Startseite
24 Lippenpflegestifte im Test

Ratgeber Kosmetik
vom 14.06.2018

Lippenpflegestifte

Unappetitliche Details

Erdölbasierte Kosmetikinhaltsstoffe sind billig und in großen Mengen verfügbar. Aber sie können krebserregende Verunreinigungen enthalten. Besonders gefährlich ist das in Lippenpflege, von der wir eine ganze Menge verschlucken.

685 | 52

14.06.2018 | Wenn es um Erdöl geht, denken die meisten vermutlich zuerst an arabische Ölscheichs oder riesige Offshore-Förderplattformen. Doch Erdöl hat auch einen festen Platz in unseren Badezimmern. Nicht pur, sondern verarbeitet und in ausgefeilte Rezepturen eingebettet, versteckt es sich hinter Namen wie Paraffinum liquidum, Petrolatum oder Cera microcristallina.

Die Kosmetikhersteller loben die Paraffine wegen ihrer Stoffeigenschaften. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Erdölprodukte in Kosmetika gern eingesetzt werden, weil sie billig und in großen Mengen verfügbar sind. Und dass sie krebserregende Bestandteile enthalten können. Fast schon harmlos wirkt da die Tatsache, dass Paraffine in Cremes und Co. umstritten sind, weil sie sich nicht so gut ins Hautgleichgewicht einfügen wie natürliche Öle und Wachse.

Verbraucher nehmen das, oft unwissentlich, hin. Aber Erdöl wissentlich zu essen, das ginge uns dann doch zu weit. Oder? Nun ja, immerhin reiben es sich viele von uns - aufgereinigt, in Form gebracht und leicht aromatisiert - tagtäglich als Lippenpflege auf die Münder. Einige der bekanntesten Marken wie Labello, Bebe und Carmex setzen nach wie vor auf mineralölbasierte Hauptinhaltsstoffe. Insgesamt schlecken wir in einem Jahr bis zu 20 Gramm der Pflegeschmiere von unseren Lippen, wie das wissenschaftliche Beratergremium der EU-Kommission (SCCS) berechnet hat. Geht man von fünf Gramm aus - in etwa der Inhalt eines handelsüblichen Pflegebalsams -, futtern wir ganze vier Stifte pro Jahr.

Da kommt eine ganze Menge Mineralöl zusammen: Immerhin bestehen manche der Produkte fast zur Hälfte aus gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH/POSH). MOSH reichern sich im menschlichen Fettgewebe und der Leber an und haben in Tierversuchen zu Organschäden geführt. Für POSH hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eine gesundheitliche Bewertung bislang nicht vorgenommen. Da POSH sich aber schon in der Analyse nicht sicher von MOSH trennen lassen, ist es wahrscheinlich, dass sie sich ähnlich verhalten. Erdölbasierte Inhaltsstoffe können außerdem aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) enthalten. In diesen wiederum können Bestandteile stecken, die schon in kleinsten Mengen krebserregend wirken können.

Was in Lebensmitteln meist als Verunreinigung von außen eingetragen wird, nehmen die Hersteller in Kosmetikprodukten mit dem gezielten Einsatz erdölbasierter Inhaltsstoffe billigend in Kauf. Laboruntersuchungen zeigen immer wieder: So gut gereinigt, dass keinerlei MOAH mehr nachweisbar sind, werden Petrolatum und Konsorten nur in seltenen Fällen. Zwar berufen sich vor allem Hersteller gern darauf, ein krebserregendes Potenzial sei nur für bestimmte MOAH-Fraktionen bewiesen. Doch das lasse nicht den Rückschluss zu, andere Verbindungen seien unbedenklich, betont unter anderem das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe.

In der EU-Kosmetikverordnung ist der Einsatz von Mineralölen insofern reguliert, als besonders problem

Ratgeber Kosmetik

Gedruckt lesen?

Ratgeber Kosmetik ab 7.50 € kaufen

Zum Shop

Ratgeber Kosmetik

Online lesen?

Ratgeber Kosmetik für 6.99 € kaufen

Zum ePaper

Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Lippenpflege gibt's wie Sand am Meer: in Drogerien, Apotheken, in Onlineshops und Bio-Läden. Wir haben insgesamt 24 Produkte ausgewählt; bezahlt haben wir zwischen 65 Cent und 8 Euro pro Stift, Kugel oder Tube.

Die Inhaltsstoffe
Basieren die Fettstifte auf Erdöl oder auf natürlichen Fetten und Wachsen? Sind diese Inhaltsstoffe mit problematischen Bestandteilen verunreinigt? Wir haben alle Produkte im Labor auf MOSH/POSH und MOAH untersuchen lassen. Außerdem auf halogenorganische Verbindungen, Duftstoffe und viele weitere Parameter.

Die Weiteren Mängel
Auch die Verpackung haben wir uns genauer angesehen. Finden sich auf den Umhüllungen der mit Sonnenschutz ausgelobten Stifte Anwendungshinweise zum verantwortungsvollen Sonnenbaden? Und wenn nicht, wie nötig ist eigentlich eine Schutzhülle aus Pappe oder Plastik? Enthält diese am Ende sogar schädliche Substanzen wie chlorierte Verbindungen? All das haben wir untersucht.

Die Bewertung
Empfindliche Abzüge gab es vor allem für problematische Mineralölbestandteile. Denn diese werden bei Lippenpflegeprodukten nicht nur auf die Haut gerieben, sondern in nicht unwesentlichen Mengen verschluckt. Bedenkliche UV-Filter und Duftkomponenten, die Allergien auslösen können, sorgten ebenfalls für Abwertungen. In manchen Fällen wirkten sich auch die Weiteren Mängel auf das Gesamturteil aus.

So haben wir getestet

Müssen deklariert sein: Erdölbasierte Inhaltsstoffe verstecken sich hinter Namen wie Petrolatum, Cera Microcristallina oder Paraffinum Liquidum.