die Kakaobutter aber der drittletzte von insgesamt 20 aufgeführten Inhaltsstoffen. Bedeutet: Es ist nur wenig davon in dem Balm enthalten. Denn die Reihenfolge der Zutaten bezieht sich auf die im Produkt verwendete Menge.

Im LOréal Men Expert Barberclub Bartbalsam steht die auf der Verpackung ausgelobte Zutat Zedernholzöl sogar an letzter Stelle.

Bartöl und Bartbalsam im Test: Jetzt Ergebnisse als ePaper kaufen

Bedenkliche Duftstoffe in Bartölen und Bartbalsamen

Kommen wir jetzt auf Zutaten zu sprechen, die gar nicht erst in ein Bartpflegeprodukt gehören: problematische Duftstoffe. Neben Glanz und Style bringen Balsam und Öl Duft in den Bart. Alle Produkte im Test enthalten Parfüm. Doch Parfüm ist nicht gleich Parfüm. Konkret verteilen wir Minuspunkte für folgende Stoffe:

  • Galaxolid: Der künstliche Moschusduft reichert sich im menschlichen Fettgewebe an. Er steht zudem im Verdacht, das Hormonsystem zu stören. Die Datenlage zur Sicherheit von Galaxolid für Mensch und Umwelt wird derzeit in der EU neu bewertet. 
  • Moschus-Keton: Auch diese Nitromoschusverbindung reichert sich im Fettgewebe an. Darüber hinaus ist Moschus-Keton im EU-Chemikalienrecht als krebsverdächtig eingestuft. Sein Einsatz in Kosmetik ist begrenzt, aber nicht verboten.
  • Isoeugenol und Eichenmoos: Beide Duftstoffe sind sehr starke Kontaktallergene.
  • Hydroxycitronellal: Dieser Stoff ist zwar weniger stark, aber trotzdem allergen. 

Keinen Notenabzug nehmen wir hingegen für die deklarationspflichtigen Duftstoffe Citral, Citronellol und Geraniol vor. Diese lösen laut den Experten vom Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IDVK) nur vergleichsweise selten Allergien aus. Wir führen sie aber zur Info für diejenigen auf, bei denen schon eine konkrete Allergie bekannt ist.

Kritik an Inhaltsstoffen von Bartbalsamen im Test

Bedenkliche Duftstoffe sind aber nicht das einzige Problem der Bartöle und Bartbalsame im Test. So sind wir in einem Bartbalsam auch auf Diethylphthalat (DEP) gestoßen – und zwar in einer Menge, die wir als "stark erhöht" bewerten. Das chemische Vergällungsmittel wird über die Haut aufgenommen und beeinflusst ihre Schutzmechanismen.

Dieses Produkt enthält außerdem als einziges im Test Paraffine. Das sind synthetische Fette, die aus Erdöl hergestellt wurden. Wir sehen Paraffine in Kosmetika unter anderem deshalb kritisch, weil sie häufig mit aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen (MOAH) verunreinigt sind. Genau das ist in diesem Bartpflegemittel der Fall. Das Problem: Zu den MOAH können auch krebserregende Verbindungen gehören. 

Ein anderes Bartbalsam listet als dritte deklarierte Zutat nach Wasser und einem Fettalkohol eine Silikonverbindung auf. Pflegender sind aus unserer Sicht natürliche Fette und Öle. Sie integrieren sich nämlich besser in das Gleichgewicht der Haut. Hinzu kommt, dass Silikone eine Umweltbelastung darstellen, weil sie sich teils nur sehr langsam wieder abbauen.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

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Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben zwölf Bartbalsame und sieben Bartöle in Drogerien, Supermärkten und Online-Shops eingekauft und in die Labore geschickt. Die Preisspanne reicht von 2,63 Euro bis hin zu 31,50 Euro pro 50 Milliliter oder Gramm. Anhand der für die Hersteller verpflichtenden Angaben in der INCI-Inhaltsstoffliste prüften wir, ob umstrittene PEG/PEG-Derivate, Silikone oder weitere Kunststoffverbindungen in den Rezepturen stecken. Spezialisierte Labore analysierten die Produkte für uns außerdem auf kritische Konservierungsmittel und allergisierende Duftstoffe. In Balsam mit Paraffinen ermittelte ein Labor deren Anteil und prüfte, ob das Produkt mit aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen (MOAH) belastet ist. Zu Produkten in Plastikverpackungen wollten wir von den Anbietern wissen, ob diese nennenswerte Anteile an Recyclingmaterial enthalten, und baten um Belege für die von uns getestete Charge. Als weiteren Mangel bewerteten wir überflüssige Umverpackungen, die ebenfalls die Umwelt belasten.

Bewertungslegende

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: Moschus-Keton. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein gmessener Gehalt von mehr als 10 mg/ kg polyzyklische Moschusverbindungen (hier: Galaxolid/HHCB; in der Tabelle: "künstlicher Moschusduft"), wenn nicht bereits wegen Moschus-Keton um vier Noten abgewertet wurde; b) Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Isoeugenol, Eichenmoos [INCI: Evernia Prunastri Extract]); c) ein gmessener Gehalt von mehr als 1.000 mg/kg DEP (in Tabelle "stark erhöht"); d) MOAH. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Hydroxycitronellal), falls nicht bereits wegen deklarationspflichtiger Allergien auslösender Duftstoffe um zwei Noten abgewertet wurde; b) mehr als 1 Prozent Silikonverbindungen und/oder Paraffine/künstliche paraffinartige Stoffe. 

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um vier Noten: fehlende Angabe aller im Labor nachgewiesenen deklarationspflichtigen Duftstoffe (hier: Cumarin, Geraniol, Citronellol, Linalool und Alpha-Isomethylionon). Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) Silikone und/oder künstliche paraffinartige Stoffe (hier: Polybutene), wenn sie nicht schon unter den Inhaltsstoffen abgewertet wurden, und/oder synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier: Carbomer und VP/Dimethylaminoethylmethacrylate Copolymer). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Umkarton, der kein Glas schützt; b) ein Anteil von Rezyklaten (Post-Consumer-Rezyklat, PCR) von weniger als 30 Prozent in Relation zum Gesamtgewicht der Kunststoffverpackung oder keine Angabe hierzu oder kein ausreichender Nachweis auf unsere Anfrage hierzu; c) Auslobung "100 % natural and organic" auf einem Produkt, dass mehrere künstliche beziehungsweise mineralölbasierte Inhaltsstoffe enthält; d) ein nicht deklarierter Duftstoff (hier: Citral), der aber im Labor in einem Gehalt deutlich über der Deklarationspflichtgrenze nachgewiesen wurde.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "ungenügend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.

Testmethoden

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte):
Deklarationspflichtige Duftstoffe/Diethylphthalat/Polyzyklische Moschus- und Nitromoschus-Verbindungen/Cashmeran: Extraktion mit TBME, GC-MS.
Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts.
Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Fotometrie.
Aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH): LC-GC/FID.
Weitere Inhaltsstoffe: per Deklaration.
PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: März 2022.

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