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ÖKO-TEST März 2016
vom

Rasier- und Haarentfernungsmittel

Haarige Mission

Glatte Beine ohne Haare sind in. Entscheidend für die Wahl der Methode ist meist die persönliche Vorliebe und die Beschaffenheit der Haut. Doch dass es nicht nur auf die Produktart, sondern auch auf die jeweiligen Inhaltsstoffe ankommt, zeigt unser Test. Fünf Produkte fallen durch.

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25.02.2016 | Alle Mädchen aus meiner Klasse haben glatte Beine, man würde sonst dumm angeschaut werden." Der Alltag einer Elftklässlerin in Südhessen zeigt: Beine ohne Haarstoppeln sind heute für viele ein Muss. Das gilt nicht nur für Teenager. Frauen unterschiedlichsten Alters sehen das so. Der Trend hat die Herren der Schöpfung ebenfalls erreicht. Wobei auch hier gilt: Individualität ist angesagt. Nur ein bisschen stutzen, Komplettrasur oder Natur pur - alles ist möglich. Für Männer sind allerdings weniger rasierte Beine relevant, sondern "kein Fell" unter den Achseln, im Intimbereich und auch auf der Brust.

Rasieren, Wachsen oder Cremen: Wie und warum wird eine Methode gewählt? Was sind die Vor- und Nachteile? Gerade wenn es dann um die Problemchen oder etwa den Intimbereich geht, reden die meisten am liebsten mit guten Freunden oder Freundinnen darüber, zumindest aber vertraulich in kleiner Runde. Und so ein persönliches Gespräch haben wir gesucht und mit Fans der nackten Haut aus Frankfurt und Umgebung unter vier Augen gesprochen. Darunter als Jüngste im Bunde die 15-jährige Elftklässlerin, drei Frauen und ein Mann in ihren 30ern und eine 50-Jährige. Eins haben sie gemeinsam: Die Wahl der für sie passenden Methode ist eine Entscheidung der persönlichen Vorliebe.

Rasieren: die beliebteste Variante

Tatsächlich ist Rasieren ganz vorne in der Gunst der Verbraucher, nicht nur bei den von uns befragten. "Geht schnell in der Dusche", und "im Sommer jeden zweiten Tag", berichten uns zwei der Frauen Mitte 30. Bei der Nassrasur werden die Haare kantig an der Haut entlang abgeschnitten, dadurch wachsen sie vergleichsweise schnell innerhalb von wenigen Tagen nach. Manche verzichten dabei sogar auf Rasiermittel, verwenden nur Duschgel und cremen danach die beanspruchte Haut kräftig ein. Für andere geht das gar nicht. Das reizt die Haut zu sehr, Rasiergel oder -schaum sind deshalb Pflicht, besonders im Intimbereich. Der Dermatologe Professor Gerhard Lutz weiß, dass, wenn es Probleme gibt, es bei Männern vor allem eingewachsene Haare im Bartbereich und bei Frauen Hautirritationen in der Bikinizone sind. In schlimmeren Fällen komme es zu kleinen Knötchen, die Patientinnen als eine Art Pickel wahrnehmen. Tatsächlich handele es sich um kleine Papeln, also entzündliche Reaktionen, hervorgerufen durch geringe Verletzungen im Zusammenhang mit der Nassrasur. "Bei dicken Haaren und empfindlicher Haut ist die Gefahr von Hautirritationen nach einer Nassrasur größer als bei dünnen Haaren. Ich empfehle den Patienten dann, auf die Nassrasur zu verzichten und eher zum elektrischen Rasierer zu greifen."

Und der Dermatologe hat einen weiteren Tipp auf Lager: Rasiert man mit der Haarwuchsrichtung, komme es seltener zu Hautirritationen. Auch eine der Frankfurterinnen der Generation 30 hatte jahrelang Probleme mit der Bikinizone und alles Mögliche gegen die Pickelchen ausprobiert. Als sie auf den guten Rat einer Freundin hin die Rasierrichtung änderte, verabschiedeten sich endlich die störenden Knötchen.

Neben Schaum und Gel haben wir auch Rasierseifen und -öl im Test. Ihr Vorteil ist: Sie kommen anders als konventionelle Schaumschläger ohne PEG-Derivate aus. Und das Öl soll besonders schonend sein. Und tatsächlich, nach einem ersten Versuch heißt es, dass das Öl für ein sanftes Gefühl sorge, aber auch dass der Rasierer oft ausgewaschen werden müsse und eine deutliche Anzahl an Haaren stehen bleibe.

Enthaarungscreme: mit der Macht der Chemie

Laut Umfragen steht von den getesteten Produktarten auf Platz zwei der Verbrauchergunst: die Enthaarungscreme. "Meine Beine epiliere ich, unter den Achseln und in der Bikinizone creme ich", erklärt uns die 50-jährige Frankfurterin im Gespräch. Es gehe schnell und es sei schön, dass man es einfach so abschaben kann. "Das erscheint mir sanft - obwohl es so chemielastig ist und ich sonst keine große Freundin der Chemie bin." Andere schreckt das Wissen der chemischen Keule dann doch ab: "Der Gedanke, was da alles drin sein muss, dass die Haare weggeätzt werden, hat mich dazu gebracht, es doch wieder zu lassen", beschreibt eine der 30-Jährigen. Und auch unser männlicher Vertreter ergänzt: "Es hat massiv gestunken." Er entfernt im Sommer in größeren Abständen die Haare an den Beinen. Außer dem Geruch hat er noch ein weiteres Problem: Er wusste nicht, wie viel Creme er tatsächlich auf die Beine schmieren sollte. Zudem habe es nie bei allen Haaren funktioniert und so blieb ihm nur nachrasieren. Inzwischen ist er ganz beim Elektrorasierer angekommen. Das hatte er im Intimbereich und unter den Achseln sowieso schon so gemacht.

