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Reaktionen: Sophie la girafe

Tagebuch eines ÖKO-TESTs

ÖKO-TEST Juli 2012 | Kategorie: Kinder und Familie | 29.06.2012

Reaktionen: Sophie la girafe

Mehr als ein halbes Jahr nachdem ÖKO-TEST im beliebten Babyspielzeug Sophie la girafe gefährliche nitrosierbare Amine oberhalb des in Deutschland gültigen Grenzwertes festgestellt hat, haben der Hersteller Vulli bzw. der deutsche Vertrieb, die Berliner Firma Elements for Kids (EFK), zum Umtausch aufgerufen. Die Geschichte ist beispielhaft für die Arbeit von ÖKO-TEST und die Widrigkeiten, mit denen wir tagtäglich zu kämpfen haben.

28.10.2011: Die Novemberausgabe von ÖKO-TEST erscheint. Unsere Untersuchung zeigt, dass die Kultgiraffe Sophie nicht verkehrsfähig ist, weil sie weit mehr nitrosierbare Amine abgibt als in Deutschland zulässig. Die können sich in hochgradig krebserzeugende Nitrosamine umwandeln, wenn sie in den Magen gelangen, wovon auszugehen ist. Denn Sophie wird ausdrücklich als Spielzeug empfohlen, auf dem Babys kauen können. Zudem ist die Giraffe laut Hersteller "wie gemacht, um die wunden Stellen zu lindern, wenn das Baby Zähnchen bekommt".

1.11.2011: Das Landgericht Berlin erlässt ohne mündliche Verhandlung, also ohne uns anzuhören, eine einstweilige Verfügung gegen ÖKO-TEST. Es folgt der Argumentation der Gegenseite, ÖKO-TEST habe schlicht keine Ahnung von der Gesetzeslage, die strengen deutschen Grenzwerte seien für Vulli, den französischen Hersteller der Giraffe, nicht maßgeblich. Anzuwenden seien die weniger strengen Werte der neuen EU-Spielzeugrichtlinie.

2.11.2011: Gegen 12 Uhr stellt uns die Rechtsanwaltskanzlei Raue LLP, die Vulli / EFK vertritt, die einstweilige Verfügung mit der Aufforderung zu, den Test bis spätestens 16 Uhr von unserer Internetseite zu löschen. Ansonsten werde man "unverzüglich Ordnungsgeldantrag stellen". Angedroht waren bis zu 250.000 Euro.

2.11.2011: Vulli / EFK beginnen Internetseiten zu bedrohen, die über unseren Test berichtet haben. So soll www.cleankids.de binnen Stunden eine Unterlassungserklärung unterschreiben und 1.379,80 Euro zahlen. Der Betreiber, Oliver Barthel, kuscht nicht - auch weil wir unsere "schützende Hand über Cleankids" halten, wie ein Blogger kurze Zeit später vermeldet.

2.11.2011: Wir müssen uns im Internet beschimpfen lassen. "Was Ökotest sich da geleistet hat, grenzt an den Blödsinn, den Stiftung Warentest schon verzapft hat. Reisserische Artikel, um Ängste zu schüren und damit Auflage zu machen. Ich habe die Testergebnisse der kleinen Sophie vom Fresenius Institut gesehen. Alles im ultra grünen Bereich. Oder wollte Sophie keine Anzeige schalten? Ich glaube solchen Berichten nicht mehr über den Weg. Fehlt noch, Chinascheiße erhält den Kauftipp." Zu lesen ist das auf www.eltern.de, geschrieben von einer "heikewen", anonym selbstverständlich.

5.10.2011: Schon im Monat vorher hatte Eltern das Spezial Einkaufen fürs Baby herausgebracht. Es enthält keinen Test, aber einen Bericht zu Sophie. Er kommt zu einem völlig anderen Ergebnis als ÖKO-TEST. "Man kann sie benagen (sie ist ungiftig, weil mit Lebensmittelfarbe bemalt)", heißt

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