Enthaarungsmittel gibt es außer als Creme auch zum selber anrühren. Damit Enthaarungsmittel wirken, sind sie stark alkalisch und setzen meist auf die Salze der Thioglykolsäure (Thioglykolat). Sie machen die Haare brüchig und so sollen sie sich nach kurzer Einwirkzeit abschaben lassen. Die Säure und ihre Salze haben aber einen Nachteil: Sie können zu Hautirritationen führen und gelten zudem als möglicherweise sensibilisierend. Wissenschaftler gehen zwar davon aus, dass die Enthaarungsmittel auf dem Markt im Normalfall sicher sind. Mit den Schleimhäuten oder verletzter Haut sollten sie aber zum Beispiel nicht in Kontakt kommen. "Bei der Enthaarungscreme kommt es natürlich auf die korrekte Anwendung an", erklärt Professor Lutz.

Wachsen: schmerzhaft, aber ausdauernd

Von Hautirritationen bleibt man beim Wachsen eigentlich verschont und es dauert länger als nach dem Rasieren, bis die Haare wieder nachwachsen. Dafür hat Wachs ein anderes Manko, das viele abschreckt: Es kostet Überwindung und ist kurzzeitig auch schmerzhaft. Deshalb ist es besonders für die Beine geeignet, die nicht so schmerzempfindlich sind. Warmwachs muss zuvor - das sagt schon der Name - richtig erwärmt werden, gilt dafür als etwas effektiver als Kaltwachsstreifen. Kaltwachsstreifen wärmt man nur leicht zwischen den Händen an, streicht sie dann auf die Haut, wo das Wachs mit den Haaren verklebt. Anschließend den Streifen schnell abreißen, und zwar gegen die Wuchsrichtung, das Haar wird mit rausgerissen. Danach ist die Haut oft gerötet. Etwas Übung macht es leichter: "Ich hab es mit Kaltwachs an den Beinen zweimal probiert, am Schienbein hat es jedes Mal total wehgetan und ich habe gar nicht alle Härchen erwischt", heißt es von den 30-Jährigen. Und die 50-Jährige, die extra für uns das Kaltwachs ausprobierte, berichtet: "Danach klebte das Wachs noch an den Beinen, es ging nur mit den Pflegetüchern ab."

Wir wollten wissen, wie es um die Inhaltsstoffe der verschiedenen Produkte steht und haben 22 Mittel für den Einsatz zu Hause ins Labor geschickt.

Das Testergebnis

Von "recht" bis "schlecht": Vier Rasiermittel und zwei Wachse können sich wirklich sehen lassen. Drei Enthaarungscremes hingegen rasseln durch den Test der Inhaltsstoffe, genauso ein Enthaarungs-Streifen und ein Rasier Gel.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Unsere Einkäufer haben unterschiedlichste Wachse, Rasier- und Enthaarungsmittel eingekauft. Berücksichtigt haben wir Markenprodukte, Drogerieeigenmarken sowie zertifizierte Naturkosmetik.

Die Inhaltsstoffe
Da sich die verschiedenen Produkte teilweise deutlich in ihrer Zusammensetzung unterscheiden, wurden die Laboranalysen entsprechend angepasst: Parfümierte Varianten wurden umfangreichen Duftstoffanalysen unterzogen, Rasieröle auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) untersucht, da solche Verunreinigungen in der Vergangenheit in Ölen nachgewiesen wurden.

Die Weiteren Mängel
Vor allem bei den Enthaarungsmitteln haben wir genau auf die Verpackung geschaut, denn für ihre typischen Wirkstoffe sind bestimmte Produkthinweise vorgeschrieben und von Experten empfohlen. Außerdem wollten wir wissen, ob die Verpackungen die Umwelt belasten, beispielsweise durch PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen oder aber durch einen unnötigen Umkarton.

Die Bewertung
... richtete sich auch danach, wie lange die Produkte auf der Haut bleiben. PEG-Derivate in Haarentfernungsmitteln, die einige Minuten auf der Haut einwirken sollen, fallen stärker ins Gewicht als im Rasierschaum, den man schnell wieder abduscht. Gleiches gilt für Paraffine/Erdölprodukte. Bei den Kaltwachsstreifen berücksichtigten wir auch die Inhaltsstoffe der enthaltenen Pflegetücher, schließlich sind sie dafür gedacht, nach dem Wachsen die Reste von der Haut zu entfernen.

So haben wir getestet

Verpackungshinweis auf Salze der Thioglykolsäure, laut Inhaltsstoffliste sind diese aber nicht drin.

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